Leser-Reportagen
NORWEGEN - Hurtigrutenfahrt
Vorab ein "Herzliches Dankeschön" an die Redaktion von "abenteuer und reisen", die mir durch Zuerkennung des 2.Platzes beim Leserreportagen Wettbewerb im Oktober 2008 diese höchst interessante Reise ermöglicht hat.
Mein Dank gilt auch Frau Nina Menzel vom Hurtigruten-Büro in Hamburg, die prompt und kompetent diesen Trip arrangiert hat. (www.hurtigruten.de)
Bald nach der Bestätigung des Gewinnes hatte ich mich mit "Hurtigruten" in Verbindung gesetzt, um auszuloten, wie, wann und was zu tun sei, um diese Reise antreten zu können. Ziemlich schnell standen Termin, Schiff und Begleitung fest. Meine Freundin wollte aus mehreren Gründen nicht mitfahren ("Im Dezember nach Norwegen! Du spinnst ja!") und so lud ich Hans, meinen alten Spezl ein, mit dem ich schon öfters verreist war.
"Unser" Schiff sollte die "MS Lofoten" sein, eines der ältesten und kleinsten Schiffe der Hurtigruten Group, gebaut 1964, 88m lang und 13m breit. In 90 Kabinen können bis zu 400 Passagiere logieren. Sie steht sogar unter Denkmalschutz und wird nicht mehr ganzjährig im Liniendienst eingesetzt.
Wir hatten uns bei der Auswahl ganz bewußt für dieses Postschiff entschieden, denn wir wollten eine möglichst authentische Reise erleben und keinen "Kreuzfahrt Rämmi- Dämmi". Deshalb auch der Termin im Dezember. Diese Entscheidung erwies sich als goldrichtig.
Donnerstag, 4.12.2008
Wir fliegen am Nachmittag von München über Oslo nach Tromso, wo wir gegen 20:00 Uhr landen.Der Transport mit einem Bus in die Innenstadt dauert knapp zwanzig Minuten. Dann stehen wir am Hurtigruten-Kai in der Kälte. Unser Schiff soll erst um 23:30 Uhr einlaufen. Wir haben also genügend Zeit, uns in der mit 64.000 Einwohnern "größten Metropole des hohen Nordens", umzuschauen. Auf Anfrage dürfen wir in einem nahen Hotel gegen Gebühr unser Gepäck abstellen. Jetzt können wir losziehen. Wir sind ganz froh über etwas Bewegung und die frische Luft nach der langen Anreise. Die "Strandgata", die Hauptstraße ist schon weihnachtlich dekoriert. Es rührt sich kaum was auf den winterlichen Straßen, nur in den Pubs und Restaurants ist reger Betrieb.
Von der anderen Seite des Tromsoy-Sundes leuchtet die spitze Silhoutte der Eismeer-Kathedrale herüber. Die gut tausend Meter lange Tromso-Brua (-brücke) ist schnell erreicht und so latschen wir rüber zu dem offiziell "Tromsdalen Kirke" genannten Gotteshaus. Leider ist es verschlossen. Da die Nacht sternenklar ist, werden wir mit einem tollen Ausblick auf das Lichtermeer der Stadt und auf die verschneiten Berge belohnt.
Zurück in der Altstadt verschnabulieren wir an einer Imbißbude einen riesigen Kebab und die restliche Wartezeit vertreiben wir uns in einem Pub. Dort werden wir auch gleich mit den deftigen Preisen für Alkoholika konfrontiert. Aber darauf sind wir vorbereitet. Dann wird es Zeit, unsere Taschen zu holen. Von dem Hotel aus beobachten wir das Anlegen der "MS Lofoten". Wir müssen nur 200 Meter gehen und voller Erwartungen steigen wir über die herabgelassene Treppe an Bord. Außer uns schifft sich nur noch ein norwegisches Paar ein.
