Leser-Reportagen
Reise durch Yucatan und Chiapas
Gegensätzlicher können zwei Gegenden kaum sein: Auf der einen Seite das Hochland von Mexiko (vgl. "Reise durch das Hochland von Mexiko) auf meist über 2.000 Metern Höhe mit seinem angenehmen Klima und die Halbinsel von Yucatan mit Temperaturen von über 30 Grad und einer Luftfeuchtigkeit jenseits von 100%. Alle Sehenswürdigkeiten muss man sich hier im wahrsten Sinne des Wortes genießen.
Wir waren mit einem Minivan zu acht unterwegs, übernachtet haben wuir in Zelten, auf Ranches und einfachen Hotels und Posadas. Unsere Reisegruppe ist Muli-Kulti: drei Amis, zwei Deutsche, eine Schweizerin, eine Engländerin und ein Holländer. Alter: Alle bis auf zwei zwischen 25 und knapp 40.
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Chichen Itza (01.12.)
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Am Sonntag ging es los von Cancun nach Chichen Itza, einer der herausragenden Maya-Städte. Gegen drei kamen wir dort an, blieben gut zwei Stunden bis zur Däm-merung. Da schlug das Fotografenherz höher, vor allem, als die Sonne langsam unterging und alles von warmen Sonnenlicht gestreift wurde. Kaum zu toppen!
Alte Mayastätten haben drei Dinge gemeinsam: Sie sind riesig, das meiste ist noch gar nicht ausgegraben und man kann immer irgendeine Pyramide besteigen. Was heisst kann ... da ist ein richtiger innerer Zwang, dies zu tun. Dabei verfärbt sich die Farbe des T-Shirts immer sehr schnell... Spätestens nach der dritten Stufe... Vor allem ist es hier auf Yucatan wesentlich wärmer und vor allem feuchter als im Hochland.
Auch zum Übernachten haben wir was Tolles gefunden, 500m von den Ausgrabungen entfernt, konnten wir in einem Hotelgarten campieren, mit Swimmingpool, Kochge-legenheit usw. Gerade das mit dem Garten ist wichtig. Beim Ausstieg waren wir umlagert von ca. 1 Dutzend Maya-Mädchen, die verschiedene Artikel loskriegen wollen.
Nachdem viele unserer Utensilien aus Platzgründen auf dem Dach verstaut sind, braucht das Ausladen seine Zeit - immer umschwärmt von den Mädels. Gegenüber campieren an der Strasse ein paar Amis: 8 Riesen-Wohnmobile in Form einer Wagenburg, von einer Stelle abgesehen (sonst lässt sich die "Wagenburg" nie wieder auflösen), sind zwischen den einzelnen Kästen keine 5 cm - auch eine Art, für Sicherheit zu sorgen. Aber ehrlich gesagt, den Hotelgarten ziehe ich da vor.
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Merida (02.12.
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Die Fahrt nach Merida zieht sich etwas, im Gegensatz zum Hochland sieht man entlang der Strasse meist wenig Interessantes, nur Dickicht, ab und an ein paar Hütten. Merida selbst ist da ein krasser Gegensatz. Im letzten Jahrhundert reich geworden durch den Anbau und Export (Weltmonopol) von Sisal, hat dieser Ort eine gewisse koloniale Vergangenheit mit einigen Herrenhäusern zu bieten. Vom Campingplatz aus hatten wir ein Hotel gebucht. Aber erst haben wir zwei Stunden gebraucht, um in die Stadt reinzukommen, eine weitere Stunde, um aufgrund der ganzen Baustellen zumindest in Hotelnähe zu kommen.
Here we were strolling around, wie die Amis sagen, waren in einem typischen Lokal essen, haben uns die traditionellen Tänze hier angeschaut ebenso wie die Kneipen. O.k. - die haben wir nicht nur angeschaut.
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Uxmal (03.12.)
