Leser-Reportagen
ISLAND - Eine symphatische Hauptstadt und Natur pur!
Im August `07 erfüllte ich mir einen schon lang gehegten Reisewunsch. Eine Woche Island hatte ich also gebucht. Übernachten wollte ich in Jugendherbergen und, wenn nicht unerschwinglich, wollte ich mir auch einen Mietwagen leisten.
In einer Nacht von Montag auf Dienstag begann das Abenteuer. Kurz nach Mitternacht landete die Maschine nach einem dreieinhalbstündigem Flug von München in Keflavik. Für die restliche Nacht hatte ich vorab ein Zimmer reserviert. Bald setzte mich ein Taxi vor dem Hotel "Keflavik" ab. Das Zimmer war eine ziemliche Enttäuschung und für ein paar Stunden Schlaf in dieser Bude mußte ich ein ganz schönes Sümmchen hinblättern.
Kurz nach 8:00 war ich bereits mit einem Linienbus unterwegs nach Reykjavik. Die Hauptstadt empfing mich mit Nieselregen und frischen +14°C. Meinen Rucksack deponierte ich am Busbahnhof und als erstes suchte ich die Jugendherberge Gisting, um mir für die nächste Nacht einen Schlafplatz zu sichern. Das klappte alles bestens.
Zu meiner Freude klarte am späten Vormittag das Wetter auf. Ein frischer Wind vertrieb die Wolken. Ich zog los, um mir die Stadt anzusehen und ein Mietauto zu organisieren. Reykjavik, mit gut 100.000 Einwohnern, ist eine recht saubere, symphatische Kapitale und gut überschaubar mit relativ wenig Verkehr. Dafür sündteuer. Aber darüber war ich ja informiert. Ich spazierte an der Uferpromenade im geschäftigen Hafen entlang, besichtigte das Historische Parlamentsgebäude, das "Asmundur Sveinsson Sculpture Museum", einige Kirchen. Das imponierendste Gebäude ist die aus Basaltgestein erbaute "Hallgrimskirkja" und davor das "Leif Eiriksson" Denkmal. Gepflegte Parks mit großzügigen Grünflächen und Seen paßten wunderbar ins Bild. In der Hauptgeschäftsstraße, der "Austurstraeti", beobachtete ich eine Weile, bei einem Kaffee, den Betrieb. Die Isländer machten einen freundlichen, offenen Eindruck und Englisch sprach eigentlich jedermann. In einem "rent-a-car" wurde ich, wenn auch nach einigem Zögern, mit dem Inhaber handelseinig. Mietete schließlich für fünf Tage einen Kleinwagen für zirka 380 Euro. Auch nur 500 Freikilometer plus Sprit. Für meine Reisekasse eigentlich ein Wahnsinn, aber ich wollte einfach nicht auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sein und mich unabhängig im Land bewegen können. Und wozu hatte ich die Kreditkarte dabei?
In einem Restaurant in downtown leistete ich mir schließlich ein Abendessen inklusive einem Bierchen. Eigentlich auch viel zu teuer. Allein das 0,33l Pils schlug schon mit stolzen 6,50 Euro zu Buche. Viele Biere
trank ich nicht mehr in Island!
Als ich später ins Hostel zurückkehrte, hatte sich dort mittlerweile eine spanische Reisegruppe breitgemacht. Trotz der Unruhe bis spät in die Nacht schlief ich ganz gut in meinem Etagenbett.
