Leser-Reportagen
Israel – Auf den Spuren Jesus
Trotz Buchung einer ganz normalen Rundreise finde ich mich bei Abreise plötzlich in einer Pilgergruppe mit Pfarrer wieder - und das mir, wo ich zwar römisch-katholisch bin, den Glauben aber nicht wirklich praktiziere. Dennoch wird die Reise durch das Heilige Land zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Während des Fluges, als die Anschnallzeichen blinken und es leicht zu rütteln beginnt, bin ich über den göttlichen Beistand von oben jedoch schon mal froh. Ich hasse das Fliegen an sich und werde bei den leichtesten Turbolenzen nervös. Das Vibrieren ist zum Glück nicht sehr arg und von langer Dauer, so landen wir nach einem dreistündigen Flug relativ entspannt am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv. Um einen israelischen Einreisestempel im Pass zu vermeiden, sollen wir diesbezüglich Formulare ausfüllen, die aber nirgends auffindbar sind, so sind wir der Willkür der Einreisebeamten ausgeliefert. Ich habe Glück mit meiner Beamtin. Sie meckert zwar ein wenig, dass ich ja auch andere Stempel im Pass hätte und wieso ich gerade den israelischen nicht möchte, aber nach einer kurzen Erklärung meinerseits, dass einige andere Länder keine israelischen Stempel im Pass akzeptieren, stempelt sie schließlich auf einen losen kleinen Zettel. Einige meiner Mitreisenden treffen bei den Einreisebeamten auf nicht so viel Verständnis und bekommen trotz Bitte einen dicken, fetten Stempel in den Pass gedrückt.
Nachdem auch unsere Koffer die Anreise wohlbehalten überstanden haben und von uns am Gepäckband eingesammelt worden sind, lernen wir unseren israelischen Reiseleiter Adi kennen. Gut so, also werden wir nicht nur von einem Pfarrer begleitet, sondern hören auch Weltliches während dieser Reise. Das beruhigt mich ein wenig. Auch unser erster Stopp in der alten Stadt Jaffa, die mittlerweile mit der Großstadt Tel Aviv verschmolzen ist, hat noch nichts mit Pilgern gemein. Wir genießen die angenehm warmen Sonnenstrahlen, während wir durch die engen Gassen schlendern. Erwähnenswert sind hier die Straßenschilder, die keine Namensbezeichnung tragen, sondern das Bildnis griechischer Tierkreiszeichen. Auch eine kleine Brücke mit Sternzeichen-Geländer gibt es, auf der man sich – mit Griff auf sein Sternzeichen und Blick auf das Meer – etwas wünschen kann und die zur St.Peter-Kirche führt. Aha, die erste Kirche! Aber unser Pfarrer verhält sich ruhig und wir können uns auf eigene Faust in der Kirche umsehen bzw. zur Strandpromenade spazieren. Die Aussicht von Jaffa nach Tel Aviv ist grandios! Zudem lassen das Rauschen des Mittelmeeres und die milden Temperaturen das wintergeplagte Europäerherz höher schlagen. Selig von den ersten Eindrücken erreichen wir am Abend unser Hotel in Netanya.
Der nächste Tag beginnt schon eine Spur religiöser. Morgendliches Pilgergebet im Bus. Aber auch das ist von kurzer Dauer und alsbald stürmen wir die zum Nationalpark erklärte römische Ausgrabungsstätte in Caesarea. Caesarea wurde von Herodes gegründet und war eine bedeutende antike Stadt Palästinas sowie später eine wichtige Festung der Kreuzfahrer. Im Amphitheater machen wir Bekanntschaft mit einer anderen österreichischen Pilgergruppe, die unseren Reiseleiter um Stillschweigen ersucht, damit sie ein Kirchenlied im Kanon zum Besten geben kann. Unsere Gruppe stimmt mit ein. Klingt recht schön und sogar die arabischen Arbeiter lauschen huldvoll. Nachdem sich die Stimmbänder wieder beruhigt haben, geht’s weiter mit den Erklärungen zu Caesarea.
