Leser-Reportagen
Nepal - 1x rauf und runter
Namaste!
Herzliche Grüße aus Nepal! Bin mal wieder in der weiten Welt unterwegs, diesmal in Nepal. Nachdem ihr mich auf meinen letzten beiden Reisen nach Südafrika (2006) und Mexiko (2001) ermutigt habt, ein Reisetagebuch zu führen, möchte ich Euch auch auf dieser Reise damit "beglücken."
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Sonntag, 02. Dezember 2007:
Eine lange Nacht
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Gegen 14 Uhr geht es mit einer der angeblich besten Fluggesellschaften der Welt, Qatar Airways, von Frankfurt via Doha (Vereinigte Arabische Emirate; 2 Zeitzonen zurück) nach Kathmadu (Nepal; 5:45 Stunden zurück).
Wie sich Qatar Air diesen Ruf erworben hat, habe ich schnell feststellen können: Als mein Vordermann 2 Minuten nach dem Start seinen Sitz voll nach hinten kippte, konnte ich bequem mein Kinn auf seinem Sitz ablegen. Ich wurde nicht durch irgendeinen Animations-Schnickschnack von der Hauptsache, dem Fliegen, abgelenkt; das Animationsmodul war defekt und ließ ich auch nicht in Betrieb bringen - ich konnte mir in der Menüübersicht lediglich anschauen, welche 72 Filme sich die anderen Passagiere ansehen können. Dafür hat Qatar Air sehr freundliche Stewardessen aus über 60 Nationen: Die sollen wahrscheinlich von allem anderen ablenken. Im Flieger lernte ich demn ersten meiner 7 anderen Mitreisenden kennen, Viktor.
Gut sechs Stunden später landen wir in Doha, wo wir uns 6:30 Stunden lang die Zeit totschlagen dürfen, ohne das Gebäude zu verlassen. Keine Möglichkeit, sich irgendwo hinzulegen. Wenigstens lernen wir so nach und nach alle Mitreisenden kennen - die Wahrscheinlichkeit ist groß, daß jemand, der im wüstenhaft heißen Doha mit Trecking-schuhen rumläuft, nach Nepal will.
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Montag, 03. Dezember 2007:
Die Nacht ist noch lange nicht vorbei
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Irgendwann starten wir dann schließlich Richtung Kathmandu in einem Flieger mit etwas mehr Beinfreiheit und diesmal für alle ohne jeden weiteren Schnickschnack. Nachdem die Sonne aufgegangen ist, sehen wir die braunen und trockenen Berge Irans und Pakistans. Kein weißer oder grüner Tupfer zu sehen. Gegen Mittag, also nach 18 Stunden, kommt dann endlich der Landeanflug auf Kathmandu. Wir sitzen zwar auf der richtigen, der linken Seite, aufgrund des Wetters können wir den Himalaya aber leider nicht sehen. Dies sollte sich auch in den kommenden Tagen nicht ändern.
Nepal hat sich erst 1951 für Ausländer geöffnet. Seitdem dürfte sich das Land extren verändert haben, quasi von der Steinzeit ins 21. Jahrhundert. Im engen Talkessel von Kathmandu leben inzwischen rund 1 Mio. Menschen. Die Gegend leidet extrem unter dem Smog, viele Einheimische laufen inzwischen mit Atemmasken rum.
Ich habe wirklich schon viel Verkehrschaos erlebt, ob Paris, Rom und vor allem Kairo oder Mexiko Stadt - Kathmandu übertrifft mit weitem Abstand alles, was ich in der Beziehung je erlebt habe. Keine Gehsteige, keine Verkehrsschilder, Straßen mit Schlaglöchern, wo teilweise ein VW Käfer bequem Platz findet, nur zwei Ampeln in der ganzen Stadt.
Dafür ist unser Hotel eine Oase der Ruhe, obwohl sehr zentral gelegen. Einfach zwar, aber dafür mit einem schönen und ruhigen Innenhof.
Ein gutes Abendessen erwartet uns. Mit 300 Rupien war das Essen im Vergleich zu den kommenden Tagen vergleichsweise teuer, aber gut. Was aber heißt "teuer"? Für einen Euro bekomme ich 91 Rupien!
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Dienstag, 04. Dezember 2007:
Ommmm!
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Per Taxi geht es für 150 Rupien (für 3 Personen) nach zähen Verhandlungen 10 km raus nach Pashupatinath, wo die Hindus ihre Toten verbrennen und auf eine lange Reise den Fluß runtersenden. Dadurch, daß sich viele Terassen den Hang hinaufziehen, kann man diese Zeremonie beobachten, ohne selbst unangenehm aufzufallen.
Dort bekomme ich aber auch erstmals Kontakt mit selbsternannten Guides, heiligen Männern, Tiger-Balm- und Rolex-Uhrenverkäufern.