Eine sehr freundliche, junge Dame empfängt uns. Kabine 205 auf Deck B ist für Hans und mich reserviert. Als wir dann in der Kabine stehen, schauen wir uns ziemlich bedeppert an. Mit so einem winzigen Raum haben wir nicht gerechnet. Wir können uns darin kaum umdrehen. Zwei herausziehbare Stockbetten, ein Zwergenspind und eine extrem kleine Toilettennische bilden die Einrichtung. Das kann`s ja nicht sein! Fragen kostet nichts! Also gehe ich zur Rezeption und mit der billigen Notlüge, daß Hans ein gar schrecklicher Schnarcher sei , erkundige ich mich bei Celolita, der freundlichen, jungen Dame, ob es nicht möglich sei, eine zweite Kabine zu bekommen. Sie schaut in den PC. "No problem. You are really lucky. During this trip, there are only few passengers on board. We do have enough empty cabins", meint sie dann charmant. Na also! So ziehe ich in eine eigene, fast doppelt so große Kabine auf dem Salondeck um. Jetzt kann die Reise beginnen. Nach einem kurzen Rundgang durch das Schiff lädt Hans mich auf ein Bier in der 24 Stunden geöffneten Cafeteria ein.
Freitag, 5.12.2008
Um 1:30 Uhr legt das Schiff ab. Wir beobachten vom Bootsdeck aus das Auslaufen. Schnell bleiben die Lichter von Tromso zurück. Der eiskalte Wind treibt uns dann ins Bett. Das gleichmäßige Tuckern des Schiffsmotors wirkt einschläfernd.
Um 8:00 Uhr stehe ich auf. Irritierend ist, daß es um diese Zeit noch richtig Nacht ist. Noch vor dem Frühstück lasse ich mir den saukalten Wind an Deck um die Nase wehen. Zum Fotografieren ist es noch zu dunkel, aber die verschneiten Berge beiderseits der Wasserstraße sind schon gut zu sehen. Es ist sehr beeindruckend. Beim exzellenten Frühstücksbuffet bekommen wir so nach und nach die paar anderen Passagiere zu Gesicht. Fast lauter Landsleute. Erst gegen 10:00 Uhr wird`s langsam hell. Wir machen es uns im Panorama Salon bequem und bestaunen die vorbeiziehende, winterliche Kulisse. Ich gehe mal hoch zur Brücke und tatsächlich nimmt sich Kapitän Eivind Lande die Zeit, mir zu erklären, wie das Schiff gesteuert wird. Unseren ersten Landgang absolvieren wir um 10:30 Uhr in Risoyhamn, ein kleines Nest auf der zu der Inselgruppe der Vesteralen gehörenden Insel Andoya. Wir haben 45 Minuten Zeit für einen Spaziergang und das genügt auch, denn es gibt außer ein paar bunt angemalten Holzhäusern wenig zu sehen. Unterdessen werden einige Frachtgüter entladen und auch an Bord gehievt. Nach zwei Stunden Fahrt, nächster Stop in Sortland. Das gleiche pro cedere.
Um 13:00 Uhr läutet die Glocke zum Lunch. Die Fahrgäste nehmen ihre reservierten Plätze im Restaurant ein. Der Kapitän und zwei, drei Offiziere lassen es sich an einem eigens gedeckten Tisch gut gehen. Natürlich gibt`s Fischspezialitäten, aber nicht nur. Das Buffet ist sehr abwechslungsreich, sehr gut und sehr reichlich. So tut uns der Verdauungsspaziergang in Stokmarknes, dem nächsten Hafen, ganz gut. Um 15:00 Uhr ist es schon wieder stockdunkel. Zeit zum Lesen, Schreiben, TV Schauen oder einfach zum Abhängen.
Um 18:00 Uhr läuft das Schiff den Hafen von Svolvaer, auf den Lofoten, an. Leider sehen wir von der Landschaft kaum etwas und der obligatorische Stadtbummel ist auch nicht sehr ergiebig. Lediglich die Austellung "Magic Ice" in einer Kühlhalle am Pier bietet einen Hingucker.(www.magic-ice.no) Kaum zurück an Bord wird das Abendessen serviert. Lachscremesuppe, gegrillte Jakobsmuscheln mit buntem Gemüse, Vanillepudding mit Schokoladensoße und Heidelbeeren.
Um 21:00 Uhr noch ein zweiter, kurzer Aufenthalt auf den Lofoten, in Stamsund. Bald nach der Abfahrt merken wir nun zum ersten Mal so richtig, daß wir uns auf einem Schiff befinden. Der Seegang wird rauher und damit die Bewegungen des Schiffes unruhiger. Hans und ich haben damit keine Probleme. Bei nächtlichen Landemanövern registriere ich zwar den Lärm, aber richtig wach werde ich dadurch nicht.
