Leser-Reportagen
TUNESIEN - Insel Djerba und Tour nach Chenini
Anfang Februar konnte ich eine Woche Resturlaub abfeiern und da hierzulande das Wetter so miserabel war, buchte ich kurzfristig einen Wochentrip auf die Insel Djerba. Ich wollte nur ein paar Tage dem Winter entkommen, ein bißchen abschalten und mich auf der Insel umschauen.
Der Flieger war Montag Morgen bereits um 6:00 in München gestartet. Zwei Stunden später landete er auf Djerba und am frühen Vormittag hatte ich schon mein Zimmer im Hotel „Les Quartre Saisons“ am Strand von Sidi Mahares bezogen. In dieser Touristenzone hatten um diese Jahreszeit noch viele Einrichtungen geschlossen und die Zahl der Urlauber hielt sich auch in Grenzen, was mir aber nur recht war.
Mein erster Ausflug führte mich am dritten Tag in die Inselhauptstadt Houmt-Souk. Bis in die 65.000 Einwohner zählende Stadt waren es nur etwa 12 Kilometer und so nahm ich den Linienbus, der gleich an der Hotelzufahrt anhielt. Es war sonnig und vergleichsweise warm, aber auch ziemlich windig. Das flache Terrain meist braun und ausgetrocknet, nur hier und da gab es kleine, lilafarbene Lavendelfelder oder gelbe Flecken voller Hahnenfußgewächse, zwischen gerade zu blühen beginnenden Mandelbäumen und staubigen Palmen. Während der Fahrt waren auf dem Land kaum Menschen oder Tiere zu sehen, dafür entlang der Straße überall Plastikabfall. Auch die schmutzigweißen Gebäude, die etwas abseits im steinigen Gelände in der fahlen Sonne brüteten, wirkten ungastlich und ärmlich. Erst am Stadtrand wurde es lebendig und als ich an einem Marktplatz aus dem klapprigen Bus ausstieg, war ich sofort mittendrin in der faszinierenden orientalischen Atmosphäre.
Die Faszination dauerte allerdings nicht sehr lange, denn bald wurde ich von einem Jungen angesprochen, in passablem Deutsch. Ich wundere mich jedesmal, wie zielsicher diese Burschen taxieren, ob man Franzose, Amerikaner oder Deutscher ist. Er überredete mich, ihm in eine kleine Teppichknüpferei in eine schmale Seitengasse zu folgen. Natürlich wartete bereits ein „Onkel“ mit einer Tasse Tee und sofort begann dieser Teppiche vor mir auszubreiten. „Spezialpreis für dich. Du kannst auch mit Kreditkarte bezahlen. Wir schicken Teppich auch nach Deutschland. Nur halben Preis jetzt zahlen“, und so weiter und so fort. Der Junge war natürlich längst verschwunden. Ich ärgerte mich über mich selbst. Ich wußte ja wie das immer läuft, aus früheren Reisen in die Türkei, nach Marokko oder Ägypten. Aber anfangs falle ich doch immer wieder drauf rein. Nur mit Mühe konnte ich dem Mann entkommen. Leider ging es dann so weiter auf meinem Bummel über die Marktplätze von Houmt-Souk. Da nur wenige andere Touristen unterwegs waren, wurde ich praktisch von jedem Händler angesprochen. Ich war ständig am Abwehren der „Einladungen“. Freundlich, aber sehr bestimmt. Selbst wenn ich etwas hätte kaufen wollen, hatte ich bald keine Lust mehr dazu. Schließlich setzte ich mich in ein Cafe und erholte mich erstmal bei dem Genuß einer Wasserpfeife. Trotz allem war es höchst interessant, durch die verwinkelten Gäßchen zu schlendern und die ganz eigene Atmosphäre eines Basars aufzunehmen. Später ließ ich mir in einem kleinen Frisörladen die Haare schneiden und mich rasieren.
Ich mache das immer im Ausland. Erstens finde ich es interessant, wo wie gearbeitet wird und zweitens ist es auch meist viel preiswerter als zu Hause. Dieses mal schnitt mir der Meister persönlich das Haar und während mich danach sein Assistent einseifte und mir mit einem Rasiermesser zu Leibe rückte, griff der Barbier zu seiner Fidel und geigte ganz gekonnt auf. Gibt es solchen Service in Deutschland ?