Anschließend wandern wir 1 Stunde Richtung Bodnath, wo der größte buddhistische Tempel Nepals steht. Nach einem Mittagessen auf einem Roof-Restaurant, also einem Dach-Restaurant, wo man alles ein wenig beobachten kann, gliedern wir uns ein in den Pilgerstrom, der immer im Uhrzeigersinn um die Stupa herumwandert und die Gebetsmühlen in Bewegung bringt. Die CD-Läden um die Stupa herum mit ihrer Musik und nach Einbruch der Dunkelheit die vielen Yakbutterkerzen schaffen eine ganz besondere Atmosphäre. Ich unterhalte mich mit ein paar Mönchen, die leidlich Englisch können und erhalten ein Gebetsbuch (das ich nicht lesen kann) und ein Pilgertuch geschenkt. Nicht alle wollen also etwas von mir...
Der Verkehr zurück ist unglaublich. Nach einer Stunde und einer abenteuerlichen Fahrt mit Staus und Verkehrschaos überall, kommen wir an. Die anderen beiden Taxen brauchen 1/2 bzw. 1 1/2 Stunden länger.
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Mittwoch, 05. Dezember 2007:
Weltkulturerbe per Rikscha
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Nach dem Frühstück schlage ich mich durch zum Durbar Square, Weltkulturerbestätte. Dort stehen gut zwei Dutzend hinduistische Tempel. Leider kann man die nur bedingt in Ruhe anschauen. Mehrere Hauptverkehrsachsen führen mitten über den Platz, die Luft ist - nicht zuletzt aufgrund des minderwertigen Benzins bzw. Benzin-Öl-Gemischs und der nächtlichen Müllverbrennung auf den Straßen, zum Schneiden.
Außerdem wird man, kaum dass man mal sitzt, von Gott und der Welt angequatscht. Ob ich ein Taxi brauche - nee, bin gerade erst gekommen - eine Rikscha - neeee, ich bin echt erst gerade gekommen - Tiger Balm, ein Foto von einem Heiligen Mann, einen Führer, Klamotten, Obst, Zigaretten, Hasch...
Selbst oben auf dem Tempel hat man keine Ruhe. Der Eintritt auf den Durbar Square kostet für Ausländer 200 Rupien. Da will mir doch tatsächlich einer weiß machen, das Besteigen des Tempels kostet extra. Als mich schließlich 4 heilige Männer in die Zange nehmen, damit ich ein Foto mache und jedem 500 Rupien zahle, wird es mir zuviel und ich fliehe per Rikscha zurück ins Hotel- nicht ohne mir auf der Fahrt die Leidensgeschichte des Fahrers anzuhören, der so den Preis erhöhen will.
Am Nachmittag wandern wir 2 h nach Swayambhunat, einer anderen Stupa hoch über der Stadt, wo man am Schluß 200 verdammt steile Stufen hochsteigen muß. Die Mühe lohnt sich aber. Der Blick über die Stadt und die benachbarten Berge, die man im Dunst erkennen kann, ist gewaltig. Auch hier wieder nach Sonnenuntergang eine unwirkliche Atmospäre, wenn auch diesmal ganz anders durch die vielen spielenden Kinder und viele Affen.
Wieder unten angekommen, chartern wir wieder drei Taxen. Die Fahrt ist eine Guduldsprobe. Wieder sind alle Straßen verstopft. Den Berg runter fahren wir ohne Licht, der Fahrer schont alle Ressourcen. Irgendwann geht gar nichts mehr, weil zwei Fahrzeuge nicht weiter kommen. Das Problem in Nepal ist, daß zum Vordermann max. 2 cm Platz gelaßen werden, damit sich keine Motorradfahrer zwischen die Autos quetschen können. Wenn etwas zu langsam geht, wird einfach überholt, auch bei Gegenverkehr. Da die eigene Spur verstopft ist, kommt das Fahrzeug nicht mehr auf die eigene Spur zurück und blockiert schließlich alles...
Nach 1/2 Stunde löst sich der erste Stau auf. Vor der großen Kreuzung, wo es keine Verkehrsregelung gibt, ist ein Bus eingekeilt, der nicht rauskommt. Wir stecken wieder fest. Sch...! Als wir endlich freikommen, verliert unser Fahrer die Nerven. Eigentlich ungewöhnlich, bisher haben alle den Verkehr schicksalhaft ertragen. Der fährt jetzt mit 70 Sachen durch die engen Straßen, wo kaum 2 Autos aneinander vorbeipassen, wo Fußgänger und Radfahrer unterwegs sind. Zwischendurch immer wieder Vollbremsungen. Auch, als plötzlich ein kleines Kind vor dem Taxi über die Straße rennt. Mann, da hat nicht viel gefehlt.
Heute abend gehen wir mal in einer Nebengasse essen. Bin mit meinem Chicken Curry für 85 Rupien (etwas über 0,90 Euro) dabei, mein Tee kostet 8 Rupien... Okay, vom Chicken habe ich - abgesehen von Knochen - nichts gefun-den, gut war es aber trotzdem.
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Donnerstag, 08. Dezember:
Wieder einmal durchatmen und das in einer Traumstadt!
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Heute morgen verlassen wir Kathmandu. Vielleicht ganz gut, den Verkehr und vor allem die Luft hinter sich zu lassen. Wir fahren nach Bakthapur, ebenfalls Weltkulturerbe. Hier muß man 20 US-Dollar Eintritt zahlen. Das Geld wird allerdings gut verwendet. So ist die Innenstadt weitgehend verkehrsfrei, die Straßen mit einer Art Kopfsteinpflaster versehen, die Bauwerke gut gepflegt. Kurzum: Eine Stadt wie aus 1001 Nacht!
