Leser-Reportagen
Reisfelder - mit meiner Tochter auf Abenteuerreise durch Indonesien
Patrice Kragten-Hackel
Autorin von Reiseberichten
Weltmetropole Jakarta
Es ist ein unglaubliches Chaos auf der Straße. Rechts und links von uns, sowie vorne und hinten, oder besser gesagt, kreuz und quer, fahren Autos. Hier stellt sich wirklich die Frage, wieso es weiße Linien auf dem Asphalt gibt, wenn sich doch niemand daran hält. Auf der 2-spurigen Fahrbahn passen mühelos 3 bis 4 Autos nebeneinander und dies ist anscheinend auch erlaubt. Dazwischen fahren Skooters, 1000-de Skooters. Der Fahrer, mit oder ohne Helm, befördert bis zu 5 Personen inklusive (Klein-)kindern und Babys auf seinem Skooter. Interessant, dass auch ganze Geschäfte auf dem Gepäck-träger Platz haben, wie der motorisierten Besen-, Hühner- und Erdnussverkäufer uns zeigen. Wir halten vor der roten Ampel an und werden von den 1000-den Skooters überholt. Sie platzieren sich alle ganz vorne und bilden bei Grün eine massive Front, Geisterfahrer haben hier keine Chance! Auch die dahinter stehenden Autos haben keine Chance, keine Chance dem stinkenden Rauchqualm zu entkommen. In der Weltmetropole Jakarta fährt beim Linksverkehr jeder da wo er will und niemand dort wo er muss!
Wir sind auf Java, oder besser gesagt in Jakarta, der Hauptstadt von Indonesien, angekommen. Von Zell am See bis Jakarta haben wir inklusive Zufahrt zum Flughafen und Umsteigen in Frankfurt fast 24 Stunden gebraucht. Meine Tochter Romy hat den Flug gut überstanden und kommt relativ fit aus dem Lufthansa Flieger. Sie hat heute ungefähr 7000 Airmiles auf ihren Jet Friends Pass gesammelt und kann sich mit sechs Jahren schon als Frequent Flyer bezeichnen. Unsere Reise ist von einer TRAVELKID Reiseagentur organisiert worden und wir, wichtig wie wir anscheinend sind, werden jetzt von einer Dreiermannschaft zum Hotel begleitet: Harris, Chef de Bureau, hat unsere Reservie-rungen vorgenommen, Chauffeur Mister Tonno und Reiseleiter Royen.
Voller Bewunderung fahren wir gemeinsam zum Ibis Mandarin Hotel im Zentrum von Jakarta. Es ist spät am Abend, die abendliche Rushhour ist im vollen Gange und wir sind von dem vielen Verkehr überrascht. Laut Wikipedia wohnen 13 Millionen Einwohner in dieser Stadt und die machen sich lärmend und stinkend bemerkbar. Große Gebäude internationaler Konzerne, die wirklich etwas Farbe brauchen könnten, reichen hoch hinaus, manche sind umgeben von Baugerüsten und werden renoviert, manche sind aus Glas, aber meistens aus grauem Beton gebaut worden. Dazwischen die Appartementkomplexe der lokalen Bevölkerung. Interessant sind die großen Wassertanks auf dem Dach, die Antennen der Satelliten am Balkon und überall hängen Elektrizitätskabel. Die Straßen werden außer von Autos und Skooters gefüllt mit ….….. Menschen, was sonst bei dieser Menschen-menge. Und es ist gerade Essenszeit. Überall riecht und raucht es in den zahlreichen kleinen Buden, die sich liebevoll mit einem Tisch und drei bis vier Stühlen auf dem Gehsteig platziert haben und auf eine Mahlzeit einladen. Ein typisches Bild Indonesiens, welches wir noch fünf Wochen sehen werden.
Indonesien ist der größte Archipel der Welt und zählt mehr als 13.600 Inseln, davon 5 Große und insgesamt sind nur 600 Inseln bewohnt – wir besuchen die zwei kinderfreundlichsten: Java und Bali. Der Archipel, welcher seit 1945 unabhängig von Holland ist, dehnt sich zwischen Australien und China aus, erstreckt sich über dem Äquator und grenzt an den Indischen und Pazifischen Ozean. Indonesien hört sich für uns immer ziemlich exotisch an. Wir vergessen meistens, dass Indonesien und speziell Bali das Gran Canaria für den Japaner, Taiwanesen sowie Australier und Neuseeländer ist. Die Infrastruktur, die Unterkünfte sowie das touristische Angebot ist durchaus ausgeprägt und von einfach bis zu äußerst luxuriös ist alles buchbar und vorhanden.
Unser Hotelzimmer ist genauso wie ein Hotelzimmer ausschauen soll: komfortables Bett, Schreibtisch mit Fernseher, Kleiderschrank und das Badezimmer mit Dusche und Toilette. Auch Shampoo, Wattestäbchen, Bademütze, Zahn- und Schuhputzzeug liegen liebevoll auf dem Waschbecken dekoriert. Das Zimmer hätte auch in New York, Nairobi oder Paris stehen können. Spätestens im Hotelrestaurant bemerkst du, dass du in Asien gelandet bist. Wir bestellen hier noch was zum Essen und legen uns um 22.00 Uhr müde, aber zufrieden ins Bett.
