Safari im Murchison Falls National Park, Uganda
Der Morgen gehört den Putzkolonnen, Frauen, die mit kleinen, selbstgemachten Handfegern die rote Erde beiseite wischen, die sich wie schwerer Staub über das Land legt. Den wenigen vorbeischießenden Autos würdigen sie keinen Blick, vielleicht, weil sie nicht sehenden Auges der ständigen Bedrohung durch die Fahrzeuge begegnen wollen. Wir schießen ebenfalls vorbei, biegen wenig später in einen Kreisverkehr ein, der uns auf die weitausholende Piste der Nordumfahrung ausspuckt. Von EU-Geldern gefördert, wirkt die leere, vierspurige Strecke wie ein Fremdkörper im sonst engen Streckennetz Kampalas, das schon längst vor den alltäglichen Blechlawinen kapituliert hat.
Wir verlassen die Stadt Richtung Nordwesten, bald lichtet sich die Bebauung, wird spürbar ärmlicher. Unser Fahrer ist guten Mutes, dass wir pünktlich im Murchison Falls Nationalpark ankommen, er grinst und erzählt von anderen Touren, die er bereits begleitet hatte. Irgendwann verstummt auch er, mein Blick fährt suchend nach hinten, meine Mitreisenden sind bereits eingeschlafen, ich schließe meine Augen und denke an die nächsten Tage, an unsere Reise in den Nationalpark. Dann übermannt auch mich der Schlaf.
Der Murchison Falls Nationalpark liegt im Nordwesten Ugandas, mit dem Auto sind es in gemächlichem Tempo etwa 7 Stunden von Kampala. Hier, in direkter Nähe zum Albertsee, erstreckt sich der Park über knapp 4000 km², er ist der größte Nationalpark Ugandas, vielleicht auch der abwechslungsreichste. Direkt am Nil gelegen, vereint er eine Vielzahl unterschiedlicher Tiere, neben Giraffen, Elefanten und Nilpferden auch Leoparden und Löwen.
Als sich am nächsten Morgen die kleine Fähre unter dem Grollen der Dieselmotoren in den Anlegebereich gräbt, gewinnt der Gedanke an die vielen Tiere des Parks an Kraft. Die schläfrige Sonne taucht den Nil, den wir soeben überquert hatten, in ein idyllisches Licht, ab und an ist das Grunzen von Nilpferden zu vernehmen, die wie Hähne den anbrechenden Tag begrüßen. Unser Fahrer hat bereits die Deckenklappen unseres Wagens geöffnet, so dass wir wenig später wie Heeresführer vor der sich öffnenden Savanne stehen. Wir gleiten über die Piste, vorbei an Antilopen, an Warzenschweinen, Herden von Giraffen und Elefanten, am Nildelta begegnen uns Löwen, die unsere Aufmerksamkeit mit Ignoranz strafen. Unser "Gamedrive" gleicht einer Fahrt durch die Spielwiese des Lebens, wir spähen, halten Ausschau, werden zu Forschern, zu Darwin, zur Kamera einer Tiersendung. Irgendwann befinden wir uns auf dem Rückweg, nehmen die Fähre zur anderen Uferseite des Nils, sind glücklich, aber auch erschöpft.
Neben den Gamedrives lässt sich der Murchison Falls Nationalpark hervorragend mit dem Boot erkunden. So bieten verschiedene Unternehmen Fahrten auf dem Nil an, die zwischen 1,5 und 3 Stunden dauern. Höhepunkt sind dabei neben den vielen Nilpferden und Krokodilen die Murchison Falls, wo sich der Nil durch eine enge Schlucht in die Tiefe stürzt. Kurz vor dem Wasserfall besteht die Möglichkeit, das Boot zu verlassen und eine etwa 45minütige Wanderung zur Spitze des Wasserfalls zu unternehmen.
Als wir nur wenige Meter vom brodelnden Wasser entfernt zum Stehen kommen, ist der beschwerliche Aufstieg vergessen. Die Luft ist getränkt vom Wasser des Nils, erfüllt vom Gebrüll der Fluten. Von einem Aussichtspunkt konnten wir kurz zuvor das Land überblicken, durch das sich der Fluss in langen Bogen windet, um in der Ferne zu verschwinden. Die Wasserfälle sind jedoch noch beeindruckender. Man gleicht einem kleinen Kind, wenn man im Angesicht dieser Urgewalt steht, man starrt auf das tosende Wasser, das sich in einem nicht enden wollenden Kampf durch die enge Schlucht drückt, und vergisst darüber die Zeit. So stehen wir für einige Minuten, jeder für sich, dann schießen wir ein paar Fotos. Als ich den anderen mit einer Geste bedeute, dass es Zeit wäre aufzubrechen, ist die Enttäuschung greifbar. Es fällt schwer, sich loszureißen, sich von den Eindrücken zu trennen. Doch alles Gute hat ein Ende – auch der Ausflug in den Murchison Falls Nationalpark.







Monsieur_D sagte vor 1 Jahr 42 Wochen:
Danke dir!
Grüße aus Kampala
David
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Pele sagte vor 1 Jahr 42 Wochen:
Gefällt mir, die Geschichte.
Nette Grüße von Josef.
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