Leser-Reportagen
Kuba: Granma, geschichtsträchtige Provinz im Südosten der Insel
Nachdem ich Kuba in den letzten Jahren schon mehrfach individuell bereist hatte und zwischen Pinar del Rio (Westen) und Baracoa (äußerster Osten) bereits einiges gesehen habe, stand dieses Jahr ein Abstecher in die geschichtsträchtige Provinz Granma auf der Reiseroute.
Die im Südosten liegende Provinz, mit ihrer nördlich der Sierra Maestra (dt.: Hauptgebirge)liegenden Hauptstadt Bayamo, ist benannt nach der gleichnamigen Motor-Yacht mit der Fidel Castro und seine Männer am 2. Dezember 1956, aus Mexiko kommend, an deren Westküste gelandet ist. Trotz der zahlreichen Hauptschauplätze der kubanischen Revolution und seiner abwechslungsreichen Landschaft ist dieser Teil des Landes touristisch nicht sehr stark frequentiert. Hauptgrund hierfür dürfte wohl sein, dass diese Region etwas abseits der üblichen Tourismusrouten liegt.
Als Ausgangsort für unsere Exkursionen (Reisebegleiter war ein langjähriger Freund) zu den historischen Stätten der jüngeren kubanischen Geschichte, hatten wir uns die etwas mehr als 100.000 Einwohner zählende, westlich von Bayamo und am Meer liegende, Stadt Manzanillo ausgesucht. Bereits bei der Anreise mit unserem Mietwagen (m. E. das am besten geeignete, weil flexibelste -wenn auch nicht ganz so billige - Fortbewegungsmittel) erfreuten wir uns der abwechslungsreichen, landwirtschaftlich geprägten Umgebung, in der neben dem häufig verbreiteten Zuckerrohranbau, Agrarprodukte verschiedenster Art, wie auch Reis angebaut wird.
Unsere erste Erkundungsfahrt führte uns über Media Luna – Geburtsort der Fidel Castro nahe gestandenen Revolutionärin Celia Sánchez Manduley – und Niquero zum „Playa Los Colorados“ (ca. 100km von Manzanillo), an dem die Granma ursprünglich am 30. November 1956 hätte ankommen sollen. Unweit südlich dieses Strandes befindet sich der, aufgrund 2-tägiger Verspätung, tatsächliche Landungspunkt im „Parque Nacional Desembarco del Granma“. Als Erinnerung an dieses historische Ereignis befindet sich dort heute ein kleines Museum, sowie eine Nachbildung der Granma - das Original steht in Havanna. Hauptattraktion ist jedoch der inmitten der Mangroven errichtete, fast 1,5 km lange Steg, der zum im Meer liegenden Landungspunkt der Motor-Yacht führt. Entlang dieses Stegs wird einem sehr schnell klar wie beschwerlich der Weg der Gestrandeten, durch das fast undurchdringliche Mangrovengeflecht, zum wenig entfernten Festland war. Beim Anblick dieses dichtbewachsenen Feuchtgebiets kann man gut verstehen, dass die Ankömmlinge ca. 5 Stunden für die eigentlich recht kurze Strecke benötigt hatten.
Nachdem wir uns ausführlich über diesen Teil kubanischer Geschichte informiert hatten, führte uns ein kurzer Abstecher noch ein paar Kilometer weiter zu dem kleinen Fischerort Cabo Cruz, dem südlichsten Zipfel Kubas. Auf dieser Strecke wurde uns wieder in Erinnerung gerufen, dass sich, trotz einiger zwischenzeitlich ganz gut präparierter Straßen, noch nicht alle Zufahrtswege in einem für Autos gut zu befahrenden Zustand befinden.