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Uxmal ist ein Vertreter des Puuc-Stils; hier sind die Wände der Maya-Bauten intensiv bearbeitet, man könnte das ganze auch Maya-Barock nennen. Die Pyramide des Zaubereres (Halboval) wurde laut Legende an einem Tag errichtet. Fleissig, fleissig!
Kleine Frage am Rande: Warum um Himmels willen haben die Maya gerade hier eine 25.000-Einwohner-Stadt hochgezogen?! Kein Fluss, keine Zenote (Natürlicher Brunnen), nur Zisternen. War das der Grund, warum Uxmal nur relativ kurz bewohnt blieb?
Interessant war hier zu beobachten, wie Archäologen Stein fuer Stein fotografieren, ausbuddeln, registrieren, reinigen und dann versuchen, eine Pyramide, einen Tempel oder was auch immer zu rekonstruieren. Gut, dass wir am Morgen so bald raus sind, da hält sich die Hitze noch in Grenzen. Mittlerweile besitze ich nur noch ein trockenes Hemd, eine trockene Unterhose und reichlich Socken. Ach ja, und das gerade erworbene T-Shirt. Alles andere ist inzwischen feucht und riecht muffig. Zeit für eine Laundaria - es findet sich nur keine.
Auch in Campeche nicht, oder zumindest keine, die schnell genug ist. Campeche ist ebenfalls eine nette Kolonialstadt, etwas beschaulicher als Merida (vor allem mit weniger Touris). Das Hotel ist ziemlich alt, ein wenig heruntergekommen, hat aber ein ganz eigenes Flair.
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Chiapas (04.12.)
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Heute haben wir eine 400 km-Hammerstrecke vor uns, hinauf in die Berge von Chiapas. Dafür bleiben wir dann zwei Tage am gleichen Ort. Vorher aber noch ein Stop bei Agua Azul. Hier hält es keinen mehr auf den Sitzen. Badesachen gepackt und nichts wie raus zu einem wunderschönen Fluss mit Wasserfällen und Stromschnellen rundherum.
Hier lässt es sich aushalten. Aber die Karawane muss weiterziehen. Absolut einig sind wir uns, dass dies der ideale Platz fuer eine Maya-Stadt gewesen wäre. Links hinten war so ein komischer Huegel - wer weiss?
Es wird Nacht, die Fahrt durch Ocosongo nicht gerade ein Wunschtraum. Schliesslich finden wir die Ranch, zu der wir wollen, einer Oase etwas abseits. Direkt an einem kleinen See können wir unsere Zelte aufschlagen, ca. 500 Meter von der Maya-Staette Tonina entfernt, wo es früher (wie von unseren vier Mädels mehrfach betont), das Matriarchat gab.
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Tonina (05.12.)
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Am nächsten Morgen, nach Pfannkuchen zum Frühstück, warten Pferde auf uns- gesattelt und geschniegelt. Es geht in die Hügel ringsrum, zu einer Farm und schliesslich nach Tonina selbst. Eine ganz ungewöhnliche Maya-Stätte. Die Gebäude sind an einem Hügel hochgezo-gen; eine Terasse, eine Mauer folgt der anderen. Das besondere: Man kann praktisch alle Mauern hochsteigen (In Deutschland würden da ständig irgenwelche "Verboten!"-Schilder stehen und Trillerpfeifen zu hören sein). So 50-70 Meter geht es da schon hoch. Unten breitet sich dann das ganze Bergland von Chiapas aus. Ausserdem ist mein letztes T-Shirt verschwitzt.
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St. Christobal de las Casas (06.12.)
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In der Nacht setzte heftiger Regen ein, jetzt (um 13 Uhr) regnet es immer noch. Aufgrund des Wetters und vor allem aufgrund der vielen Topes (steig in die Eisen Alter, sonst zerbröselt es uns...) kommen wir nur langsam vorwärts. In unserem Van haben wir (von vorne ge-sehen) die Business-Class, First Class, Tourist Class und last but not least, da wo ich heute mit Olivia sitze: die Chicken Class. Das Pferd hat nicht halb soviel gebockt wie der Van heute.
