Leser-Reportagen
BRASILIEN - Iguacu-Wasserfälle: Gigantisches Naturschauspiel im Dreiländereck
Drei Tage Aufenthalt sind natürlich viel zu kurz für eine Metropole wie Rio de Janeiro. Das reicht nur zu dem obligatorischen Besichtigungsprogramm mit Copacabana, Zuckerhut, Corcovado etc. Leider hing gerade an jenen Novembertagen auch noch ein Tiefdruckgebiet mit kräftigen Regenschauern über der Stadt, aber es kann ja nicht immer nur die Sonne scheinen. So hatte ich u.a. das unfreiwillige Vergnügen, den Strand von Copacabana fast menschenleer zu erleben. Das kommt sicher auch nicht allzu oft vor.
Nun brachte uns die hübsche, tüchtige Fremdenführerin Ines mit ihrem Wagen zum Flughafen. Es war ein Montag Morgen und es regnete in Strömen. Ines war dauernd in Sorge, daß deswegen das Auto stehenbleiben könnte, aber letztendlich lieferte sie uns (noch Andrea und Stefan aus Bremen) rechtzeitig ab. Gegen 10:00 Uhr rollte die Boeing 737 zur Startbahn. Etwa 1200 Kilometer beträgt die Entfernung zum Zielflughafen Foz de Iguacu im Dreiländereck von Brasilien, Argentinien und Paraguay. Zwei Stunden Flug lagen vor uns.
Dank meines Fensterplatzes hatte ich beim Anflug auf die Stadt einen tollen Ausblick auf das Itaipu-Wasserkraftwerk. Diese gigantische Anlage staut den Rio Parana zu einem riesigen See an der Grenze zu Paraguay. Nach dem Regen in Rio empfing uns nach der Landung strahlender Sonnenschein. Die Temperatur lag bei schwülen 30° C. Am Airport wurden wir von Egon, dem deutschstämmigen, örtlichen Tourguide abgeholt. Er chauffierte uns mit einem Kleinbus ins nahe Hotel "San Martin". Dort hatten wir kurz Zeit, uns frisch zu machen. Bald stand Egon wieder auf der Matte und brachte uns mit seinem Bus zu dem nur wenige Kilometer entfernten Ausgangspunkt des befestigten Wanderweges zu und entlang der gigantischen Wasserfälle von Iguacu. Am Ende des Weges werde er am dortigen Tourist-Centre auf uns warten, gab er uns Bescheid.
Was ich dann auf dem knapp drei Kilometer langen Spaziergang zu sehen bekam, war wirklich einzigartig. Der Rio Iguacu stürzt, donnert, spritzt und schäumt von seinem Oberlauf in über 250 einzelnen Wasserfällen auf einer Breite von vier Kilometern in das untere, von den braunen Wassermassen ausgewaschene Flußbett. Einige der Fälle sind bis zu 82 Meter hoch. Etwa 6500cbm Wasser pro Sekunde stürzen so herab. Bei Hochwasser kann es das Doppelte sein. Das alles inmitten einer subtropischen Dschungellandschaft. Einfach überwältigend. Der “Teufelsschlund” (Garganta do Diabo), ein hufeisenförmiger, 82 Meter hoher, 150 Meter breiter und 700 Meter langer Katarakt ist der eindruckvollste von allen und liegt direkt an der Grenze zwischen Brasilien und Argentinien. Auf einem Steg kann man auf brasilianischer Seite fast bis zum Wasser vorgehen. Einzigartig auch die Rußsegler, die unglaublicherweise in Felsnischen hinter den herabdonnernden Wassermassen ihre Brut aufziehen. Wie die Vögel heil durch den Wasservorhang gelangen, blieb mir ein völliges Rätsel. Ich ließ mir dieses Schauspiel natürlich nicht entgehen und war dann auch bald ziemlich naß, durch die über dem ganzen Gebiet schwebende Gischt. Was aber bei der brütenden Hitze nicht unangenehm war. Am späteren Nachmittag hatte sich die kleine Reisegruppe im Restaurant wieder versammelt."Wenn ihr Lust habt, könnt ihr euch das ganze Spektakel auch aus der Luft anschauen", machte Egon den Vorschlag. "15 Minuten Rundflug mit dem Helicopter kosten pro Nase 53 Euro". Na ja. Nicht gerade geschenkt, aber schon eine tolle Gelegenheit. Man gönnt sich ja sonst nichts! Ziemlich schnell hatten sich genügend Teilnehmer gefunden. Jeweils vier Passagiere hatten im Hubschrauber Platz. Ich war schon bei der zweiten Runde dabei. Ein Erlebnis der Extraklasse. Blöderweise waren dann ausgerechnet im Heli die Batterien meiner Kamera alle und die Ersatzdinger waren in meinem Rucksack und der Rucksack war bei Egon im Bus. So eine Sch... Egon brachte uns schließlich zurück ins Hotel, wo ich den ereignisreichen Tag am Swimmingpool ausklingen ließ.
Am nächsten Morgen war ich ziemlich müde, denn ich hatte wegen der schwülen Hitze, trotz Klimaanlage, nicht sonderlich gut geschlafen. Aber nach einem exotischen Frühstück freute ich mich schon auf neue Erlebnisse. Vier weitere deutsche Urlauber saßen bereits in Egon’s Bus, als er uns gegen 8:30 Uhr abholte. Nach kurzer Fahrt passierten wir die brasilianisch-argentinische Grenze und fuhren nun noch eine halbe Stunde weiter bis zum Parque Nacional Iguazu. Zwei Drittel der Wasserfälle befinden sich auf argentinischem Gebiet. Bis zur Mittagszeit konnten wir nun auf eigene Faust das Areal erkunden. Eine Schmalspurbahn brachte die Besucher zu einer kleinen Station, von wo aus man die verschiedenen Wege begehen konnte. Ein paar Frauen boten dort handgemachte Souvenirs an. Wie gestern schon, war ich wieder total begeistert von diesem spektakulären Naturschauspiel. Einer der Stege führte dort von oben zum “Garganta del Diablo“, den ich gestern noch von unten bestaunt hatte. Gegen Mittag versammelte sich die kleine Gruppe wieder an der Station. Ein Thermometer zeigte 41°C an. Kein Wunder, daß ich nur Durst und kaum Hunger hatte.
Nach der Siesta ging das Programm weiter. Egon fuhr uns zurück nach Foz de Iguacu. Das Ziel war jetzt das Itaipu-Wasserkraftwerk, das halb in Brasilien, halb in Paraguay liegt. Die brutale Hitze hatte uns mürbe gemacht und so war kaum einer noch richtig interessiert an der Besichtigung. Alle waren froh, als uns Egon spät nachmittags am Hotel ablieferte und wir uns endlich am Pool abfrischen konnten. Nach dem ausgezeichneten Abendbuffet beugte ich an der Bar mit einigen kühlen Bieren dem Austrocknen vor und später schwang ich sogar noch das Tanzbein in der Hotel-Disco.
Diesmal hatte ich besser geschlafen. Um 11:00 Uhr war der Transfer zum Flughafen geplant. Hatte also nach dem Frühstück genügend Zeit noch in den Pool zu springen. Dank Egon verlief das Einchecken schnell und reibungslos. Wir verabschiedeten uns mit einem fetten Trinkgeld von ihm. Etwa 90 Minuten später landeten wir in Sao Paolo. Nur ein kurzer Stopp. Dann ging es weiter 2800 Kilometer nordostwärts, nach Salvador de Bahia.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Copyright by: Fotos und Text, Josef Stadler






























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