Danach folgt ein Besuch des Karmeliterklosters in Muhraqa. Kurzes Evangelium vor der Kirche, Vater Unser-Gebet in der Kirche, dann können wir uns der Aussicht widmen. Leider haben die Ausläufer der Sahara-Stürme etwas dagegen, so ist die Sicht auf die Jesreel-Ebene ziemlich trüb. Dafür versorgt uns besagte Sahara-Luft auch am heutigen Tag mit Temperaturen an die +30°C, was für Mitte Februar selbst für Israel sehr ungewöhnlich ist.
Auf dem Weg nach Akko machen wir einen kurzen Stopp in Haifa, um vom Karmelberg auf den persischen Garten zu schauen. Leider ist die in der Mitte des Gartens liegende Bahai-Kirche mit ihrer Goldkuppel komplett unter einem Baugerüst versteckt.
In der Hafenstadt Akko besichtigen wir die imposante Kreuzritterfestung und staunen darüber, dass die Herrschaften zu damaliger Zeit schon WCs mit Wasserspülung kannten. Über ein enges Tunnelsystem gelangen wir von der Festung zum Hafen. Nun gut, wir kommen nicht direkt beim Hafen wieder an die Oberfläche, sondern genau in einem Souvenirladen. Was für ein Zufall! Nachdem einige Schekel die Besitzer gewechselt haben, geht es weiter durch den Bazar, bis wir tatsächlich die Hafenpromenade mit einem schmucken Café erreichen. Für einen Kaffee ist es jedoch zu spät. Es dämmert bereits und wir haben noch den Weg zu unserem Hotel in Tiberias vor uns.
Zeitig werden wir am nächsten Tag geweckt, denn um 8 Uhr steht eine Heilige Messe am Berg der Seligpreisung auf dem Programm. In der gepflegten Gartenanlage rund um die dortige Kapelle findet man verschiedene Plätze, wo Pilgergruppen ihre Gottesdienste abhalten können. Die meisten Plätze sind bei unserer Ankunft schon belegt und aus allen Richtungen ertönen Gebete und Gesänge. Kreuzzug der Moderne, schießt es mir durch den Kopf. Doch auch wir okkupieren letztendlich einen Platz. Ich überlege einen Moment, ob ich den Gottesdienst sausen lassen und mich lieber in der Umgebung umsehen soll, entscheide mich aber dagegen. Ab und zu einer Messe beiwohnen schadet ja nicht. Im Anschluss bleibt immerhin noch Zeit, die Kapelle näher zu betrachten, bevor wir uns auf zu den Ufern des Sees Genezareth machen. Im Gebäude bei der Anlagestelle ist ein Boot ausgestellt, das aus der Zeit Jesus stammen soll. Auch die schwierige Bergung ist anhand eines Plakates dokumentiert. Das Boot, das wir nun für eine Seerundfahrt besteigen, erscheint annähernd gleich alt wie das ausgestellte Boot. Es ächzt und kracht und ist alles andere als vertrauenserweckend. Die Crew unternimmt alles, um uns von dem erbärmlichen Zustand abzulenken und beschäftigt uns mit dem Hissen der österreichischen Fahne nebst Abspielen der Bundeshymne sowie dem Erlernen israelischer Volkstänze zu lautstarker Musik. Auch unser Herr Pfarrer liest ein Evangelium. Ja, auf diesem Boot kann man göttlichen Beistand wahrhaftig gebrauchen!
Wieder festen Boden unter den Füßen geht es weiter zur Brotvermehrungskirche in Tabgha, wo wir erst nach Überwindung einiger im Innenhof herum sinnierender Pilger die Kirche erreichen. Auch hier gibt’s ein Evangelium unseres Pfarrers, da Jesus hier mit nur 5 Broten und 2 Fischen 5.000 Personen gespeist haben soll. Ein Evangelium hören wir auch in Kapernaum, bevor wir uns dort das Haus Petrus’ bzw. die darüber neu erbaute Kirche ansehen können. Die Reste der alten Synagoge sind ebenso beachtenswert.
Nach einer verspäteten Mittagspause in einem Restaurant am Ufer des Sees Genezareth und nach Verzehr des bekannten Petersfisches kommen wir zur Hochzeitskirche nach Kafr Kana. Hier soll Jesus sein erstes Wunder vollbracht haben, indem er Wasser zu Wein verwandelt hat. Die 1883 über einer Moschee errichtete Kirche markiert die Stelle. Sehenswert ist zudem ein Bodenmosaik einer aus dem 5.Jhdt. stammenden Synagoge. Hier herrschte in den vergangenen Jahrhunderten anscheinend ein starkes Gedränge religiöser Bauwerke.
