Leser-Reportagen
Wandern in Rheinland-Pfalz IV – Die 7-Burgen-Tour im pfälzisch-elsässischen Grenzgebiet
Wandern in Rheinland Pfalz ist vielleicht nicht der richtige Titel für diese Tourenbeschreibung. Der größte Teil dieser Wanderung führt durch das deutsch-französische Grenzgebiet, allerdings auf der französischen Seite. Aber Start und Zielpunkt der Wanderung liegen in der Pfalz, in dem beschaulichen Ort Schönau im schönen Dahner Felsenland. Bin ich auf meiner letzten Wanderung, der sogenannten Wasgau-Seentour, von See zu See, von Woog zu Woog gewandert, so locken dieses Mal statt des Wassers sieben Burgen oder Burgruinen unterwegs, die alle im 12. bzw. 13. Jahrhundert erbaut wurden. Deshalb der Name 7-Burgen-Tour. Als Gesamtstrecke werden im Wanderführer 22 Kilometer angegeben. Ungefähr sechs Stunden sollte man dafür einplanen, nicht eingeschlossen längere Erkundungen der einzelnen Burgen.
Ich habe also den beschriebenen Parkplatz in der Ortsmitte von Schönau gefunden und muss mich nun entscheiden, ob ich eine weitere Jacke mitnehmen soll oder nicht. Es ist noch sehr früh am Morgen und es sollte ein schöner Tag zu werden. Aber noch ist es bewölkt, kühl und windig. Also Fleece-Jacke anbehalten, Wanderstiefel schnüren, und los geht’s. Bereits auf dem ersten Teilstück wird mir schon warm und sogar der Schweiß fließt bald. Ein langgezogener Anstieg durch den Wald ist zu bewältigen. Ich folge den rot-gelben Rechtecken, den Markierungen für diesen Teil der Wanderung. Was als Kaiser-Wilhelm-Schutzhütte angekündigt wird, stellt sich – ganz unromantisch und wenig spektakulär – als einfache, nach vorne offene Holzhütte an einer Wegspinne heraus. Von hier aus geht es noch ein paar Hundert Meter den Wald hinauf, vorbei an ein paar der für diese Region typischen Felsformationen aus Buntsandstein, und ich habe die erste Burg erreicht.
Die Wegelnburg liegt auf einer Höhe von 572 Metern auf dem Schlossberg und ist somit die höchst-gelegene Burg der Pfalz. Ich klettere hinauf auf den höchsten Punkt und blicke ringsum über den grünen Pfälzer Wald und hinab auf die Burgruinen Hohenburg und Löwenstein, die nur wenige Meter tiefer auf dem selben Bergrücken liegen, und die ich als nächstes erreichen werde. Zwischen Wegelnburg und Hohenburg ändern sich die Markierungen an Bäumen und auf Schildern. Ich habe gerade die Grenze zu Frankreich überquert und folge jetzt den rot-weiß-roten Rechtecken.
Als erste Burg auf elsässischer Seite liegt nun die Hohenburg vor mir. Auf 553 Metern liegt sie zwischen den Orten Nothweiler und Hirschthal. Auf ausgetretenen Steinstufen und hölzernen Treppen gelangt man hinauf auf die Aussichtsplatform, und kann einen weiteren wunderbaren Rundumblick auf Pfälzer Wald und Vogesen genießen. Eine große Richtungstafel, die hier oben angebracht wurde, hilft bei der Orientierung. Auch weit entfernte europäische Großstädte sind mit Richtungsangaben enthalten. Zudem sind in den Ruinen der Burg noch einige Details gut erkennbar, so zum Beispiel an den steinernen Türrahmen.
Die Burg Löwenstein, auch Lindenschmitt genannt, ist als dritte Burg auf dieser Wanderung schon ein paar Minuten später das nächste Zwischenziel. Auch hier handelt es sich um eine Felsenburg aus dem 13. Jahrhundert, die auf zwei direkt nebeneinander liegenden Felsen errichtet wurde. In der Burg sollen einst Raubritter gehaust haben, weswegen sie auch zerstört wurde. Von hier aus blickt man auf das Ausflugsrestaurant Gimbelhof, das auf den Wanderportalen zur Einkehr empfohlen wird, und die Burg Fleckenstein.
Jetzt wird es unübersichtlich und ich habe etwas Mühe, den richtigen Weg zu finden. Aber mit Hilfe der Wegbeschreibung des “Wanderportals Pfalz” und meiner Karte (Topographische Karte 1:25000 – Dahn) geht es nach wenigen Minuten weiter. Ich komme an eine Gabelung. Beide Wege führen laut Beschreibung zur Burg Fleckenstein. Es wird darauf hingewiesen, dass der Felsenpfad die wesentlich schönere und interessantere Strecke ist. Der Felsenpfad ist tatsächlich wenige Hundert Meter weiter als solcher ausgeschildert. Es geht nun auf schmalem Pfad bergab durch den Wald, entweder über Felsen oder an Felsformationen aus Sandstein vorbei, die hoch aus dem Wald aufragen. An der letzten, an der ich vorbeikomme, seilen sich gerade zwei Kletterer an und bereiten ihren Aufstieg vor. Dieser Abschnitt der Tour ist sicherlich etwas schwieriger, als wenn man auf Forstwegen unterwegs wäre, und man sollte etwas aufpassen, da es seitlich des Pfades steil hinab in den Wald geht. Aber ein wirkliches Problem stellt der Pfad für den Wanderbegeisterten nicht dar.
