Leser-Reportagen
BULGARIEN - Impressionen von der Schwarzmeerküste
Eine Woche an Bulgarien`s Riviera, pauschal mit Flug und Hotel.
Eigentlich nicht meine Art von Urlaub, aber dieses “last minute” Angebot war preislich zu verlockend gewesen und so flog ich an einem Sonntag Nachmittag, Mitte Juni, mit einer Tupolew der AIR VIA von München nach Varna. Ein angenehmer 90-Minuten Flug.Vor Ort sommerliche Temperaturen. Der Transfer mit einem Bus zum 18 Kilometer nördlich gelegenen Touristkomplex “Goldstrand“ dauerte zirka eine halbe Stunde. Das Zimmer in der fünften Etage im Hotel “Pliska“ war dann eher “ziemlich einfach”, aber sauber und -wichtig- die sanitären Einrichtungen funktionierten. Nach dem Duschen machte ich einen ersten Spaziergang zur Strandpromenade und danach wußte ich, worauf ich mich eingelassen hatte. Das “Pliska” lag inmitten eines ausgedehnten Areals, bestehend aus zahlreichen Hotels, Restaurants, Bars, Nachtclubs, Shops und Vergnügungseinrichtungen für Groß und Klein. Swimmingpools, eine Reitbahn, Kinderspielplätze, ein Shuttlezug auf Rädern mit offenen Wagen. Dazu ein breiter, kilometerlanger, gepflegter Sandstrand, gespickt mit bunten Sonnenschirmen und unzähligen Liegestühlen. Ein Paradies für Familien und Pauschaltouristen. Kein Paradies für mich.
Abends ging die Gaudi erst richtig los. Die Gastronomie bot viele Möglichkeiten und war meist preiswert. Auch die Preise für alkoholische Getränke waren sehr moderat. Die Folgen konnte man sehen und hören, je später es am Abend wurde. Zahllose, mehr oder weniger besoffene Gestalten, meist jüngere Deutsche, Briten und Skandinavier, zogen von Pub zu Pub und lärmten auf den Straßen. Großteils waren sie nur lustig und übermütig drauf. Zu vorgerückter Stunde bekam ich allerdings auch unappetitliche Dinge zu sehen. Die Nachtclubs waren gut besucht und viele “leichte“ Mädchen forderten die meist männlichen Gäste nicht nur zum Tanzen auf. Na ja, jedem das Seine!
Ich wollte wenigstens tagsüber etwas anderes als “Ballermann”-Atmosphäre erleben und buchte daher bei einem örtlichen Reiseveranstalter drei Ausflugstouren.
Am zweiten Tag meines Aufenthaltes war der Himmel stark bewölkt und der Wind ziemlich frisch. Genau das richtige Wetter um nach Varna zu fahren. Die Stadt hat gut 300.000 Einwohner und ich hatte nur ein paar Infos aus meinem Reiseführer. Ich nahm den öffentlichen Bus. Nach halbstündiger Fahrt stieg ich an einem belebten Platz aus. Stand nun zufällig vor der Kongresshalle. Von dort war es nicht weit zum städtischen Badestrand, der bei dem Wetter nahezu leer da lag. Spazierte dann auf gut Glück in die Innenstadt. An schrecklich abgefuckten Plattenbauten vorbei, fand ich tatsächlich das Archäologische Museum. Eine weitläufige, belebte Fußgängerzone begann nur einige Schritte weiter mit vielen Shops und Cafes, die jedoch ebenfalls einen ziemlich heruntergekommenen Eindruck machten. Ein bedauernswerter Tanzbär mußte sich zur Schau stellen. Ich beobachtete bettelnde Kinder, die Essensreste aus Abfallkörben neben einem McDonald´s holten. Auch einen Markt gab es mit viel Kitsch und Kram. Alte Frauen boten Stickereien an. In der “Jungfrau-Maria-Kirche” zündete ich eine Kerze an. Am späten Nachmittag hatte ich genug gesehen und ich fuhr zurück zum Goldstrand.
Der erste Ausflug führte mich mit einer bunt zusammengewürfelten, gut gelaunten Gruppe von 30 Urlaubern ins etwa 90 Kilometer südlich vom Goldstrand an der Küste gelegene Städtchen Nesebar. Die Fahrt mit dem Bus dauerte ungefähr 2 Stunden. Die wenig befahrene Straße wand sich kurvenreich über mit Laubwald bewachsene Hügel, durch grüne Weinberge, kleine Felder und ärmliche Ortschaften. Dann und wann taten sich schöne Ausblicke auf’s Schwarze Meer hinaus auf. Die antike Siedlung Nesebar war einst auf einer kleinen Insel gelegen. Heute erreicht man die Ortschaft über eine Straße, die über einen Damm führt. Schon am Parkplatz trennte ich mich von der Reisegruppe. Ich hatte keine Lust, den halben Tag lang, wie ein Schaf in der Herde, dem Reiseleiter nachzulaufen. Statt dessen besichtigte ich auf eigene Faust die byzantinischen Kirchenruinen aus dem Mittelalter, die charakteristischen Holzhäuser und den kleinen Hafen. Alles in allem war Nesebar aber enttäuschend. Der ganze Ort wirkte auf mich wie ein großer Souvenirladen mit zu vielen Kneipen, voll von rangekarrten Touristen. Nun gut, ich war auch ein Teil davon.
