Leser-Reportagen
Kapstadt: Südafrika für Einsteiger
Besuch im Township
Licht dringt nur durch die schmale Tür in den weiß gestrichenen Raum. Zwei Tische stehen dort, ein Kühlschrank. Schallendes Gelächter, Stimmengewirr und ich mitten drin. Zusammen mit einem Schweizer bin ich der einzige Weiße, außer uns sind noch 2 Xhosa- und 4 Zulufrauen in dem Shebeen, einem aus einem Wohnzimmer entstandenen Pub mitten in Langa, einem der großen Townships von Kapstadt. An dem schallenden Gelächter war ich selbst schuld. Auf meine Frage an zwei kräftig gebaute Mittvierzigerinnen, ob ich ein Foto von Ihnen machen dürfe, bekomme ich zur Antwort „Why?" Meine Erwiderung, die Fotos gingen an das deutsche Elle-Magazin, verursacht den Lachanfall. Das Eis ist gebrochen; aus einem Savannah Dry, DEM Getränk Südafrikas, einem herben Cider, werden drei. Als wir schließlich mit Laura, unserem Guide, das Shebeen wieder verlassen, werden wir wie alte Familienmitglieder umarmt.
Begegnungen wie diese gehören zu den Dingen, die dieses Land so sympathisch machen. Dafür muss man allerdings die durchorganisierten Reisegruppen und Hotelpaläste hinter sich lassen und sich auf solche Begegnungen einlassen. Zum Beispiel indem man sich einer organisierten Township-Tour anschließt– nicht per Bus, sondern per Pkw, etwa mit Laura Ndukwana (townshipcrawling@excite.com). Mit ihr lernt man die Townships gefahrlos kennen, in die man sich als Weißer lieber nicht alleine begeben sollte. Man lernt hier schnell, dass Townships nicht nur Slums sind, sondern dass es hier neben den so genannten Men's Hostels auch schöne Mietwohnungen, kleine Einfamilienhäuser und sogar Villen gibt. Eine solche Township-Tour schließt neben einem Shabeen-Besuch auch die Besuche bei mehreren Familien ein und bei einem traditionellen Healer, also einem Medizinmann.
Was essen?
Ortswechsel. Ich sitze in einem mozambikanischen Restaurant im Ortsteil Gardens. „It's hot, you know", sagt die Bedienung zu mir, als ich ein Chicken „Mozambique Style" bestelle. „That's okay", erwidere ich und harre der Dinge, die da auf mich zukommen. 10 Minuten später kommt die Bedienung wieder vorbei und stellt einen Feuerlöscher neben meinem Tisch ab. Oh! Oh! Das Hühnchen ist wohl wirklich scharf; sicherheitshalber bestelle ich noch ein Getränk nach.
Überhaupt die südafrikanische Küche- wer abnehmen will, ist hier absolut verkehrt. Diese tolle Mischung aus französischer, malaiischer, indischer und burischer Küche, ergänzt durch Wild, ist kaum zu übertreffen. In Kapstadt erreicht sie ihren Höhepunkt. Selbst die Pommes Frites schmecken anders, stammen nicht aus der Tiefkühltruhe, sondern sind noch selbst gemacht.
Ob Bobotie, ein tolles malaiisches Currygericht mit Lammhackfleisch, Früchten und Chutney, oder Sosatie, marinierte Curryspieße, ob Strauß, Antilope oder Kudu– in Südafrika weiß man nicht, was man zuerst essen soll. Nicht zu vergessen das Braai- würde mich nicht wundern, wenn da neben Straußen- oder Schweinesteaks auch Dinosaurier gegrillt werden. Dazu am besten ein „kleines" Straußenei, das vom Volumen her immerhin rund 2 Dutzend Hühnereiern entspricht.
Klar, es gibt am Old Clock Tower im Paulaner Biergarten an der Victoria & Albert Waterfront auch Weißwürste zum Hefeweizen, serviert von Kellnerinnen im Dirndl. Aber eigentlich wollte ich einheimische Küche kennen lernen.
Auch wenn das am Anfang nicht ganz einfach war, schließlich war mein erster Tag in Kapstadt ein Sonntag, alle Bürgersteige hochgeklappt und die Türen zu den Restaurants abgeschlossen. Aber, da ist doch Musik. Irgendwo da rechts hinten. Die Gegend, mitten in Downtown, ist verlassen und dunkel. Zwischen den Hochhäusern aus den 60ern weht ein eiskalter Wind. Zwei berittene Polizisten folgen mir, offenbar nicht die beste Gegend hier. Schließlich erreiche ich, quasi mit Polizeischutz, ein ehemaliges Fabrikgelände: Marco's African Place, 15 Rose Lane. Toller Schuppen: Gäste aller Coleur, Einheimische wie Touristen, klasse Livemusik und eine erstklassige Küche. Ich sitze oben auf einer Empore, mit Blick auf die Band. Meine Bedienung empfiehlt mir eine Art Wildplatte mit Gnu, Strauß und Antilope, dazu ein exotisches Gemüse und Süßkartoffeln. Wow! Und erst der Nachtisch!
