Leser-Reportagen
FRANZÖSISCH-POLYNESIEN - Inseltour mit Hindernissen
Es ist schon etliche Jährchen her, daß ich Mitte Januar zu einer halbjährigen Rucksackreise aufbrach. Ich flog damals ab Frankfurt über London, New York, Los Angeles nach Papeete. Etwa 43 Stunden war ich unterwegs gewesen, von mir zu Hause im oberbayerischen Traunstein bis zur Landung auf dem Faaa Airport in der Hauptstadt von Französisch-Polynesien, inklusive der Bahnanreise und den Wartezeiten in den Flughäfen.
Tahiti
Ziemlich kaputt, aber aufgeregt und neugierig, verließ ich also an einem Sonntag, morgens gegen 6 Uhr OZ den Jumbo der Fluggesellschaft "Continental". Noch nichts Böses ahnend wartete ich dann ungeduldig am Laufband, daß endlich mein Rucksack auftauchen würde. Leider wartete ich vergebens. Ein kleiner Trost, daß auch noch ein Paar aus Straßburg betroffen war. Die beiden hatte ich schon in Frankfurt gesehen. Monsieur Weiss übernahm das Reklamieren. Wie er in Erfahrung brachte, waren bereits in Frankfurt die Nummern unserer Gepäckstücke mit einer Fluggesellschaft falsch kombiniert worden. In zwei, drei Tagen sollten sie aber nachkommen, wurde ihm versichert. Natürlich hatte ich meinen daypack mit all den wirklich wichtigen Dingen wie Reisepass, Kreditkarten, Fotoausrüstung, Sanitärbeutel usw. stets "am Mann" und den hütete ich auch wie meinen Augapfel.
Ich hatte dann das Glück, daß meine Schicksalsgenossen von einem Bekannten erwartet wurden und bei diesem konnte auch ich gegen Bezahlung unterkommen, bis wir unser Gepäck wieder hatten. Damals war ich auch noch zu unerfahren, als daß ich die Fluggesellschaft in die Pflicht genommen hätte.
Der Franzose hatte ein kleines Haus am Stadtrand und dort konnten wir uns jetzt erst mal von den Reisestrapazen erholen. Auch der jetlag und das ungewohnte tropische Klima bremsten meinen Unternehmungsgeist. Ich verbrachte viel Zeit am nahen Strand, erkundete aber auch ein wenig die Stadt. Leider war alles noch viel teuerer, als ich ohnehin erwartet hatte.
Dienstag Mittag konnten wir das Gepäck dann tatsächlich unbeschadet am Flughafen in Empfang nehmen. Endlich konnte ich mich dem Klima entsprechend anziehen. Jetzt konnte mich nichts mehr aufhalten. In den zwei Ruhetagen hatte ich genügend Zeit gehabt, Pläne zu schmieden. Moorea und Bora-Bora setzte ich auf mein Programm und die restlichen Tage wollte ich mir noch was von Tahiti anschauen. Eine Frist von elf Tagen hatte ich, dann war mein Flug nach Neuseeland reserviert.
Moorea
Eine Stunde Überfahrt mit der Fähre von Papeete.Ich verbrachte auf dieser unglaublich grünen, mit tropischer Vegetation überwucherten Insel drei Tage auf einem sehr ruhigen Campingplatz. Nur ein paar Nachbarn. Schlief im Zelt gleich neben dem "Club Med". Die Lebensbedingungen hätten in diesem Fall kaum unterschiedlicher sein können, aber ich hatte ein begrenztes Budget, stand erst am Anfang meiner Reise und es gehörte damals auch zu meinem Lebensstil, möglichst billig über die Runden zu kommen. Die Lage war ideal. Traumstrand, blaues Meer, sich in lauer Brise wiegende Palmen. Kitschig wie auf einer Postkarte. So hatte ich mir das zu Hause vorgestellt. Nur die lästigen Mücken trübten die Idylle. Im nahen Dörfchen Haapiti holte ich mir im kleinen Supermarkt meine Verpflegung. Hauptsächlich Dosenkost, denn die war noch einigermaßen erschwinglich. Wasser mischte ich mit Fruchtsäften. Hie und da fiel mir eine Kokosnuß zum Opfer.