Endlich: Eine Lavanderia. Heute nachmittag gegen 5 Uhr bin ich wieder stolzer Besitzer einger trockener T-Shirts. Ja! Ich hoffe, das Wetter wird besser, sonst brauche ich bald wieder eine Wäscherei. San Christobal de las Casas ist ziemlich tot im Moment - nicht verwunderlich, die Gehsteige sind so glatt, dass man Schlittschuh laufen könnte.
Habe am Abend in einer Kneipe einen Maya getroffen, der in Deutschland studiert hat. Der hat mir einen Witz erzählt:
Will ich als Ureinwohner einen Fisch, angle ich.
Brauche ich Fleisch, schiesse ich Wild.
Brauche ich Feuer bzw. Streichhölzer, schiesse ich mir einen Ethnologen.
So lässt sich auch die Geschichte der Indigenia Mexicos kurz zusammenfassen. Stets Menschen zweiter bzw. eigentlich dritter Klasse (Spanier --> Mestizen --> Indigenias). Gejagt, benachteiligt und "bekehrt".
Agressive amerikanische Lutheraner und Methodisten "befreien" die Indigenias vom Joch der katholischen Kirche. Damit mich keiner falsch versteht, ich will hier keinen Glaubenskrieg anfangen. Zumal im Namen der katholischen Kirche gerade hier in Mittelamerika viele Verbrechen verübt wurden.
Aber wenn man sieht, wie die Indigenias mit Hilfe vieler Versprechungen "ins andere Lager" gezogen werden; ge-zwungen werden, die Majordomo (Stammesältesten) nicht mehr als höchste Autorität anzuerkennen (auch wenn diese sich aus meiner Sicht alle mit einem etwas merkwürdigem Handel befassen, denn sie verkaufen Alkoholika, die mit einer hohen halloziden Wirkung einhergehen) und es so zu Spaltungen von Dörfern und "Ausweisungen" kommt (die betreffenden Leute landen dann in St. Christobal in einem Slum) - na dann prost (Wow, was für ein Satz, da wäre selbst die FAZ stolz drauf).
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Chamula und Zinacántan (07.12.)
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Dieses und vieles andere mehr haben wir bei einer unwahrscheinlich informativen Fahrt mit Caesar & Raul in die Indianerdoerfer Chamula und Zinacántan erfahren. Die beiden sind inzwischen eine Legende und nachdem beide etliches an Indianerblut besitzen, kommen sie auch überall gut hin. Mit zwei kleinen VW-Bussen geht es hoch in die Berge hinauf.
Fotografieren von Majordomos, von Prozessionen, in der Kirche und von Einzelpersonen ist strengstens untersagt. Das Verprügeln von Touris, das Zerstören von Kameras und das Herausreisen von Filmen "Will be destroyed!" sind Tagesordnung. Verstehe und akzeptiere ich natürlich alles. Tut einem alten Fotografen aber natürlich schon weh.
Am beeindruckendsten war die Kirche in Camula. Keine Bänke, keine Orgel, kpl. mit Reisig ausgelegt, Tausende von Kerzen. 20 "Gottesdienste", die parallel ablaufen, eine unwahrscheinliche Atmosphäre, herumtollende Kinder, Weihrauch, Christentum und heidnische Bräuche, ein Huhn, dem gerade der Hals umgedreht wird, Musik aus allen Ecken, viele (verstörte? faszinierte?) Touristen, viel Alkoholdunst und noch viel mehr Cola.
Cola? Ja, tatsächlich. Coca Cola (katholisch) und Pepsi Cola (reformiert) mitten im Glaubenskrieg. So wie der Alkohol, ist die Cola hier heilig. Ist mein Ernst. Hat damit zu tun, dass man nach dem Genuss von Cola so schön rülpsen kann. Dadurch werden böse Geister vertrieben. Früher wurde Alkohol als "Rülpsunterstützer" eingesetzt.
