Pico & Faial - Wale und Vulkane
Mitten im Atlantik zwischen Europa und Nordamerika gelegen, sind die Azoren seit ihrer Entdeckung durch portugiesische Seefahrer ein wichtiger Stützpunkt für die Segelschifffahrt im Atlantik. Sie sind eine Inselgruppe vulkanischen Ursprungs und stellen aufgrund der geografischen Lage und der großen Meerestiefe einen idealen Lebensraum für viele Meeressäuger dar, die Pottwale haben hier ihre Kinderstube. Bis 1987 wurde hier Walfang von Ruderbooten aus betrieben, seit Anfang der neunziger Jahre kann man von den beiden jüngeren Inseln Pico und Faial aus die sanften Riesen aus nächster Nähe erleben. Die jungen Vulkane laden zudem zu Wanderungen ohne Massentourismus ein und gewähren dabei interessante Einblicke in die Entstehung, das Wachstum und die Erosion maritimer Vulkane.
Genau auf der Grenze der tektonischen Platten Europas, Amerkas und Afrikas entstand das Archipel der Azoren mitten im atlantischen Ozean. Die älteste Insel, Santa Maria wird auf ca. 3 Mio. Jahre datiert, die jüngste, Pico, bringt es auf gerade mal 300000 Jahre. Durch das Auseinanderdriften der drei großen Platten ist hier eine dreieckige Mikroplatte entstanden, die azoreanische Mikroplatte. Auf ihr, tektonischen Bruchlinien von Ost nach West folgend, entstanden die Inseln des Archipels durch unterseeische vulkanische Aktivität. Die Bruchlinien können an der Inseloberfläche anhand der Aneinanderreihung der Vulkankegel auf den Bergrücken verfolgt werden und geben auch eine Vorstellung davon, wie der Meeresboden in Fortsetzung dieser Linien geformt ist. Der jüngste Vulkanausbruch ereignete sich 1957 bis 1958, das letzte schwere Erdbeben mit vielen Opfern 1998. 1957 ließ ein zunächst unterseeischer Vulkanausbruch die Insel Faial nach Westen weiter wachsen: innerhalb eines Jahres türmte sich ein neuer Vulkankegel von bis zu 160 Metern Höhe und einer Fläche von 2,4 km2 auf. Während der ersten, über sieben Monate dauernden surtesianischen Phase wurden große Menge Asche ausgestoßen und auf dem westlichen Teil Faials verteilt, der eigentliche Kegel entstand dann in der zweiten Phase vom Stromboli-Typ. Allerdings zeigte die starke Erosion durch Meer und Wind noch während der Entstehung des jungen Vulkanes Wirkung und trug ca. 2/3 der neu entstandenen Halbinsel wieder ab. Das Wechselspiel zwischen Entstehung und Erosion wird bei einer Wanderung auf den Gipfel des Capelinhos sichtbar: während das Meer unaufhörlich an der Küste nagt, weht der kräftige Wind die Vulkanasche von der Nordseite der neuen Halbinsel hinaus auf’s Meer. Beim Wandern auf dem wie eine Mondlandschaft anmutenden Capelinhos sieht man zahlreiche Seevögel, die an den Hängen brüten und man kann die Widerstandskraft der Primärvegetation bestaunen, die dieses Gebiet langsam begrünt - so wie aus allen ursprünglich kahlen Vulkaninseln im Laufe der Jahrhunderte die grünen Paradiese wurde, die die portugisieschen Conquisadores vorfanden.
Die beiden Hauptkegel der beiden Inseln, die Caldeira auf Faial und der Pico auf der gleichnamigen Insel, zeigen zwei unterschiedliche zeitliche Stufen der Schichtvulkane. Während der Pico als relativ junger Kegel der höchste Berg Portugals ist und seine Spitze von einem kleinen Kegel auf dem Vulkanplateau gebildet wird, ist die Caldeira ein riesiger Krater mit 2km Durchmesser und einer Tiefe von ca. 400m zum Kratergrund. Hier hat der Druck im Schlot bereits so stark abgenommen, dass die obersten erstarrten Lavateile nach unten sackten und dadurch der riesige Krater entstand. Bei Wanderungen entlang der Bergrücken findet man noch die ursprüngliche Vegetation der Azoren mit zahlreichen endemischen Pflanzen. Allerdings hat die Bewirtschaftung und das Einschleppen invasiver Pflanzen die Primärvegetation auf ca. 7% der Gesamtfläche der Azoren zurückgedrängt, prominentestes Beispiel ist die aus Korea als Heckenpflanze zur Weidenbegrenzung eingeschleppte Hortensie. Es wird nun versucht, an einigen Stellen die endemische Vegetation zu erhalten und auch zu demonstrieren, auf Pico ist dazu der Wanderweg “cominos dos burros” angelegt, der dem alten Pfad der Conquisadores quer über die Insel folgt. Auf Faial gibt es einen sehr schönen botanischen Garten, der alle, zum Teil stark bedrohten, Pflanzen der Azoren zeigt. Er ist Teil des Naturparks Faials, der Informationen über die Geologie und Biologie der Azoren an vier verschiedenen Standorten präsentiert: das große Vulkanmuseum unter der Asche von Capelinhos, an der Caldeira, das Zentrum am Monta da Guia mit dem Walfangmuseum und eben der botanische Garten. Da die Inseln bislang vom Massentourismus weitgehend verschont geblieben sind, halten sich die Besucherströme in Grenzen: inlusive Schulklassen war der botanische Garten stolz auf insgesamt 9000 Besucher im Jahr 2010.
