Leser-Reportagen
USA - Rundfahrt im "Wilden Westen"
Vor fünf Tage war ich aus Honolulu kommend in Los Angeles gelandet. Mein Freund Russell hatte mich am Flughafen erwartet und mich gleich zu sich nach Hause, in das Städtchen Lompoc, zwei Fahrstunden nördlich von L.A., zwischen der Pazifikküste und den San Rafael Mountains gelegen, eingeladen.
Dort hatte ich mich gut ausruhen können und auch die Pläne geschmiedet, ein paar Wochen lang mit einem Auto die verschiedenen Nationalparks im Westen der USA zu besuchen. Ende Juni war auch die ideale Jahreszeit für so ein Vorhaben. Russell hatte leider keine Zeit mich zu begleiten, aber er bot mir sehr großzügig seinen alten Subaru Geländewagen an. Sein Zweitwagen, den er einige Zeit entbehren konnte. Amerikaner sind da ziemlich unkompliziert. „Have a good and save trip“, wünschte mir Russell an dem frühen Sonntag Morgen noch. Dann ließ ich den Motor an und rollte aus der Garageneinfahrt auf die Straße. Endlich war ich wieder „on the road“.
Drei Tage später und etwa 900 Kilometer weiter nördlich, war ich in Coos Bay(Oregon), angekommen. Ich hatte mich stets an die Küstenstraßen gehalten, was mir unzählige großartige Ausblicke auf die schier endlose, kaum bewohnte Pazifikküste bescherte. In San Francisco hatte ich mich nicht aufgehalten, da ich dieser faszinierenden Metropole schon vorher mal einen ausgiebigen Besuch abgestattet hatte. Übernachtet hatte ich einmal im Pigeon Point Lighthouse YH bei Pescadero, südlich von S.F. und weiters in einem kleinen Motel bei Leggett am Eel River im nördlichen Kalifornien. Erst abends merkte ich immer, daß das lange Fahren doch ziemlich ermüdend war.
Am dritten Tag also war ich schon um 07:00Uhr auf den Beinen. Für die Jahreszeit war es recht kühl. Ich fuhr weiter Richtung Norden und durchquerte gegen Mittag den Redwood National Park. Ehrfürchtig bestaunte ich die Riesenmammutbäume, die über 100m hoch wachsen können, aber es gab dazwischen (zu) viele Souvenirshops, Motels und Restaurants. Als richtiger Tourist ließ ich natürlich nicht die Fahrt durch den „Chandelier Tree“ aus und ein Foto davon mußte auch sein.
Bei Crescent City nahm ich zwei Anhalter mit. Lehrerinnen aus England, wie sich herausstellte. Etwas Unterhaltung konnte ja nicht schaden. Kurz darauf überquerten wir die imaginäre Grenze nach Oregon. Die Straße führte meistens wieder direkt an der Küste entlang, mit spektakulären Aussichten. Am frühen Abend erreichten wir Coos Bay. Meine Begleiterinnen wollten zur Jugendherberge und ich blieb dann auch gleich dort. Ich hatte für heute vom Fahren genug und im Preis von 8 $US war ein Abendessen und das Frühstück inbegriffen. Die JH war nur während der Sommerferien geöffnet und im Nebengebäude einer Kirche untergebracht. Die Herbergsmutter hatte toll aufgekocht und die Atmosphäre war sehr familiär. Ich schaute mich dann noch in der City um, aber ein kalter Wind vom Meer her, trieb mich bald zurück ins Hostel.
Der Mittwoch begann mit einem typisch amerikanischem Frühstück. Ham´n Eggs, Pancake und Kaffee. Maud und Phyllis, die Lehrerinnen, verabschiedeten sich. Sie wollten schnell weiter nach Seattle und ich machte mich auf den Weg zum nahen „Oregon Dunes National Recreation Area“, eine abgelegene, interessante Dünenlandschaft, die sich etwa 40 Meilen zwischen Coos Bay und Florence an der Küste entlangzieht. Leider wehte immer noch dieser kalte, heftige Wind und so verzichtete ich lieber auf eine Wanderung durch die sandigen Hügel.
Statt dessen setzte ich die Fahrt fort. In Florence bog ich nach Osten ab ins Landesinnere und schnell wurde es wärmer. Die kurvenreiche Strecke führte hauptsächlich durch ausgedehnte Wälder und einmal hatte ich das Glück, von der Straße aus ein Rudel Wapitihirsche beim Äsen auf einer großen Lichtung beobachten zu können.