Als mich der Mietwagentyp am nächsten Morgen abholte, regnete es in Strömen und alles war grau in grau. In seinem Büro erledigten wir die notwendigen Formalitäten und danach übergab er mir den Wagen. Bald lag Reykjavik hinter mir und als ich bei Hafnarfjördur auf den "Highway 42" einbog, verzogen sich die Regenwolken, die Sonne lachte hervor und es wurde ein prächtiger Tag. Und der Wettergott blieb mir auch weiterhin wohl gesonnen, für isländische Verhältnisse versteht sich. Aus dem Autoradio dröhnte fetziger Rock, die Teerstraße ging bald in eine Schotterpiste über, ich war "on the road again". Ich fuhr durch eine archaische Landschaft, quer durch die Halbinsel Reykjanes. Und das war erst der Anfang. Einfach geil! Nur wenige kleine Dörfer passierte ich. In einem davon, Porlakshöfn, kaufte ich mir in einem kleinen aber gut bestückten "supermarket" Lebensmittel. Auch da waren die Preise saftig. Weiter ging`s in südlicher Richtung auf der Küstenstraße. Das Panorama war gewaltig. Grünes, endloses Weideland mit vielen Ponies und Rindern. Hie und da ein einsames Gehöft. Die Gletscherzungen des Eyjafjallajökull und des Myrdalsjökull rückten nahe an die Küste. Von deren Eismassen gespeist, donnerten zahlreiche Wasserfälle über die kahlen Hügel zu Tal. Der Spektakulärste davon ist der 60 Meter hohe Skogafoss Weit draußen im Meer waren die zackigen Spitzen der Vestmannaeyjar-Inseln zu erkennen.
Da es im Hochsommer kaum dunkel wird, merkte ich gar nicht, daß es schon früher Abend war, als ich das nur 500 Einwohner zählende Städtchen Vik erreichte. Etwa 10 Kilometer östlich führte mich eine übel ausgewaschene Piste zum Reynisbrekka Hostel. Es lag total abgelegen in dem weiten Tal Myrdalur. Nur ein Japaner und ein deutsches Paar hatten auch noch dorthin gefunden.Für die Übernachtung zahlte ich den "Spottpreis" von 16 Euro. Ich machte mir einen sehr gemütlichen Abend. Da ich am ersten Tag schon 290 von den 500 Freikilometern "verbraucht" hatte, mußte ich meinen Fahrplan unbedingt zusammenstreichen, wenn ich mein ohnehin schon strapaziertes Budget nicht total sprengen wollte. In einem Anflug von Größenwahn hatte ich nämlich ernsthaft in Betracht gezogen, die Insel auf der Küstenstraße zu umrunden. Nachdem ich aber in Vik getankt hatte, kam ich schnell wieder zur Vernunft. Nahm mir aber fest vor, diesen Plan nach einem fetten Lottogewinn tatsächlich auszuführen.
So ließ ich mir also an den kommenden Tagen reichlich Zeit, die unvergleichliche Landschaft und die einzigartige Natur zu genießen.
Ich verbummelte den nächsten halben Tag, trotz stürmischen Windes, am schwarzsandigen Strand bei Vik. Die Ortschaft selbst bot nichts Sehenswertes. Später machte ich einen ausgiebigen Spaziergang zu einer Gletscherzunge des Eyjafjallajökull. Mann, war das lausig kalt! Dann fing es zu schütten an und so machte ich mich auf, zur nächsten Jugendherberge in Leirubakki. Unterwegs dorthin machte ich in Hella Pause und informierte mich dort kurz in einem kleinen Museum über den Vulkan Hekla. Gegen 17:00 Uhr erreichte ich das Hostel. Es war ziemlich neu, geräumig und an jenem Abend war ich der einzige Gast und hatte somit auch den zum Haus gehörenden hotpool ganz für mich allein. Ehrlich, ein wenig Unterhaltung hätte nicht geschadet! Der Regen hatte mittlerweile wieder aufgehört und so konnte ich sogar einen Blick auf den in der Ferne grummelnden Vulkan Hekla werfen.
Am nächsten Morgen war der Himmel wie blankgeputzt. Hatte jede Menge Zeit, da mein nächstes Ziel, die JH Hrauneyjar, nur etwa zwei Fahrstunden entfernt war. So machte ich einen Abstecher zum Pjofafoss. Trübes Gletscherwasser donnerte dort in breiter Front über die Felsen. Die Schotterstraße führte meistens endlos gerade durch schwarze, eintönige Lavafelder. Um die Mittagszeit erreichte ich das Hostel, dem eine Wirtschaft angeschloßen war. Auch diese Gebäude lagen total einsam mitten in der Einöde. Margarete, das nette Mädchen am Empfang, sprach ausgezeichnet Deutsch und sie gab mir den Tip, doch zu den Thermalquellen in Landmannalaugar zu fahren, was sich als absoluter Volltreffer erwies. Zuerst führte der Weg am Hrauneyalon-Stausee entlang und dann immer weiter in eine bizarre Mondlandschaft rein. Ein Geländewagen wäre eigentlich für die 35km Piste dorthin notwendig gewesen.
