Leser-Reportagen
AUSTRALIEN - Zwischen Perth und Kalgoorlie
Es sind schon ein paar Jahre vergangen, seitdem ich mit meinem Spezl Hans in Westaustralien unterwegs war. Für mich war es bereits der dritte Trip nach „Downunder“, für Hans der Erste. Nach einem zweitägigen Stopover in Singapur waren wir Mitte Februar mit Qantas Airways in der Millionenmetropole an der westaustralischen Küste angekommen.
Drei Tage lang hatten wir dann unser Besichtigungsprogramm durchgezogen, trotz langer, feuchtfröhlicher Nächte im unglaublich quirligen Vergnügungsviertel Northbridge. Mann, war dort die Post abgegangen in den diversen Kneipen bei Bier und Livemusik! Tagsüber hatten wir uns den Betrieb im King´s Park angesehen, hatten eine Stadtrundfahrt mit der Tourist Tram unternommen, waren mit einem Boot den Swan River hinunter bis nach Fremantle gefahren und hatten uns am feinsandigen Cottesloe Beach vom harten Nachtleben erholt. Perth ist eine absolut tolle, sehenswerte und interessante Stadt.
Wir hatten uns aber auch um einen Mietwagen gekümmert, denn wir wollten uns baldmöglichst aus Perth verabschieden und uns auf den Weg machen, ab in unser australisches Abenteuer. Im Vorfeld hatten wir uns keine großen Gedanken gemacht, was wir unternehmen und uns anschauen wollten. Spontan wollten wir das entscheiden und wir hatten drei Wochen Zeit. Einig waren wir uns aber, daß wir nicht nur „Kilometer fressen“ wollten, angesichts der riesigen Entfernungen, denn allein der Bundesstaat Westaustralien ist ungefähr siebenmal so groß wie Deutschland.
So hatten wir an einem Montag Vormittag den Mietwagen, einen roten Hyundai, abgeholt und uns auf den Weg gemacht. Wir fuhren erstmal in südlicher Richtung raus aus Perth. Ab Mandurah rollten wir auf der „Old Coast Road“ dahin. Wenig Verkehr. Es war heiß und windig. Die Straße führte meist durch dürres Buschland und manchmal eröffneten sich tolle Ausblicke auf menschenleere Strände und auf die Weite des Indischen Ozeans. Die Ortschaften, durch die wir kamen, schauten alle ziemlich gleich aus und wirkten sehr provinziell. Am Spätnachmittag, nach gut 300 Kilometern Fahrt, erreichten wir Busselton, ein kleines Nest an der Geographe Bay mit herrlichem Strand , nur wenige hundert Meter von der Durchgangsstraße entfernt. Wir quartierten uns in einem kleinen Hotel ein und stürzten uns in die fast lauwarmen Fluten. Danach schmeckte das Abendessen in einem chinesischen Restaurant umso besser. Zurück im Hotel, ließen wir uns nach Landessitte noch ein paar Bierchen schmecken. Leicht angesäuselt ging´s ab ins Bett, als um Mitternacht die Bar schloß.
Am nächsten Morgen kamen wir ein bißchen spät aus den Federn, aber nach dem üppigen Frühstück waren wir wieder bester Dinge. Hans bezahlte mit der Kreditkarte und wir machten uns auf den Weg. An jenem Tag besichtigten wir den alten Leuchtturm am Cape Naturalist, rasteten am abgelegenen Meelup Beach, schloßen uns einer Führung durch die Yallingup Cave, einer riesigen Tropfsteinhöhle an und schließlich erreichten wir am Cape Leeuwin den südwestlichsten Punkt von Australien. Wir hatten genug gesehen und so checkten wir in Augusta am frühen Abend in der dortigen JH ein. Die war klein, altmodisch aber sauber. Außer uns hatten noch drei andere Typen hierher gefunden. 180 Kilometer waren wir gefahren.