Das Azorenhoch ist uns gut bekannt, sorgt es doch in der Regel für gutes Wetter in Mitteleuropa. Von diesem Hochdruckgebiet profitieren die Azoren selber jedoch nicht, sie dürfen ihm nur den Namen geben. Ihr eigenes Klima ist durch ständig wechselnde Bewölkung, eine Luftfeuchtigkeit um 80% und meistens eine frische Brise gekennzeichnet. “Wenn das Wetter schlecht ist, warte eine halbe Stunde” heißt es auf den Azoren und gerade dieser häufige Wechsel der Lichtverhältnisse und das Spiel der Wolken schaffen immer wieder interessante Motive.
Der atlantische Ozean ist um die Inseln herum bis zu 4000m tief, der Golfstrom streift die Inseln und sorgt für relativ warme Wassertemperaturen mitten im Atlantik. Dementsprechend vielseitig ist die Unterwasserfauna und bietet Nahrung für die größten Säugetiere: die Wale. Insegsamt 26 Wal- und Delfinarten sind hier schon gesichtet worden. Während Tiere wie der seltene Blauwal hier nur auf der Durchreise eine kurze Station machen, sind die Azoren für die Pottwale ihre Kinderstube: durch die Tiefen rund um die Inseln gibt es hier genügend Kalmare, die sie bei ihren Tauchgängen erbeuten können und die Jungtiere, die während der Beutezüge alleine an der Oberfläche zurückbleiben, sind geschützter als auf dem offenen Meer. Hinzu kommen die durch den Golfstrom relativ konstanten Wassertemperaturen. Während insbesondere die Pottwale bis 1987 vor den Azoren bejagt wurden, stellen die Tiere heute als Touristenattraktion beim “whale watching” wieder einen Wirtschaftszweig dar, insbesondere für die beiden früheren Walfanginseln Pico und Faial. An die Zeiten des Walfanges erinnern Museen, die in den beiden Walfabriken der Inseln untergebracht sind.
Eine Begegnung mit den sanften Riesen ist immer ein beeindruckendes Erlebnis, zumal man nie vorhersagen kann, was man alles zu sehen bekommt. So sichteten wir an einem Tag mit Pottwalen, Grindwalen, den seltenen Schnabelwalen, den Rundskopfdelfinen, dem atlantischen sowie dem gemeinen Delfin sechs verschiedene Arten innerhalb von drei Stunden. Hinzu kam, dass die weiblichen Pottwale sehr unruhig waren und Sprünge sowie Flukenschlagen zeigten. Grund war, wie sich später herausstellte, die Anwesenheit eines großen Pottwalbullen in der Region. Sind die großen Wale für Fotografen realtiv leichte Beute, da sie sich gemütlich und berechenbar während ihrer Ruhephase an der Oberfläche bewegen, sind die Delfine das genaue Gegenteil. Es ist völlig unvorhersehbar, wo sie als nächstes auftauchen - das Fotografieren dieser flinken Schwimmer von einem schwankenden Boot aus ist eine echte Herausforderung.
Die Azoren sind als Tipp für Wanderer und Naturfreunde bekannt. Jede Insel hat ihre Eigenheiten, so ist Sao Jorge beispielsweise eine schmale Aneinanderreihung verschiedener Vulkankegel - die Insel ist zum Teil nur 8km breit. Als westliche Ausläufer der mittleren Inselgruppe - Flores und Corvo als westliche Gruppe sind wesentlich älter und liegen schon auf der amerikanischen Platte - begeistern Faial und Pico durch ihre relativ jungen Vulkane.
Informationen:
Delfin- und Walbeobachtung: Espaco Talassa, Lajes do Pico, www.espacotalassa.com
Generelle Informationen: www.azoren-online.com
Flüge: Mit TAP über Lissabon, wenige Direktflüge mit Lufthansa nach Ponta Delgada
Klima: Tagesmitteltemperaturen zwischen 16 und 25°C, in den Wintermonaten viel Regen, Luftfeuchtigkeit um 80%


























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