Leser-Reportagen
FIJI - Eine Woche auf Viti Levu
Ich war erst vor ein paar Tagen in Auckland, in Neuseelands heimlicher Hauptstadt, angekommen. Es war Mitte November, also Frühjahr an diesem Ende der Welt. In Auckland hatte ich mich für die ersten Tage in einem Billighotel einquartiert, um mich erst einmal einzugewöhnen. Zwölf Stunden Zeitunterschied zum winterlichen Mitteleuropa waren nicht so leicht wegzustecken.
Bei einem Bummel in der City, entlang der Queenstreet, erregte ein Plakat meine Aufmerksamkeit, das einen Aufenthalt auf denFiji Islands anpries. Ich schaute mir das Angebot mal näher an, einfach so, noch ganz ohne irgendwelche Absichten. Aber diese Werbung hatte sich im Kopf festgesetzt und etwas später, bei einer Tasse Kaffee, reifte so langsam der Entschluß. „Warum nicht auch einen Abstecher in die Südsee machen? Das ist doch DIE Gelegenheit! Wann kommst du sonst schon mal nach Fiji?“ Das waren meine Überlegungen. Zu einer sofortigen Buchung konnte ich mich dann doch nicht durchringen, aber am nächsten Vormittag stand ich wieder in diesem kleinen Reisebüro und eine halbe Stunde später hatte ich ein Flugticket von Air New Zealand in der Hand, Auckland – Nadi und zurück. 249 NZ$ kostete meine Eintrittskarte für die Südsee. Da der Abflug erst in fünf Tagen war, hatte ich bis dahin genügend Zeit, die Gegend nördlich von Auckland bis hinauf zum Cape Reinga zu erkunden.
An einem Donnerstag war´s dann soweit. Ich hatte mich nach meiner Tour in den Norden Neuseelands, am Nachmittag zuvor, wieder im gleichen Hotel in Auckland einquartiert und nun packte ich erwartungsfroh meinen Rucksack. Am frühen Nachmittag sollte es losgehen. Es war ein sonniger, warmer Tag mit fast wolkenlosem Himmel. Ein Shuttlebus brachte mich zum Flughafen. Beim Einchecken wurde ich zügig abgefertigt und gegen 14:15Uhr rollte die Maschine der ANZ zur Startbahn. Ich konnte mir sogar einen Fensterplatz aussuchen, weil das Flugzeug nur halb besetzt war, wie ich noch beim Boarding feststellen konnte. So hatte ich gleich nach dem Start einen tollen Ausblick auf Auckland und Umgebung.
Nach knapp drei Stunden Flugzeit kam die Aufforderung „Fasten your seatbelts“ und schon verlor der Flieger an Höhe. Neugierig betrachtete ich die Küstenlinie und die sattgrünen Felder, die beim Landeanflug immer schneller am Bordfenster vorbeizogen, bis das Flugzeug schließlich ziemlich unsanft auf der Landebahn vom Nadi International Airport aufsetzte. Der große, moderne Flughafen ist eine wichtige Drehscheibe für den gesamten Pazifikraum und liegt an der Westküste von Viti Levu, der Hauptinsel des Fiji-Archipels. Nadi hat etwa 30.000 Einwohner und ist damit die drittgrößte Stadt der Republik.
Die Einreiseformalitäten waren schnell erledigt. Eine sehr schwüle Hitze empfing uns. Die meisten Passagiere der soeben gelandeten Maschine waren neuseeländische Pauschaltouristen, die vor der Abfertigungshalle bereits von den Fahrern der Shuttlebusse zu den verschiedenen Ferienresorts erwartet wurden. Ein paar wenige Einheimische wurden abgeholt oder schwangen sich in Taxis. Außer mir blieb schließlich noch ein weiterer Rucksackreisender übrig. So lernte ich Russell aus Lompoc, Kalifornien kennen. Er war Student und hatte gerade Semesterferien, die er zu einem Trip durch die Südsee nutzte. Wie sich schnell herausstellte, hatte er ebenso wie ich, von anderen Travellern in Neuseeland den Tip bekommen, daß das „Sunseekers Hotel“ eine gute, preiswerte Adresse für Backpackers in Nadi sei. Wir verloren dann keine weitere Zeit mehr, schnappten uns auch ein Taxi. Dem Fahrer war das Gästehaus bekannt. Der Flughafen liegt etwa zehn Kilometer außerhalb der Stadt. Das Verkehrsaufkommen war nicht sehr hoch und so dauerte es nicht lange, bis der Taximann sein altes, aber gepflegtes Fahrzeug vor einem einfachen Gebäude in einer ruhigen Straße am Stadtrand anhielt.