Am Abend darauf hatten wir 467 Kilometer mehr auf dem Tacho und wir waren in Albany, mit etwa 25.000 Einwohnern das Zentrum an der abgelegenen Südwestküste, gelandet. Ab Augusta waren wir den ganzen Tag nach Osten gefahren, meistens auf ewig geraden, leeren Straßen durch riesige, hügelige Karri- und Jarrahwälder. Wir hatten Orte namens Nannup, Pemberton, Walpole und Nornalup passiert. In Letzterem waren wir vom South Western Highway abgebogen ins „Valley of the Giants“. Dort vertraten wir uns auf einem Walk Trail mal für eine halbe Stunde die Beine und staunten über die riesigen Bäume. Bei Denmark, an einer malerischen Bucht, wollten wir ins Meer springen, aber der stürmische Wind machte alle Badepläne zunichte. In Albany hatten wir uns im Hotel „London“ einquartiert. Dort amüsierten sich abends zahlreiche Einheimische bei Billard und Bier. Auch die Mädels ließen sich nicht lumpen. Es war ganz unterhaltsam, dabei zuzuschauen. Na ja, und nach der langen Fahrt hatten wir auch noch Lust auf ein kühles Blondes.
In den nächsten drei Tagen erkundeten wir das Umland. Es war einfach großartig, sich unabhängig in dieser unendlichen, einsamen Landschaft bewegen zu können. Tagsüber trafen wir praktisch keinen Menschen. Wir fuhren auf Schotterpisten durch den nur mit Busch bewachsenen Stirling Range National Park. Dort konnten wir endlich einige Känguruhs beobachten und wir kletterten mühsam auf den 654 Meter hohen Twin Peak.
Wir bewältigten einen Scenic Drive im Porongurub N.P., obwohl unser Mietwagen eigentlich dafür nicht geeignet war. Manchmal machten wir uns schon Gedanken, was zu tun sei, wenn wir mal eine Panne hätten. Natürlich führten wir einen Vorrat an Trinkwasser mit, denn es war jeden Tag enorm heiß, über 35°C. Was einen aber wirklich austrocknete, war der ständig wehende, heiße Wind.
Wir entdeckten einen traumhaften Strand, den Little Beach, im Two People´s Bay Nature Reserve, ein von glatten Felsen eingefaßtes Halbrund mit schneeweißem Sand und türkisblauem Wasser. Wir wunderten und amüsierten uns an diesem total abgelegenen Strand über ein blitzblankes, funktionstüchtiges Toilettenhäuschen, in dem sogar eine Rolle Papier nicht fehlte. Dazu gleich noch angemerkt, daß wir wirklich überall in Australien öffentliche WC´s in einwandfreiem Zustand fanden, was hierzulande leider nicht der Fall ist.
Im Torndirrup N.P. staunten wir über die spektakuläre Felsenküste mit Granitformationen namens „The Gap“ oder „The Natural Bridge“. Letztere ist mittlerweile vor nicht allzu langer Zeit eingestürzt.
Natürlich hatten wir uns auch die alte Walfangstation in der Frenchman Bay und am Stadtrand von Albany, den Nachbau eines Auswandererschiffes, der „Amity“ angeschaut.
Nach diesem Besichtigungsprogramm setzten wir frühmorgens an einem Samstag die Fahrt in östlicher Richtung fort. Unterwegs machten wir nach zweistündiger Fahrt in Bremer Bay Frühstückspause, bevor wir uns mehr als 100 Kilometer auf staubiger Piste durch die öden, hitzeflimmernden Weiten des Outback im Fitzgerald River N.P. quälten. Eigentlich gab es nichts zu sehen außer knochentrockenem Buschwerk, aber dieses Nichts muß man auch einmal erlebt haben, um es sich vorstellen zu können. Dazu diese wahnsinnige Hitze. Unglaubliche 48°C zeigte mein Reisethermometer an. Hans wollte es gar nicht glauben. Ab Calyerup Rocks benutzten wir wieder den South Coast Highway. In Ravensthorpe erfrischten wir uns zur Mittagszeit an einer kleinen Raststätte. Da es in Esperance eine JH gab, fuhren wir weiter bis zu dieser 10.000 Einwohner zählenden Küstenstadt. Der Highway zog sich durch eintöniges, braunes Farmland hin. Unser Ziel erreichten wir am späten Nachmittag.