Einmal kletterte ich einen steilen Hang hoch, um mir einen besseren Überblick in dieser ausgeflippten Szenerie zu verschaffen. Was nicht ganz ungefährlich war, denn der Untergrund war ziemlich locker und gab bei jedem Schritt nach. Nach der Kraxelei kam ich an dem Kratersee Hnausapollur vorbei und einem weiteren See, dem Frostastadavatn. Die die Seen umgebenden Berghänge schimmerten in allen möglichen Farben. Es war unglaublich. Endlich erreichte ich den Campingplatz in Landmannalaugar. An den heißen Quellen dort war einiges los. Viele Ausflügler und Touristen hatten es sich in den Naturbecken bequem gemacht. Bevor ich mich auch im Wasser entspannte, spazierte ich noch eine Weile in der farbenprächtigen Berglandschaft herum. Müde, aber voller unvergesslicher Eindrücke kehrte ich am Abend zur JH zurück.
Bei der Abfahrt am anderen Morgen gab mir Margarete noch einen weiteren Tip mit auf den Weg, den ich natürlich auch beherzigte. So kam ich zu dem abseits der Hauptstraße gelegenen Naturwunder Gjain. Eine einzigartige Felsenkluft mit ein paar herrlichen Wasserfällen, üppiger Vegetation und skurrilen Basaltfelsen. Einfach bezaubernd.
Danach machte ich mich auf den Weg zum Gullfoss. Am Wochenende war auf den sonst leeren Straßen mehr Verkehr. Der Gullfoss zählt zu den schönsten Wasserfällen der Welt und wenn man dort war, kann man das auch verstehen. Der Fluß Hvita bildet dort zwei Fälle, jeweils 32 Meter tief, mit atemberaubendem Regenbogen (falls die Sonne scheint) und einem drei Kilometer langen Canyon.
Nur ein paar Kilometer entfernt gibt es ein hoch aktives Geysirgebiet. Dort kann man auf einem eingezäunten Gelände jede Menge heißer Quellen, schmatzende Schlammlöcher und dampfende Öffnungen bestaunen. Der größte Geysir ist der "Strokkur". Er läßt alle sechs Minuten eine Wasserfontäne steigen. Alle Springquellen dieser Welt sind nach diesem "Geysir" benannt.
Die Nacht verbrachte ich in der Schule in Reykholt. Wenn Ferien sind, wird das Haus als JH genutzt. Im Übernachtungspreis inbegriffen war der Eintritt für das öffentliche Schwimmbad. Dankend nahm ich die Gelegenheit an.
Das Wetter ließ mich auch am letzten Tag der Tour nicht im Stich. So hatte ich herrliche Ausblicke auf den Thingvallavatn, den mit 82qkm größten See Islands und auf "Thingvellir", was übersetzt die "Ebene der Volksversammlung" bedeutet. Thingvellir ist Islands heilige Stätte. Neun Jahrhunderte war dort der Sitz des Althings, des Parlaments. Geologisch gesehen verläuft dort der mittelatlantische Graben zwischen den tektonischen Platten Amerikas und Europas. Die Spalte wächst jedes Jahr um zwei Zentimeter. Thingvellir heißt auch der Nationalpark, in dem das ganze Areal liegt. Den restlichen Tag wanderte ich dort in und auf der Kontinentalspalte herum. Eine außergewöhnliche Vorstellung. Die Mücken wurden schließlich ziemlich lästig. Spät nachmittags fuhr ich dann zum nahen Hotel "Valhöll". Ein edler Schuppen, unerschwinglich für mich, aber einige Zimmer wurden zu Hostelpreisen angeboten. Das Einzelzimmer war muffig und ungemütlich und es machte den Eindruck, als ob es nicht allzuoft benützt würde. Für eine Nacht war`s dann ok.