Am späten Nachmittag erreichen wir Nazareth. Leider stecken wir mit dem Bus Ewigkeiten im Stau, so stehen wir erst bei Anbruch der Dämmerung vor der Verkündigungsbasilika. Aus römisch-katholischer Sicht soll an jener Stelle der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria erschienen sein. Aha! Noch schnell ein paar Fotos bei Tageslicht geschossen, bevor es zur Innenbesichtigung der Kirche geht. Hier findet bereits ein Gottesdienst vor der Verkündigungsgrotte statt, so schließen sich meine Mitreisenden gleich dem Gebet an. Ich schaue mich inzwischen ein wenig in der Kirche um und fotografiere. Eine Außenaufnahme bei Nacht ist jedoch nicht möglich. Ein Kurzschluss hat den Platz rund um die Kirche und die Kirche selbst in dunkles Schwarz gehüllt.
Auf Wunsch einiger Mitreisender besuchen wir am darauffolgenden Tag außerplanmäßig Yardenit, eine Taufstelle am Jordan-Fluss, die an die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer erinnern soll, wenngleich sich die tatsächliche Stelle nach Überlieferung weiter südlich nahe Jericho befinden soll. Das hält jedoch viele Christen nicht davon ab, sich in Yardenit taufen zu lassen. Wir beobachten eine amerikanische Gruppe, die in weißen Kleidern zu einem Becken wandelt. Neugierig folge ich ihnen. Nach einer Ansprache des Pastors werden die einzelnen Gruppenmitglieder ziemlich brutal mit dem Kopf unter Wasser getaucht. Gut, dass ich schon getauft bin! Diese doch ziemlich nasse Variante hätte mir nicht so zugesagt.
Als nächstes wollen wir auf den Berg Tabor. Nur wollen nicht nur wir das, sondern auch etliche andere Reisegruppen. Da die großen Busse die teilweise recht steile und kurvenreiche Straße nicht schaffen würden, müssen wir uns eines Shuttle-Busses bedienen. Die kleinen Busse können gerade einmal an die 10 Personen aufnehmen, so artet das Warten auf Mitnahme bei der riesigen Anzahl an anderen Gruppen in eine ewig lange Angelegenheit aus. Schließlich schaffen wir es gerade noch vor mittäglicher Schließung der Verklärungskirche auf den Berg hinauf. Dennoch lässt sich unser mitreisender Pfarrer es sich nicht nehmen, vor der Besichtigung der Kirche noch ein Evangelium in einer Ecke des Gartens zu lesen.
Wieder vom Berg Tabor herunten geht es weiter zum Kibbuz Nir David, wo wir auch eine Führung mitmachen, bei der wir Näheres zu dieser ländlichen Kollektivsiedlung erfahren. Nir David (auch bekannt unter dem Namen Tel Amal) stellt eine Besonderheit dar, ist es doch die erste jüdische Siedlung in Palästina, die als sogenannte Turm- und Palisadensiedlung im Jahre 1936 gegründet worden ist. Zu damaliger Zeit ist es unter der arabischen Bevölkerung vermehrt zu Aufständen gegen die weitere Zuwanderung von Juden gekommen, so mussten Siedlungen ab dem ersten Tag Angriffen standhalten. Für die rasche Errichtung wurden Fertigbauteile, die an anderen Orten vorgefertigt wurden, verwendet. Die die Siedlung Nir David umschließenden Holzpalisaden sowie die Wachttürme wurden somit an einem Tag aufgestellt und boten daher ab dem ersten Tag Schutz vor Feinden. Heutzutage erinnern ein Museum und ein übriggebliebener Wachtturm an diese Zeit. Wir spazieren durch die Siedlung, beäugen besagten Wachtturm und genießen die ruhige, grüne Idylle entlang des Asi-Flusses. Heute leben 650 Personen im Kibbuz Nir David, dessen Haupteinnahmequelle die Landwirtschaft sowie die Papiererzeugung ist. Wir sehen gerade einmal ein paar ältere Bewohner, die mit Buggy-ähnlichen Fahrzeugen durch die Anlage kurven. Bevor es zum Mittagessen im Gemeindehaus des Kibbuz kommt, entdecken wir auch die hübschen Gästehäuser. Für Ruhesuchende sicher eine interessante Variante eines Urlaubs! Oder wird man dann gleich zum Mitarbeiten herangezogen? Das habe ich natürlich vergessen zu hinterfragen!