Am nächsten Tag verschaffen wir uns eine Übersicht von Indonesien und fahren mit der gleichen Dreiermannschaft der Reiseagentur zum Taman Mini Indonesia, ein 100 Hektar großer Themenpark, in dem alle Provinzen des Landes durch jeweils maßstabsgerechte Gebäude im traditionellen Baustil und Kunsthandwerk vertreten sind. Das Zentrum der Anlage ist ein Bassin mit einer Diagonale von zirka 550 Meter in dem der gesamte indonesische Archipel nachgebildet ist. Mit einer wackeligen Seilbahn fahren wir über die Inseln und stellen fest, dass Österreich vor langer langer langer Zeit diese Seilbahn als „abgeschrieben“ verkauft haben muss.
Glücklich, dass ich wieder festen Boden unter den Füßen habe, schlage ich eine kurze Pause vor und lade Harris und Royen auf einen Kaffee ein. Mister Tonno hat sich, wie es sich angeblich gehört, von unserer Truppe getrennt und wartet beim Auto oder mit anderen Chauffeuren in der Nähe des Einganges. Ich setze mich beim kleinen Kiosk auf den Boden und bestelle einen Cappuccino. Wie sich heraus stellt, war das die richtige Wahl. Wenn ich mir den Kaffee, auf Bali liebevoll Bali-Kaffee genannt, von Harris etwas genauer anschaue, sehe ich, dass sich unten in seinem Glas ein 1 Zentimeter dicker Kaffeesatz gebildet hat….
In Indonesien setzt man sich meistens auf den Boden, aber ich weiß nicht so wirklich wohin mit den Beinen. Oben drauf sitzen? Pfff, nein, da schlafen mir die Beine ein, nach vorne gestreckt geht auch nicht, du darfst die Unterseite deiner Füße nicht zeigen, dann einfach abwinkeln, bis die Hand dann einschlaft…. Vielleicht Gewöhnungssache!?! Romy spielt inzwischen mit ihrer V-Tech Kidizoom Photokamera und legt die für sie wichtigsten Gegenstände auf Bild fest. Die Kokosnüsse, der Lautsprecher, ihr Kuscheltier Hundy, alles wird mit äußerster Präzision hingelegt, fotografiert und wieder zurückgelegt. Erstaunlich, wie sie sich mit Nichts beschäftigen kann!
Nach der Pause besuchen wir die Mini-Borobodur und in dem Theater machen wir Musik auf dem Gamelan. Gamelan ist eine der herausragenden Musikkulturen unserer Welt. Einige Gamelan-Instrumente kennen wir bereits in abgewandelter Form wie zum Beispiel das Xylophon oder das Metallophon. Gamelan-Ensembles können zwischen kammermusikalischen Besetzungen von zirka 6 oder 7 bis hin zu großen Orchestern von an die 40 Musikern differieren. Sowohl die Besetzungsstärke als auch die Zusammensetzung der Instrumente hängen vom jeweiligen Einsatzgebiet wie Straßenmusik, Gadhon (Kammermusik), Wayang kulit (Schattentheater) oder Tanz ab.
Plötzlich höre ich lautes Lachen hinter mir - Romy hat großen Spaß mit Royen! Royen ist ein junger, sehr guter und äußerst professioneller Reiseleiter und kann außerdem sehr gut mit Kindern umgehen. Er hat selbst zwei Söhne, Tobias und Brian, die im gleichen Alter wie Romy sind. Er weiß also genau, was Kinder an Informationen brauchen und verarbeiten können. Die Beiden spielen eine Weile mit den Instrumenten und verständigen sich meistens auf Deutsch, teilweise in Holländisch. Ich dahingegen, habe bemerkt, dass mein Englisch wieder etwas Übung braucht und spreche Englisch mit ihm.
Die Republik Indonesien hatte, als 1945 die Unabhängigkeit ausgerufen wurde, die Möglichkeit Holländisch zur Nationalsprache zu erklären, wollte aber mit den ehe-maligen Kolonialherren nichts mehr gemein haben. Das Bahasa Indonesia wurde zur Nationalsprache, allerdings sprechen heute erst 18 Million Indonesier diese Sprache als Erstsprache. Sie ist niemandes „Muttersprache“, sondern wird in der heutigen Form überall als Zweitsprache erlernt. So kann es passieren, dass es in abgelegenen Gegenden mit der Nationalsprache Verständigungsprobleme geben kann. Allerdings muss zumindest der Bürgermeister des Ortes Bahasa Indonesia sprechen, sonst kann er sein Amt nicht bekleiden.
