Leser-Reportagen
BELIZE - Wochenende auf Caye Caulker
Am späten Freitag Vormittag quält sich der Bus durch die engen Straßen und den dichten Verkehr von Belize City, der größten Stadt des kleinen mittelamerikanischen Landes, das bis zum Jahr 1981 britische Kolonie gewesen war. Es ist unglaublich heiß und schwül hier im November. Mein Reisethermometer zeigt 38°C an.
Gegen 6:00 Uhr morgens war der klapprige Überlandbus in Flores(Guatemala) abgefahren. Nun hält er mitten in der Stadt, nahe dem Anlegeplatz der Boote am Haulover Creek.
Viele Fahrgäste sind Rucksackreisende wie ich und die Meisten wollen sofort raus zu den Cayes(sprich:kies), den größeren und kleinen Inseln, die sich wie eine Perlenkette im blauen Wasser der Karibik vor der Küste Belizes hinziehen. Dieses 290km lange Riff ist nach dem australischen Great Barrier Reef das zweitgrößte der westlichen Hemisphäre. Ambergris Caye und Caye Caulker sind die beliebtesten Ziele unter den Reisenden.
Im Reiseführer hatte ich mir vorab ein paar Unterkünfte für Belize City ausgesucht, die für mich in Frage kommen. Mir läuft der Schweiß nur so runter, als ich über die Hebebrücke gehe und gleich gegenüber vom geschäftigen Bootshafen "Isabel`s Guesthouse" ansteuere. Ich lasse mir von einer schlecht Englisch sprechenden, aber sehr netten Lady ein Zimmer zeigen. Das ist ok. Sauber, geräumig mit eigener Dusche und Klo. Kostet zirka 20 Euro. Angesichts der Hitze überlege ich nicht lange und nehme es. Die freundliche Lady ermahnt mich gleich, beim Weggehen keine Seitenstraßen und abgelegene Stadtviertel aufzusuchen, denn das könnte für einen Touristen gefährlich werden. Auch sollte ich besser Wertsachen und die Kamera zurücklassen. Nicht gerade aufmunternd! Nach einer erfrischenden Dusche und einer Ruhepause ziehe ich dennoch los und schaue mich in der City um. In den Straßen herrscht reges Treiben. Die einheimische Bevölkerung besteht vorwiegend aus dunkelhäutigen Mischlingen in allen Farbschattierungen. Die Landessprache ist Englisch, aber Spanisch und ein lokales Kreole sind weit verbreitet.
Es gibt nicht viel Interessantes zu sehen. Das alte Gerichtsgebäude aus der Kolonialzeit, den Battlefield Park, das Government House, die St.John`s Cathedral von 1847, die älteste und bedeutendste anglikanische Kirche in ganz Zentralamerika. Was mir aber dafür auffällt, sind die Sicherheitseinrichtungen an vielen Gebäuden. Auch finde ich, daß mich viele Leute irgendwie komisch anschauen. Wahrscheinlich nur Einbildung! Ich habe dann davon und auch von der brütenden Hitze genug. Zurück im Guesthouse stelle ich mich nochmal mit Wonne unters lauwarme Wasser. Abends gehe ich dann doch lieber nicht mehr aus.
Nachts schlafe ich kaum. Ich schwitze nur, trotz zweier Ventilatoren an der Decke, die leise surrend versuchen, die erstickend schwüle Luft abzukühlen. Der Straßenlärm beginnt gegen 5:30 Uhr. Ich packe mein Zeug zusammen, checke aus und gehe zur Abfahrtsstelle der Express-Boote. Dort frühstücke ich köstlichen Bananenkuchen und Kaffee. Langsam füllt sich die Wartehalle. Das one-way Ticket nach Caye Caulker kostet 7 Euro. Kurz nach 9:00 Uhr legt das offene Schnellboot ab. Es ist mit zwanzig Personen voll besetzt. Der Kapitän "macht einen auf Macho".
Als wir die Mündung des Haulover Creek hinter uns lassen, dreht er die Motoren auf. Der Fahrtwind ist sehr angenehm, nach der bereits am frühen Morgen drückenden Schwüle in der Stadt. Ich genieße die rasante Fahrt zwischen Mangroven und unbewohnten Inselchen. Auf halbem Weg etwa legen wir kurz auf St.George`s Caye an, um eine Familie aussteigen zu lassen.
Caye Caulker liegt etwa 33km nördlich von Belize City. Die Insel ist von Norden nach Süden zirka 7 Kilometer lang und nirgends breiter als vielleicht 600 Meter. Nach einer Stunde nähern wir uns dem Ziel. Wir gleiten entlang der östlichen, palmengesäumten Küste. An dutzenden Anlegestellen dümpeln vertäute Boote. Gegen 10:00 Uhr macht unser Boot am Steg fest. Das Dorf befindet sich auf dem südlichen Teil der Insel. Ich gehe an Land und mache mich gleich auf Zimmersuche. Allzuweit muß ich nicht gehen. Im ersten Hotel, direkt am Strand, zeigt mir Manuel, ein freundlicher Alter, ein nettes, sauberes Zimmer. Kostet 20 Euro. Ich stelle den Rucksack ein und schaue mir noch ein paar andere "rooms" an, aber bald kehre ich zurück zu "Lena`s Hotel". Nachdem ich eingezogen bin, möchte Manuel gleich im Voraus die zwei Übernachtungen abkassieren. Warum nicht. Vielleicht braucht er dringend das Geld! Er warnt mich auch gleich vor den Rastafaries hier, die versuchen, Drogen an Touristen zu verkaufen und überhaupt soll ich vorsichtig sein. Bin ich sowieso immer!