Erstmals kaufe ich etwas ein: Ich lande in einer Papierfabrik, wo das Papier handgeschöpft wird. Eine Besichtigung der Fabrik und der benachbarten Joghurtproduktion (die Stadt ist im ganzen Land für ihren Joghurt bekannt) inclusive. Ich werde eine zusätzliche Tasche für den Rückflug benötigen!
Auch hier zeichnet sich unser einfaches Hotel durch eine fantastische Lage aus, direkt zwischen den beiden schönsten Plätzen gelegen. Auch auf diesen Plätzen wurden im Laufe der Jahrhunderte mehrere Tempel errichtet. Ganz wichtig: Die Zahl der Verkäufer und heiligen Männer ist deutlich niedriger als in der Hauptstadt. Als es dunkel wird und ich meine erste Rundmail versenden möchte, gibt es erstmals Stromausfall. Daran müssen wir uns in den kommenden Tagen noch gewöhnen. Auch während ich diese Mail schreibe, ist der Strom schon dreimal ausgefallen. Einmmal ging mein Text flöten, weil sich der PC nicht mehr hochfahren ließ und ich keinen Zugriff auf meine Wordpad-Datei hatte. Ansonsten hat das Notstromaggregat funktioniert.
Bakthapur ist so etwas wie die Hochzeits-Hochburg des Landes. Laufend kommen Prozessionen vorbei, vorneweg eine Blaskapelle, deren Repertoire von "Muß i denn zum Städtele hinaus" bis zu Samba-Rythmen reicht, dann das Hochzeitspaar, gefolgt von den Familien in bunten Saris und einem Mercedes. Wir essen in einem alten Palast mit Blick auf einen der Plätze, wo immer wieder eine Hochzeitsgesellschaft vorbei kommt.
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Freitag, 09. Dezember:
Auf verschlungenen Pfaden
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Früh morgens besuchen wir den Hindutempel Changunarayan, einer der ältesten Tempel des Landes, dem Gott Vishnu geweiht. Dort sind mehrere Schulklassen unterwegs. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass wir Europär für die Kids wesentlich interessanter sind, als die "ollen" Tempel. Anschließend steht erstmals ein kleines Trecking über 20 km auf dem Programm. Wir starten auf knapp 1.400 Metern Höhe, um in Nagarkot unser Hotel auf 2.300 Metern zu erreichen. Die Wanderung ist abwechslungsreich, es geht immer wieder mal durch kleine Dörfer durch, auf der linken Seite haben wir immer wieder einen Blick auf den Himalaya. Leider ist es etwas dunstig.
Das Hotel ist traumhaft gelegen, schachtelartig aufgebaut mit gigantisch großen Zimmern.
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Samstag, 10. Dezember:
Leute, ich bin Morgenmuffel!
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Kurz nach 6 Uhr geht die Sonne auf, d.h., um 5:30 aufstehen, wenn man den Sonnenaufgang über dem Himalaya erleben will. Hey Leute, ich bin Langschläfer! Was muß ich denn tun, damit die Sonne später aufgeht?
Ich stehe trotzdem so früh auf, auch wenn es draußen noch saukalt ist - so wie übrigens auch in den Zimmern. Wie in allen anderen Hotels gibt es keine Heizung.Tagsüber wird es zwar angenehm warm, Nachts kühlt es jedoch empfindlich ab in Richtung Frost, vor allem hier oben.
Der Sonnenaufgang: Ein Traum. Ganz im Osten der Tschomolungma, bei uns besser als Mount Everest bekannt, ganz im Westen das Annapurna-Massiv, wo wir ab Dienstag trecken werden. Das frühe Aufstehen hat sich auch deswegen gelohnt, weil es später wieder diesig wird.
Wir werden in das Dorf Panauti gefahren und wandern von hier ca. 6 Stunden nach Dhulikhel. Zwischendurch komme ich schon mal ins Schwitzen. Unterwegs machen wir wieder Halt an einer Stupa. Heute arbeiten die Einheimischen nicht, Studenten tanzen und feiern unweit der Stupa. Die meisten sind aus besserem Haus. Wir werden zur Party eingeladen. Größer könnte der Kontrast kaum sein. Auf der einen Seite der alte Bauer mit 50 kg Steinen in einem Korb, der per Seil über der Stirn befestigt ist, auf der anderen Seite die feiernden Studis.
Abends erreichen wir kurz vor Sonnenuntergang unser Hotel, diesmal deutlich höherwertiger, was man auch an den Preisen merkt. Wollte im Hotel etwas Geld tauschen: statt 91 Rupien pro Euro, bekomme ich nur 70 geboten. Für eine Flasche Wasser will der gute Mann statt der üblichen 10 bis 20 Rupien 93 haben. Ich verzichte dankend. Vielleicht etwas knauserig, aber man paast sich halt an. Damit das Abendessen nicht so teuer erscheint, werden 10% regionale und 14% staatliche Steuer erst hinterher aufgeschlagen...