Eine wohlbeleibte, freundliche Inderin führte das Haus und Russell und ich entschloßen uns, jeder ein eigenes Zimmer zu nehmen. Klo und Dusche waren separat auf der Etage. Kein Frühstück. Für den Preis (18FJD~6 Euro) war auch nicht mehr zu erwarten. Für uns kein Problem. Wir waren nicht die einzigen Ausländer. Ein Schweizer Ehepaar und mehrere Jungs aus Australien logierten auch im Guesthouse.
Russ und ich unternahmen einen kleinen Stadtbummel. Die Einwohner waren mehrheitlich Inder und dementsprechend war das Leben auf der Main Street geprägt. Mäßiger Verkehr, viele kleine Restaurants, Bars, Clubs, Shopping Centers und Hindu Tempel. Wir waren bald hungrig und müde und so suchten wir uns ein Lokal für´s Dinner. Wir landeten in „Poon´s Cafe“, wo wir irgendein chicken-rice Curry bestellten, dazu lokales Bier. So ließen wir diesen Tag ausklingen.
Das Essen machte mir nachts zu schaffen. Ich mußte einige Male ganz schnell auf´s Klo.Russ hatte keinen Ärger. So war ich am nächsten Morgen vorsichtig beim Frühstück, trank nur schwarzen Tee und ich warf auch zwei Kohletabletten ein. Zum Glück beruhigte sich meine Verdauung dann wieder. Wir streunten vormittags nochmal durch die City, weil Russ ein paar Souvenirs besorgen wollte. Er hatte gestern Abend irgendwelche Holzschnitzereien gesehen. Wir besuchten auch den Sri Siva Subramaniya Swami Temple. Dieser farbenfrohe, majestätische Hindu Tempel ist ein Anziehungspunkt für unzählige Pilger.
Nachmittags fuhr uns ein Hausboy zum nur ein paar Kilometer außerhalb der Stadt gelegenen Regent Hotel Resort. An dem zu der Anlage gehörenden Strand genossen wir dann für einige Stunden Sonne, Sand und Meer. Einziges Ärgernis waren die lästigen Stechmücken.
Die beiden nächsten Tage ließen wir es uns dort nochmal gut gehen.
Am späten Sonntag Nachmittag hatten wir genug vom süßen Nichtstun und so schauten wir uns im Prinz-Charles-Stadium ein Fußballspiel der Ersten Fiji Liga an, zwischen den Mannschaften von Nadi und Labasa. Die zahlreichen Zuschauer zu beobachten war weitaus interessanter als das Spiel.
Nach dem Match gingen wir zu unserem Gästehaus zurück, als urplötzlich aus einem Gartentor ein ziemlich räudiger Köter heraussprang und mir ohne Vorwarnung ins linke Wadl biß und sich gleich wieder aus dem Staub machte. Ich war total erschrocken, weniger durch den Schmerz, denn natürlich dachte ich sofort an Infektion, Tollwut oder sowas. Aus zwei kleinen, nicht sehr tiefen Bißwunden sickerte Blut. Russ war momentan auch ganz geschockt. Eine Frau aus dem Nachbarhaus hatte die Attacke beobachtet und eilte hilfsbereit herbei. Mit einem Jodspray desinfizierte sie die Wunde. Ich wollte ihr ein paar Dollar geben, aber sie lehnte dies ganz entschieden ab. Der Schweizer aus dem Hotel war Arzt, wie sich am selben Abend bei einer kurzen Plauderei herausstellte. Er behandelte auch nochmal die Wunde und legte mir einen Verband an. „ Wenn sich in den nächsten Tagen die Wunde entzündet, mußt du unbedingt in Neuseeland zu einem Arzt gehen“, riet er mir. “Ansonsten hast du Glück gehabt.“ Ich hatte Glück. Nur zwei kleine Narben sind geblieben und meine Angst vor Hunden.