Bet Shean ist unser nächster Programmpunkt. Hier haben über die Jahrtausende Ägypter, Kanaanäer, Philister, Juden, Hellenen, Römer, Araber und Kreuzfahrer gesiedelt, womit die zum Teil recht chaotisch wirkende Ausgrabungsstätte einen ganz besonderen Stellenwert erhält. Ins Auge sticht das gut erhaltene Theater, aber auch die groß angelegten Badehäuser mit schon damals vorhandener Fußbodenheizung faszinieren uns. Auch sehen wir hier wieder die antiken WC-Anlagen, jedoch soll es laut Reiseleiter hier keine Wasserspülung gegeben haben. Wir schlendern entlang der Reste des damaligen Cardos, der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Hauptstraße und hören, dass die Säulen hier so gebaut worden sind, dass sie etwaigen Erdbeben standhalten. Die beweglichen Säulen erinnern mich an den Artemis-Tempel in Jerash/Jordanien, nur mit dem Unterschied, dass hier doch nicht mehr so viele Säulen stehen geblieben sind.
Unweit von Bet Shean passieren wir einen Checkpoint. Wir befinden uns nun im Westjordanland, was wir jedoch nur anhand der Autokennzeichen registrieren, da diese nun vermehrt weiß sind und nicht gelb wie in Israel. Es ist schon dunkel, als wir in Jerusalem einfahren, dennoch ist die lange Mauer, die die Palästinenser von den Juden trennt, nicht zu übersehen. Bis jetzt haben wir von politischen Spannungen auf unserer Reise nichts mitbekommen, aber diese Mauer erinnert uns, dass wir in einer politisch brisanten Gegend unterwegs sind.
Unsere Stadtbesichtigung von Jerusalem startet am nächsten Tag mit einer Fahrt auf den Ölberg. Heute ist Aschermittwoch, so hält unser Pfarrer im Kreuzgang der Paternosterkirche einen kurzen Wortgottesdienst. Ich schenke ihm dieses Mal nicht so viel Beachtung, viel lieber betrachte ich die schönen mit Majolika-Fliesen verzierten Tafeln, auf denen man das Vater-Unser-Gebet in 140 Sprachen findet. An der Stelle der Paternosterkirche soll Jesus demzufolge seinen Jüngern das erste Mal dieses Gebet gelehrt haben.
Wenige Meter von der Paternosterkirche entfernt liegt uns Jerusalem quasi zu Füßen. Die goldene Kuppel des Felsendoms, die Al-Aqsa-Moschee, die Grabeskirche, der Zionberg – wir können uns kaum sattsehen. Der Ausblick ist wunderbar! Wir spazieren an der Kuppe eines riesigen jüdischen Friedhofs weiter zur Dominus Flevit-Kirche, was übersetzt soviel heißt wie „Der Herr weint“. Auch von hier ist die Aussicht einzigartig und man kann verstehen, dass Jesus hier zu weinen begonnen hat, als er auf die Stadt blickte. Wir halten uns eine Weile bei der Kirche auf, ehe wir den Ölberg hinabsteigen und den Garten Gethsemane mit seinen uralten Olivenbäumen und die Todesangstbasilika besuchen. Hier soll Jesus gebetet haben, bevor ihn Judas verraten hat.
Durch das Löwentor gelangen wir schließlich in die Altstadt Jerusalems und somit auch gleich auf die Via Dolorosa. Diese Straße stellt laut christlicher Überlieferung den Kreuzweg dar, den Jesus von der Urteilsverkündung durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus bis zur Hinrichtungsstätte auf dem Hügel Golgatha zurücklegen musste. Wir absolvieren brav die einzelnen Stationen und meine gläubigen Mitreisenden sind selig, dass sie das alles einmal in Natura zu sehen bekommen. Ich betrachte alles etwas mehr aus weltlicher Sicht und bin überrascht, wie schmal die Via Dolorosa eigentlich ist. Auch, dass sie durch einen Bazar führt. Ich möchte mir das Gedränge an Ostern auf diesem Weg nicht vorstellen, denn auch schon jetzt im Februar ist ein Durchkommen aufgrund der vielen Souvenirhändler, Obstverkäufer und Touristen teilweise nur schwer möglich.
