Leser-Reportagen
Südafrika - Mehr als nur wilde Tiere (Teil 2: Von Lesotho nach Johannesburg)
Aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse und des miserablen Wetters, dauerte die Fahrt von der Coffee Bay ins Königreich Lesotho deutlich länger als gedacht (Vgl. Südafrika - Mehr als nur wilde Tiere (Teil 1: Von Kapstadt nach Lesotho). In der tiefsten NAcht kommen wir bei der Malealea Lodge an. Infos: http://www.malealea.com/
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01.11.2006
Durchs wilde Lesotho (frei nach Karl May)
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Kaum zu glauben: Die Sonne scheint wieder. Wow! Was für ein Panorama. Die Lodge liegt auf einem Hochplateau, auf allen vier Seiten umgeben von Bergen. Viel kräftiges rotbraun und hellgrün zu sehen.
Hella, Bertram, Sonja und ich entscheiden uns für einen vierstündigen Ponytreck zu einem Wasserfall. Unser Guide ist Xhosiso (ob man ihn auch so schreibt, weiß ich nicht), ein 55-jähriger Lesotho. Unsere Ponys sind gutmütige Basotho-Ponies, deutlich größer als normale Ponys (und größer als manche Pferde) und absolut trittsicher … was wirklich gut ist.
Es geht zunächst durch das benachbarte Dorf, an winkenden Kindern und Frauen vorbei, eine steile Schlucht runter .Mein armes Pony mit den 90 kg Zusatzgewicht weigert sich an zwei Stellen weiterzugehen, obwohl es sonst allen Befehlen gehorcht. Ehrlich gesagt: Würde ich auch machen. Anschließend geht es 200 Höhenmeter steil rauf. Am Wasserfall machen wir Mittagsrast, bevor es über 2 weitere Pässe wieder zurückgeht zur Lodge.
Dort unterhalte ich mich mit dem Eigentümer der Lodge, der diese in der zweiten Generation betreibt. Insgesamt finden rund 90 Familien durch die Lodge ein Auskommen (als Guide, Personal der Lodge, durch das Verleihen der Ponys usw.). Erschreckt hat mich das Ausmaß der Erosion. Nicht umsonst wird behauptet, Hauptexportgut Lesothos sei "Erde". Ich beteilige mich an einem Projekt zur Wiederaufforstung und spende 40 Bäume.
Während eines erfrischenden Savanna Dry (ein außerordentlich gut schmeckender Cider – geschmacklich absolut nicht vergleichbar mit dem, was man in Deutschland bekommt) fängt es wieder mal zu regnen an. Wir machen es uns in der Lounge mit ihren Sofagarnituren bequem. Dummerweise regnet es durch ein Fenster rein. Viel zu hoch oben, da kommen wir nicht hin. Ich sage dem Chef Bescheid, er schickt mir einen Mitarbeiter mit, damit der das Fenster in 3 Meter Höhe schließt. Dazu benutzt er eine Leiter, die über zwei Sprossen unten und eine Sprosse oben verfügt. Die anderen 5 Sprossen werden ersetzt durch Schnüre – that really doesn’t work! Bertram und ich hieven den Mann schließlich an je einem Bein hoch. Dem ärmsten wird ganz anders, aber das Fenster ist zu.
Als der Regen aufhört, gehe ich noch mal ins Dorf und werde dort von der Frauenkooperative zu einem Small Talk eingeladen, die mich über ihre verschiedenen Projekte informiert. Viele davon finanziert durch Kleinstkredite.
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02.11.2006
Land unter!
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Nachts hat es wieder zu regnen angefangen. Gut, dass wir in Hütten übernachten. Die Strassen sind komplett überflutet.
Unterwegs und wieder in Südafrika, machen wir einen Stop in Clarens – ein Kulturschock. Ich fühle mich in eine mittelenglische Universitätsstadt versetzt!
Einen zweiten Stopp machen wir im Golden Gate Nationalpark. Auch hier sind alle Wanderwege überschwemmt. Da steht sogar auf einer Brücke über den Fluss das Wasser 10 cm hoch (nicht das Flusswasser, sondern das Wasser, das den Weg runterrauscht). Aber wenigstens hat es aufgehört zu regnen. Die Ausblicke sind sensationell.
Am Nachmittag kommen wir in einer Feriensiedlung an. Je zu sechst teilen wir uns ein Haus mit drei Schlafzimmern, einem Wohnzimmer, einer Küche, einem WC und einer Dusche.
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03.11.2006
Klettersteig @ Salto mortale
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Um 5:30 geht es los, für den Nachmittag ist (wieder einmal) Regen angekündigt, der aber gottlob nicht kommt. Eine halbe Stunde später kommen wir am Fuß des sog. Amphitheaters an, einer spektakulären Felsformation in den Drakensbergen, wo wir erst einmal frühstücken.
