Leser-Reportagen
Südafrika - Mehr als nur wilde Tiere (Teil 1: Von Kapstadt nach Lesotho)
Willkommen im Süden Afrikas!
Hier finden Sie den Bericht einer Reise von Kapstadt nach Johannesburg im Oktober/ November 2006. Dabei wurden auch die Länder Lesotho und Swaziland besucht.
Es gibt wohl wenige Länder auf der Erde von einer derartigen Dichte an geografischer und ethnologischer Vielfalt. Eine Reise von Kapstadt nach Johannesburg über die Nationalparks Tsitskikama, Addo und Krueger, die Städte Port Elisabeth und Durban und die Königreiche Lesotho und Swaziland sind eine kontinuierliche Annäherung von einer eher europäisch-amerikanisch geprägten Region am Kap nach Schwarzafrika.
Viele, insbesondere Touristen aus Deutschland, lernen nur die Kapregion und die Garden Route kennen. Ein Riesenfehler. So attraktiv diese Gegend auch ist, nur für dieses Ziel lohnt sich der lange Flug nach Südafrika nicht!
Afrika kann man nicht nur sehen, sondern auch hören und vor allem riechen. Der Duft der rotbraunen Erde lässt sich nicht beschreiben... nur selbst erleben...
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21. Oktober
Schlaflos in Cape Town
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Am 21. um 9:36 Uhr ging es in Kulmbach los. Ankunft in Frankfurt um 13 Uhr – recht bald, wenn man sich überlegt, dass der Flieger erst um 17:20 losging. Aber ehrlich gesagt, ich hatte keine Lust, 4x umzusteigen. Die Bahnverbindungen von Kulmbach zum Frankfurter Flughafen haben ganz schön nachgelassen.
Im Flieger neben mir sitzt Jonathan, ein 34-jähriger Südafrikaner aus Kapstadt, der mir gleich ein paar gute Tipps gibt. South African Airways bietet viel Platz (irgendwie lege ich da Wert drauf, vor allem bei einem 12-stündigen Nonstop-Flug), gutes Essen und eine Multimedia-Konsole an jedem Platz (Du schaust Dir z.B. einen Film an, wenn Du Lust hast und nicht, wann die Crew will.)
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22. Oktober
Diesseits von Afrika
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Leider ist an Schlaf überhaupt nicht zu denken, warum auch immer. Der Sonnenaufgang über dem Tafelberg entschädigt für die Müdigkeit. Mit einem Shuttlebus geht es zu meinem Hotel mitten in der Innenstadt. Die schlechte Nachricht: Die haben meine Reservierung nicht. Die gute: Sie haben ein Zimmer frei, ich kann es auch gleich beziehen. Frühstück kann ich auch haben, als kostenlosen Ersatz für die fehlgeleitete Buchung. Peter, was willst Du mehr?
Nach zwei Stunden Sightseeing fordert mein Körper seinen Tribut: Bin seit 25 Stunden auf den Beinen, er schreit nach Schaf! Um 12 Uhr stehe ich wieder auf, schaue mir die Stadt weiter an.
Im Company’s Garden esse ich eine Kleinigkeit: Cheeseburger mit Chips. By the way: Die besten Pommes seit bestimmt 20 Jahren. Dort im Park stoße ich auch auf meine ersten Spezies „wildlife": Erdhörnchen und Ratten.
Noch mehr Tiere finde ich dann am Abend: Kudu, Springbok und Ostrich (=Strauss), allerdings nicht lebend, sondern auf meinem Teller. Schmeckt echt klasse! Dazu gibt es bei „Simon’s African Place", einer toll hergerichteten Kneipe in einer alten Fabrikhalle, heiße südafrikanische Rhythmen. Hier kommt tolle Stimmung auf, bei überraschend wenig Touristen, aber etlichen Einheimischen jeder Coleur.
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23. Oktober
Wale in Sicht!