Am Montag Vormittag saßen Russ und ich im Linienbus nach Suva, der Hauptstadt von Fiji , denn von dort wollte er am Tag darauf, weiter nach Samoa fliegen. Kurzfristig hatte ich mich gestern entschlossen, ihn zu begleiten. Diese Gelegenheit wollte ich nutzen, etwas mehr von Land und Leuten zu sehen. Bis nach Suva waren es etwa 200 Kilometer. Die Fahrt wurde recht interessant, weil die Straße großteils entlang der Küste verlief und man oft herrliche Ausblicke auf tolle Strände und das Meer hatte. Auf der anderen Seite zogen schier endlose Zuckerrohrfelder am Bus vorbei. Leider bestand bald die Hälfte der Strecke aus einer schrecklich staubigen Puckelpiste und so hielt sich der Fahrkomfort sehr in Grenzen. Fünf Stunden etwa dauerte die Fahrt. Bei einer längeren Pause in der kleinen Ortschaft Deuba, nutze ich die Chance, mir ein bißchen die Füße zu vertreten und dabei ein paar Fotos zu machen.
Suva erreichten wir am frühen Nachmittag. Die Busstation lag ziemlich nah am Hafen und nicht weit davon entfernt hatten wir schnell ein preiswertes Hotel gefunden. Wir checkten wieder getrennt ein und nachdem wir den Reisestaub abgewaschen hatten, schauten wir uns noch den Betrieb im Hafen an. Dort lag gerade ein Kreuzfahrtschiff vor Anker. Das „Harbour View“-Hotel hatte eine kleine Terrasse. Dorthin zogen wir uns am Abend zurück und genossen neben ein paar kühlen Bierchen auch noch einen prächtigen Sonnenuntergang. Es wurde ziemlich spät, bevor wir ins Bett kamen.
Russ und ich frühstückten noch zusammen, aber dann sagten wir uns „good bye“. Er machte sich auf den Weg zum Flughafen und ich einen Stadtbummel. Der Wochenmarkt, auf dem vor allem mit Kavawurzeln gehandelt wurde, war natürlich ein Anziehungspunkt und der Botanische Garten ebenfalls. Auch am Regierungspalast kam ich vorbei. Dort beeindruckte mich der Wachtposten, der in rotem Frack und weißem Rock steckte. Schon eine extravagante Uniform! Ansonsten gab es nicht so viel zu sehen.
Da ich keine Lust hatte, wieder mit dem Bus zurück nach Nadi zu fahren, erkundigte ich mich nach einer Flugverbindung. Ich mußte ja in zwei Tagen den Rückflug nach Auckland erwischen. Mit der Verbindung hatte ich Glück und das Ticket kostete kein Vermögen. Also alles paletti.
Am nächsten Tag hatte ich mit dem Wetter dieses Glück nicht mehr. In der Nacht war ein schweres Gewitter aufgezogen und es hatte richtig zu schütten angefangen. Wer schon mal ein tropisches Unwetter erlebt hat, weiß, wovon ich schreibe. Es goß wie aus Kübeln bis weit in den Vormittag hinein. So hatte ich Muße, Karten zu schreiben und mir Gedanken zu machen, wie es zurück in Neuseeland, weiter gehen sollte. Zur Mittagszeit hatten sich die Wolken verzogen und es wurde wieder unerträglich schwül. Weit über 30°C. So ging ich nachmittags in ein öffentliches Schwimmbad. Abends leistete ich mir ein Abschiedsdinner in einem China-Restaurant. Mit der indischen Küche hatte ich mich in den letzten Tagen nicht so recht anfreunden können. Die Indo-Fijian Bevölkerungsgruppe war überhaupt sehr dominant, sowohl in Nadi als auch in Suva. „Richtige“ Fijianer hatte ich kaum kennengelernt.
Donnerstags war ich bis 11:00Uhr nochmal im Schwimmbad. Dann beglich ich die Rechnung im Hotel und marschierte zur Busstation. Mit dem Shuttle ging´s raus nach Nausori, dem Flughafen von Suva. Da es ein Inlandsflug war, verlief die Abfertigung recht flott und eine Stunde später saß ich in einer alten Propellermaschine der Air Pacific. Der Flug nach Nadi dauerte eine halbe Stunde.Das Flugzeug flog nicht sehr hoch und so konnte ich mir Viti Levu sehr gut aus der Vogelperspektive anschauen. Die prägende Farbe dabei war das satte Grün der riesigen Zuckerrohrplantagen. Im Nadi International Airport hatte ich noch knapp drei Stunden Wartezeit, bis die Passagiere nach Auckland zum Boarding aufgerufen wurden. Damit war mein Abstecher in die Südsee zu Ende.
Copyright by: Text und Fotos, Josef Stadler


































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