Danach starte ich zu einem Spaziergang. In der Ansiedlung gibt es nur sandige Pfade. Keinen Verkehr, außer ein paar Elektrovehikeln, die Golfkarren ähneln. Mehr aus Jux sind einige Stoppzeichen und, echt witzig, Schilder mit "Go Slow" aufgestellt! Auf der Insel bewegt man sich aber ohnehin nur langsam. Niemand hat es eilig. Wozu auch? Die Einheimischen betrachten mich freundlich, aber desinteressiert. Niemand belästigt mich. Es gibt eine ganze Anzahl von kleinen Hotels, Strandhäusern, Restaurants und Souvenirshops. Sehr friedliche, entspannte Szene. Andere Touristen sehe ich keine. Die liegen um diese Zeit wahrscheinlich am Strand oder sind auf Tauchtour. Eine beständige Brise von See her macht den Aufenthalt angenehm. In einer Strandkneipe mache ich Mittagspause bei Burger, Pommes und Bier. Danach ist "relaxen" angesagt. Dazu bin ich ja schließlich hier. Am Steg vor meinem Hotel spielen ein paar fröhliche Kinder im fast lauwarmen Wasser. Einige Jungs versuchen ihr Anglerglück mit der Leine. Ich gehe dann selbst zum Sonnen und Baden und mit dem Fernglas beobachte ich Pelikane, Fregattvögel und Reiher. Das ist Entspannung pur!
Später ziehe ich los, um mich ins Nachtleben zu stürzen. In jeder Bar ist "Happy Hour", aber der Gästeansturm ist eher gering. In einer Strandkneipe, die mich mit lauter Reggae Musik anlockt, bestelle ich zum Abendessen eine Pizza medium, die so riesig ist, daß ich sie beim besten Willen nicht alleine vernichten kann. So verteile ich fast die Hälfte an andere Gäste. Die schwarze Barkeeperin fällt mir hauptsächlich wegen ihres Raubtiergebisses auf und ein Typ, der gerade einen Teil meiner Pizza ißt, erzählt mir, daß er mit Vornamen
"Adler" heißt, als er hört, daß ich Deutscher bin. Wie er zu diesem Namen kommt, kann er mir allerdings nicht erklären. Offenbar habe ich mir die Kneipe ausgesucht, in der Samstag abends besonders wenig los ist. Ist mir aber egal, da ich sowieso saumüde bin. Auch die lästigen sandflies legen richtig los, wenn der ständige Wind nur etwas nachläßt. Nach einigen Cola-Rum Drinks (mehr Rum als Cola) bin ich absolut bettreif. Zum Glück ist es nicht weit bis zum Hotel.
Dank eines Moskitonetzes über dem Bett und der lauen Seebrise, die durch die Ritzen des Zimmers zieht, schlafe ich endlich mal wieder ziemlich gut. Gegen 6:00 Uhr gehe ich zum Strand und beobachte den Sonnenaufgang. Trödle dann einfach rum bis ich mir zum Frühstücken eine Kneipe suche. Ich lande in der "Sand Box". Voller Betrieb dort für Sonntag Morgen. Bestelle Omelett, Bohnenbrei, Toast und Kaffee. Danach bin ich wieder "auf dem Damm". In einem kleinen Shop erstehe ich ein paar Souvenirs und danach spaziere ich ans andere Ende der Insel. Komme dabei an einem kurzen Landestreifen vorbei und an einem malerisch verwahrlosten Friedhof. Dort läuft mir ein großer, grünblauer Leguan über den Weg. Doch bevor ich die Kamera zücken kann, hat er sich schon wieder aus dem Staub gemacht. Durch dichtes Mangrovengebüsch arbeite ich mich weiter vor bis zum Inselende. Dabei scheuche ich ein Seeadler Pärchen auf und einige weiße Reiher.
Schließlich kehre ich um, denn ich habe Hunger und vor allem Durst. Kehre wieder in der "Sand Box" ein und dort lärmt - man glaubt es kaum - eine deutsche Reisegruppe. Ich halte mich vornehm zurück.
Den restlichen Tag verbringe ich am Hotelsteg mit süßem Nichtstun. Abends unter der Dusche spüre ich die intensive Sonneneinstrahlung auf der Haut. Zum Dinner gönne ich mir in "Chan`s Garden" etwas Chinesisches. Hier könnte ich es gut länger als nur ein Wochenende aushalten, aber meine Zeit ist leider ziemlich limitiert. Morgen muß ich meine Zelte abbrechen, denn der Flug nach Costa Rica ist schon gebucht.
Copyright bei: Text und Fotos, Josef Stadler
















alter sagte vor 3 Jahre 31 Wochen:
Eine Frage ist doch kein Mosern!
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Tom Golan sagte vor 3 Jahre 32 Wochen:
Mensch, alter,
der Bayer nennt so was Gscheithaferl. Pele schreibt wengistens viel, du moserst in dieser Community nur dumm herum. Lass doch mal sehen, was du foto- und textmäßig draufhast.
Grüße von einem nach Sachsen vetriebenen Füssener
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alter sagte vor 3 Jahre 32 Wochen:
Da hätte ich doch einmal eine Frage zu Deinem Text. Du schreibst: „Ich packe mein Zeug zusammen, quecke aus und gehe zur Abfahrtsstelle der Express-Boote.“ Was meint denn „ausquecken“? Ist das Bayerisch oder was?
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