Leser-Reportagen
Varanasi: Von allen Goettern verlassen?
Was Mekka fuer die Moslems ist und Jerusalem fuer die Juden und die Christen, das ist Varanasi fuer die Hindus.
Varanasi, bei uns auch unter dem englischen Namen "Benares" bekannt, gilt als eine der aeltesten immer noch bewohnten Staedte der Menschheit. Seit ueber 2.500 Jahren stroemen Pilger aus ganz Indien in diese Stadt, um sich bei einem morgendlichen rituellen Bad von ihren Suenden zu befreien. Boshaft koennte man sagen, die Suenden ist der Pilger los, dafuer erwartet ihn ein deftiger Hautausschlag oder auch mehr, gilt der Ganges, der heilige Fluss der Hindus, als einer der schmutzigsten der Welt. Muellabfuhr? Kanalisation? Klaeranlagen? Das gruene Gewissen Indiens ruehrt sich langsam, derzeit sind die Prioritaeten aber noch ganz anders gelagert.
Eine wichtige Rolle spielen auch die Totenverbrennungen an den so genannten Ghats - hier hat der glaeubige Hindu die Chance, dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburten zu entrinnen.
IRGENDWIE "FUNKTIONIERT" DIE STADT
Einen Mitteleuropaer verstoert diese Stadt extrem. Sie hat eine einzigartige Atmosphaere, ist aber wohl auch eine der staubigsten und schmutzigsten Staedte weltweit. Die engen Gassen, die vom Fluss wegfuehren, strotzen vor Schmutz, heilige Kuehe, Ziegen, Bettler, Haendler und Fahrraeder ueberall. Dazwischen jede Menge Geschaefte und Strassenhaendler, Tempel und Muellhalden. Die Luft ist zum Schneiden.
Jeder will uns etwas andrehen, wie es in Indien eben so ueblich ist. Daran sollten wir uns schnell gewoehnen, aber heute ist unser erster Tag in Indien, quasi ein Hardcore-Einstieg. Hat aber den Vorteil, dass uns alle weiteren Reiseziele und deren Haendler, wie Agra, Orcha, Jaipur oder Delhi wie "Peanuts" vorkommen.
Zu sehen gibt es in der Stadt eigentlich nicht allzu viel, sieht man mal vom 9 km ausserhalb gelegenen Sarnath ab, einem der vier bedeutendsten Orte der Buddhisten mit seinen Stupas und Klostern.
AM HEILIGEN GANGES
Was an Benares fasziniert, sind einerseits die Gegensaetze, andererseits die Tatsache, dass eine solche Stadt tatsaechlich doch irgendwie "funktioniert". Vor allem fasziniert aber eine Fahrt ueber den Ganges am fruehen Morgen, wenn die Glaeubigen aus dem ganzen Land ihre rituellen Waschungen vornehmen. Diese Atmosphaere ist so einzigartig, dass man sie nicht wirlich beschreiben kann. Hinzu kommt eine Ruhe, wie man sie sonst kaum in Indien findet. Ab und zu wird diese allerdings gestoert, etwa durch einen Leichnahm, so muessen etwa Kinder, Schwangere oder heilige Maenner nicht verbrannt werden, sondern gehen ihre letzte Reise "im Ganzen" an.
Ein Hotel kann ich nicht wirklich empfehlen, das Hotel de Paris liegt gut vier Kilometer vom Fluss entfernt. In der Kolanialzeit war es sicherlich das beste Haus der Stadt, laut Hausprospekt ist es das immer noch. Wenn man die Augen schliesst, Ohren und Nase zuhaelt, glaubt man das sogar.
Essen war dort allerdings recht gut, so wie auch in einem kleinen Lokal am Fluss, wo ein Essen mit Getraenk unter einen Euro kostet.
Sehr schoen war, dass Einheimische den grossen Garten des Hotels fuer Feiern nutzen - so wurden wir eingeladen, mal bei einer mohammedanischen Hochzeit vorbeizuschauen. Wie ich in den kommenden 3 Wochen feststellen sollte, sind die Inder sehr offen, wenn man sich fuer bestimmte Dinge interessiert und lassen einen gerne in ihren eigenen Kulturkreis hineinschnuppern. Dafuer danke und namaste!
Mehr zu meiner Indien-Reise: http://www.indien.ag.vu







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