Mister Tonno fügt sich wieder bei unserer Truppe ein, gemeinsam fahren wir für das Mittagsessen zum Restaurant am Strand. Auf Grund meines holländischen Ursprungs bin ich mit der Indonesischen Küche quasi aufgewachsen und bestelle erfreut Satey (Hühnerspieß mit Erdnuss-buttersauce) mit Nasi Goreng (gebackenem Reis mit Gemüse und Fleisch). Romy bestellt Schinken-Käse-Toast, dazu frische Fruchtsäfte.
Die Indonesische Variante von Disney World: Ancol, mit gleichen Attraktionen wie Dombo fliegen, it´s a small world und das Affentheater ist natürlich eine sehr touristische Angelegenheit, aber der Nachmittag gehört Romy. Sie darf entscheiden was wir machen und da darf auch eine köstliche McDonalds Mahlzeit nicht fehlen!
Zurück im Hotel genießen wir das Abendessen wieder vom reichlich gefüllten Buffet des Hotelrestaurants. Witzig ist, dass der Reis, die Nudeln, das Gemüse und das Fleisch kalt sind. Auf dem Buffet befinden sich Körbe aus Metall, wo du die Speisen hinein gibst und in einem Warmwasserbassin untertauchst bis das Essen dann warm ist. Romy nimmt als Nachtisch noch ein Eis und ich einen Cappuccino, was wir mitnehmen zum wunder-schönen grünen Innenhof des Hotels. Wir legen uns heute früh und müde ins Bett.
Um halb zwei in der Nacht schrecke ich auf, das Telefon klingelt. „Hallo Schatzilein, wie geht es dir“. „Wolfgang, Liebling, es ist mitten in der Nacht!“ Kurz vor der Indonesienreise habe ich mit meinem Mann unser 10-jähriges Ehejubiläum in New York gefeiert und jetzt, fünf Tage später, „kämpft“ er noch mit der Zeitverschiebung.
Nach einem kurzen Besuch im Indonesischen Museum, geht es am nächsten Tag zum alten Hafen. Es ist heute sehr warm und die Luftfeuchtigkeit ist erbärmlich hoch. Auch ohne etwas zu tun, rinnt der Schweiß über unsere Gesichter und Rücken hinunter. Wir steigen aus dem Auto, kämpfen uns durch eine Hitzemauer und wan-dern, jeder mit 2 Flaschen Wasser in der Hand, entlang der Schiffe. Die Schritte und Handlungen werden automatisch langsamer, während Royen erzählt, dass die großen Schiffe noch immer mit der Hand beladen werden. Vollbeladen mit Zement fahren die meisten Schiffe nach Borneo und kommen nach 10 Tagen mit Holz wieder nach Jakarta zurück. Die modernsten Exemplare haben einen Hebekran, aber auch da wird die Ladung ohne viel Arbeitskraft nicht viel schneller auf das Schiff gebracht. Das alte holländische VOC-Gebäude steht immer noch beim Eingang des Hafens. Früher war in diesem Gebäude das Hauptbüro der Schifffahrt unter Leitung der holländischen VOC (Verenigde Oost-Indische Company).
Direkt neben unserem Hotel befindet sich ein großes Einkaufszentrum mit Supermarkt, wo wir Kekse, Äpfel, Wasser und Süßigkeiten für die Rundreise einkaufen. Es wimmelt hier von Menschen, die Männer sind in einer farbenfrohen Bluse oder Sarong gekleidet - ein Sarong ist ein Rock aus zusammengenähten Stoffbahnen, welcher durch einen Knoten vor dem Bauch gehalten wird. Die Frauen sind in Chanel und Dior unterwegs, die Jungend in D&C oder Ed Hardy. Nichts deutet hier auf eine arme Nation hin. Obwohl Indonesiens Wirtschaft kräftig zu-legt, und Jakarta und einige andere indonesische Metropolen boomen, lebt dennoch die Mehrheit der 240 Millionen Einwohner in einfachen Verhältnissen oder gar bitterer Armut. Nach Auffassung von Suhartos Regime ist jemand erst dann arm, wenn er täglich weniger als 5.000 Indonesische Rupiah, also knapp € 0,40 verdient. Jetzt solltest du wissen, dass eine Packung Reis im Supermarkt genau € 0,40 kostet….
Wir verbringen den Nachmittag am Rande des Schwimmbades. Inmitten der grauen, stinkenden Stadt hat das Ibis Tamarin Hotel eine grüne Ruhe-Oase mit blühenden Pflanzen und schattenreichen Bäumen im Innenhof kreiert. Wir erholen uns im angenehmen erfrischenden Wasser des Schwimmbades von den ersten Urlaubstagen. Romy hat kurz vor dem Urlaub einen Schwimmkurs absolviert und zeigt voller Stolz was sie dort alles gelernt hat.








stefan murkkenbauer (nicht überprüft) sagte vor 2 Jahre 14 Wochen:
Na und, was willst du uns damit sagen? Abgesehen davon, dass Romy schwimmen lernt
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