Als ich anderntags in Reykjavik den Leihwagen zurückgab und mir die Abrechnung abzüglich der Freikilometer präsentiert wurde, mußte ich schon zweimal hinschauen. Aber ich hatte in den paar Tagen unglaublich tolle Landschaften und Natur erlebt und ich würde sofort wieder nach Island reisen, wenn sich die Gelegenheit ergeben würde.
Copyright by: Text und Fotos, Josef Stadler




































Andrea (nicht überprüft) sagte vor 2 Jahre 28 Wochen:
Schöner Bericht, komm da gleich wieder voll ins Schwärmen. ich muss sagen, trotz des hohen Preisniveaus, würde ich jederzeit wieder nach Island reisen, denn es war wirklich jede Krone wert. Vielleicht das nächste Mal mit dem Motorrad über die Farör, wer weiß.
Diesen Beitrag melden!
Weitweitweg sagte vor 2 Jahre 44 Wochen:
War vor 15 Jahren (Oh Sch..., schon wieder so lange her?!)mal zu einem kurzen Stopover in Island (Reykjavik, Stokkur, Akrureiri, Myvatn). Hatte mir damals geschworen, mal für längere Zeit zu kommen. Die horrenden Preise haben meine damalige Dynamik deutlich gebremst. Nach dem eher chaotischen Indien im vergangenen Jahr und angesichts der aktuell hoffentlich etwas gesunkenen Preise ist Island aber wieder in den Fokus gerückt. Danke für den Artikel - ein guter Appetitanreger!
Grüße
Peter
Diesen Beitrag melden!
clickpix sagte vor 3 Jahre 17 Wochen:
Schöner Bericht und feine Fotos!!
Da kommen wieder Erinnerungen hoch.
Vor ein paar Jahren war auf ein verlängertes
Wochenende auf Island - ebenso im Hotel "Keflavik".
Die hohen Preise schockten uns auch zeitweise, obwohl
wir wussten das es teuer ist.
Aber im Moment siehts für Island ja gar nicht gut aus,
ich hoffe, dass sie es wirtschaftlich wieder hinbiegen.
Torsten
Diesen Beitrag melden!
greekangel33 sagte vor 3 Jahre 19 Wochen:
Gute Story! Leider hält Island an seinem Walfang fest- daher will ich in dieses Land kein Geld investieren- obwohl es Deinen Fotos nach traumhaft schön sein muss.
Trotzdem super geschrieben.... :)
Diesen Beitrag melden!
greekangel33 sagte vor 3 Jahre 19 Wochen:
Gute Story! Leider hält Island an seinem Walfang fest- daher will ich in dieses Land kein Geld investieren- obwohl es Deinen Fotos nach traumhaft schön sein muss.
Trotzdem super geschrieben.... :)
Diesen Beitrag melden!
angelika wolfberger sagte vor 3 Jahre 19 Wochen:
Kann ich nur beipflichten! Grandioses Naturspektakel zu einem exorbitanten Preis! Einen Zweiturlaub konnte ich mir nach meinem Islandaufenthalt letztes Jahr nicht mehr leisten. Gelohnt hat es sich trotzdem! Obwohl ich bei meiner organisierten Waalbeobachtungstour keinen Dickhäuter der Meere zu sehen bekam.
Diesen Beitrag melden!
jessica harazim sagte vor 3 Jahre 19 Wochen:
Jaja, das haben wir von zahlreichen unserer Teams auch schon erlebt - die quasi innerhalb von einer Woche Island total verarmt und bloß noch mit den Klamotten, die sie am Leib trugen, nach Hause zurückkehrten ;-) Nein, im Ernst: Die Insel ist unglaublich teuer. Aber anscheinend dann doch jeden Cent wert, oder?
Diesen Beitrag melden!
peter_pfaender sagte vor 3 Jahre 20 Wochen:
Klasse Fotos, Josef! Die Insel ist in der Tat phänomenal schön - und irre teuer. Besonders gut hat mir der Schwarze Strand bei Vik/Myrdal gefallen. Bei tosender Brandung ein beeindruckendes Naturschauspiel
Diesen Beitrag melden!
Kommentar hinzufügen