Leser-Reportagen
INDONESIEN - Bintan Island / Wochenende in einem Kelong
Mitte März 2006 war ich nach Singapur geflogen, um mich wieder mal mit meinen dortigen Freunden zu treffen und zwei Wochen lang die Annehmlichkeiten der asiatischen Metropole zu genießen.
George, mein chinesischer Gastgeber, hatte dieses mal eine Überraschung für mich parat und so standen wir an einem Samstagmorgen im Tanah Merah Ferry Terminal, inmitten fröhlicher Wochenendausflügler und drängelten uns an den Ticketkontrolleuren vorbei auf das Boot, das uns auf die zu Indonesien gehörende Insel Bintan bringen sollte.
Das Terminal liegt in der Nähe des Changi Airports, ganz im Südosten des Kleinstaates und ist das Tor zu den zahllosen Inseln und Inselchen im Riau-Archipel.
Gut zwei Stunden dauerte die Fahrt durch die Meerenge nach Tanjung Pinang, dem Haupthafen von Bintan, vorbei an zahllosen Schiffen, die in der Meerenge vor Anker lagen oder diese gerade passierten.
In der Anlegestelle wurde ich an einem gesonderten Schalter abgefertigt. Für 10 US$ bekam ich den Sichtvermerk in den Reisepass geklebt.George wurde derweil, wie die meisten anderen Passagiere auch, ohne diese Formalitäten durchgewunken. "Singapurer brauchen hier kein Visum", erklärte er auf meine Frage.
Er hatte den ganzen Trip bestens organisiert. So mußten wir nicht lange im Gedränge der auf eine Fahrt hoffenden Taxifahrer Ausschau halten, um den freundlich grinsenden jungen Mann zu bemerken,der im Schatten der auf dem Vorplatz stehenden Bäume einen mit seinem Namen beschriebenen Karton in die Höhe hielt.
Er führte uns zu einem klapprigen, schmutzigweißen Kleinbus japanischer Bauart. Dort wartete bereits eine fünfköpfige chinesische Familie auf uns. Wir warfen unsere Daybags in den Kofferraum und kletterten auf die Rückbank. Schon ging`s los.
George hatte schnell herausgefunden, daß die Familie auch in Singapur wohnte und zum Angeln in den gleichen Kelong wollte wie mir. Der Fahrtwind milderte angenehm die schwüle Hitze.Die von den häufigen, heftigen Regenschauern ausgewaschene Straße zog sich durch hügelige Gummibaumplantagen. Der rote Boden war von zahlreichen Gräben und Furchen durchzogen. Wenig Verkehr. Nach etwa einer halben Stunde Fahrzeit erreichte die holprige Straße die Küste. Jetzt tauchten links vereinzelt ärmliche, mit Wellblech bedeckte Hütten auf, Palmenhaine und kleine Zuckerrohrfelder dazwischen. Ein paar Schweine, gefolgt von winkenden Kindern, zwangen den Fahrer zu einer heftigen Lenkbewegung, die er mit einem wilden Hupkonzert begleitete. Auf der anderen Seite war nun auch der braune, schlammige, von der Ebbe freigegebene Meeresboden zu sehen. Weit draußen konnte man die weißen Wellen ausmachen, die sich am vorgelagerten Riff brachen.
Der Fahrer bog bald darauf von der Straße ab und hielt dann unter den Palmen. Von einer Hotelanlage war weit und breit nichts zu sehen, wie ich eigentlich erwartet hatte. Nur ein ziemlich wacklig aussehender Steg aus Holzplanken führte auf`s Meer hinaus. Ziemlich weit draußen, etwa einen Kilometer, schätzte ich, waren ein paar Pfahlbauten in der gleißenden Sonne auszumachen.
Die Familie zerrte ihre Gepäckstücke aus dem Wagen und zog gleich los. Mir war offensichtlich die Ratlosigkeit anzusehen. "Schau nicht so sparsam", lachte mein Freund nur, " und laß dich überraschen". Auch wir gaben unserem Chauffeur ein Trinkgeld, auf das er offensichtlich noch gewartet hatte und machten uns ebenfalls auf zum Steg.
Die Holzkonstruktion erwies sich beim Begehen doch weitaus stabiler, als sie vom Parkplatz aus gewirkt hatte. Zwei struppige Hunde kläfften uns aus einer kleinen, vergitterten Hütte heraus an, kurz bevor wir die geräumige Plattform der Pfahlbausiedlung erreichten.
