Leser-Reportagen
KANADA - Unterwegs in British-Columbia
Warum nicht Bella Coola?
Es war ein Bilderbuchmorgen im Juli. Kurz nach 7:00 Uhr war ich bereits aufgestanden. In der Nacht hatte ich nicht besonders erholsam geschlafen, denn leider war in dem Vierbettzimmer im Whistler Hostel am Alta Lake, etwas außerhalb von dem bekannten Wintersportort , auch ein penetranter Schnarcher einquartiert gewesen. Mit dem Frühstück hielt ich mich nicht lange auf und so gegen 8:00 Uhr startete ich mit meinem Mietwagen.
Ich fuhr nach Norden. Kaum Verkehr. Nach Pemberton wurde die Straße relativ schmal und ziemlich kurvig und es ging abwechselnd steil bergauf und bergab, immer am Cayoosh Creek entlang. Die Berglandschaft war spektakulär. Immer wieder hielt ich an, um Fotos zu machen und dann hatte ich das unverschämte Glück, daß ich tatsächlich einen Bären zu Gesicht bekam. Ein schwarzer Meister Petz schnüffelte irgendwo am Highway ein paar Minuten lang ganz ungeniert im Gesträuch an der Böschung auf der anderen Seite der Fahrbahn herum, ehe er im Gestrüpp oberhalb verschwand. Ich konnte es kaum glauben, denn auch in Kanada ist das nicht eine Begegnung der alltäglichen Art. Gegen 11:00 Uhr erreichte ich Lillooet. Machte dort Kaffeepause und in einem „foodstore“ besorgte ich mir Getränke und Proviant für den Abend. Eine Stunde später fuhr ich weiter. In Pavilion nahm ich eine Abkürzung nach Clinton. Diese Piste war ungeteert, aber ganz gut befahrbar. Sie führte meist steil aufwärts auf ein riesiges Weidegebiet und später noch steiler und kurviger wieder hinab zum Kelly Lake. Ganze vier Autos waren mir entgegengekommen. Eine Viertelstunde später passierte ich Clinton. Ab dort führte der Highway 97 aus den Bergen heraus und das Cariboo Country breitete sich in endlosen, grünen Hügeln aus. Das graue Asphaltband des einsamen Highways zog sich endlos in die Ferne und ich mußte zeitweise gegen die Müdigkeit regelrecht ankämpfen, trotz der großartigen Landschaft.Ich war froh, als ich nach gut zwei Stunden die Siedlung mit dem eigenartigen Namen „100 Mile House“ erreichte. Kaffeepause und Auftanken. Nach einer weiteren Stunde eintöniger Fahrerei kam ich durch das Städtchen Williams Lake und als ich am frühen Abend am McLeese Lake einen Campingplatz erspähte, hatte ich mein Tagesziel gefunden.
Nachdem ich am Empfang des „Oasis Resort“ 15 Dollar gezahlt hatte, konnte ich mein Zelt aufstellen. Hatte mehr als genug Platz. Ein paar Runden schwimmen im See war eine Wohltat nach der stundenlangen Fahrerei. Hatte immerhin 428 Kilometer zurückgelegt. So nach und nach fanden sich noch einige andere Camper ein. Zum Abendessen, bestehend aus Ölsardinen, Käse und Brot, setzte ich mich an den Tisch gleich neben dem Zelt. Im nahen Pub hatte ich mir schon zwei Dosen Kokanee-Bier geholt. Als so um 20:30 Uhr die Sonne hinter den Hügeln versank, begannen die verdammten Moskitos wirklich lästig zu werden. Zeit, um ins Pub zu schauen. Es war nicht viel geboten und so hatte Gerry, der alte Barkeeper, genug Muße, mich in eine recht angeregte Unterhaltung zu verwickeln. Woher? Wohin? Was nun? Nachdem ich ihm erzählt hatte, daß ich nach Calgary geflogen und nun schon seit zwei Wochen mit dem Mietauto in BC unterwegs war ohne bestimmtes Ziel, mich einfach nach Lust und Laune treiben ließ, am liebsten abseits der großen Highways, meinte er: „Fahr doch nach Bella Coola. Die Straße dorthin ist ein Erlebnis und wirklich einsam“. „Warum nicht Bella Coola”? Das ging mir noch durch den Kopf, als ich einige Bierchen später in den Schlafsack kroch.
