Viktualienmarkt München
Man könnte sagen, er ist ein echter Promi. Als Filmstar z. B. brillierte er im Tatort neben Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl. Sterneköche preisen sein vielseitiges Sortiment. Die Münchner Schickeria stattet sich bei ihm mit kulinarischer Haute-Couture für die Designerküche aus. Doch Schicki-Micki-Getue lässt den Münchner Viktualienmarkt kalt. Er gibt sich authentisch und unprätentiös – und das seit mittlerweile 200 Jahren. Denn mit einer Feinschmecker-Boutique wie Dallmayr oder Käfer hat das kunterbunte Standl-Sammelsurium, das am 2. Mai 1807 von König Max I. Joseph ins Lebengerufen wurde, gar nichts zu tun. Zumindest, wenn man von den z. T. überhöhten Preisen absieht.
Vielmehr findet sich der Besucher in einem erstaunlich übersichtlichen Gewirr aus 140 Ständen wieder, die sich auf insgesamt 22.000 m2 verteilen. Da gibt es richtige kleine Läden mit Eingangstür und Schaufenstern wie den von Reinhold König, in dessen Auslage sich frischer Fasan adrett neben Rehrücken und Hasenkeulen trollt und dem Betrachter beim Gedanken an das fertige Wildgericht das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Nur ein paar Meter entfernt steht man wiederum in einem Meer von prall-roten Tomaten, riesigen Salatköpfen, Bergen von Pfirsichen, Kräutern, Knoblauchknollen und zahlreichen weiteren Obst- und Gemüsesorten unter freiem Himmel, z. B. bei Ecker oder Sutor. Wer eine Affinität für Käse hat, findet in der Vitrine von Caseus Spezereien gleich gegenüber alles, was die Geschmacksnerven zum Explodieren bringt: Riesen-Emmentaler, eingelegte Mozzarellakugeln, und kräftig duftende Bergkäse von Ziege, Schaf und Kuh in allen Reifegraden, die bei der Verkostung auf der Zunge zerschmelzen. Tolle Weine bekommt man bei Thoma, Artischocken und Co. gibt es in so üppiger Vielfalt beim Sadak, dass man sich kaum entscheiden kann, Wachteleier hat Spegassner’s täglich frisch. Kurz – es gibt nichts für Gourmets, was es hier nicht gibt.
Das besondere am Viktualienmarkt ist jedoch, dass man nicht nur formidabel shoppen, sondern auch hervorragend schlemmen kann. Als bodenständige Grundlage empfehlen sich etwa Leberkäse oder Weißwürste, alles in Bioqualität, beim Kleinen Ochsenbrater. Die Fischemmel kauft der Kenner nicht bei der Nordsee, sondern beim Fisch Maier. Da ist sie am üppigsten belegt. Ein besonderes Geschmackserlebnis hält die Pferdemetzgerei Kaspar Wörle bereit: Feinste Knacker für 2,30 E. Der absolute Klassiker aber ist die Essiggurke vom Freisinger, einem der ältesten Stände am Viktualienmarkt. Seit 1903 werden dort Gurken aus Erfurt importiert und nach eigenen Rezepten eingelegt.
Danach sucht man sich am besten einen Sonnenplatz in „Hochreiter’s Biergarten“ in der Mitte des Markts. Hier sitzt man nicht nur herrlich mit einer Mass unter knorrigen Kastanien, sondern hat auch die ideale Beobachtungsposition fürs Schaulaufen einfacher Hausfrauen, seriös gekleideter Geschäftsmänner in meist auftoupierter Damenbegleitung, täglich wiederkehrender Urbayern in Lederhosn, Touristen und einer Handvoll Jeunesse dorée aus dem nahe liegenden Glockenbachviertel.
Bei soviel bunter Vielfalt wird schnell klar, warum der Bayerische König am vor 200 Jahren den Markt vom Marienplatz zwischen Heiliggeist-Kirche und Frauenstraße verlegen ließ: Der Raum für „Getreide und andere Agrarerzeugnisse“ reichte schlicht nicht mehr aus, musste im Laufe des Jahrhunderts sogar noch wesentlich erweitert werden. Heute ist Platz genug – auch für die offiziellen Jubiläumsfeierlichkeiten zum 850. Geburtstag der Stadt München.
Mo.–Sa. 7 bzw. 9–18 bzw. 20 h, Biergarten Mo.–Sa. 9–22h



alter sagte vor 4 Jahre 10 Wochen:
Liebe Micha, wer oder was sind denn die Mingadinger? Und dann auch noch unter sich? Habe ich da etwas versäumt?
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Micha sagte vor 4 Jahre 11 Wochen:
Hoho, die Mingadinger unter sich...
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Gregor sagte vor 4 Jahre 11 Wochen:
Das Wetter ist leider auch nicht viel besser als in Deutschland. Drum bin ich auch grade in meiner Zweit-Heimat München und hoffe auf schönes Wetter, damit ich am Samstag auf dem -genau- Viktualienmarkt-Biergarten ein Weißbier genießen kann. Wohlsein!
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peter_pfaender sagte vor 4 Jahre 11 Wochen:
Das hat ja professionelles Niveau, Gregor! Wie ist denn das Wetter in Torbole, kann man schon segeln und surfen?
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