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Sonntag, 11. Dezember:
Mit 23 km/h gen Westen
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230 Kilometer sind es über den Pokhara Highway nach Pokhara, 10 Stunden werden wir dafür benötigen. Eine relativ normale Reisezeit in diesem Land, weil überall, wo Busse halten, erstmal der Verkehr zusammenbricht, weil die mitten auf der Straße stehen bleiben. Ein landschaftlich tolles Tal, das wir durchfahren. Am meisten sieht man, wenn man - quasi landestypisch - oben auf dem Dach des Busses sitzt.
Letztendlich sind wir aber alle froh, als wir im Dunklen endlich ankommen. Leider ist unser Hotel überbucht, aber das neue Hotel ist klasse, auch wenn das Einchecken und Zimmer beziehen etwas aufwändig verläuft: Es geht gerade mal wieder kein Strom. Dafür werden wir mit Tee und vielen Kerzen empfangen.
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Montag, 12. Dezember:
Shoppingwahn
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Wie schon in Kathmandu schwärmen alle aus, um "Original" Lowa-Treckingschuhe für 15 Euro, Northface-Fleece-Jacken für 10 Euro usw. einzukaufen. o.k., eine Jacke habe ich auch gekauft. Wenn ich so sehe, was die anderen so alles ergattert haben, lebe ich ja geradezu puritanisch.
Eigentlich wollte ich über den See fahren und dort eine 1h-Wanderung zur World-Peace-Pagode machen, von wo man einen tollen Blick Richtung Annapurna-Massiv hat, das sich im See spiegelt. Die Sicht ist aber so schlecht, daß ich dankend verzichte.
Morgen beginnt unser 5-tägiges Trecking im Annapurna Massiv. Morgen früh werden noch ein Guide und vier Trager zu uns stoßen. Das Trekking wird bestimmt spannend!
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Dienstag, 11. Dezember:
"Dünnschiss" und ein Muli
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Die Nacht war ein Grauss: Ich war ständig zwischen der Toilette und dem Bett unterwegs. Habe irgendetwas gegessen, das meinem Magen nicht so ganz bekommen ist. Irgendwann beginnen die Kohlentabletten gottlob zu wirken.
Was für ein Einstieg in die Trekkingtour! Als es losgeht ins Anapurna-Massiv, bin ich fix und fertig, frage mich, ob es überhaupt Sinn macht, mitzukommen. Nachdem es drei Optionen gibt, die Tour abzubrechen, steige ich ins Geschehen ein:
Wenn es nicht mehr weiter geht,
(1) mit einem lokalen Träger zurück zum Ausgangspunkt und per Taxi nach Pokhara,
(2) einen Träger chartern, der einen hochträgt (die arme Sau!) oder
(3) ein Muli chartern, auf dem ich hochreite.
Insgesamt werden wir 6 Tage unterwegs sein. Start ist in Birethani auf 1.050 Metern, höchster Übernachtungsort wird Ghorepani auf 2.874 Metern sein. Übernachtet wird in einfachen Teehäusern. Die ersten beiden Tagen geht es entlang einer uralten Handelsstrasse, die weiter über das Königreich Mustang nach Tibet geht, und dann schließlich in einem weiten Bogen wieder zurück nach Birthani. Unser Blick fällt dabei immer wieder auf die Berge des Annapurna-Massivs, einem der 14 Achttausender der Erde. Soweit die Theorie. Denn heute ist von den Bergen nichts zu sehen.
Zusätzlich zu den 8 Teilnehmern der Tour und Jan, unserem Reisebegleiter, haben wir noch einen Guide dabei und vier Träger, die unser Gepäck tragen. Der älteste der Trager, "Mama", ist 58 Jahre. Die Träger haben neben ihrem eigenen Gepäck und allem zum Teekochen, ausserdem unsere 9 Gepäckstücke dabei mit je 10-15 kg. Jeder trägt also so seine 30-35 kg mit sich rum.
Das Etappenziel des ersten Tages ist Tikhedhunga auf 1.540 Metern. Hört sich eigentlich simpel an, gerade mal 500 Höhenmeter. Wenn, ja wenn da nicht zum einen die Tatsache wäre, das die Steigungen ausschiesslich über Treppen überwunden werden und meine Verdauung nicht so ein Eigenleben entwickeln würde.
Nach der Mittagspause werde ich immer langsamer. Irgendwann geht nichts mehr, meine ständigen Toiletten-besuche letzte Nacht haben mich zu sehr geschwächt. Allen isotonischen Getränken zum Trotz: Ich kann nicht mehr!
Auf der Strecke sind zahlreiche Mulikarawanen unterwegs, so kommt man vergleichsweise leicht an eines ran. Nach zähen Verhandlungen von Jan ergattere ich ein Muli, das mich die letzten 4-5 km zu unserem Teehaus bringt. Das Reiten ist aufgrund des ständigen Treppaufs/Treppabs auch nicht ganz einfach.
Zum Abendessen gibt es für mich eine Reissuppe – da ist wirklich nur Reis drin mit etwas Wasser. Außerdem bekomme ich (auch in den kommenden Tagen) ein indisches isotonisches Getränk. Der nächste Tag solte zeigen, dass das genau die richtige Verpflegung für mich war.