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Heute um 08:00 Uhr geht die „Safari" endlich los: Per Mitshubishi-Lkw mit Aufsatz für 20 Personen (wir sind 21!) einmal zu den schönsten Ecken in Südafrika, Lesotho und Swaziland.
Nach einem kurzen Stopp am Signal Hill mit Blick auf Cape Town geht es weiter nach Stellenbosch, der ältesten Buren-Siedlung Südafrikas. Nette alte kapholländische Architektur. Will mir dort auch noch ein altes Geschäft anschauen. Finde die Strasse, in der es liegt, weiß aber zunächst nicht, in welche Richtung ich gehen muss. Ist doch ganz einfach: Es ist Mittag, die Sonne steht im Süden, also ist Westen links. Nach gut 200 Metern bemerke ich meinen Irrtum – bin halt immer noch nicht ganz ausgeschlafen. Wir sind ja auf der Südhalbkugel...
Danach geht es zu einer Weinprobe – ein Wein besser als der andere. Vor der Weiterfahrt rufen wir den Whale-Cryer (Wal-Rufer) von Hermanus an, einen Mann, der von der Stadt bezahlt wird, die Wale an der Küste zu beobachten und immer zu melden, wo man sie am besten sieht. Die Nachricht lautet: „Wale in Sicht!" Also, ab nach Hermanus. Habe ja schon Wale in Alaska und Neuseeland gesehen, dort musste man allerdings immer mit dem Boot raus. Hermanus soll der einzige Ort weltweit sein, bei der Boote zum Walbeobachten überflüssig sind. Drei tummeln sich direkt vor der Küste – teilweise nur 20 Meter von der Küste weg. Geil!
Der erste Zeltaufbau gestaltet sich schwierig, als wir am Campground ankommen, ist es schwarze afrikanische Nacht. Die gute Nachricht: Wir bekommen auch einen neuen Lkw mit Aufsatz für 30 Personen. Reichlich Platz, den wir auch brauchen werden, dazu aber später mehr.
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24. Oktober
Tropfsteinhöhle - lässt mich kalt...
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Eine längere Strecke steht an. Heute geht es zu einer Tropfsteinhöhle. Die anderen 20 sind meist begeistert, einen Oberfranken lässt diese Info relativ kalt. Solche Höhlen gibt es in der Fränkischen Schweiz zuhauf! Das indische Abendessen, das wir uns kochen, in Kombination mit dem guten Rotwein entschädigen. Der Truck hat alles dabei, was man zum Kochen braucht, außerdem die entsprechende Campingausrüstung. Von Nomad sind zwei Leute dabei, die (absolut sicher) fahren und (unglaublich gut) kochen, außerdem Tipps geben, organisieren, buchen und für gute Stimmung sorgen. Infos: http://www.nomadtours.co.za
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25. Oktober
Das Straußenei. Die unendliche Geschichte...
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Heute früh geht es zu einer Straußen-Farm nach Oudtshoorn, der Straußen-Kapitale der Welt, die ihren Höhepunkt erlebte, als Federboas mega-in waren. Heute züchtet man die Strauße wegen ihres guten Fleisches, ihrer Eier (1 Ei hat soviel Inhalt wie 24 Hühnereier) und ihres Spitzenleders wegen.
Ich kaufe mir ein leeres Ei, bemalt mit Höhlenmotiven. Derzeit steht der Wetteinsatz bei 1:7, dass ich das Teil ganz nach Hause bringe, bei 1:50, dass wir alle drei, die sich so ein Ei gekauft haben, dies schaffen.
Weiter geht es nach Knysna, wo es nachher zu einer Lagoon-Cruise geht.
Morgen zum Frühstück gibt es dann Rührei (aus 2 Eiern für 20 Personen).
