Leser-Reportagen
Cascais, Portugal – Einst Fischerdorf, heute Nobelbadeort
Zweimal war ich zu Besuch in der portugiesischen Kleinstadt Cascais, die etwa 25 Kilometer von Lissabon entfernt an einer Bucht des Atlantiks liegt. Beeindruckt war ich von der Lage der Stadt und von ihrem Charme sofort. Dass es sich bei Cascais um einen der beliebtesten und nobelsten Badeorte Portugals handelt, erfuhr ich erst später.
Ich stehe auf dem Balkon meines Hotelzimmers im Hotel Baia, und schaue hinunter auf die mit schwarzweißem Wellenmuster gepflasterte Strandpromenade mit den Palmen, auf die Bucht mit den Fischerbooten und die einladende Fußgängerzone. Beim Bummel durch dieselbe geht es zunächst über den Rathausplatz. Davor steht eine Statue von Peter I., ab Mitte des 14.Jahrhunderts König von Portugal, der wegen seines Einsatzes für Recht und Gesetz den Beinamen “Der Gerechte”, wegen verschiedener Greueltaten aber auch den Beinamen “Der Grausame” erhielt. Viele Restaurants, Schmuckgeschäfte und Boutiquen gibt es, auch schöne Häuser und Villen sind zu sehen. Auf der Herfahrt hat mich mal wieder ein Taxifahrer übers Ohr gehauen, obwohl ich mir vorgenommen hatte, daß mir so etwas nicht noch einmal passiert. Mein Hotel ist ganz nett, aber nichts besonderes. Ein Restaurant für das Abendessen ist schnell gefunden. Das “Palm Tree International”, das direkt hinter dem Hotel in der Fußgängerzone liegt, sieht zwar zunächst aus wie jedes beliebige Touristenrestaurant mit mehrsprachigen Speisekarten, aber nachdem ich einmal dort war, gehe ich immer wieder hin. Bei Atlantik-Schwertfisch, Muscheln nach portugiesischer Art, gemischtem Grillteller und hausgemachtem Mandelpudding kann man sich Fußball-Liveübertragungen auf mehreren Bildschirmen ansehen. Dazu gibt es einen roten Hauswein oder ein kaltes Bier. Bevor das bestellte Essen kommt, das habe ich hier auch in anderen Restaurants festgestellt, werden ungefragt kleine Teller mit Käse und eingelegten Oliven zusammen mit einem Korb Weißbrot auf den Tisch gestellt. Das Restaurant ist voll, die Preise sind wirklich moderat und die Kellner und ihr Chef, die einem vor dem Eingang freundlich lächelnd ansprechen und hereinlocken, sind auf Zack. Zunächst wird allerdings in mehreren Sprachen versucht, herauszufinden welcher Nationalität man angehört…
Wie auf anderen Reisen zuvor, habe ich auch dieses Mal meine Laufschuhe mitgebracht. So bin ich ein paar Mal vor dem Abendessen unterwegs, laufe an der Bucht entlang, wo viele kleine Fischerboote liegen. Unzählige Reusen und Fischernetze sind unterhalb der Straße am Hafen verteilt, ein durchdringender Fischgeruch liegt in der Luft. Ich laufe an Hunderten von Yachten und Segelbooten vorbei, die hier im Yachthafen liegen. Außerhalb der Stadt klettere ich auf einer steilen Treppe in den Felsen hinunter ans Meer, wo die Wellen laut gegen die Felsklippen schlagen. Schilder weißen auf den Boca do Inferno hin, den Höllenschlund, bei dem es sich um einen vom Meer ausgewaschenen Felsenkessel handelt, in dem die Wellen tosen. Zurück geht es durch die Stadt bis zu einer kleinen Badebucht. Die Wassertemperatur ist auch jetzt im September noch angenehm, und ich schwimme ein Stück weit hinaus auf den Atlantik.