Das Teehaus ist ganz nett, wennglich es überall saukalt ist. Heizung gibt es hier, wie auch sonst in Nepal keine. Der einzige warme Ort ist mein Schlafsack. Immerhin gibt es hier eine Toilette zum draufsetzen - das nutze ich doch glatt mal aus...
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Mittwoch, 12. Dezember:
Annapurna – und es gibt ihn doch
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Am nächsten Morgen fühle ich mich wieder viel besser. Kopfzerbrechen bereitet mir, dass heute das härteste Stück ansteht, hoch nach Ghorepani auf 2.874 Metern, 1.350 Höhenmeter, für die 8 Stunden kalkuliert werden. Gleich auf dem ersten Kilometer erwarten uns 3.280 Stufen! Oh Mama mia!
Gedanklich mache ich mich schon bereit, mir wieder ein Muli zu leihen – überraschenderweise halte ich durch. Ob es an meiner Konstitution, den isotonischen Getränken, dem Zuspruch der Mitreisenden oder einfach auf die Tatsache zurückzuführen ist, das endlich die Sonne scheint und wir erstmals die Sieben- und Achttausender zu sehen bekommen? Ich weiss es nicht.
Oben am Pass erwartet uns wieder eine einfache, aber saubere Unterkunft. Wie muss man sich so ein Teehaus vorstellen?
Im Mittelpunkt steht ein Aufenthaltsraum, hier mit einer Fensterfront auf ein grandioses Panorama mit 2 Achttausendern und (ganz wichtig !!!!!) mit einem stets geschürten Holzofen. Im Erdgeschoss sind ausserdem eine Toilette (Loch im Boden), ein Waschbecken, eine Dusche mit heißem Wasser, aber eiskalter Luft, und die Küche.
Im ersten und 2. Stock dann die kleinen Schlafzimmer mit je 2 Betten, lediglich mit einem Leintuch ausgestattet. Dazu kommt der eigene Schlafsack. Kein Schrank, kein nichts. Für die Tür gibt es ein winziges Schloss, halb so groß wie für meinen Spind im Fitness-Center in Oberfranken. Die Wände sind ganz dünn, mal aus Wellbleck, mal aus Pappmache oder dünnem Holz. Da alles selbst zusammengebaut wird, kann der Boden schon mal richtig schief sein oder ein Brett beim Betreten durchbrechen. Drinnen ist es so kalt oder warm wie draußen, aber trocken und sauber.
Als wir in Ghorepani ankommen, werden wir mit einem tollen Blick auf Annapurna Süd und Fishtail empfangen, dem Matterhorn des Himalaya. Kaum sind wir in der Lodge, müssen wir auch schon wieder raus. Das Heizungsrohr des einzigen Ofens ist gebrochen, es droht Kohlenmonoxidvergiftung. Nach einer 30-minütigen Reperatur mit Ton geht der Ofen wieder, den heute abend keiner so schnell verlässt.
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Donnerstag, 13. Dezember:
Oberhalb der Schneegrenze
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Heute geht es weiter über Ban Thani (3.180 Meter) nach Tadapani (2.590 Meter). Die ersten 5-6 km geht es dabei immer wieder dorch Altschnee, was das Gehen nicht leichter macht. Wir gehen weiter auf das Annapurna-Massiv zu. Landschaftlich sehr schön, wenngleich wir inzwischen das normal bewohne Gebiet verlassen haben. Leider muss man sich hier, wie auch sonst, unglaublich auf den Weg vor sich konzentrieren, so dass man gar nicht die Muse hat, sich unbeschwert umzuschauen.
In Tadapani erwartet uns im Aufenthaltsraum ein so genannter "tibetanischer Ofen": Ein Tisch mit einer dicken Tischdecke drum rum, die bis zum Boden geht. Unter dem Tisch sind zwei Pfannen mit heissen Kohlen. So bleiben Füsse und Beine warm. Wenn man nicht gerade seine Schuhe in die Pfanne stellt...
Abends komme ich mit Kali (Spitzname "Karin") ins Gespräch, einer 32-jährigen Nepali, deren Eltern in Tibet geboren und von dort geflohen sind. Kali verkauft eigentlich Andenken in Pokhara. Aufgrund der unglaublichen Zahl an Geschäften hat sie beschlossen, es einmal hier oben zu probieren; schiesslich gibt es hier keine Konkurrenz. Obwohl sie es nie gelernt hat, kann sie sehr gut Englisch und auch etwas Deutsch. Wird ein unterhaltsamer Abend.
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Freitag, 14. Dezember:
Mach ein Foto von mir!
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Heute trennen sich unsere Wege. 7 von uns gehen weiter nach Chomrong – 800 Meter runter und 400 wieder hoch, näher ran an das Annapurna-Massiv. Wir gehen zu zweit nach Ghandruk (1.940 m), dem Hauptort der Gegend und dem Zentrum der ACAP.
Um im Annapurna-Massiv trekken zu können, müssen 2.000 Rupien bezahlt werden. Dieses Geld wird von der ACAP in Lokalkommitees verwaltet und verwendet z.B. für den Bau von kleinen Wasserkraftwerken, Aufstellen von Mülleimern, dem Aufbau von Kerosin-Depots (zur Verringerung des Holzverbrauchs), für ein Plastikflaschen-Rücknahmesystem usw.
