Leser-Reportagen
NEUSEELAND - Auf Trekkingtour in "Aotearoa-Land der Langen Weißen Wolke"
Südinsel - Der Routeburn Track
Mitte Februar, also im neuseeländischen Spätsommer, wollte ich von Queenstown aus diese Bergwanderung angehen. Von einer früheren Reise nach NZL hatte ich dieses malerisch am Lake Wakatipu gelegene Städtchen als ruhiges, kleines Nest in Erinnerung. Nun kam es mir vor wie Berchtesgaden zur Hochsaison, überschwemmt von japanischen Reisegruppen und gutbetuchten, amerikanischen Pensionären. Deshalb wollte ich mich dort nicht länger als notwendig aufhalten. Von der "Pinewood Lodge" aus organisierte ich die dreitägige Tour. Deckte mich mit Proviant ein, holte auch Infos über`s Wetter ein und am Freitag Nachmittag bestieg ich den Bus nach Glenorchy. Leider war das Wetter nicht so toll. Es war kühl, windig und manchmal gingen sogar heftige Regenschauer nieder. Trotzdem war schon die gut einstündige Busfahrt entlang dem Lake Wakatipu ein Augenschmaus. Die paar weiteren Traveller, die auch noch im Bus saßen, hatten ebenfalls die Absicht, den Track zu gehen. In Glenorchy, eine schmucklose Ansiedlung, setzte uns der Fahrer direkt am "Holiday Park Guesthouse" ab. Beim Abendessen in der Küche hörte man natürlich alle möglichen Geschichten über die Tracks und meine Vorfreude stieg. Draußen pfiff der Wind saukalt ums Haus.
Gut ausgeschlafen stand ich Samstag gegen 7:00 auf. Mein erster Blick galt dem Wetter. Nach Regen sah es zum Glück nicht aus, aber in den Bergen konnte sich das sehr schnell ändern. Ich wußte das aus Erfahrung. Schließlich war ich am Rand der Chiemgauer Alpen aufgewachsen und lebe heute noch dort. Ich hatte schon viele Bergtouren hinter mir und von ganz anderem Kaliber, als diesen etwa 32km langen Track mit höchsten Punkt auf 1.255m Höhe.
Bis der Rest der Gruppe fertig war dauerte es noch eine Weile. Ein Typ vom Guesthouse beförderte schließlich das buntgemischte Völkchen mit einem offenen Geländewagen auf einer knapp 30km langen Schotterpiste zum Parkplatz am Ausgangspunkt der Wanderung. Gegen 9:00 konnte ich endlich losmarschieren. Ich gehe gerne allein, denn man kann sein eigenes Tempo anschlagen, Pausen nach Lust und Laune machen und man ist nur für sich selbst verantwortlich. Mein Rucksack war mit etwa 15kg nicht übermäßig schwer. Der vorerst breite Weg führte durch lichten Wald, entlang dem Route Burn nicht zu steil aufwärts und war selbst für Ungeübte nicht schwierig zu begehen. Ich kam gut voran und bald hatte ich die Anderen abgehängt. Der große Unterschied zu einer Tour in den europäischen Alpen war die fremdartige Flora und die völlige Stille ringsum, bis auf das Geplätscher und Gemurmel des kleinen Flüßchens, an dessem Ufer der Steig verlief. Vögel oder größerer Tiere waren leider nicht zu beobachten. Als ich nach längerem Aufstieg ans Brotzeit machen dachte,sah ich nicht weit voraus, unterhalb eines Wasserfalles, ein eigentlich nicht unbedingt nach Almhütte aussehendes Holzgebäude. Ich hatte nach etwa zweieinhalb Stunden tatsächlich schon das Tagesziel, die Routeburn Falls Hut, erreicht. Machte mich also über den Proviant her, genoß die Pause und richtete im Schlaflager mein Nachtquartier her. So nach und nach trudelten andere Wanderfreunde ein. Am frühen Nachmittag war die Hütte ziemlich belegt und als es zu Dunkeln begann war sie eigentlich überfüllt. Sechs lustige Burschen aus Italien breiteten notgedrungen ihre Schlafsäcke auf dem Boden aus. Ich war von dem Betrieb nicht so begeistert, aber nachdem ein Aussie den kleinen Ofen angeheizt hatte und der nach einer Weile behagliche Wärme verbreitete, wurde es doch ganz gemütlich. Ich hörte mir hauptsächlich die Stories der Anderen an und dann kehrte langsam Ruhe in der Bude ein.
Schlief eigentlich ganz gut, aber um 6:30 war ich als Erster auf den Beinen. Toilette und Frühstück waren etwas umständlich wegen der vielen, meist noch schlafenden Trekker. Etwa eine Stunde nach dem Aufstehen zog ich aber schon los. Draußen war`s neblig, arschkalt und sehr windig. Und leider überhaupt keine Sicht. Meinen Anorak konnte ich nun gut gebrauchen. Nach einer Stunde Aufstieg erreichte ich den höchsten Punkt des Tracks, den Harris Saddle. Machte ganz kurz Rast in einer Nothütte und schaute dann, daß ich weiterkam, denn es stürmte eiskalt und Nebelfetzen zogen über den Grat. Der Abstieg vom Harris Saddle war schwierig, weil es nass, dreckig und deshalb rutschig war, aber dann zog zum Glück der Nebel ab und gab den Blick auf eine großartige Bergkulisse frei. Phantastische Ausblicke ins Hollyford Valley und auf die Darran Mountains. Nun machte das Wandern richtig Spaß, denn die Sonne erwärmte schnell die eiskalte Bergluft. Ein paar Bergsteiger kamen mir entgegen und dann traf ich tatsächlich ein älteres Paar aus München, daß den Track von der Milfordseite aus angegangen war. Natürlich kamen wir für ein Weilchen ins Ratschen. Bald darauf bot sich mir ein sagenhafter Blick, tief unten, auf den milchiggrünen Lake Mackenzie. Für solche Momente macht man Bergtouren. "Horido!", schrie ich laut. Nach gut vier Stunden hatte ich dann die Mackenzie Hut vor Augen. Dort war Deutsch die Sprache, die eindeutig von der Mehrheit der Trekker gesprochen wurde. Die Meisten zogen bald weiter. Ich machte eine ausgiebige Rast und endlich konnte ich zwei freche Keas beobachten, die ohne Scheu vor der Hütte ihre Spielchen aufführten. Es war längst Traumwetter und die Szenerie unglaublich.
Am späteren Nachmittag löste ich mich schließlich von der Idylle und zog nochmal los zur Howden Hut. Weitere zweieinhalb Stunden Marsch lagen vor mir. Machte noch einen kurzen Stop am Earland Fall, um meine nun doch etwas müden Füße im eiskalten Wildwasser abzufrischen. Gegen 17:00 hatte ich den Routeburn Track (fast) geschafft. Ein bißchen stolz war ich schon, obwohl der Track nicht wirklich eine bergsteigerische Herausforderung gewesen war. Auch die Howden Hut war voll belegt mit Hikern aus aller Herren Ländern. So war für Unterhaltung gesorgt und einen Schlafplatz bekam ich auch noch zugewiesen.
Tags darauf, nach dem Frühstück, marschierte ich noch eine halbe Stunde zum Parkplatz nach "The Divide". Dort wartete ich bester Stimmung auf den Bus, der mich zum Milford Sound bringen sollte.
Copyright by: Text und Fotos, Josef Stadler
























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