Mit den beiden Guides diskutieren wir intensivst. Normalerweise dauern diese Touren vier Stunden, heute waren aber Überstunden angesagt - nach sechs Stunden kamen wir wieder in St. Christobal an.
Während der Rest unseres 8er-Teams schon erledigt ist, machen sich Petra und meine Person in San Christobal noch einmal auf, wir steigen hinauf zur Guadelupe-Kirche, wo sich ein toller Blick auf die Stadt bietet und gehen ins Na Balam-Museum, das sich dem Erhalt der letzten Urwald-Indianerkultur Mexikos verschrieben hat, der Lakandonen.
Dass die Mexikaner gläubig sind, zeigt sich in den kommenden Tagen, Prozessionen und Wallfahrten ohne Ende. Meist im Dauerlauf. Teilweise über Hunderte von Kilometern. Vorne läuft einer mit dem heiligen Feuer (wie bei der Olympiade), dahinter kommt ein Kleintransporter mit Blinklicht und 10-15 anderen Läufern auf der Pritsche.
Nachdem wir heute soviel über Caco-Cola gehört haben, lassen wir uns die Coca Cola-Weihnachts-Karawane natürlich nicht entgehen. Kitsch as Kitsch can, aber irgendwie lustig. Erinnert mich an die Karnevalsumzüge in Mainz - nur die Stimmung fehlte. Das Ganze wirkte irgendwie aufgesetzt und aus einem komplett anderen Kulturkreis stammend. Als die 20 Wägen durch waren, war der Spuk auch schon vorbei.
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Sumidero (08.12.)
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Ich war skeptisch. Sehr skeptisch. Will ich wirklich zum Sumidero-Canon oder bleibe ich lieber in St. Christobal mit seiner atmosphärischen Dichte?
Ich bin mitgefahren. Doch, es hat sich absolut gelohnt. Wie alles in Mexiko, hat auch der Canon zwei Seiten (heute werde ich richtig philosophisch und doppeldeutig). Einerseits eine spektakuläre Natur mit bis zu 1.000 m hoch aufragenden Felswänden und jeder Menge Wildlife, andererseits Millionen von Plastikflaschen im Wasser und Speedboote mit Touristen.
Wir haben Glück und finden einen Guide, der nicht nur ein gutes Auge hat (Wow!), sondern auch bereit ist, nicht ständig mit 70 km/h durchzubrettern und der auch regelmäßig hält. So bekommen wir rund ein Dutzend Krokodile zu sehen, Brüllaffen, Goldleguane sowie Tausende von Vögeln, v.a. Pelikane).
Am Abend gehen wir noch zu viert weg und landen schliesslich in einer Mariachi-Bar. Aaaaaaaaaah! In Restaurants treten die meist in Dreiergruppen auf und machen eigentlich ganz schöne Musik. Hier gibt es aber Mariachi-Videoclips, moderiert von der mexikanischen Carolin Reiber und von dem Typen da aus der Hitparade der Volksmusik. Es treten auf: Hansi Mexiko Hinterseher, Stefanie Mexiko Hertel und die mexikanischen Oberkrainer.
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Palenque (09.12.)
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Heute liegt eine sehr lange Fahrt vor uns. Die nächsten Tage gibt es außerdem wenig bzw. schlechte Infrastruktur. Nach dem Auffrischen unserer Vorräte (viel kann man nicht kaufen, das Eis in den Kühlboxen schmilzt sehr schnell) geht es los in Richtung Palenque. Vielleicht wird es auch Zeit zum Verschwinden, die mexikanischen Tageszeitungen melden Auseinandersetzungen zwischen den Zapatisten unter Subcommandante Marco und der Armee. Alle 50-80 km Strassensperren des Militärs. Auch das ist Mexiko...
Es gibt eigentlich nur einen Zwischenstop, und zwar bei der Cascada Misol Ha. Hier stürzt sich ein Fluss mit glassklaren Wasser ca. 15 m tief in einen grossen natürlichen Pool. Wow, ist das eine Gischt und eine Gegenströmung.