Der Gebäudetrakt bestand aus dem Wohn- und Wirtschaftsgebäude der einheimischen Bewohner, dem riesigen, überdachten Freiluft-Restaurant mit einem stark abgenutzten Poolbillard, zwei abgewetzten Ledercouches und den beiden rechtwinklig angeordeten Holzhütten mit den etwa zehn Gästezimmern.Einen Swimmingpool gab es natürlich auch. Zwischen den Pfählen, die die Plattform trugen, waren einige Netze aufgespannt, die ein circa 20 mal 20 Meter großes Areal absperrten. Eine kurze Rutsche war für Kinder angebracht.(www.kawal-kelong.com)
Der Chef des Kelongs, Mr. Chuon und seine Frau, begrüßten uns sehr zuvorkommend und er zeigte uns unsere Zimmer.
"Das Essen ist in etwa einer halben Stunde fertig",
meinte er.
Ich sprang vorher noch ins fast lauwarme Wasser.
Die Zimmer waren sehr einfach, aber sauber und zweckmäßig eingerichtet. Die Dusche bestand aus einem großen Tonfaß, aus dem man sich das Süßwasser mit einem Schopflöffel über den Kopf gießen konnte. Als Toilette diente ein Plumpsklo. Die Abwasser floßen einfach ins Meer. Der Wellengang war für die Entsorgung zuständig. Na ja!!
Erstaunlich war, was die Töchter des Hauses als Lunch auf den Tisch gezaubert hatten. Meeresfrüchte, ganz frisch, mit Reis und allerlei exotischem Gemüse. Dazu Tee, Wasser oder Bier. All inclusive!
Wir zogen uns nun zu einem Schläfchen zurück, während die Kinder den Pool eroberten. Deren Vater war schon längst mit dem Angeln beschäftigt. Die ständig wehende Brise in den offenen Gebäuden machte die tropische Hitze erträglich. Später erprobten wir unsere Treffsicherheit an einem improvisierten Luftgewehrstand. Nach dem üppigen Dinner gab`s - kaum zu glauben - einen Karaokeabend. Dazu war ein junger Bursche mit seinem Moped vom Festland herübergefahren. In einer "Disco" hatte er einen Bildschirm samt Videorecorder aufgebaut. Der Familienvater und auch mein Freund sangen dann tatsächlich ganz leidenschaftlich die chinesischen Schnulzen mit. Das Plätschern der Wellen und das leichte Schwanken des Kelongs begleiteten mich später in den Schlaf.
Ich hatte sehr gut geschlafen und freute mich schon auf den Bootsausflug zu dem winzigen Inselchen Pulau Beralas Bakau, der nach dem Frühstück auf dem Programm stand. Auch dieser Trip war inklusive. Ein Mitarbeiter des Kelongs hatte schon ein Boot am Steg festgemacht. Die Familie, mit Ausnahme der Mutter, nahm ebenfalls teil. Nachdem wir alle die Schwimmwesten übergestreift hatten, konnte es losgehen. Etwa 30 Minuten dauerte die Überfahrt zu dem unbewohnten Eiland, das in Sichtweite der Küste lag. Und dann wurden die üblichen Klischees Realität. Türkisblaues Wasser, ein feinsandiger, fast weißer Strand, dahinter üppig-grüne Flora und, außer unserer kleinen Gruppe, keine anderen Touristen.
Leider blieb nur ein paar Stunden Zeit, dieses
"Robinsongefühl", lediglich zwei Fahrstunden von der geschäftigen City Singapur entfernt, zu genießen. Viel zu schnell erinnerte uns der Bootsführer an die Rückfahrt. Zurück im Kelong, versuchten wir auch noch eine Weile unser Anglerglück und genossen im Liegestuhl auf der Veranda die letzte Mußestunde.
"Der Bus wartet schon auf dem Parkplatz", riß uns Mr.Chuon aus den Tagträumen. Damit war unser Wochenendtrip eigentlich schon zu Ende.
Erklärung:
Kelong bedeutet soviel wie "Haus auf dem Wasser", sprich Pfahlbau.
Solche Trips, wie der geschilderte, sind in Singapur in fast jedem Reisebüro zu buchen. Man sollte allerdings nicht zu anspruchsvoll sein, was die Unterkunft betrifft!
Copyright by: Text und Fotos, Josef Stadler














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