Samstag, 6.12.2008
Der Tag verläuft ähnlich wie der vorherige. Kurze Spaziergänge in Nesna, Sandnessjoen und Bronnoysund. Der Höhepunkt am Vormittag ist das Passieren des Polarkreises genau um 9:25 Uhr. Per Ansage wird darauf aufmerksam gemacht. Zu sehen ist auf einem kleinen Felsen das Modell einer Weltkugel.
Am Nachmittag steht ein unverbindlicher Sektempfang für die Kreuzfahrtgäste im Hecksalon auf dem Programm und vor dem Abendessen wird die Küchencrew vorgestellt. Dazu gibt`s Cognac auf Kosten von Hurtigruten. Ein Hauch von "Captain`s Dinner" auf dem Postschiff.
Um 20:30 Uhr der letzte Landgang des Tages in Rorvik. Eine junge Dame steht am Pier und macht uns darauf aufmerksam, daß extra für die Passagiere das Norveg-Centre noch geöffnet hat. So einer netten Einladung muß man fast nachkommen. Für 6 Euro Eintritt können wir uns dann informieren, wie das Leben an der Küste in vergangenen Zeiten ausgesehen hat.(www.norveg.org)
Den Tag beenden wir mit einer Flasche Rotwein, die Hans beim Bummel durch Nesna gekauft hatte.
Sonntag, 7.12.2008
Es ist schon 8:00 Uhr, als ich zum Frühstücken gehe. Hans ist noch später dran. Schade deswegen, weil das Schiff bereits vor über einer Stunde im Hafen von Trondheim festgemacht hat. Da bleibt uns nicht mehr so viel Zeit, um uns einen Eindruck von den restaurierten Speicherhäusern von Bryggene zu verschaffen.
Um 10:00 Uhr verlassen wir Trondheim. Heute ist es nicht mehr so kalt. Mit dem Wetter haben wir bisher auch Glück. Um die Mittagszeit läßt sich sogar mal kurz die Sonne blicken, was die Wolken über der Schärenlandschaft in ein spektakuläres Licht taucht. Nachmittags dürfen Hans und ich den Maschinenraum besichtigen. Der Chefstewart, ein ausgewanderter Hamburger, hatte dies auf meine Bitte hin mit dem Obermaschinisten arrangiert. Ist schon sehr interessant, den Lärm, den Geruch und die arbeitende Maschine live zu erleben.Den Ölgestank bekommen wir bei dem halbstündigen Spaziergang um 16:00 Uhr in Kristiansund wieder aus der Nase. Nach einem weiteren oppulenten Diner kommt uns der Landgang am späteren Abend in Molde gerade recht.
Montag, 8.12.2008
In der Nacht wird es stürmisch. Ich wache auf, als mein Zeug, das auf dem Tischchen liegt, durch die Kabine fliegt.
Ich suche meine Uhr und mich hauts dabei beinahe aus dem Bett. Es ist nach 3:00 Uhr. Das Schiff rollt und bockt so richtig. Ich schaue aus dem Fenster und sehe im Licht der Decksbeleuchtung riesige Wellenberge mit Schaumkronen vorbeirauschen. Ich rolle mich in der Koje zusammen, aber an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Bei einem Stop in Maloy sehe ich, wie der Regen auf das Hafengelände niederpeitscht. Gegen Morgen wird es dann wieder ruhig, aber beim Frühstück, nach einem kurzen Anlegen in Floro, habe ich keinen besonderen Appetit. Auch Hans langt nicht so zu wie sonst. Um 8:30 Uhr startet das Schiff zur letzten Etappe. Nur noch auf den höheren Bergen ist Schnee zu sehen. Die Luft ist relativ mild und die Schärenlandschaft bietet tolle Ausblicke. Mehrmals passiert das Schiff ziemlich enge Durchfahrten. Pünktlich um 14:30 Uhr läuft die MS "Lofoten" im Hafen von Bergen ein. Die Kreuzfahrt ist für uns zu Ende. Es regnet. Wir verabschieden uns kurz. Die Mannschaft hat nun zu tun.