Nach insgesamt acht Stunden Fahrt erreichen wir Palenque. Am Campground ist das Gras nass vom Regen. Unsere Zelte sind noch auch noch patschnass vom letzten Einsatz (Ocosongo). In 6er Teams versuchen wir, die Aussenwaende trocken zu kriegen. Vom weiten schaut das aus, als ob ein Dinosaurier Flugübungen macht...
Am Abend gehen wir in ein fantastisches Palapa-Restaurant essen. Nicht nur, dass das Essen gut und reichlich ist (die Hälfte der Pizza hätte mir durchaus auch gereicht...). Das besondere ist einerseits die Atmosphäre, mitten im Urwald und andererseits die Life-Musik, die wir dort vier Stunden erleben können.
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Palenque (10.12.)
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Zeit für unseren nächsten nächtlichen Wolkenbruch. Wer hat eigentlich das Gerücht gestreut, Anfang Dezember sei Trockenzeit?
Gegen 8 Uhr, so ziemlich als erste, sind wir bei den Pyramiden. Eine geradezu mystische Stimmung breitet sich hier aus. Nebelschwaden ziehen durch die Urwaldriesen am Hang im Süden, die Ebene im Norden ist sonnenüberflutet. Vom Templa de la Cruz möchte ich am liebsten nicht mehr herunter, so schön ist es hier.
Palenques Besonderheit ist die Lage genau am Ende der Yucatan-Tiefebene, wo es in die Berge von Chiapas hinaufgeht.
Auch heute ist wieder eine lange Fahrt angesagt, tief in den Urwald nach Calakmul. Da, wo kaum einer hinkommt. Bei den verschiedenen Strassensperren erfahren wir ("wir" in Anfuehrungszeichen, für die Kommunikation sind Petra und Mike zuständig, mit meinen Wahnsinns-Spanischkenntnissen komme ich da nicht weit), dass die Strassen nach den schweren Überschwemmungen wieder befahrbar sind. Nach 400 km geht es rechts ab in den Urwald und dann immer gerade aus. Nach 19 km kommen wir zum Rangerposten des Biosphärenreservat Calakmul.
Der Mann lebt da draussen ganz alleine, hat alle 20 Tage drei Tage frei und freut sich riesig über unseren Besuch. Wir dürfen bei ihm in seiner Palapa uebernachten (Betonfußboden, Holzdach, seitl. undichte Moskitonetze). Auch hier gibt es Wildlife: Schlangen (am Klo), Tarantulas (in der Dusche), wilde Fasane (überall), Moskitos (auch überall), Ameisen (sowieso überall) und wahrscheinlich Sandflöhe (in meinem Inlet-Schlafsack).
Wir laden den Mann zum Abendessen ein, wo er uns den Tipp gibt, vor Sonnenaufgang loszufahren. Angesichts der "Haustiere" am WC und bei der Dusche (Ranger: "Die beißen nicht!") brauchen wir nicht lange zu überlegen. Nachdem wir endlich unseren vor 5 Tagen gekauften Tequila alle machen, ist die Entscheidung am Lagerfeuer schnell gefallen.
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Calakmul (11.12.)
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Also gut, um 4:30 geht es los, weitere 38 km im wilden Zickzackkurs über eine (asphaltierte) Urwaldpiste, die sich der Urwald Schritt für Schritt wieder zurückholt. Gegen 5:30 sind wir da und sorgen beim Personal für ziemliche Aufregung - die dachten an einen Überfall, weshalb auch alle bewaffnet aus dem Bett springen. Schliesslich lassen sie uns doch rein.
Durch tiefste Finsternis, begleitet von immer lauter werdenden Geräuschen, geht es zu den Pyramiden. Alleine schon deswegen, weil die Temparaturen mit ca. 25 Grad im Moment noch erträglich sind, war das frühe Aufstehen eine gute Idee. Eine Stunde später hat's schon 10 Grad mehr.