Am einem Freitag packte ich frühmorgens mein Zeug zusammen. Es regnete. Rückfahrt nach Papeete. Im Fährenbüro besorgte ich mir nun das Returnticket zur Insel Bora-Bora. Verdammt, es war schon ziemlich teuer, aber dorthin wollte ich unbedingt. Erst frühabends mußte ich an Bord sein. Wollte bis dahin nicht die ganze Zeit den Rucksack mitschleppen und deponierte ihn deshalb in einem Schließfach am nahen Busdepot. Es machte keinen sonderlich robusten Eindruck, aber ich beachtete es nicht weiter. Leider! Ich bummelte im Hafen rum, beobachtete das bunte Treiben in den Straßen und leistete mir ein noch eine Mahlzeit an einer chinesischen Imbißbude. Nun war es Zeit, den Rucksack zu holen. Schöne Sch...! Das Schließfach war aufgebrochen und leer. Es mußte mich jemand beobachtet haben. Zeugen zu finden war aussichtslos. Ich sprach kein Französisch und mit Englisch kam ich auch nicht weit. Bei meinem Bummel hatte ich eine Polizeistation gesehen. Dort fand sich sogar ein Beamter mit Englischkenntnissen, der meine Anzeige aufnahm, mir aber gleichzeitig wenig Hoffnung machte, meine Ausrüstung je wieder zu sehen. Ich war echt fertig. Zuerst zwei Tage auf den Rucksack gewartet und nun war er vermutlich ganz weg. Ein toller Auftakt meiner Reise!
Was half es?! Das Ticket nach Bora-Bora hatte ich schon, meinen daypack auch noch und so machte ich mich dann auch auf den Weg dorthin. So gut es ging richtete ich mich auf dem Fährschiff im Passagierraum für die Nacht ein. Ein junger Landsmann half mir mit einer warmen Jacke aus, so daß ich einigermaßen schlafen konnte.
Am nächsten Morgen um 5 Uhr 30 legte das Schiff in Huahine an. Ich erlebte einen grandiosen Sonnenaufgang und das Frühstück besserte meine Stimmung auf. Der nächste Stopp war in Raiatea.Auch dort wurden Waren aus-und eingeladen und Passagiere gingen an und von Bord. Touristen waren nur wenige unterwegs. In Tahaa gab`s keinen Halt und um die Mittagszeit tauchte schließlich die unvergleichliche Silhouette von Bora-Bora aus dem tiefblauen Meer auf. Sagenhaft! Leider konnte ich wegen
der Schließfachgeschichte dieses Schauspiel der langsam auftauchenden, grünen Insel, das Farbenspiel des Wassers und die Einfahrt in den korallenumsäumten Hafen gar nicht richtig genießen.
Bora-Bora
Ein Schwedengirl an Bord hatte einen Tipp für eine preiswerte Unterkunft. So schloß ich mich ihr an. Wir stiegen nach dem Landgang in einen an der Mole stehenden Kleinbus ein und landeten nach kurzer Fahrt in der kleinen Ortschaft Vaitape. Der hilfsbereite Fahrer hielt direkt vor einer Art Jugendherberge. Fariua und Denis waren die Besitzer des "Chez Fariua" Hostels, das aus zwei Pfahlbauten bestand. Der Gemeinschaftsschlafsaal lag direkt über dem Wasserspiegel. In der Mitte gab`s eine rechteckige Öffnung, durch die man die zahlreichen bunten Meeresbewohner ausgezeichnet beobachten konnte.
Als Bett diente eine durchgelegene Matratze mit einem frischen Laken drauf. In der kleinen Küche konnte man sich selbst versorgen und eine Freiluftdusche war auf einem separaten Steg hinter einem Vorhang versteckt. Ein großartiger Ort zum Abhängen. Das tat ich auch in den folgenden Tagen. Schnorcheln, faulenzen, rumspazieren, das süße Nichtstun genießen. Einziger Minuspunkt waren die unerbittlichen Moskitos, die nachts mit qualmenden Räucherstäbchen bekämpft wurden. Ich bin kein Freund von zu langem Müßiggang und so war ich nicht traurig, als ich Bora-Bora nach drei Tagen "Adieu" sagen mußte.
Tahiti
Zurück in Papeete, quartierte ich mich in "Guynette`s House" ein, einer Unterkunft für traveller. Umgerechnet etwa 12 Euro kostete damals die Übernachtung in der "Rue Pont de Nuef". Die Bude war eine echte Zumutung, sogar für diesen Preis, aber ich war hart im Nehmen und ich mußte sparen. Nur ein Beispiel für die Einrichtung. Die eisernen Bettgestelle der vier Doppelbetten in dem Raum in dem ich schlief, waren aus Beständen der Fremdenlegion ausgemustert worden und quietschten bei jeder Bewegung ganz fürchterlich. Zum Glück logierten nur drei weitere Typen im Zimmer, ein Däne und zwei Italiener. Natürlich erkundigte ich mich baldmöglichst bei der Gendarmerie, ob vielleicht doch das Unmögliche geschehen und mein Rucksack aufgetaucht war. War aber nicht. Also mußten nun wohl oder übel ein paar neue Klamotten her. Nur das Allernötigste natürlich, bei diesem Preisniveau. In Neuseeland konnte ich dann bei Bedarf meine Ausrüstung ergänzen.