Wie hinkommen?
Aus meiner Sicht ist South African Airways die beste Wahl. Nicht nur wegen der zeitsparenden Direktflüge, sondern auch wegen des guten Services. So nebenbei kann man noch Meilen sammeln bei Miles & More.
Wo übernachten?
Ich bin in Kapstadt im Morgengrauen angekommen, da ist es von Vorteil, ein Hotel im Zentrum zu haben, der Transfer kommt so wesentlich preiswerter (etwa mit Randy's Tours ( http://www.randystours.com ). Das Holiday Inn St. Georges Hotel (St. Georges Mall) liegt zentral und bietet ein gutes Frühstücksbuffet.
Als ich nach einem dreiwöchigen Trip durch Südafrika, Lesotho und Swaziland wieder nach Kapstadt komme, übernachte ich im B&B Lady Victoria (Kelvin Street, Gardens), einem schönen Bau der Jahrhundertwende (19./20. Jhdt.), von einer deutschen „Aussteigerin" betrieben. Die Gastgeber kümmern sich hier wirklich um ihre Gäste. Nicht nur, dass es ein frisch gemachtes Frühstück gibt, das keine Wünsche offen lässt, sondern es gibt auch stets erstklassige Tipps, was man besichtigen, wo man essen, was man etwas kaufen könnte. Es bleibt nicht nur bei den Tipps, auf Wunsch wird auch das Transportmittel organisiert oder die Township-Tour gebucht.
Was ansehen?
Ein Highlight ist zweifellos eine Fahrt mit der Seilbahn auf den Tafelberg oder noch besser zu Fuß hoch auf einem der 5 ausgeschilderten Wanderwege. Oben gibt es kostenlose (und wenig nachgefragte) Touren mit Rangern und Freiwilligen, die die Flora genauso erklären wie die Ausblicke.
Das absolute Highlight war für mich ein Besuch der Kirstenbosch Botanical Gardens, mit seinen 6.000 Pflanzenarten. Viele gibt es nur auf der Kaphalbinsel, etwa den Fynbos. Nicht nur für Pflanzenliebhaber ein Traum! Infos: www.kirstenbosch.co.za. Am besten erreicht man den botanischen Garten mit einem Mietauto.
Sinnvollerweise lässt man sich drei Tage Zeit und kombiniert den Besuch mit einer Fahrt zum Kap der Guten Hoffnung– am besten im Uhrzeigersinn. Ein abwechslungsreicher Trip mit
# den bunten Holzbadehäuschen in St. James,
# den Pinguinen am Strand von Boulders Beach,
# dem hoffnungslos überlaufenen Kap der guten Hoffnung (möglichst früh oder spät hingehen!),
# Wanderungen entlang der wilden Küste,
# den Robben auf Duiker Island,
# dem Weingut Constantia
# und einer Fahrt auf den Signal Hill mit seinem tollen Ausblick.
Aber auch in Kapstadt selbst gibt es natürlich einiges zu sehen, etwa an der Victoria und Albert Waterfront mit seinen Kneipen und Geschäften (z.B. einem erstklassigen CD-Laden) und vor allem im Bo-Kaap-Viertel mit den Häusern der malaiischen Einwohner. Aber auch der Greenmarket Square und die verschiedenen Art déco-Gebäude sollte man gesehen haben. Ob man unbedingt nach Robben Island raus muss, der Insel, auf der unter anderen Neldon Mandela inhaftiert war, muss jeder für sich selbst entscheiden: Die Fahrt dauert ziemlich lang, es gibt nicht viel zu sehen und teuer ist der ganze Spaß auch noch.
Und was dann?
Wer das südliche Afrika wirklich kennenlernen will, sollte aber Kapstadt, die Kapregion und die Gardenroute verlassen. Go East! Je weiter es in den Osten geht, desto mehr nähert man sich Afrika. So schön die Kapregion ist, von der Landschaft her könnte es auch Cornwall sein oder die Bretagne. Weiter im Osten sieht es nicht nur „afrikanischer" aus, es ist wärmer und es riecht auch anders. Weg von Bauwerken wie der Victoria & Albert Waterfront, weg von den Weinbergen, hin zu den rauen Wiesen und der roten Erde.
Ausführliche Infos auf meiner Homepage: http://www.suedafrika.ag.vu/







traveltime sagte vor 3 Jahre 42 Wochen:
sorry ; Schreibstil!
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traveltime sagte vor 3 Jahre 42 Wochen:
Hallo Peter,
du hast einen Schreistil, als wäre man direkt dabei!
Echt Gut!
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jessica harazim sagte vor 3 Jahre 45 Wochen:
Sehr hilfreiche Tipps, super! Und gerne weiter so...
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