Der Trail beginnt harmlos. Weiter oben wird es kniffliger, da der Bach sehr viel Wasser führt. Mehrfach müssen wir den Wildbach überqueren. Teilweise zu Fuß, teilweise barfuss mit Wasser bis zu den Knien. Zu fünft gehen wir noch ein Stück weiter, über mehrere Klettersteige nach oben. Alles kein Problem (außer beim Runtersteigen – meine Füße
sind ein bisschen groß für die Tritte).
Beim Rückweg komme ich jedoch ins Straucheln, "etwas" irritiert durch die Tatsache, dass meine Treckinghose in ihrer gesamten Länge aufgerissen ist. Bei einer Bachüberquerung war ein kleiner Riss entstanden, über den ich mir zunächst keine weiteren Gedanken gemacht habe. Ich komme ins Stolpern, stürze, haue während des Fluges mit der linken Hand den Fotoapparat nach oben, bevor er am Felsen aufschlägt, fange mich mit der rechten Hand ab und mache dabei noch eine 360 Grad-Drehung bevor ich wieder auf den Beinen stehe. Na ja, ich hatte einen Abenteuer-Urlaub gebucht... Unkraut vergeht nicht, also weiter geht's.
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04.11.2006
Kaufrausch
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Heute geht es nach Durban. Wir übernachten im „Backpackers Paradise“, einem ehemaligen Altenheim, Krankenhaus, Irrenhaus. Wenn das das Paradies ist, wie bitte schaut dann die Hölle aus?
Bisher war der Urlaub billig – das sollte sich mit dem heutigen Tag ändern. Der Strand, die "Golden Mile" ist eine Mischung aus Ostseebad (Piers, Strand), Torremolinos (Hochhäuser) und Marrakesch (Verkaufsstände). Auf 5 km ein Stand neben dem anderen mit afrikanischer Kunst. Das Ende vom Lied: Ich kaufe mir eine neue Tasche, um alles nach Hause zu transportieren. Fahre mit zwei anderen noch zum BAT-Centre, einer Künstlerkolonie in einem alten Fabrikgebäude. Während man am Beach die meisten Sachen für 2 bis 10 Euro bekommt, geht es hier eher bei 30 Euro los. Werde von einem Künstler "abgeschleppt" und von einem Händler zum anderen weitergereicht, bis ich mich schließlich „freikaufe“. Wirlich schöne Sachen. Mache dabei einige tolle Fotos und lausche zwischendurch immer wieder der Livemusik.
Durban ist keine ungefährliche Stadt. Es wird dringend empfohlen, auch für die kürzesten Strecken ein Taxi zu nehmen oder in einer Gruppe von wenigstens vier Personen zu gehen - was für ein Gegensatz zu den vergangenen Tagen!
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05.11.2006
Lachende Nilpferde
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St. Lucia ist bekannt für seine Nilpferde und seine Krokodile. Insbesondere Nilpferde habe ich reichlich zu sehen bekommen. Unser Boot fuhr mehrfach bis auf wenige Meter zu den Nilpferden heran. Zwischendurch ging es zweimal mit Vollgas weg, als es für das Boot zu gefährlich wurde.
Die Tiere schauten uns eindringlich an und lachten sich einen (hört sich wirklich wie Lachen an). Wer beobachtet hier eigentlich wen?
Schade, dass es wieder mal in Strömen regnet. Hey, ich dachte, ich bin in Afrika!!!
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06.11.2006
Beehives: Bitte bücken
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Es hat endlich aufgehört zu regnen (und sollte auch bis nicht mehr wieder anfangen). Es geht weiter ins Königreich Swaziland. Auf dem Weg zum Reservat kommen wir (a) bei Swazi Candles vorbei, die unglaubliche Kerzen produzieren (etwa in Form verschiedener Tiere) und (b) bei einer Disco, die von einem "Irren" betrieben wird, der von einer unglaublichen Bauwut getrieben ist. Gebäude a la Gaudi und Barcelona in Swaziland. Geil!
Übernachtet wird in witzigen Beehives: Strohhütten mit zwei Beten drin und einem 60 cm hohen Einstieg.
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07.11.2006
TV-Stars
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Vor dem Frühstück mache ich einen einstündigen Spaziergang und sehe dabei jede Mange Antilopen und Affen.
Anschließend besuchen wir das benachbarte Dorf, wo uns die Dorfältesten und einige Dorfbewohner empfangen. Wir lernen die traditionelle Begrüßungszeremonie, bekommen einen Einblick ins Dorfleben und werden aufgefordert, mitzutanzen. Alles wird gefilmt von einem TV-Team.
Nachmittags entdecke ich ein Thermalbad. Nachdem wir die Krokodile vertrieben haben, ein tolles Ergebnis - auch wenn man doch immer wieder mal nervös über die Schultern blickt.