2002 wurde das ACAP-Zentrum von den Maoisten in die Luft gesprengt. Seitdem greifen diese aber gottlob keine Touristen und touristische Infrastruktur mehr an.
Die Maoisten haben einen Großteil des flachen Landes in ihrer Hand, die Zentralregierung v.a. das Kathmandutal. Seit einigen Monaten gibt es wieder einen recht stabilen Waffenstillstand, Neuwahlen sind für 2008 angesetzt.
Die Wanderung ist angenehm, es geht mitten durch einen verwunschenen Wald, der auch aus Tolkiens "Herr der Ringe" stammen könnte.
Gegen 13 Uhr kommen wir an, Zeit genug, sich den Ort anzusehen. Die Leute sind – wie überall – sehr freundlich. Überall sprechen mich Kids an, mit der Bitte, ein Foto von ihnen zu machen. In Hinterhöfen stosse ich auf Handwerker, überall ist Leben. Ich folge einem Schild "Temple" Oh Mann! 1 Stunde, 400 Höhenmeter und 2.222 Stufen später komme ich endlich dort an. Toller Ausblick!
Unser Teehaus macht einen luxuriösen Eindruck, sogar mit eigenen Duschen. Leider gibt es dort aber nur kaltes Wasser. Auch die Waschbecken sind spannend. Die normalen Wasserhähne funktionieren nicht, man muss die Verschlüsse unterhalb des Beckens auf- und zudrehen. Ein Abwasserrohr gibt es nicht, das Wasser läuft einfach unten raus und verschwindet 70 cm tiefer in einem Loch im Fußboden. Wie in den meisten Toiletten funktioniert auch hier die Spülung nicht. Dafür steht ein Eimer bereit.
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Samstag 15. Dezember:
Volleyball-Länderspiel
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Gestern wurden wir beide von Mama als Träger begleitet. Zusammen mit ihm gehe ich den anderen heuet ein Stück entgegen. Sakra! Wenn Mama kein Gepäck zu tragen hat, packt er den Turbo aus. Wir schaffen die Strecke, für die 1 h ausgewiesen ist, in 40 Minuten. Röchel! Wo ist mein Sauerstoffzelt?!
Am Nachmittag sind wir mit der Dorfjugend zu einem Volleyballspiel verabredet – macht riesig Spass. Man sollte nur darauf achten, den Ball nicht zu weit rechts ins Aus zu befördern. Die Gegenseite hat einen, der einen unglaublich harten Schmetterball darauf hat. Bei einer verunglückten Abwehr meinerseits fliegt der Ball 7 oder 8 Reisfeldterassen nach unten. Das Spiel muss mehr als einmal unterbrochen werden, weil wir den Ball wieder irgendwie hoch holen müssen.
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Sonntag 16. Dezember:
Die "Zivilisation" hat uns wieder
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Heute geht es wieder zurück ins Tal. Die erste Hälfte über Stufen, den Rest einen Bach entlang. Schade, der Höhepunkt der Reise ist vorbei.
Am späten Nachmittag kommen wir wieder in Pokhara an diesmal sieht man auch von hier Berge. Ich gehe zu einem Frisör, der mir den 5-Tagesbart abrasieren soll. Kostet 50 Rupien (also 0,55 Euro). Letztendlich lasse ich mir noch die Haare schneiden, die Augenbrauen stutzen, die Nasenhaare entfernen, bekomme eine Kopfmassage, ein Rücken-, Schultern-, Arm- und Pobackenmassage. Hey Leute, ich bin im Urlaub! Kostet letztendlich auch nur gut fünf Euro.
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Montag 17. Dezember:
Tiger, wir kommen
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In einer halben Stunde geht es in Richtung Chitwan-Nationalpark, tief unten im Terai einer Region rund 100 Meter über dem Meer.
Es sind zwar nur 150 km zum Chitwan-Nationalpark, wir kommen aber trotzdem erst kurz vor der Abenddämmerung an. Wie auch schon auf der Fahrt nach Pokhara, sitze ich während der Fahrt eine Zeitlang mit drei anderen auf Dach des Busses. Hier hat man bei der Fahrt durch den Canon eine tolle Aussicht. Unterwegs picknicken wir, beobachtet von einem Dutzend Kindern, am Strand des Kali Gandaki Rivers. Irgendwann laden wir die Kids zum Essen ein, ein Tauziehen mit viel Gelächter beendet die Pause.
Der Royal Chitwan Nationalpark liegt zwar nur ca. 100 Meter hoch, die Berge des Himalaya sind aber immer noch gut zu erkennen. Abends ist es zwar immer noch frisch, aber endlich nicht mehr so kalt.
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Dienstag, 18. Dezember:
Wo sind die Tiger?
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Gleich früh am Morgen geht es per Einbaum auf die andere Seite des Flusses zu einem „Game Walk". Tiger und Nashörner sehen wir zwar keine, aber dafür etliche Vögel, Affen und auch Krokodile. Hier gibt es zwei Arten: Die einen werden bis zu 8 Meter lang, die anderen nur drei Meter, dafür schauen die aber richtig aggressiv aus.