Die Grabeskirche stellt mit den letzten fünf Stationen den Schlusspunkt des Kreuzweges dar. Ein silberner Stern in der Kirche markiert die Stelle des Hügels Golgatha, wo das Kreuz Jesu gestanden haben soll. Zu beachten ist auch der Salbungsstein in der Nähe des Eingangs, auf den Jesus nach seinem Tod gelegt worden ist. Der heiligste Ort des Christentums ist jedoch das Grab Jesu, das sich unter der Hauptrotunde in einer wunderschönen Kapelle befindet.
Nach eingehender Besichtigung der Grabeskirche und anschließender Stärkung mit Falafel, dem Nationalgericht Israels, geht unser Stadtrundgang weiter. Wir durchstreifen einen Bazar, um gleich darauf ins jüdische Viertel vorzustoßen. Dort sieht man die Ausgrabungen des 5m tiefer liegenden Cardo, der Haupt- und Geschäftsstraße des byzantinischen Jerusalem des 6.Jhdt und ein Jerusalem-Mosaik, das ein Ausschnitt des berühmten Palästina-Mosaiks ist, dessen Original in Madaba/Jordanien zu sehen ist.
Wir verlassen schließlich die Altstadt durch das Zion-Tor um auf den Berg Zion zu gelangen. Hier steht ein aus dem 14.Jhdt. datierter Moschee-Komplex, in dessen Obergeschoß sich der Raum des letzten Abendmahls befinden soll. Ob es wirklich dieser Raum ist, indem sich Jesus von seinen Jüngern verabschiedet hat, ist bis heute nicht bewiesen. Wir schauen uns den Raum dennoch an. Im Untergeschoß dieses Gebäudes ist heutzutage eine Synagoge untergebracht, in der der Steinsarg König Davids liegt. Besagten Sarg darf man nur nach Geschlechtern getrennt besichtigen.
Den Abschluss des Stadtrundganges bildet ein Besuch der Dormitio-Kirche, in deren Krypta sich die Skulptur der entschlafenden Maria befindet. Meine Mitreisenden stimmen in der Kirche ein Lied an, von dem jedoch nur wenige den Text auswendig können, so verstummen sie sehr bald wieder und sind froh, dass eine andere Gruppe sie aus der Kirche verdrängt.
Nach dem Abendessen im Hotel starten wir zur nächtlichen Stadtrundfahrt, die uns zunächst nach Jemin Moshe, dem ersten jüdischen Stadtviertel außerhalb der Altstadt, führt und wo wir einen Blick auf die Windmühle Montefiore werfen können. Etwas ungewöhnlich, eine Windmühle in Jerusalem, doch sie sollte den Bewohnern einst Arbeitsplätze schaffen. Heutzutage ist sie ein Museum inmitten eines schönen Wohnviertels.
Das nächste Viertel, das wir durchkämmen, ist Mea Shearim, die Heimat der ultraorthodoxen Juden. Vielerorts sieht man an den Hauswänden Plakate mit Benimmregeln, Kleiderregeln und auch Aufforderungen, touristisch veranlasste Busfahrten durch dieses Viertel zu stoppen, da die Bewohner nicht als sonderbare Exoten begafft werden wollen. Kann ich verstehen, doch andererseits finde ich es faszinierend, für einige Minuten in eine ganz andere Welt einzutauchen. Laut Reiseleiter soll es hier auch Juden geben, die nicht einmal den Staat Israel anerkennen.
Wir erreichen die Klagemauer. Da es schon ziemlich spät ist, sind wir die einzigen Touristen und können in Ruhe die betenden orthodoxen Juden betrachten. Männer und Frauen beten nach Geschlechtern getrennt an der Mauer, wobei der Männerbereich wesentlich größer ist. Da ich als Frau auch nicht zum Fotografieren in den Männerbereich darf, hänge ich über den Begrenzungszaun und hoffe, dass trotz Dunkelheit und großer Entfernung noch ein paar brauchbare Fotos zustande kommen.