Abends geht es zu einem Sunset-Game-Drive. Zunächst sehen wir etliche Tiere bei Helligkeit, zum Sonnenuntergang sind wir auf einem Berg mit gigantischem Panorama, wo ein weiß gedeckter Tisch mit Kerzen und mit Getränken auf uns wartet. Romantik pur! Oben am Berg diskutieren wir uns mit unserem farbigen Ranger (Stew), ob es in Swaziland noch Dinosaurier gibt. Die Felsformation dort hinten schaut zumindest so aus. Auch her ist wieder überall das TV-Team mit dabei. Zurück geht es schließlich durch die afrikanische Nacht mit entsprechenden Scheinwerfern, damit wir noch etwas sehen.
Abends gibt es, wie an den meisten Abenden, interessante Tänze und tolle Musik.
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08.11.2006
Wildlife
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Heute geht es weiter zum Krüger-Nationalpark. Wir bekommen etliche Antilopen zu sehen, wollen aber eigentlich was anderes zu Gesicht bekommen. Wenn man um 5 Uhr früh aufsteht, kann so ein Tag lang werden.
Abends gibt es noch einmal einen Sunsetdrive. Unser Ranger fragt uns, was wir sehen wollen. "Löwen", "Leoparden" und "Giraffen" lautet die Antwort. Darauf er: "What's about Antilopes?"
Wir bekommen dann tatsächlich einen Baum zu sehen mit mehreren zehntausend Vögeln, einen Elefanten, der mal eben einen Baum fällt, um an die Blätter weiter oben zu kommen und vier Löwen, die mitten auf der Strasse Siesta halten.
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09.11.2006
Heia Safari!
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Heute sind wir den ganzen Tag auf der Suche nach Wildlife und werden auch fündig. Abends gibt es dann noch mal einen Nightdrive mit entsprechender Scheinwerfer-Ausrüstung.
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10.11.2006
Fressen und gefressen werden
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Im Krüger wird es sehr heiß. Wir starten deswegen um 05:00 Uhr zu einem weiteren Gamedrive. Und was für einen! Jede Menge Elefanten und Giraffen. Außerdem eine Gruppe von Hyänen, die gerade eine Antilope gerissen haben. Wow, haben die Zähne!
Um 07:30 gibt es dann an einem tollen Aussichtspunkt Frühstück. Man kriegt halt Hunger, wenn man anderen beim Essen zusieht.
Weiter geht es in Richtung Westen, wo wir noch ein Rehabilitationszentrum für verletzte und verhaltensgestörte Tiere besuchen - unglaublich interessant.
Abends wächst Charlotte, unsere Köchin, über sich hinaus und stellt ein tolles Buffet zusammen. Nach dem Essen kommen ein paar Jugendliche und fangen an zu tanzen, zerren uns dabei mit auf die Bühne - beautiful disorganized! Anschließend kommen wir noch ins Gespräch und diskutieren über ihre Wünsche und Hoffnungen. Wäre interessant, die gleichen Kids noch einmal in 10 Jahren zu treffen, um zu erfahren, was aus ihren Plänen geworden ist.
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11.11.2006
Gib Gas, ich will Spaß
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Heute geht es über eine Panoramaroute am angeblich zweitgrößten Canon (war schon bei mehreren zweitgrößten Canons der Welt...) der Welt entlang. Beeindruckend.
Wir sind gelinde gesagt in Zeitdruck, weil Phillipes Flieger um 18:40 geht - na toll. Der Zeitplan wird komplett über den Haufen geworfen, als sich in einer Kurve in der tiefsten Pampa ein schwerer Unfall mit einem Pkw und einem Motorrad ereignet. Als wir hinkommen, fängt das Unfallfahrzeug gerade Feuer. Nachdem wir mit Feuerlöscher, großem Verbandskasten sowie 2 angehenden Ärzten, einer Krankenschwester, einem Krankenpfleger und zwei Guides ausgerüstet sind, die sich gut in erster Hilfe auskennen, stellt sich die Frage nicht, was „wir“ tun. Da hatten die Unfallbeteiligten Glück im Unglück.
Kostet uns aber natürlich viel Zeit. Charlotte telefoniert die ganze Fahrt wie eine Wilde, um alles erforderliche zu arrangieren. Phillppe bekommt seinen Flieger gerade noch so.
Zu acht wohnen wir im Africa Safari Center unweit des Flughafens von Johannesburg und gehen noch einmal gemeinsam Essen.
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12.11.2006
Abschied nehmen
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Das ist der Vorteil einer solchen Reise, man kommt sich viel näher, als etwa bei einer normalen Rundreise. Der Nachteil: Irgendwann heißt es dann leider, Abschied zu nehmen, was dann natürlich wesentlich schwerer fällt.
Ich fliege noch ein paar Tage nach Capetown, Andre ist noch vier Wochen in Mozambiqe unterwegs, der Rest fliegt nach Hause.
Ist ein komisches Gefühl, wenn die anderen plötzlich alle weg sind…
Fortsetzung:
Südafrika - Mehr als nur wilde Tiere (Teil 3: Am Kap der Guten Hoffnung)








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