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26.10.2006
Schuhplattler
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Um 08:30 treffen wir unseren Guide, der uns zu sechst mit drei Kanus zum Knysna-River mitnimmt. Von der Mündung aus paddeln wir bis zur Quelle hoch, wobei wir das eine oder andere Mal stecken bleiben. Von der Mündung bis zur Quelle- hört sich lang an, ist aber eigentlich ein Katzensprung, dauert gerade einmal eineinhalb Stunden. Das Gemeine: Es geht de ganze Zeit gegen die Strömung bergauf. Das richtig Gemeine: Der Tidenhub ist so hoch, dass sich die Flut bis zur Quelle auswirkt. Auf dem Rückweg geht es also auch wieder gegen die Strömung. Trotzdem eine Mordsgaudi.
Weiter geht es zum Tsitsikama Nationalpark. Unterwegs machen wir an der 250 Meter hohen Bluekran-Brücke halt, wo Bungee-Sprünge mit 160 Meter Fall angeboten werden. Wer's unbedingt braucht...
Abends gibt es ein klassisches Brai, d.h., Essen vom Grill – die Südafrikaner sind da ganz scharf drauf.
Wir sind langsam in Gegenden, die von Schwarzen dominiert werden. Landschaften ändern sich, die Dörfer und Städte, der ganze Way of Life. Das schöne bei den meisten Backpackern mit angeschlossenem Campingplatz: Die betreiben eine Art sanften Tourismus, der die Einwohner mit einbezieht. So erleben wir heute Abend einen Isiathuto-Tanz, den Tanz der Bergarbeiter. Die leben bei den Minen meist ohne deren Frauen, so dass neue Tänze nur mit Männern entwickelt wurden. Die Kleidung: Gummistiefel + Blaumann. Erinnert vom Tanz her an den Schuhplattler.
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27.10.2006
Ich Tarzan, Du Jane
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Heute früh geht es im Tsitsikama N.P. zu einer
Canopy-Tour. D.h., wir unterschrieben zunächst das übliche Formular, dass wir wissen, was wir tun und für unser Tun selbst verantwortlich sind, bekommen eine entsprechende Ausrüstung, um uns in 20 bis 40 Meter Höhe von Baum zu Baum hangeln zu können. Mordsgaudi! Gleichzeitig bekommt man den Regenwald aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen.
Danach lassen wir uns zu sechst noch auf der Ladefläche eines Kleintransporters zum Beach transportieren. Dort mache ich mich noch mit drei Mädels aus Deutschland, der Schweiz und Taiwan zu einem zwei-Stunden-Trip hoch zu einem tollen Aussichtspunkt auf. Dort oben schauen wir der gigantischen Brandung zu.
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28.10.2006
Frozen Youghurt
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Verdammt, ich bin doch in Afrika! Warum habe ich heute mit langer Unterwäsche und Fleece-Pullover im Schlafsack gelegen? Zum Frühstück gibt es jedenfalls gefrorenen Joghurt.
Heia Safari! Über Port Elisabeth geht es zum Addo Elephant National Park, wo wir bei 42 Grad Hitze unsere Zelte aufbauen, bevor es zu einem ersten Gamedrive geht. Neben etlichen Zebras, Gnus, Warzenschweinen, Kudus, Hartebeests (keine Ahnung, wie die auf Deutsch heißen) sehen wir auch in 50 Metern Entfernung eine Elefantenerde mit 40 bis 60 Tieren, darunter auch vielen verspielten Jungtieren.
Irgendwann kommt ein Gewitter mit Platzregen. Unsere Zelte sind aber nicht mit dem zusätzlichen regenfesten Dach versehen – die Dächer liegen im Truck. War ja schönes Wetter. Tja, da haben wir Lehrgeld bezahlt. Bei mir geht es noch so halbwegs: ein paar Kleidungsstücke und mein Handtuch sind nass. In anderen Zelten hat es dagegen die Schafsäcke voll erwischt.
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29.10.2006
Bomvu Backpackers Paradise: Bathroom out of Order
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Heute stehen wir zum Morgengrauen auf, für einen zweiten Gamedrive. Keine Elefanten heute, dafür aber reichlich Büffel, Strauße und Springböcke.