Zum Abschluss der nächtlichen Rundfahrt lässt sich unser Reiseleiter dazu überreden, abermals auf den Ölberg zu fahren, um einen Blick auf das beleuchtete Jerusalem zu werfen. Die Aussicht ist traumhaft, nur verwundert es mich, dass gerade der bei Tageslicht so dominante Felsendom bei Nacht nicht beleuchtet und somit kaum zu sehen ist. Oder ist wieder einmal ein kurz davor erfolgter Kurzschluss schuld? Ich weiß es nicht.
Tags darauf kommen wir am Morgen abermals zur Klagemauer, doch passieren wir zunächst den Checkpoint, um auf den Tempelberg zu gelangen. Für Nicht-Muslime ist der Zutritt nur bis 10:00 Uhr gestattet, was wir aufgrund der langen Schlange vor dem Kontrollpunkt gerade noch schaffen. Der Tempelberg gilt als die heiligste Stätte des Islams nach Mekka und Medina, ist aber auch für Christen und Juden ein heiliger Ort, da Jesus hier lehrte und Abrahams Altar hier stand. Wir betrachten die Al-Aqsa-Moschee mit ihrer schwarzen Kuppel von außen (eine Innenbesichtigung ist derzeit nicht möglich), spazieren am Reinigungsbrunnen vorbei und schaffen gerade eine Umrundung des Felsendoms, bevor wir wieder zum Verlassen des Tempelbergs aufgefordert werden, da die Gläubigen zum 11-Uhr-Gebet erscheinen.
Wir kehren zur Klagemauer zurück, wo im Gegensatz zum Vorabend rege Betriebsamkeit herrscht. Heute ist Donnerstag, somit neben Montag der Wochentag, an dem Bar Mitzvah gefeiert wird. Dieses Fest findet zu Ehren der Knaben statt, die ihr 13. Lebensjahr vollendet haben und nun aus religiöser Sicht als erwachsen gelten. Dazu müssen sie das erste Mal vor ihrer Gemeinde aus der Torah lesen bzw. singen. Schaffen sie das fehlerfrei, werden sie anschließend von den Familienmitgliedern mit Bonbons beworfen.
Nachdem sich alle aus meiner Gruppe trotz argen Gewusels vollständig zum vereinbarten Treffpunkt eingefunden haben, machen wir uns auf den Weg nach Bethlehem. Bethlehem ist palästinensisches Autonomiegebiet, weswegen unserem israelischen Reiseleiter die Einreise nicht erlaubt ist. Er verlässt den Bus somit vor dem Checkpoint und wir bekommen nach dem Passieren der Kontrolle einen palästinensischen Reiseleiter. Normalerweise ist auch ein Fahrer- bzw. Buswechsel vorgesehen, aber da unser Fahrer Palästinenser ist, bleibt uns das erspart.
Kaum sind wir in Bethlehem, werden wir zu einem Souvenirgeschäft gekarrt. Unser Pfarrer hat uns schon seit Beginn der Reise darauf hingewiesen, dass wir etwaige Mitbringsel in diesem Geschäft in Bethlehem kaufen sollen, da mit dem Erlös der christlichen Gemeinde in Bethlehem geholfen wird. Nun gut, damit habe ich kein Problem. Ein Problem habe ich jedoch, als ich die Preise sehe, denn wirklich alles ist wesentlich teurer als in anderen Andenkenläden. Auch der Hinweis, dass die Waren in diesem Laden handgefertigt sind, besänftigt mich nicht, denn ich stelle keinen Unterschied fest. Am Vortag habe ich in Jerusalem einen geschliffenen Rosenquarz mit Mutter-Gottes-Bildnis um 12 Euro gekauft, hier kostet der haargleiche Stein 27 Euro. Die christliche Gemeinde zu unterstützen ist sicherlich ein guter Gedanke, nur sollten die Preise fair bleiben und den Touristen nicht mutwillig das Geld aus der Tasche gezogen werden.