Mit Lars, dem jungen Dänen verstand ich mich ganz gut. Er wollte in einigen Tagen weiter auf die Cook Islands fliegen und er war zuvor bei den "Kiwis" gewesen. So konnte er mir jede Menge Ratschläge geben. Wir unternahmen zusammen auch einen Inseltrip mit "le truck", dem lokalen Transportmittel. Dabei spazierten wir von einer Haltestelle aus zum Faarumai Wasserfall. Bei Taravao besuchten wir das interessante Gauguin Museum und in Papeari den kleinen aber feinen Botanischen Garten. Abends wollten wir in einem Pub "einen zwitschern", aber bei einem Preis von umgerechnet fünf Euro für ein Dosenbier war unser Durst schnell gestillt.
Den letzten Tag verbrachte ich am schwarzsandigen Mahina Beach, beim Point Venus, wo Tahiti erstmals von europäischen Seeleuten betreten worden war. Auch viele Schulkinder tummelten sich dort in den Wellen. Es war sehr unterhaltsam, den wuseligen Kleinen beim Spielen zuzuschauen.
Da die Maschine nach Auckland schon Freitagmorgen gegen
5 Uhr starten sollte, fuhr ich bereits am späten Abend zuvor raus zum airport. Hatte die Absicht, mir die Nacht in der Abfertigungshalle um die Ohren zu schlagen. Ich wollte mir eine weitere Übernachtung in "Guynette`s House" ersparen. Mit Verpflegung und Getränken hatte ich mich noch in der Stadt eingedeckt.
Ich hatte es mir gerade in einer ruhigen Ecke auf einer Stuhlreihe gemütlich gemacht, soweit das möglich war, als auf einmal, kurz vor Mitternacht, Hektik ausbrach. Soldaten rannten plötzlich rum. Die wenigen Fluggäste, die sich außer mir noch in der Halle aufhielten, wurden von einem Uniformierten aufgefordert schnellstens das Gebäude zu verlassen und sich auf dem Parkplatz zu sammeln. Die Durchsagen machten bald klar, daß es sich um einen Bombenalarm handelte. Ob Übung oder Ernstfall war vorerst nicht festzustellen. Draußen bekam man nicht mehr viel von den Sicherheitsmaßnahmen mit, aber das Gelände war offensichtlich von Militär abgeriegelt worden. Vom Parkplatz aus konnte ich dann beobachten, wie ein Jumbo der "Quantas", der sich gerade im Landeanflug befand, wieder durchstartete. So was hatte ich auch noch nicht erlebt. Aber nach einer guten Stunde wurde dann - Gott sei Dank - Entwarnung durchgegeben. Trotzdem hätte ich auf dieses Erlebnis gut verzichten können. Die Lage normalisierte sich wieder ziemlich schnell und ich konnte doch noch ein wenig schlafen. Dieser Zwischenfall paßte ganz gut ins Bild zu meinem doch ziemlich vermasselten Aufenthalt in Französisch-Polynesien.
Ich war froh als ich am Morgen im Flugzeug saß und die Maschine einigermaßen pünktlich zur Startbahn rollte. Beim Einquecken hatte ich wegen meiner äußerst spärlichen Ausrüstung, sie bestand nur aus dem daypack und einer Plastiktüte, einige Erklärungen abgeben müssen. Aber Neuseeland wartete jetzt auf mich und ein neuer Anfang meiner Reise.
Copyright by: Text und Fotos: Josef Stadler

























Miriam (nicht überprüft) sagte vor 2 Jahre 31 Wochen:
Gut und zum schmunzeln geschrieben! Du nimmst allerdings manchmal Begriffe wie "le truck" her ohne das so ganz klar ist, worum es sich dabei handelt. Ein erklärender Halbsatz wär da vielleicht ganz gut.
es grüßt,
Miri
Diesen Beitrag melden!
Weitweitweg sagte vor 3 Jahre 38 Wochen:
Ganz so schlimm wie Dir erging mir es in Französich-Polynesien Gottlob nicht: Bei mir hatte nur der Flieger 20 Stunden Verspätung und ich befand mich aufgrund des Preisniveaus in einer Art "kontinuierlichen Schock-Zustand". Interessant war die Ecke trotzdem, auch wenn ich mich im Nachhinein gefragt habe, ob ich diese Woche nicht lieber an meinen Neuseelandaufenthalt hätte anhängen sollen...
Diesen Beitrag melden!
Kommentar hinzufügen