Mittags breitet sich eine melancholische Stimmung aus. Wir schauen zu, wie die Elefanten gebadet werden, am Nachmittag warten dann 50 Elefanten auf die Touristen, um sie zu einer Safari mitzunehmen. Der Jeep zu den Elefanten ist etwas klein ausgefallen, also muss ein Teil auf der Ladefläche des Jeeps stehen.
Bei der Elefantensafari sitzen je 4 Gäste oben auf dem Rücken des Elefanten; vorne am Hals sitzt der jeweilige Elefantenführer. Tatsächlich bekommen wir aus nächster Nähe einige Nashörner zu sehen. Imposant, wenn sich Elefant und Nashorn gegenüber stehen und jeder den anderen respektvoll beobachtet. Hätte nichts dagegen gehabt, wenn nicht alle Elefanten gleichzeitig gestartet wären und die Nashörner jeweils "umzingeln"... Bequem war der Sitz auch nicht gerade...
Apropos „Elefant im Porzellanladen" - ist eine Verunglimpfung. Die Elefanten laufen absolut erschütterungs- und geräuschfrei!
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Mittwoch, 19. Dezember:
Mit dem Einbaum unterwegs
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Früh geht es zunächst zu einer Elefanten-Aufzuchtstation. Hier werden aus Elefanten im Alter von ca. 2 Jahren zu Arbeitselefantenausgebildet. Frei lebende gibt es fast keine mehr auf dem indischen Subkontinent.
Von der Aufzuchtstation geht es per Einbaum den Fluss runter. Absolute Stille. Ab und an ein Zirpen. Kein Motorengeräusch. Keine Menschenseele zu sehen. Dafür aber reichlich Krokodile. Mindestens 10 wurden uns versprochen, es waren deutlich mehr, teilweise keine 2 Meter vom Einbaum weg. Schnell sind die, Donnerwetter!
Ich habe Urlaub, also lege ich mich am Nachmittag faul in einen Liegestuhl mit Blick auf den Fluss, bestelle mir ab und an ein Lassi und lasse es mir gut gehen. Man kommt sich fast vor wie in der Kolonialzeit (auch wenn Neoal nie Kolonie war).
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Donnerstag, 20. Dezember:
Back to the roots
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Langsam neigt sich die Reise dem Ende zu, es geht zurück nach Kathmandu. Wir übernachten wieder im Hotel Buddha. Weil es mir dort oben so gut gefallen hat und weil die Sicht so gut ist, gehe ich noch mal hoch nach Swayambhunath, der Stupa hoch oben auf dem Berg. Hat sich noch mal gelohnt.
Für morgen buchen 4 von uns noch einmal einen Mountain Flight zum Mount Everest mit Buddha Air. Der erste Versuch vor gut 2 Wochen war ja wegen schlechter Sicht ausgefallen.
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Freitag, 21. Dezember:
Einbruch
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Um 05:45 läutet mein Telefon. Um 6 Uhr soll unser Auto zum Flughafen gehen. Verdammt, wo ist meine Jeans. Bin ich gestern ohne Hose durch die Stadt gelaufen? Schließlich finde ich sie; sie hängt halb zum Badezimmer-Fenster im 5. Stock raus. Was macht sie da? Überhaupt: Wo ist meine Fototasche? Wo sind meine Papiere? Sch....!!!!!!
Alles weg!!!!!!
Normalerweise habe ich die Sachen (a) im Safe und (b) aufgeteilt. Weil aber heute früh in aller Herrgottsfrühe der Mountain Flight startet, ist alles kompakt beieinander. Ich habe mit vielem gerechnet, aber nicht, dass ich in meinem Hotelzimmer ausgeraubt werde, während ich dort schlafe.
Zwischen 4:30 (als ich auf die Toilette musste) und 5:45 wurde ich, während ich geschlafen habe, ausgeraubt. Schnell stellt sich raus, dass ich nicht der einzige war, einen Kenianer im 5. Stock, eine Koreanerin sowie den Hotelmanager im 4. hat es auch erwischt
Unten an der Rezeption wird gleich der Manager geweckt und die Kripo gerufen. Viel kann die nicht ausrichten. Den Manager hat es auch voll erwischt: Ca. 2000 Euro weg - sein Jahresgehalt. Als die Kripo weg ist, frage ich den Direktor, ob ich ins Internet kann, um meine Kredit- und Scheckkarten sperren zu lassen. Zur Botschaft muss ich auch noch, schließlich sind Reisepass und internationaler Führerschein auch weg. Auch das noch: Internet geht nicht.
Wie sich rausstellt, war das gut. Ein Hotelangestellter hat nämlich versucht, zu rekonstruieren, wie die Einbrecher reingekommen sind und hat dabei etwas am benachbarten Dach gefunden. Also nichts wie hoch. Oh Mann! Da sind mein (leerer) Fotorucksack und meine Tasche. Die beiden Spiegelreflexkameras und die drei Objektive (Neuwert vor 10 bis 15 Jahren, als ich die gekauft habe, so 1.500 bis 1.800 DM) sind zwar weg, auch das Geld (ca. 20 Euro), aber wenigstens sind alle Papiere noch da. Ah, wenigstens kein Supergau! Das mit den Fotoapparaten ist aber trotzdem ein Schock. Ich fotografiere zwar auch digital, gerade auf Reisen aber noch viel analog und mache Dias - Ersatz werde ich wohl gar keinen mehr bekommen. Meine digitale Kamera (das einzige etwas wertvollere Gerät) hatte derDieb glücklicherweise übersehen.