Für uns ist ein Hotelzimmer reserviert, denn wir können erst morgen heimfliegen. Das "Neptun" Hotel erreichen wir zu Fuß nach zehn Minuten.(www.neptunhotel.no) Es liegt sehr günstig inmitten der Altstadt und nahe am Hafen. Gleich nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, drehen wir eine Runde bevor es dunkel wird. Was wir von der Stadt sehen gefällt uns gut, besonders die Holzbauten von Bryggen. Zum Abendessen gehen wir in ein italienisches Restaurant, genehmigen uns einige Biere. Ein paar Häuser weiter landen wir dann im "Sjoboden Pub", einer richtigen Hafenkneipe, auch mit Live Musik. Dort ist richtig was los. Die meist ziemlich besoffenen Seeleute hauen ganz schön auf den Putz, aber immer friedlich und nett. Ich steige zu fortgeschrittener Stunde sogar mal auf die kleine Bühne und begleite für ein paar Songs die Musiker am Schlagzeug. Wir amüsieren uns ziemlich gut. Um 2:30 macht der Wirt die Bude dicht.
Dienstag, 9.12.2008
Beim Frühstück merken wir dann doch ,daß die Nacht etwas kurz war, aber es ist ok. Wir packen unser Zeug und lagern es im Gepäckraum. Wir haben noch genügend Zeit vor dem Transfer zum Flughafen. So fahren wir mit der Zahnradbahn auf die 326m hohe Aussichtsplattform hoch über Bergen.(www.floibahnen.no) Kaum sind wir oben, zieht leider dicker Nebel auf und es beginnt auch noch stark zu schneien. Wir gehen dann zu Fuß wieder runter in die Altstadt. Dauert etwa 30 Minuten. Im Hotel holen wir das Gepäck und dann ab mit einem Bus zum Flughafen. So um 14:00 Uhr haben wir bereits eingecheckt. Die letzten Kronen geben wir für eine Tasse Kaffee aus. Mit SAS fliegen wir über Kopenhagen zurück nach München, wo wir mit Verspätung gegen 20:00 Uhr landen. Die Frau von Hans erwartet uns schon.
Copyright by: Text und Fotos, Josef Stadler
































peter_pfaender sagte vor 3 Jahre 3 Wochen:
Ein Feuerwerk an Kommentaren, Oli!
Zum Thema Gewinnspiel: Natürlich sind weder die wertvollen Reisen noch die tolle Uhr, die wir hier für das beste Userfoto ausgelobt hatten, ein Fake! Das geht alles an ECHTE Gewinner. Und die schreiben uns oft Postkarten, Mails oder Briefe
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Oli Bauer sagte vor 3 Jahre 3 Wochen:
Sag bloß, die tollen Reisen sind in "echt" verschenkt worden. Das ist ja klasse.
Die anderen Gewinner scheinen aber eher schreibfaule Kandidaten zu sein, sonst müsste die Community von tollen Berichten überquellen. Na ja, Undank ist der Welten Lohn -oder Ihr habt immer die Falschen ausgelost :-) Denkt das nächste Mal an mich, dann kauf ich auch ein Abonement. So, und jetzt klapp ich mein Notebook zu, der Zug fährt ein. Hab nen Termin
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jessica harazim sagte vor 3 Jahre 5 Wochen:
Lieber Josef,
das hört sich echt toll an. Es freut mich wirklich riesig, dass Du auf Deiner Gewinner-Reise so viel Spaß hattest! Und es zeigt sich immer wieder - wie auch Peter sagt–: abenteuer und reisen macht nicht nur Menschen mit tollen Reisepreisen glücklich, sondern weckt auch noch das Talent zum Schreiben!
Meint Jessica
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mosaik (nicht überprüft) sagte vor 3 Jahre 5 Wochen:
Es gibt viele Arten des Reisen. Josef scheint genauso wie ich jene zu bevorzugen, die zu ruhigen Zeiten, zu un-touristischen Zeiten einen zu interessanten Reisezielen führt!
Seine Bilder vermitteln auch gut die Stimmung, die diese Menschen Jahr für Jahr im Winterhalbjahr "erleiden" müssen. Denn was für uns in Mitteleuropa faszinierend erscheinen mag, ist für die dort Lebenden vielleicht gar nicht so lustig: fast bis 24 Stunden nur Dunkelheit.
Wie gesagt, es gibt viele Arten des Reisen und der Reportage - mal was off-season gezeigt, finde ich als Würze des Journalismus. Vor allem dann, wenn genau deshalb und trotzdem viel Leben wie in der Reportage von Josef rüber kommt
meint
Peter
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