Leser-Reportagen
CHIEMGAU - Aufstieg zum Predigtstuhl
Das schöne Spätsommerwetter Mitte September wollten wir ausnutzen und eine schnelle, einfache Bergtour unternehmen. Dafür hatten wir uns den Bad Reichenhaller Hausberg ausgesucht.(www.predigtstuhlbahn.de) Mit der Seilbahn abzufahren war im Vorhinein geplant, weil ich mich nach einer Knieverletzung noch nicht ganz fit fühlte.
Für den Aufstieg zum 1.614m hohen Predigtstuhl hatten wir den Waxriessteig gewählt. Ich war vier Jahre lang in Bad Reichenhall bei den Gebirgsjägern stationiert gewesen, aber in dieser Zeit nie auf diesen Berg hinaufgekommen. So war das für mich und auch für meinen Sohnemann Benjamin, sozusagen eine „Erstbesteigung“.
Wir sind etwas zu spät dran, es ist schon fast Mittag, als wir am Parkplatz der Seilbahn, im Ortsteil Kirchberg, losmarschieren. Zuerst müssen wir über die Saalachbrücke gehen und dann zirka 20 Minuten auf dem Radweg zwischen der B20 und der Saalach in Richtung Unterjettenberg, ehe wir den Anfang des Bergpfades erreichen (Weg-Nr.478). Von da an geht es aber gleich richtig steil bergan, zwischen Gebüsch und lichtem Kieferngehölz. Der gut begehbare Weg windet sich in unzähligen Kehren an der Südwestflanke des Predigtstuhles hoch, vorbei an freistehenden Felsnasen und mit Latschen bewachsenen Vorsprüngen. Das Gekreische eines Tannenhäherpärchens begleitet uns eine Weile. Leider ist vom Talgrund ständig der Lärm des Kieswerkes am Saalachsee zu hören. Es wird aber leiser, je höher wir steigen. Einmal kommt uns eine Gruppe Soldaten entgegen, sonst treffen wir niemand auf dem Steig. Auf der anderen Seite des Talkessels haben wir stets das wuchtige Massiv des Hochstaufen und den Zwiesel vor Augen. Je weiter wir nach oben kommen, desto umfassender wird die Sicht auf Bad Reichenhall. Ein paarmal ist der Bergweg mit Stahlseilen und Holztreppen gesichert, dort wo die Talseite besonders steil abfällt.
Nach etwa zwei Stunden gemächlichem Steigen, was mich aber trotzdem ganz schön ins Schwitzen bringt, erreichen wir am sogenannten Gatterl die Almwiesen der Unteren Schlegelalm. Wir begegnen den ersten Wanderern, die mit der Gondel heraufgefahren sind, unschwer zu erkennen an deren legerem Outfit. Eine kurze Rast gönnen wir uns an einer kleinen, verschlossenen Almhütte. Danach geht es noch etwa eine halbe Stunde in Serpentinen hoch über felsiges Wiesengelände, im Winter eine Skipiste. Nach knapp drei Stunden Aufstieg stehen wir schließlich am Rand des Gipfelplateaus, etwas oberhalb des Berghotels, neben dem sich auch die Bergstation der Seilbahn befindet. Das Hotel ist zur Zeit nicht bewirtschaftet, lesen wir später an der abgeriegelten Türe.(www.ruperti-hotels.de)
Zum Gipfelkreuz wollen wir natürlich auch, das gehört einfach dazu. Nochmal zehn Minuten Marsch auf einem breiten Kiesweg und wir haben unser Ziel erreicht. Zum Glück sind gerade keine anderen Bergfreunde in der Nähe. So können Benjamin und ich gemütlich Brotzeit machen und dabei in aller Ruhe den wirklich grandiosen Rundumblick genießen. Wunderbar zu sehen in der Ferne das Watzmann-Massiv, der Hochkalter, die Reiter Alm und die Loferer Steinberge. Näher liegen die Gipfel des umliegenden Lattengebirges, allen voran der Karkopf. In nördlicher Richtung ist Salzburg ganz gut zu erkennen. Allein für diese Aussicht hat sich die Tour schon gelohnt.
Gegen 16:00 Uhr reihen wir uns in die Reihe der Bergwanderer an der Bergstation ein, die auch auf die Abfahrt warten. Ich bin ganz froh, dass wir nicht mehr absteigen müssen. In der Gondel legen wir dann in knapp zehn Minuten eine Strecke von zirka 2500 Meter zurück und überwinden dabei einen Höhenunterschied von 1.150 Metern. Der mitfahrende Maschinist spielt unterdessen auf seiner Mundharmonika ein paar schnulzige Weisen. Zuguterletzt dürfen wir dann noch je 11 Euro für die Talfahrt berappen.
Copyright by: Text und Fotos, Josef Stadler















Kuhlimuh sagte vor 2 Jahre 18 Wochen:
Dein Bericht macht Lust auf Wandern – dieses Wochenende soll ja noch einmal schön werden.
Leider muss ich wieder runter ins Tal. Es war ein schöner Almsommer!
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