Pünktlich zum Start der Jeepsafari am nächsten Morgen gegen 9:00 Uhr zog ein Gewitter auf. Treffpunkt für die Teilnehmer war das Hotel “Shipka”. Die umfunktionierten Militärfahrzeuge standen schon bereit. Vorerst aufgeplant wegen des Regens. Ich wurde in einen Jeep gesetzt, zusammen mit zwei nicht mehr ganz junge Belgierinnen, einem Dänen und zwei deutschen Paaren. Nachdem wir ein paar Kilometer gefahren waren, war auf einem kleinen Parkplatz gleich mal Pause. So nach und nach trafen zwölf weitere Jeeps ein mit zusammen etwa hundert Leuten. Der Regen hatte inzwischen aufgehört und die Fahrzeuge wurden abgeplant. Unser Fahrer stellte sich als “Super-Mario” vor. “Ich Superfahrer und immer superlustig“. Sein deutscher Wortschatz war ziemlich limitiert. Der Konvoi setzte sich in Bewegung und bald demonstrierte Super-Mario was er unter superlustig verstand. Er ließ z.B. gerne mit Hilfe der Handbremse den Wagen hüpfen und plärrte dazu “sex bomb,sex bomb“. Die Damen kreischten schrill auf. Er ließ auch kein Schlagloch aus, wobei er jedesmal schrie: “Alles unter Kontrolle“! Die Damen kreischten schrill auf. Er fuhr dem vorausfahrenden Fahrzeug fast hinten drauf und johlte dabei “yeepie“. Die Damen kreischten schrill auf. Es war unglaublich superlustig. Mir dämmerte nun langsam, was das für eine Safari war. Es wurde aber noch viel schlimmer. Nachdem wir eine zeitlang über eine total schmierige Lehmpiste durch bewaldetes Gelände geschlittert waren, erreichten wir ein Gehöft. Dort wurde nun eine Schnapsbrennerei besichtigt inklusive Schnapsprobe. Alles klar! Die Fahrt ging weiter über Feldwege und Nebenstraßen oder direkt querfeldein. In einem winzigen Kaff gab es einen Empfang auf “echt bulgarische Art“ mit Brot und Salz. Wenigstens verdienten die Bewohner damit ein wenig Geld. Die Karawane bewegte sich scheinbar ziellos durch die unbewohnte Landschaft, bis zur Mittagszeit eine bewaldete Senke erreicht wurde. Dort wartete schon ein Picknick auf die Safarigäste. Viele waren mittlerweile mehr oder weniger angetrunken, denn natürlich hatte jeder der Fahrer auch genügend “Bölkstoff“ im Jeep dabei, den sie nebenbei verkauften. Die beiden Belgierinnen kicherten nur noch hysterisch. Während des Essens trat zu allem Überfluß auch noch ein bescheidenes Musikantentrio auf und spielte so mitreißende Stücke wie „Rosamunde“, „La Paloma“ oder den Schlümpfesong. Ich kam mir vor wie in einem Film von Gerhard Polt. Zum Glück war wenigstens das Grillfleisch gut und reichlich. Das Picknick zog sich hin, bis schließlich am frühen Nachmittag die Rückfahrt zum Goldstrand angetreten wurde. Mann, war ich froh, als ich endlich diesem organisierten Wahnsinn entkam. Den meisten Teilnehmern schien es aber gefallen zu haben.
Beim dritten Ausflug waren wir nur ein kleines Grüppchen Deutscher. Er führte zuerst zur nördlich vom Goldstrand liegenden Kleinstadt Baltschik. Eine gute Stunde spazierten wir dort im direkt am Strand gelegenen Sommerschloß der ehemaligen rumänischen Königin Marija und im dazugehörigen Park herum.
Nächster Halt war ein kleines Museumsgebäude in Kavarna, in dem man lokales Kunsthandwerk besichtigen und kaufen konnte. Dort wurden wir auch mit Brot und Salz begrüßt. Auch das war käuflich zu erwerben. Das von einheimischen Frauen gebackene Brot schmeckte wirklich ausgezeichnet, aber ich konnte doch keines mitnehmen. Leider!
Das letzte Ziel der Tour war dann das heute unter Denkmalschutz stehende Kap Kaliakra. Früher diente es der Verteidigung. An der Felsküste waren Überreste von Festungsmauern zu sehen. In eine Felsenhöhle war ein Restaurant eingebaut. Ein Opferstock stand in der winzigen Kapelle am äußersten Rand des Kaps. Mit seiner Spende konnte man zum Erhalt des Gemäuers beitragen. Die Aussicht vom Kap auf Meer und Felsenküste war leider getrübt durch darüberziehende Regenschauer. Nach einer kurzen Kaffeepause ging es zurück zum Goldstrand.
Am letzten Tag meines Aufentaltes an der Bulgarischen Riviera gammelte ich einfach am Strand rum und beobachtete nochmal den Betrieb dort. Mein ganz persönliches Fazit zu dieser Woche lautete: ein weiteres Mal muß ich so einen Urlaub nicht mehr haben !
Copyright by: Text und Fotos, Josef Stadler




































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