Leider hatten die Mayas hier nur qualitativ schlechten Mörtel zur Verfügung, deshalb sind die Stelen und Tempel ziemlich verwittert. Mit den ersten Sonnenstrahlen steigen wir auf den höchsten Tempel hinauf. Leider klappt das mit dem Sonnenaufgang nicht zu 100%, denn es ist recht bewölkt. Ist aber auch so ein phantastisches Erlebnis.
Man muss nur aufpassen beim Heruntersteigen von den sehr steilen Pyramiden, dass einen der Schrei eines Brüllaffen nicht aus dem Rhythmus wirft (und man beim Absturz selbst zum Brüllaffen wird).
Calakmul liegt mitten im Urwald. Lediglich die Tempel und einige wenige Wege sind freigelegt. Man sieht den Tempel also erst, wenn man direkt davor steht oder von der "Spitze" einer anderen Pyramide.
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Xpu-Hal (12.12.)
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Auch heute ist wieder eine lang Fahrt angesagt, es geht zurück zur Karibik. Hier sind wir drei Tage in der Bonanza Xpu-Hal, direkt am Meer. Gecampt wird direkt am Strand. Am 12.12. geht's zu den aus den Imax-Kinos bekannten "Hidden Worlds". Schorcheln in unterirdischen Seen und Flüssen, Wirklich beeindruckend. Leider ist das Wasser ziemlich kalt. Nachdem am Tag vorher die Klimaanlage zu stark an war (schwacher Trost, dass es D.J. (Amerikanerin), die die A/C ständig hochgedreht hat, am schlimmsten erwischt hat), schnieft alles vor sich hin. Am 13.12. (zumindest bis mittag) Faulenzen am Strand. Als ich gegen 2 Uhr Schwimmen gehe, werde ich beim Schwimmen von einem Wolkenbruch überrascht (auch eine neue Erfahrung). Bis ich zum Strand zurückkomme, sind meine Trekkingschuhe (ja, die sind wasserfest!) 4-5 cm hoch mit Wasser vollgelaufen. Die nächsten vier Stunden sollte es nicht mehr zu regnen aufhören. Die Frage ist nur: wie soll man sich trockene Klamotten überziehen, wenn die im kleinen Zelt sind? Interessante Kombination: Wasser+Sand auf und im Zelt.
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Isla de Mujeres (14.12.)
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Wir sind zurück in der Zivilisation. Abschied nehmen fällt schwer. Petra, Olivia und ich haben immerhin noch einen kleinen Aufschub, die beiden kommen auf die Isla Mujeres mit, bevor es dann wieder nach Deutschland zurueckgeht zu -8 /-12 /-14 Grad (Danke für die aktuellen Wetterinfos von Euch). Gut, dass ich lange Skiunterwäsche dabei habe.
Reportage und Fotos auch auf meiner Homepage
http://www.mexico.ag.vu









Petra Heinze (nicht überprüft) sagte vor 2 Jahre 4 Wochen:
Hallo Peter,
das ist ein toller Reisebericht! Nicht nur die Details sind interessant, sondern auch die Art, wie du das alles beschreibst, ist witzig und frisch. Da bekommt man gleich Lust, auch solch ein Erlebnis zu wagen. Ich wünsche dir noch viele geniale Reisen mit tollen Eindrücken, von denen du uns dann berichtest.
Viele Grüße
Petra
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Pele sagte vor 3 Jahre 41 Wochen:
Hallo, Peter!
Geile story!
Konnte mich in Deine Yucatan- Reise gut hineinfühlen. Habe vor einigen Jahren einen ähnlichen Trip mit Leihwagen unternommen.
Deine Schreibe gefällt mir.
Hasta la Vista!
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peter_pfaender sagte vor 3 Jahre 42 Wochen:
Tolles "Log"-Buch einer langen Reise. Danke, Peter
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