In dem trostlosen Nest Beaver Marsh - es gibt fast nichts Trostloseres als Provinznester in den USA – füllte ich den Tank meines Vans auf, bevor ich in den Crater Lake National Park hineinfuhr. Selbst Ende Juni lag stellenweise noch jede Menge Schnee herum. Kein Wunder, liegt doch der Park auf etwa 2000m ü.d.M. Der Krater bot dann ein großartiges Naturschauspiel mit seinem tiefblauen Wasser, der ihn umgebenden Caldera und der Wizard Island, dem Vulkankegel inmitten des Sees. Die Wasseroberfläche hat gut 53 km² und der tiefste Punkt liegt bei 594m. Damit ist der Crater Lake der zweittiefste See Nordamerikas. Ich ließ mir reichlich Zeit bei der Fahrt auf dem Rim Drive, der Straße rund um den See. Immer wieder hielt ich an, um die spektakuläre Szenerie zu genießen. Im Crater Village gönnte ich mir eine Kaffeepause. Vor lauter Staunen vergaß ich fast die Zeit und so wurde es späterer Abend, bis ich nach zweistündiger Fahrt die JH in Ashland erreicht hatte.
In den folgenden zwei Tagen saß ich hauptsächlich im Wagen, „fraß“ Kilometer. Ich fuhr über 1300km durch Oregon und Idaho auf einsamen, endlosen Straßen durch Prärie und Farmland, passierte kleine Städtchen und abgelegene Ortschaften. So hatte ich mir den „Wilden Westen“ immer vorgestellt. Es war einfach toll. Autofahren in den USA war für mich pures Vergnügen. Kein Zeitdruck und keine feste Route. Fetzige Rock- oder Country Music aus dem Autoradio. Das Wetter spielte auch mit. Das nenne ich Freiheit!
Eine längere Pause legte ich schließlich im mittleren Idaho ein, um mir die schwarze, vulkanische Landschaft des „Craters Of The Moon National Monument“ anzuschauen. Drei riesige Lavafelder bedecken dort eine Fläche von über 800km². Eine irre Gegend. Der Name des Parks konnte nicht treffender sein. Auf einer Infotafel war zu lesen, daß Astronauten vor der Mondlandung dort auch mal trainiert hatten.
Tage später saß ich eines Abends auf einem Campground in Moab/Utah vor meinem Zelt und freute mich schon auf den nächsten Morgen, an dem es in den Arches National Park gehen sollte.
Ich hatte in den vergangenen Tagen den Yellowstone- und den Grand Teton N.P. in Wyoming besucht. Ich hatte mich in Jackson Hole und Salt Lake City umgesehen. Ich hatte endlose Meilen durch phantastische Gegenden zurückgelegt und einige sehr nette Leute kennengelernt. Der Arches N.P. sollte nun ein weiterer Höhepunkt auf meiner Fahrt durch den Westen der USA werden. Ich hatte gedacht, daß mich Landschaften nicht mehr so leicht beeindrucken könnten, aber was ich an jenem Tag zu sehen bekam, war ganz einfach unbeschreiblich.
Von Moab zum Eingang des Parks sind es nur ein paar Meilen und dann bewegte ich mich in einer absolut phantastischen Umgebung mit beispiellosen Felsformationen, Farben und Perspektiven. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus. Wohin man auch schaute, es war einfach sagenhaft. Fotos zu machen war eigentlich vergebliche Mühe, denn man muß diese Landschaft als ein Ganzes sehen. Nach jeder Kurve, nach jedem Fels neue, unbeschreibliche Ausblicke und alles in gigantischen Dimensionen und in tausend verschieden roten Farbtönen. Kaum zu beschreiben. Man muß das selbst gesehen haben. Erst als abends die Dämmerung einsetzte, fuhr ich zurück zum Zeltplatz. Dort traf ich zu meiner Freude ein paar bayerische Landsleute aus Passau und dieser denkwürdige Tag endete mit einer feuchtfröhlichen Nacht.
Am nächsten Morgen kroch ich erst spät aus dem Zelt und ich beschloß, einen weiteren Tag in Moab zu bleiben. Die Weiterfahrt zum Grand Canyon konnte gut warten.
Copyright by: Text und Fotos, Josef Stadler


























betzold49 sagte vor 1 Jahr 50 Wochen:
Interessant für mich, da ich im Juni eine ähnliche Tour vorhabe - allerdings mit einer Gruppe :-(((
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