612 Kilometer hatten wir da zurückgelegt. Nach einer ausgiebigen Dusche fühlten Hans und ich uns schon wieder erstaunlich fit. So gingen wir zum Dinner ins Stadtzentrum. Zufällig gerieten wir danach im „Tavern“, einem rustikalen Pub, in eine Hochzeitsgesellschaft. Wir beobachteten von der Bar aus das lustige Treiben. Dort schliefen bereits ein paar Kerle ihren Rausch aus, darunter der Bräutigam, wie sich später herausstellte. Ein DJ legte an seinem Pult Countrymusik und Hardrock auf. Die nicht mehr ganz junge Braut in Weiß tanzte barfuß und alles andere als nüchtern, mit einer ebenso betrunkenen Brautjungfer. Die übrige Gesellschaft, sehr leger gekleidet und ebenfalls meist gut angetrunken, lärmte und lachte dazu. Auch der Herr Pastor hatte einen in der Krone. Es dauerte nicht lange, bis wir von zwei kessen Ladies zum Tanzen aufgefordert wurden und ab da gehörten wir dazu. Um Mitternacht schloß das Pub. Ein Großteil der Feiernden zog nun weiter in eine nahe Disco. Hans und ich mitten drin und voll dabei, im wahrsten Sinn des Wortes. Das werte Brautpaar war nicht mehr dabei. Das war schon vorher zusammengebrochen. Also, so gegen 3:00 Uhr morgens fanden wir schließlich mit Mühe zurück zum Hostel.
Zwei Tage später trafen wir in Karlgoorlie ein. Auf der Fahrt dorthin hatten wir ein böses Erlebnis gehabt. Kurz vor Widgiemooltha war ein mit Schafen beladener LKW umgekippt und wir waren gerade vorbeigekommen, als zwei Polizisten die verletzten Tiere erschoßen. Hatte ziemlich übel ausgesehen.
Die 28.000 Einwohner zählende Stadt Kalgoorlie liegt an der sog. „Golden Mile“, eine der größten Goldadern der Welt. Sie bot, im Gegensatz zu den meist unansehnlichen und langweiligen Siedlungen in Westaustralien, auch mal was für´s Auge. Im Stadtkern waren noch zahlreiche alte Gebäude, wie z.B. die Townhall, das Post Office oder das Museum of the Goldfields aus der Gründerzeit Ende der 1880er Jahre zu sehen. Schön restauriert natürlich. Wir kamen im Hotel „Surrey House“ unter. Ein originelles altes Haus, gepflegt und gemütlich.
Wir besuchten dort u.a. die Museumsmine „Hannans North“ und natürlich interessierte uns besonders die „Super Pit“ Mine. In diesem riesigen Tagebaubetrieb, das „Loch“ ist etwa 5 km lang und 1,5 km breit, wird in großem Stil hauptsächlich Gold gewonnen. Um einen richtigen Überblick zu bekommen, leisteten wir uns für 60 AD einen Rundflug in einer viersitzigen Cessna. Ein tolles Erlebnis, das leider nur 20 Minuten dauerte.
Ein weiteres Highlight unserer Tour war ein paar Tage später der Besuch am Wave Rock. Um dorthin zu gelangen hatten wir wieder hunderte von Kilometern zuerst auf dem Great Eastern Highway bis Southern Cross und von dort quer durchs Outback auf abgelegenen, staubigen, hitzeflimmernden Pisten bis nach Hyden zurückgelegt. Hyden war ein Kaff, wie ich es selten erlebt habe. Es verdankte seine Existenz nur den Touristen, die wegen des Naturwunders den Weg dorthin fanden. Im einzigen Motel bezogen wir Quartier. Der Wave Rock ist eine etwa 2,7 Milliarden Jahre alte Granitformation, die durch Erosion geformt wurde. Sie ist ungefähr 15 Meter hoch. Die Farben des Felsens entstanden durch Mineralien, die herabsickerndes Regenwasser ausgewaschen hat.
Hans wollte mal wieder sporteln, deshalb joggte er die gut vier Kilometer lange Strecke zwischen Motel und Rock. Ich nahm den Wagen, machte noch einen Zwischenstop am „Hippo´s Yawn“, einer anderen Felsformation, die auf dem Weg lag. Auf dem Rückweg machten wir es umgekehrt. Leider waren dort die sowieso allgegenwärtigen Fliegen noch lästiger, falls das überhaupt noch möglich war.
Wieder zurück in Perth, nutzten wir die verbleibende Zeit, um uns von der doch recht anstrengenden Tour zu erholen. Unsere Reise war ja noch nicht zu Ende. Wir freuten uns auf neue Erlebnisse in Tasmanien. Ich zählte auch mal die Kilometer zusammen, die wir im Mietauto, zum Glück ohne irgendwelche Schäden oder Pannen, zurückgelegt hatten. Ich kam immerhin auf 3.374km !
Dieser Roundtrip ab und bis Perth ist für mich eine der tollsten Reisen gewesen, die ich je unternommen habe.
Copyright by: Text und Fotos, Josef Stadler




































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