Am nächsten Tag führte unser Weg über Bartolomé Masó und Santo Dominco zum „Gran Parque Nacional Sierra Maestra“. Diese steile, unwegsame Gebirgslandschaft diente Fidel Castro und seinen Mannen als Versteck vor dem Zugriff des Batista-Regimes. Fast 2 Jahre lang befand sich in den Bergen der Sierra Maestra der Kommandositz des Liders, dem Ziel unseres Exkurses. Auch hier ist die Anfahrt zunächst geprägt von abwechslungsreicher Agrarlandschaft, die jedoch relativ schnell in die steil aufsteigenden Berge übergeht. Angekommen am Eingang des Nationalparks entrichteten wir den, zugegebenermaßen, nicht ganz billigen Eintritt über CUC 20,-- (1 CUC = USD), sowie CUC 5,-- für die Erlaubnis zum Fotografieren. Nach kurzer Diskussion mussten wir uns auch noch von einem einheimischen Fahrer (der natürlich auch sein Entgelt bekam) zum Ausgangspunkt unserer Bergtour, mit dem Ziel „Casa de Fidel“, hochfahren lassen. Weshalb es Touristen nicht erlaubt ist selbst auf dieser Straße im Nationalpark zu fahren, wurde uns besonders auf dem letzten Kilometer des Anstiegs klar vor Augen geführt und beseitigte unsere anfangs gehegte Skepsis umgehend. Im niedrigsten Gang, mit Vollgas, peitschte unser Fahrer den Mietwagen die, mit engen Kurven bestückte, betonierte Straße hoch. Oben angekommen waren sowohl mein Reisebegleiter als auch ich froh, dass wir diese Strecke nicht selbst hatten fahren müssen. Als Skifahrer würde man wohl „schwarze Piste“ dazu sagen.
Geführt von einem Mitarbeiter des Nationalparks begann unsere Wanderung auf den unwegsamen Pfaden, durch üppig-grüne Vegetation und umgeben von steilen Berghängen. Vorbei an einem kleinen Dorf inmitten des Gebirges (übrigens mit einer kleinen Solaranlage ausgestattet!) führte unser Weg zu den wichtigsten, teilweise wohl noch original erhaltenen, Stätten der Revolutionäre. Das Hospital, die allgemeine Küche, das kleine Museum, der Posta No.1, waren einige unserer Stationen, bevor wir schließlich am „Casa de Fidel“ in ca. 900m ü. NN ankamen. Neuere kubanische Geschichte pur, erzählt von einem stets freundlichen und geduldigen Tourguide (der sich sehr über ein kleines Trinkgeld gefreut hat). Man kann nur erahnen welche Strapazen und Entbehrungen diese Männer zur damaligen Zeit, in dieser unwegsamen und steilen Gebirgskette, auf sich genommen haben um ihre Ziele schlussendlich zu erreichen.
Obgleich die einfache Strecke lediglich 3 km beträgt und für einigermaßen trainierte Menschen gut zu bewältigen ist, sollte man für diese Tour ca. 3 Stunden einplanen. An den einzelnen Stationen gibt es ausführliche Informationen (auf Spanisch) zur historischen Bedeutung des jeweiligen Schauplatzes, was man gleichzeitig dazu nutzen kann um sich eine kleine Pause zu gönnen. Das unwegsame Gelände und die Temperatur können durchaus ihren Tribut fordern. Empfehlenswert ist auf jeden Fall gutes Schuhwerk, so wie die Mitnahme einer Flasche Wasser. Kurz gesagt, eine Tour die wirklich Spaß gemacht hat und einem kubanische Geschichte hautnah bringt. Erwähnenswert bleibt noch, dass von heimischen Veranstaltern auch mehrtägige Touren mit Übernachtung angeboten werden. Der höchste Berg Kubas, der „Pico Turquino“, mit seinen 1974 m ü. NN liegt übrigens ca. 50 km östlich dieses Nationalparks.
Zusammenfassend kann ich sagen, meinen Kurztrip in die Provinz Granma - etwas abseits des sonst üblichen Kubatourismus - keineswegs bereut zu haben und einen Abstecher in diese Region nur empfehlen kann. Ein paar hilfreiche Tipps für unsere Ausflüge hatten wir in unserem Casa Particular in Manzanillo von einem jungen, sehr gut deutsch sprechenden, Kubaner erhalten, der sich seit kurzem als Reiseleiter und –Organisator selbständig gemacht hat.



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