Das Bier! Mußte um 4:00 Uhr einmal raus, aber sonst schlief ich ganz gut. Nur das Kreuz spürte ich, als ich dann aufstand. Ein weiterer strahlender Sonnentag kündigte sich an. Gerry hatte mich mit seinem Gerede soweit beeinflusst, daß ich mich nach dem Frühstück wirklich auf den Weg nach Bella Coola machte. Eine halbe Stunde später war ich wieder in Williams Lake. Dort zweigte der sog. „Freedom Highway“ nach Westen ab. Über den Riske Creek war eine weite Brücke gespannt. Dann folgten endlose Geraden durch endlose Wälder hinauf auf´s Chilcotin Plateau. Ab und zu mal ein kleines, schmuckloses Kaff. Praktisch kein Verkehr. Leider zogen immer mehr Wolken auf. In Tatla Lake tankte ich und gönnte mir Kaffee und Kuchen. Dann fing es zu Regnen an und es hatte auch merklich abgekühlt. Schließlich ging die Teerstraße in eine Schotterpiste über und ich mußte vorsichtiger und langsamer fahren. Auf einmal stand ein Kerl am Pistenrand mit zwei jüngeren Mädchen und winkte. Ich ließ sie einsteigen. David lebte dort in der Nähe mit seiner Familie als Trapper und Schreiner. Er erzählte mir einige interessante Geschichten aus der Gegend.
In Anahim Lake stiegen sie aus. Bald nach dieser Ansiedlung wand sich die Piste weiter bergan zum „The Hill“ im Tweedsmuir Provincial Park auf immerhin 1524 Meter Höhe. Ab dem Heckman´s Pass ging es dann in teilweise abenteuerlichen Kehren und manchmal beängstigendem Gefälle, etwa zehn Kilometer lang, wieder hinab ins Tal des Bella Coola River.Ich war froh, als ich diesen Streckenabschnitt hinter mir hatte, denn die Bremsen waren schon ganz heiß geworden. Der Wagen war dreckig wie Sau. Dann zog sich die nun wieder asphaltierte Straße scheinbar ohne Ende durch den Wald, zwischen schneebedeckten Bergen. Der Regen hatten inzwischen wieder aufgehört. Kurz vor Hagensborg nahm ich zwei Teenies mit, die dorthin zum Einkaufen wollten. Am frühen Abend hatte ich es dann geschafft. Nach 544 Kilometern war ich endlich in Bella Coola. Das ganze Panorama erinnerte mich an eine norwegische Fjordlandschaft.
Ich hatte bis zum Tag vorher nicht gewußt, daß es einen Ort dieses Namens überhaupt gibt. Also schaute ich mich gleich ein bißchen um in dem zirka 900 Einwohner zählenden Städtchen, daß am Ende des North Bentinck Meeresarms liegt, weit entfernt von der Pazifikküste. Es gab nicht so besonders viel zu sehen. Eine Ansiedlung in der landesüblichen Bauweise, wie unzählige andere Ortschaften im Westen der USA und Kanadas auch. Am kleinen Hafen, etwa drei Kilometer außerhalb, standen ein paar Lagerhallen und das Ferry Terminal für den Fährverkehr nach Port Hardy auf Vancouver Island und Prince Rupert im Norden. Mehrere Camping Grounds gab es in der Umgebung und einige Motels. Weil ich dem Wetter nicht traute, quartierte ich mich im „Cedar Inn“ für 82 Dollar ein. Nachdem ich den ganzen Tag eigentlich nur im Wagen gesessen war, joggte ich vor dem Abendessen noch zum Hafengelände. Konnte dort sogar noch ein Seeadlerpärchen bei der Jagd beobachten. Den Tag ließ ich mit einem Bier an der Bar ausklingen. War dann doch ganz schön geschafft.
Am nächsten Morgen war es kühl und bewölkt aber trocken. Hätte also doch im Zelt schlafen können! Na, auch egal. Konnte mich vorerst nicht so recht entscheiden, was ich nun tun sollte. Mit dem Schiff nach Vancouver Island übersetzen oder einen Tag in Bella Coola verbringen oder „back to the road again? “ Nach dem Frühstück hatte ich mich für das Letztere entschieden. Also machte ich mich dann auf den Weg, wieder zurück in Richtung Osten.