Bei meinem zweiten Besuch wohne ich im Quinta da Marinha Resort, das ein paar Kilometer außerhalb in einem Pinienhain liegt und von noblen Wohnhäusern mit wunderschön angelegten Gärten und hohen Mauern umgeben ist. Was für ein Hotel! Im Inneren beeindruckende Architektur, freundliche Angestellte überall, geschmackvoll ausgestattete Zimmer, ein Fitnessbereich, bei dem wirklich alle Geräte einwandfrei funktionieren, ein Innenpool und ein sehr heißes Dampfbad. Draußen locken eine große Terrasse mit Gartenmöbeln und ein großer, sauberer Pool zum Verweilen. Das Quinta da Marinha Resort ist besonders bei Golfern sehr beliebt. Der Golfplatz ist eine Kreation von Robert Trent Jones, Sr., einem Architekten, der bis zu seinem Tod im Jahre 2000 weltweit etwa 500 Golfplätze designed hat. Da ich nie Golf gespielt habe, sagt mir der Name zunächst nichts, eine Recherche im Internet verschafft mir die Informationen. Beim Spaziergang durch den Park am Golfplatz entlang kann ich dann auch zahlreiche – und mit Sicherheit zahlungskräftige – Golfer beobachten, darunter einige Holländer und Deutsche.
Einmal habe ich mir Essen aufs Zimmer bestellt, aber jeden Abend kann man hier nicht essen. Also mache ich mich auf zu einem Spaziergang. In der Nähe des Hotels gibt es keine anderen Restaurants, also wieder nach Cascais hinunter ins Palm Tree International. Es sind wohl ein paar Kilometer bis in die Stadt, zunächst durch die noble Wohngegend und dann Richtung Atlantik, aber ich bin gern zu Fuß unterwegs. Für die Rückkehr kann man immer noch ein Taxi nehmen. Nach ein paar Hundert Metern sehe ich jemanden auf der anderen Straßenseite, der hier anscheinend auch fremd ist. Ah, das ist ja mein britischer Freund. Wir tun uns zusammen, und wandern etwa eine Stunde gemeinsam am Meer entlang, bis das Hotel Baia zu erkennen ist. Ob ich ein Restaurant für das Abendessen wüßte ? Natürlich, ich kenne eins. Der Chef grinst, erkennt mich wieder… Ob ich mal wieder zu Besuch hier sei …? Wieder verbringen wir einen gemütlichen Abend mit guter Unterhaltung und leckerem Essen.
Natürlich habe ich auch einen Tag in der Hauptstadt Lissabon verbracht, die von hier aus bequem und sehr günstig mit dem Zug zu erreichen ist. Nach einem kurzen Fußmarsch erreichten wir den Praça do Comércio, den Platz des Handels, mit der Reiterstatue von Joseph I. von Portugal in der Mitte, neben der mir ein Mann mit verschwörerischem Blick beim Öffnen seiner Jacke Drogen anbot – “Drugs, my friend…?” – was ich natürlich ablehnte. Ein paar Meter weiter dann “Marken-Sonnenbrillen”. Unter dem Arco da Rua Augusta hindurch gelangt man in die Innenstadt Baixa, die einst nach einem der verheerendsten Erdbeben der europäischen Geschichte Mitte des 18. Jahrhunderts fast vollständig zerstört war und neu aufgebaut wurde. Wir bummelten durch die Straßen, fanden zufällig den berühmten Aufzug Elevador de Santa Justa und begaben uns dann auf den Weg hinauf zu der maurische Festungsanlage Castelo de São Jorge, von wo aus man die ganze Stadt überblicken kann. Im Innenhof einer Kneipe, auch hier wieder mit Blick über die Stadt, den Fluß Tejo, und die Brücke Ponte 25 de Abril, die von Weitem aussieht wie die Golden Gate Bridge von San Francisco, saßen wir bei einem Bier. Jetzt fehlten nur noch ein paar Mitbringsel für die Familie, aber bei der Auswahl an Geschäften war das kein Problem. Wir ließen den Tag bei Schweinefleisch mit Muscheln und einer Flasche Rotwein ausklingen, was wir bei einem kleinen, grauhaarigen Wirt bestellten, der fließend deutsch sprach, und uns von seiner Zeit in Deutschland erzählte. Ein Souvenir erinnert mich heute an meine zwei Kurzaufenthalte in Portugal: Eine Fado-CD, die ich ab und zu im Wohnzimmer abspiele.






















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