Beim Verlassen des Geschäfts werden wir von Straßenverkäufern regelrecht überfallen. Ich kämpfe mich ungeschoren zum Bus, aber besonders den älteren, weiblichen Mitreisenden werden wahllos Ketten und Armbänder umgehängt. Einige kaufen den Modeschmuck schließlich, wobei eine Dame um ihr Wechselgeld von 18 Euro gebracht wird, da der Verkäufer mit dem Geld einfach verschwindet. Unser palästinensischer Reiseleiter hat natürlich „nichts gesehen“.
Nachdem wir endlich alle wieder aus dem Laden draußen sind und die Straßenverkäufer abgeschüttelt haben, geht es zur Geburtskirche. Der Eingang zur Kirche ist etwas ungewöhnlich, handelt es sich schließlich um einen kleinen höhlenartigen Einstieg. Die Kirche selbst ist sehr groß und unterteilt sich in einen armenischen, orthodoxen und römisch-katholischen Teil. Wir steigen zur Geburtsgrotte hinab, wo wieder ein silberner Stern die Stelle markiert, wo Jesus zur Welt gekommen ist. Gleich gegenüber befindet sich die Krippengrotte, von wo die Hirten den kleinen Jesus betrachtet haben.
Bevor wir die Geburtskirche verlassen, geben meine Mitreisenden noch ein Lied zum Besten. Dann werden wir direkt in ein Restaurant am anderen Ende des Platzes geführt, wo uns vom Reiseleiter nahe gelegt wird, ein Mittagessen zu konsumieren. Gut, wir sind hungrig und das Essen ist auch sehr schmackhaft, aber dieses Aufzwingen, etwas Konsumieren zu müssen, ist mehr als unangenehm. Der erneute „Überfall“ von Straßenverkäufern am Rückweg zum Bus fällt ebenso äußerst lästig wie das Einsteigenlassen eines weiteren Schmuckverkäufers in den Bus kurz vor Erreichen des Checkpoints. So bekommen wir selbst auf den letzten Metern in Bethlehem noch Waren unter die Nase gehalten. Eine Verkaufsfahrt ist harmlos dagegen! Sicherlich, die Palästinenser sind auf Touristen angewiesen, aber würden sie sich eine Spur weniger penetrant verhalten, würde man lieber einkaufen bzw. konsumieren. So aber behält der Ausflug nach Bethlehem für mich einen schalen Beigeschmack und würde ich ihn bei einer neuerlichen Reise bestimmt nicht mehr mit machen.
Kurz vor Jerusalem lesen wir unseren israelischen Reiseleiter wieder auf einem Parkplatz auf. Der letzte Programmpunkt des heutigen Tages ist Yad Vazhem, die Holocaust-Gedenkstätte. Viel Zeit bleibt uns leider nicht für die umfangreiche Ausstellung mit den erschütternden Dokumentationen, aber der kurze Besuch gibt dennoch genug Anstoß, um sich wieder einmal mit dem Thema auseinandersetzen.
Den nächsten Tag starten wir mit der Besichtigung Masadas, eines 440m senkrecht in die Höhe ragenden Tafelbergs, auf dem Herodes 36 bis 30 v.Chr. eine Festung erbauen ließ. Masada war zudem die letzte Stellung der Juden gegen die Römer im Jahre 73 n.Chr., die jedoch mit dem kollektiven Selbstmord der am Berg verschanzten Juden endete. Wir sehen diesbezüglich einen kurzen Dokumentarfilm, bevor uns eine Seilbahn auf das Plateau bringt, wo wir schließlich zwischen den Resten riesiger Paläste, Lagerhallen und Zisternen herum marschieren. Die Sonne brennt auch am heutigen Tag gnadenlos vom Himmel, so sind wir froh, als wir wieder im Tal sind und uns auf dem Weg zum Toten Meer machen. Ein erholsamer Nachmittag am Strand steht uns bevor. Sich im extrem salzhaltigen Wasser treiben und die vergangenen Tage und Erlebnisse Revue passieren zu lassen, ist ein gelungener Abschluss dieser Reise, denn am nächsten Morgen steht der Rückflug nach Österreich an. Trotz ungewollter Pilgerreise habe ich diese Woche in Israel sehr genossen. Irgendwann komme ich zurück und werde mir mehr von diesem Land anschauen. Aber dann doch lieber ohne Pilger! Bis dahin: Shalom Israel!






















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