Ich fahre einfach mal gerne Auto und das macht in Nordamerika besonders viel Spaß. Für mich ist das Urlaub pur, sich in den Wagen zu setzen und draufloszufahren, ohne genau zu wissen, wo man am Abend landet. Da ist wirklich der Weg das Ziel. Aber jetzt denke ich doch viel ökologischer.
Zeit hatte ich jede Menge, der Himmel war mittlerweile wolkenlos und als ich im Tweedsmuir Park an einem ausgewiesenen Rastplatz anhielt, sah ich zufällig die von einem Ast fast verdeckte Info-Tafel, die auf den Valley Loop Trail hinwies. Ein sieben Kilometer langer Rundweg. Das war doch was für mich. Auf der Tafel wurde allerdings auch darauf hingewiesen, daß man unterwegs Lärm machen sollte, wegen der Bären, die sich dann angeblich aus dem Staub machen!
Schlüpfte in die Wanderschuhe und marschierte los. Der Pfad führte durch dichtes Gesträuch, das wenig Sicht zuließ, meistens an einem laut plätscherndem Bach entlang. Irgendwie hatte ich ein ungutes Gefühl. Ein gutes Stück des Wegs war ich schon voran gekommen, als urplötzlich, nur ein paar Meter entfernt, etwas Großes, Dunkles laut durch das Gebüsch rauschte, aber sich schnell entfernte in die Richtung, aus der ich gekommen war. Es ging so schnell und ich war so erschrocken, daß ich eigentlich nichts Konkretes sah. Natürlich dachte ich sofort an einen Bären, aber es hätte genauso gut ein Hirsch oder ein Elch sein können. Jedenfalls hatte ich nun ganz schön Schiß und ich konnte die Wanderung nicht mehr genießen. Auch deshalb, weil mich überall und ständig Fliegen und Mücken plagten. Am Umkehrpunkt spannte sich eine kleine Hängebrücke über den Burnt Creek. Kurz bevor der Trail zu Ende war, erreichte ich noch einen Aussichtspunkt mit tollem Blick ins Bella Coola Valley. Ich war dann echt erleichtert, als ich wieder am Parkplatz war.
Machte zuerst noch Brotzeit, bevor ich die mörderisch steile Auffahrt zum Heckman`s Pass in Angriff nahm. Hatte schon Bedenken,weil der Wagen ein Automatic war, aber ich quälte ihn, Gott sei Dank, ohne Probleme hinauf. Am frühen Nachmittag erreichte ich dann Anahim Lake und hatte keine Lust mehr auf Weiterfahrt. So schaute ich mir zwei Camp Grounds an und entschied mich für das „Escott Bay Resort“, weil es dort eine Waschmaschine gab. Auch Reitpferde, ein Wasserflugzeug und Kanus. Ich baute mein Zelt auf und fuhr zum Einkaufen nach Anahim Lake. Abends grillte ich dann am Lagerfeuer ein paar Fleischspieße. Romantik kam leider keine auf wegen der verfluchten Moskitos und Unterhaltung gab´s auch wenig, denn ich war der einzige Camper an jenem Abend. So verzog ich mich ziemlich bald ins Zelt und beim matten Schein einer Taschenlampe legte ich die ungefähre Route für die nächsten Tage fest. Änderungen nicht ausgeschlossen.
Copyright by: Fotos und Text, Josef Stadler




























Anna (nicht überprüft) sagte vor 1 Jahr 32 Wochen:
Schöne Route, schöne Reiseerfahrungen.. Mein Highlight in Kanada ist sicherlich, dass ich meine Leidenschaft fürs Campen enteckt habe. Wohnmobil weiss ich nicht, kann ich mir mittlerweile auch vorstellen, aber vor allem Zelten hats mir angetan. Liegt sicher an den tollen Campingplätzen in Kanada, die einfach eine ganz eigene Atmosphäre entfalten, meistens etwas fernab vom Trubel, manchmal sogar mitten in der Wildnis. Mein Favorit war wohl Whistler RV Park
www.whistlerRVpark.com
weil man eine wahnsinns Aussicht auf die umliegenden Küstengebirge hat.
Beste Grüße
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