Irgendwann am Nachmittag hatte ich genug vom Basarbummel, von der oberflächlichen Freundlichkeit der Händler, von den tausenderlei Gerüchen und der lauten Betriebsamkeit. Den Rest gab mir der blutige Kamelkopf, den ich ausgestellt auf der Theke einer Fleischerei entdeckte. So spazierte ich dann aus der Stadt raus zum am Meer gelegenen Fort Espagnol. Die Festung neben dem kleinen Hafen war bereits 1289 erbaut, mehrmals zerstört und wieder aufgebaut worden. Dort war es sehr ruhig und man hatte einen schönen Ausblick auf das blaue Wasser des Mittelmeeres. An einem kleinen Stand wurden Getränke und Süßigkeiten angeboten. Ich gönnte mir noch einen Mokka und ein paar Datteln, bevor ich zum Hotel zurückfuhr.
Zwei Tage später saß ich wieder in einem Bus. Tags zuvor hatte es heftig geregnet. Gut für die Einheimischen und das ausgetrocknete Land. Schlecht für sonnenhungrige Urlauber. Hatte mich, auch deswegen, bei der örtlichen Gästebetreuerin zu einem Ausflug ins Berberdorf Chenini, ganz im Süden des Landes, angemeldet. Ich wollte noch etwas mehr von Tunesien sehen. Denn das, was ich bei meinen Motorradtouren von der Insel gesehen hatte, war nicht sonderlich begeisternd gewesen. Die kleine Reisegruppe bestand aus zehn Deutschen, inklusive der Reiseleiterin.
Um 7:00 morgens war schon Abfahrt. Über den sieben Kilometer langen Römerdamm fuhren wir auf´s Festland. Der erste Halt war in der Stadt Medenine. Dort bekamen wir die ersten Ghorfas, die für diese Gegend typischen, uralten Vorratsgebäude zu sehen. Ein wirklich eigener Baustil. Leider waren, natürlich rein zufällig, gleich ein paar Souvenirshops in der Nähe. Kaum erblickten die gelangweilt hinter ihren Ständen hockenden Händler unsere Gruppe, ging es auch schon los mit der Anmache. Ich ließ mich auf Nichts ein. Zum Glück fuhren wir bald weiter. Die flache Wüstenlandschaft bot nicht viel Sehenswertes.
Nächster Stopp war in Tataouine, wo wir uns ebenfalls durch einen bunten Markt kämpfen mußten. Diesmal ließ ich mich zum Kauf einer Dose Tee und ein paar Tüten mit Gewürzen überreden, natürlich nicht ohne hartnäckig zu feilschen. Ich hasse das eigentlich, aber über den Tisch ziehen lassen wollte ich mich auch nicht.
Nach weiteren 20 Kilometern Fahrt über eine mit Schlaglöchern gespickte Asphaltpiste durch das Wadi Smar, erreichten wir am Fuß eines Berges das Tagesziel Chenini im Dahar Gebirge. Zuerst das neue Dorf und nach mehreren steil ansteigenden Kurven durch eine eindrucksvolle, urzeitliche Landschaft das auf einen zweiteiligen Bergkamm gebaute alte Berberdorf. Sehr pitoresk anzusehen, die zum Teil noch genutzten Wohnhöhlen. Jede hatte einen steingemauerten Eingang und einen kleinen Vorhof für die Lasttiere. Leider war vieles vom Zerfall bedroht. Die ärmlich wirkenden Bewohner beachteten ausnahmsweise die Reisegruppe kaum. Nur ein paar schmuddelige Kinder bettelten verschämt. Schnell war ich die extra mitgebrachten Kugelschreiber und Feuerzeuge los. Von der kleinen, schneeweißen Dorfmoschee, die über dem Dorf thronte, hatte man einen grandiosen Ausblick. Dafür hatte sich die weite Fahrt auf jeden Fall gelohnt.
Zum Mittagessen fuhren wir zurück nach Tataouine, wo wir in einem netten Lokal im Freien sehr zuvorkommend mit Cous-Cous bewirtet wurden.
Das letzte Ziel der Tour waren die altertümlichen Speicherhäuser (Ghorfas) in Ksar Haddada. Diese dienten mal vor Jahren als Kulisse für das „Star Wars“ Epos. Eine außergewöhnliche Architektur, fürwahr.
Über Medenine ging´s weiter zur Ortschaft Jorf. Von dort aus brachte uns eine alte Fähre zur Insel Djerba zurück. Am frühen Abend wurde ich dann vor meinem Hotel abgesetzt. Für mich hatten sich die 30 Euro für die Tour auf jeden Fall gelohnt.
Copyright by: Text und Fotos, Josef Stadler


































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