Für den Flug ist es zu spät. Genau in dem Moment, wo wir meinen Rucksack finden, fliegt ein Flieger von Buddha-Air über mich hinweg. Hätte bloß noch gefehlt, dass er mal mit den Flügeln "wackelt", um mich zu grüßen.
Dankenswerterweise kümmert sich ein Mitarbeiter der Agentur um den ganzen Papierkram bei der Polizei.
Nachmittags gehe ich zusammen mit Viktor und Jan ein Dutzend Kaschmir-Läden abklappern. Zu dritt lassen sich die Bälle gut zuspielen, wir können die Preise für Schals um über 2/3 reduzieren.
Ich klappere außerdem einige Fotogeschäfte ab und platziere dort die Info, dass mir ein Fotoappparat runtergefallen ist und ich deswegen ein Minolta-Gehäuse suche. Immerhin zwei sagen mir zu, dass sie bis morgen etwas organisieren.
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Samstag, 22. Dezember:
Mountain-Flight
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Glücklicherweise hat mich der ausgefallene Flug gestern nichts gekostet, also versuche ich es heute noch mal. Um 6 Uhr werde ich abgeholt, es ist noch dunkel. Draußen auf dem Weg zum Flughafen herrscht Endzeitstimmung. Alle 200 bis 300 Meter brennt ein Feuer. Hier werden zum einen die Abfälle verbrannt, zum anderen wärmen sich die Leute dort auf.
Um 7 Uhr soll mein Flug gehen, wegen schlechter Sicht startet er aber erst um 11:30 Uhr, als ich eigentlich schon stornieren wollte. Rund eine Stunde geht es am Himalaya entlang bis zum Mount Everest. Jeder hat einen Fensterplatz, auch kann man stets ins Cockpit- beeindruckend.
Da ich so spät zurückkomme, gerät mein Zeitplan etwas aus den Fugen. Glücklicherweise darf ich - im Gegensatz zu den anderen - mein Zimmer ohne Aufpreis behalten; so ein kleiner Einbruch hat halt auch kleine Vorteile.
Dass ist gut so, schließlich habe ich meinen Koffer noch nicht gepackt. Ich schaue noch bei den beiden Fotohändlern vorbei. Einer hat zwar eine Kamera, ist aber nicht meine, der andere sagt, er hat eine 505si gefunden (Mein Modell!), bekommt sie aber erst morgen früh... Scheibenkleister. Da bin ich leider schon weg. Ich glaube, hätte ich noch 2-3 Tage, die Chancen, an meine Apparate wieder ran zu kommen, wären gar nicht so schlecht gewesen.
Schnell noch zusammen mit den anderen in einem Roof-Restaurant gegessen und dann geht es auch schon zum Flughafen. Habe Schwierigkeiten mit meinem Handgepäck, weil der Zöllner nicht so ganz einsehen will, warum ich ein etwas schweres Tischstativ,(hatte ich vergessen in den Koffer umzupacken) dabei habe, aber keinen Fotoapparat.
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Sonntag, 23. Dezember:
Flug durch die Nacht
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Wieder geht es mit Zwischenaufenthalt in Doha nach Frankfurt. Um 09:02 sitze ich im Zug, gegen Mittag komme ich in Kulmbach an, wo mein Bruder mich abholt, der über Weihnachten in Kulmbach ist. Wieder mal ist eine Reise zu Ende. Nette Leute kennen gelernt, einen neuen Kulturkreis, mehrere Weltkulturerbe-Stätten, das beeindruckende Himalaya-Massiv.
Nach so einer Reise kommt man aber auch mit einer gewissen Demut zurück, angesichts der Großartigkeit der Welt und der Tatsache wie gut es einem in Deutschland geht.
Namaste!
Mehr Infos auch auf meiner Homepage:
http://www.nepal.wg.am







alter sagte vor 3 Jahre 13 Wochen:
Mitten aus dem Leben gegriffen. Da kann man sich wenigstens orientieren, was einen dort und unterwegs so alles widerfahren kann. Habe ich gern gelesen, Peter aus Kulmbach. Da gibt's ja wenigstens nur kaltes Bier und keine kalten Zimmer, gell...
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travelfox sagte vor 3 Jahre 28 Wochen:
Hallo Peter,
sehr umfangreicher Reisebericht. hast ja auch ein wenig Glück im Unglück gehabt. Die Bilder sind super geworden!
Viele Grüße
Olli
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clickpix sagte vor 3 Jahre 29 Wochen:
Toller Bericht!!!!
Torsten
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peter_pfaender sagte vor 3 Jahre 46 Wochen:
Hallo Peter,
liest sich amüsant und aufschlussreich.
Danke
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