Ich komme aus dem Wald heraus, und vor mir liegt die Burg Fleckenstein, die hinter dem dazugehörigen Info-Center mit Restaurant im Wald aufragt. Die zum Teil restaurierte Burgruine wurde im Mittelalter als Stammburg des Adelsgeschlechtes der Fleckensteiner erbaut. Sie ist die einzige Burg auf dieser Tour, die nur nach Zahlung einer Eintrittsgebühr besichtigt werden kann und die einzige touristisch erschlossene Burg in dieser Gegend. Ein paar Mountainbiker sind unterwegs, hierher kann man aber auch mit dem Auto kommen. Der Fleckenstein ist über die Verbindungs-Straße der Dörfer Hirschthal – auf deutscher Seite – und Lembach im Elsass erreichbar. Direkt vor dem Info-Center gibt es einen Parkplatz.
Die Burg Fleckenstein passierend gehe ich wieder in den Wald hinein und folge den Hinweisschildern und Markierungen – von jetzt an ein rotes Rechteck – zur Frœnsburg. Der Wanderweg führt durch das Tal der Sauer und an dem Ort Hirschthal vorbei. Es wird Zeit für eine Mittagspause und etwas zu Essen. Eine Dose Gemüsesuppe, auf einem Felsen über einem kleinen Kocher erhitzt, schmeckt unterwegs besser als ein Essen im Restaurant. Als Zwischenmalzeit habe ich Obstriegel dabei – und kleine Schokoladentafeln aus Bundeswehrbeständen.
Die Frœnsburg bei Niedersteinbach ist nach einem längeren Stück Wanderung das nächste Zwischenziel. Es hat allerdings nicht so lange gedauert, wie der Beschreibung und den Hinweis-schildern im Wald zu entnehmen war. Und wieder steige ich hinauf, dieses Mal auf einer langen Treppe, um die Aussicht zu bewundern. Unterwegs zur nächsten Burg passiert man den Zigeunerfelsen. Der französische Name lautet Rocher des Tziganes. Es handelt sich um eine weitere hohe Felsformation mitten im Wald, die man auch erklettern kann. Der Weg ist wieder gut ausgeschildert, mal ist man auf breiten Forstwegen unterwegs, dann wieder auf schmalen Pfaden. Am Col de Hichtenbach liegt eine weitere Schutzhütte an einer Wegspinne.
Die Burg Wasigenstein liegt auf ca. 340 Metern Höhe auf einem Ausläufer des Maimont bei dem Ort Obersteinbach. Sie besteht aus den zwei Teilen Groß- und Klein-Wasigenstein und gilt als Schauplatz mittelalterlicher Heldendichtung. Jetzt liegt noch einmal ein längeres Wegstück um den geschichtlich interessanten Berg Maimont herum vor mir. Hier fand während des Westfeldzuges im 2. Weltkrieg die “Schlacht um den Maimont” statt. Als Mahnmal wurde ein Friedenskreuz auf dem Maimont errichtet. Viele Gefallene der Schlacht wurden auf dem Soldatenfriedhof der Stadt Dahn (Dahner Ehrenfriedhof) begraben.
Als letzte Burg auf meiner Wanderung besichtige ich die Burg Blumenstein, die in der Nähe von Schönau, meinem Ausgangspunkt und Ziel, auf einer Höhe von 495 Metern liegt. Viel zu besichtigen gibt es allerdings nicht mehr, es ist nicht viel von dieser Burg erhalten. Unbeachtet von einer Gruppe von Wanderern, die mit ausgebreiteten Karten diskutierend an einem Holztisch sitzen, klettere ich hinauf, lasse ein letztes Mal den Blick rundum schweifen und mache mich dann auf zum Endspurt.
Durch das Wengelsbacher Tal führt der letzte Teil der Wanderung. Aus dem Wald heraus wandert man noch ein kurzes Stück zwischen grünen Wiesen, und schon bald an den ersten Häusern von Schönau vorbei. Im Landhaus Mischler setze ich mich auf der Terrasse in den Schatten und bestelle kaltes Bier. Bald bin ich umringt von Motorradfahrern in schwarzer Lederbekleidung. Nicht nur Wanderbegeisterte haben diese schöne Region und das wirklich perfekte Wetter heute ins Freie gelockt. Nachdem ich mein Bier ausgetrunken habe, freue ich mich noch auf eine Runde Schwimmen im nahe gelegenen Saarbacherhammer.
Fast genau sechs Stunden habe ich dann auch wie erwartet für die Tour gebraucht, allerdings schon inklusive meiner kurzen Mittagspause und kurzen Erkundungen der Burgen. Feste Wanderschuhe sind zu empfehlen, nicht nur wegen der Kletterei in den Burgen, sondern auch wegen einzelner etwas anspruchsvollerer Abschnitte. Außerdem sollte man einen Personalausweis dabei haben, da man wie beschrieben zwei Mal die Grenze überquert. Und natürlich Verpflegung für unterwegs, da es kaum Möglichkeiten zur Einkehr gibt.
Die zuvor beschriebene Karte kann man im Internet bestellen – “Topographische Karte 1:25000 Dahn”.
Die Tourenbeschreibungen der folgenden Wanderportale sind allerdings so gut, dass man eigentlich auch ohne Karte losziehen kann. Dort gibt es auch weitere Informationen zur Tour sowie zu Varianten, benachbarten Touren und den Burgen:
http://www.wanderportal-pfalz.de und http://www.wasgauburgen.de








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