Heute steht eine sehr lange Fahrt auf dem Programm, in den Süden zur Küste, zur "Wild Coast" nach Coffee Bay. Irgendwann – in der tiefsten Pampa - kommt von Todd, unserem Reiseleiter der Hinweis, "last toilet stop". Frauen links vom Truck, die Männer rechts. Wir sind in der tiefsten Transkei, einem ehemaligen Homeland. Hier sollte man als Weißer nachts nicht zu Fuß auf die Strasse – zu gefährlich. Nach einer Stunde - gegen 21:30 Uhr - kommen wir an. Schönes Backpacker. Nachdem ein Bett in einem Dorm frei ist, grade ich up. Erstmals nach langer Zeit wieder so etwas wie ein Bett!
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30.10.2006
Wanderführer mal anders
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Wie auch schon in Tsitsikama werden auch hier wieder viele Aktivitäten geboten, die das benachbarte Dorf mit einbeziehen: Wanderungen mit zweibeingen Wanderführern, Village-Tour, Drum-Workshop, Auftritt lokaler Tänzer, Drummer-Konzert...
Wir nehmen uns zu siebt einen Guide und wandern querfeldein, mehr oder weniger die Küste entlang zum "Hole in the Wall". Der erste Schock kommt nach 10 Minuten: Carmen stürzt und trägt etliche Blessuren davon – trotzdem macht sie weiter. Die beiden Strecken kommen auf rund 24 km und wohl über 1.000 Meter Höhenunterschied. Die Bewegung tut gut nach der gestrigen Busfahrt.
Am Schluss werden wir von einem Regenschauer überrascht. Insbesondere unser barfüssiger, nur mit einer kurzen Hose und ärmellosem Überhang bekleideter Guide friert.
Die Badewanne im Paradies ist zwar "out of order", die (heiße) Dusche funktioniert allerdings. So erfrischt, lande ich in einem Drummer-Workshop und lerne, wie man so ein Teil bedient. Insgesamt lernen wir sechs Rhythmen. Am Schluss will unser Lehrer, dass jemand einen Rhythmus vorlegt, in den die anderen dann einfallen. Nachdem alle plötzlich ganz still sind, meldet sich ausgerechnet Peter, d.h. ich, der unmusikalischste Mensch auf diesem Planeten freiwillig!!!!!!
Nach dem Abendessen treten noch vier junge Mädchen mit Tänzen auf, die sich etwas zu ihrem Schulgeld dazu verdienen, später kommen noch acht Drummer. Hier gibt es tolle, preiswerte Longdrinks!
War das Lager gestern toll, ist dasselbe Lager heute eher ein Alptraum: Laute Musik bis um 3 h, im Stockbett über mir Dauersex, außerdem fliegen Millionen von Moskitos durch den Raum, weil eine "Tussie" (nicht aus unsderer Gruppe) gemeint hat, lesen zu müssen und deshalb die ganze Zeit das Licht an war.
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31.10.2006
Regen in Afrika
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Nachdem es gestern Abend schon geregnet hatte, gibt es auch heute immer wieder Regenschauer. Früh kommen wir fast nicht weg, die Strasse ist total schlammig, der Truck nicht hoch genug, so dass er nicht wenden kann, um vorwärts den Berg hoch zu kommen. Rotz intensivster Millimeter-Arbeit bekommen wir ihn nicht raus. Tja, dann kommt die Lösung auf afrikanisch – da fehlt einem Europäer das notwendige Vorstellungsvermögen. Wenn es über den Weg nicht klappt, warum nicht quer durch den Fluss?
Die Fahrt ist aufgrund des Wetters unendlich, die Strassen sind schlecht bis miserabel. Gegen 21 Uhr, in der tiefsten afrikanischen Nacht, kommen wir in der Malealea-Lodge im Königreich Lesotho an. Ein Traum von einer Lodge, auf 1.980 Metern auf einem Hochplateau gelegen, fast reihum von Dreitausendern umgeben (was wir aber erst am nächsten Tag sehen).
Fortsetzung hier:
Südafrika - Mehr als nur wilde Tiere (Teil 2: Von Lesotho nach Johannesburg)









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