Leser-Reportagen
Incredible India (3): Von Agra nach Neu-Delhi
27.10.: Mit dem Wuestenschiff unterwegs
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Endlich mal ein Tag, an dem es relaxter zugeht. Wahlweise zu zweit auf einem Kamel oder zu viert auf einem Kamelwagen geht es zu einem Beduedendorf, zunaechst als Geisterreiter auf der Autobahn, bevor es in die Felder geht. Wegen Divali faellt der geplante Schulbesuch aus, statt dessen gibt es ein grosser Hallo im Dorf, wo wir bei einer Tasse Tee und einem Rundgang einiges ueber das Dorf und das Leben seiner Bewohner erfahren. Anschliessend bleibt im Hotel noch etwas Zeit fuer einen kurzen Poolbesuch, bevor es Richtung Jaipur weitergeht.
Absolut abgefahren ist das heutige Hotel, in dem ich mir mal ein Zimmer leiste. Hier wusste ein Unternehmer nicht so recht, ob er ein Hotel oder einen Freizeitpark hinsetzen sollte. Die Loesung fiel etwas anders aus, als etwa in Disneyworld. Mein Zimmer z.B. hatte einen grossen Balkon, aber keine Tuer, um rauszukommen. Wozu also das Ganze? Auf den Balkon oder besser gesagt, auf die Plattform, kommt man ueber eine separate Treppe, wie ich am naechsten Morgen feststellen sollte. Mein Balkon war der Startplatz fuer drei verschiedene Rutschen, darunter eine, wo man sich in eine Art Schwimmring setzt, mit dem man dann zu zweit in die Tiefe stuerzt. Als mich am nachsten Tag der Laerm geweckt hat und ich den Vorhang zur Seite gezogen habe, muss ich ziemlich belaemmert aus der Waesche geschaut haben…
28.10.: Jaipur - die Stadt der Bettler
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Von Jaipur, der “Pink City”, hatte ich offenbar falsche Vorstellungen. Andererseits: Wenn eine indische Stadt mal 2,3 Mio. Einwohner hat, bleibt nicht mehr viel Zeit fuer Romantik. Klar, es gibt den Stadtpalast und das Hawa Mahal (Palast der Winde), aber ansonsten extrem viel Armut, extrem viel Schmutz, extrem viele Bettler, extreme viele laestige Haendler. Kein Vergleich mit Staedten wie Orcha oder Khajuraho. Selbst Varanasi empfand ich selbst als angenehmer.
Ganz anders die Umgebung: Der Palast oberhalb des benachbarten Amber – ein Maerchen aus Tausend und einer Nacht! Beeindruckend auch die zahlreichen Elefanten, die hochlaufen, auch wenn dies von Tierschuetzern wegen des Kopfsteinpflasters scharf kritisiert wird. Aufgrund dieser Kritik und weil 2005 ein in Panik geratener Elefant einen Reiseleiter zerquetscht hat, ist die Zahl der taeglichen Ausritte reduziert und die Zahl der Passagiere von 4 auf 2 reduziert worden. Wir gehen zu Fuss hoch, was gar nicht so einfach ist, da alle Wegweiser und muendlichen Zurufe zum Startplatz der Elefanten fuehren…
Die 1727 errichtete Festung gilt zu Recht als schoenster Palast Rajastans.
Sehr schoen gelegen ist auch Gaitor, wo verschiedene Maharadschas begraben sind, mit seinen Marmorkunstwerken in einer schoenen Parklandschaft.
Kurz vor dem Mittagessen ist meine Chance da! Wir besuchen eine Teppichknuepferei. In der banachbarten Schneiderei suche ich mir ein edles Stoeffchen aus und dikutiere mit dem Schneider den Schnitt meines Anzugs. Auf 11.000 Rupien (ca. 185 Euro) einigen wir uns fuer den Aufzug, der bis morgen Abend geliefert werden soll.
29.10: Meine Premiere am Catwalk
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Heute wartet ein dichtes Besichtigungsprogramm auf uns. Zusammen mit dem Tadsch Mahal und dem Amber Forst Galta einer meiner drei Lieblingsplaetze im Norden Indiens. In dieser kleinen Schlucht, drei Kilometer von Jaipur entfernt, befinden sich einerseits viele kleine Tempel, aber auch mehrere eingefasste Teiche, deren Wasser fast so heilig wie das des Ganges ist und wo taeglich etliche Menschen, in der Mehrzahl Frauen, rituelle Waschungen vornehmen. Hinzu kommen einige 100 Tempelaffen, die alle auf Trab halten.
Ein heiliger Mann bedeutet mir in einem der Tempel, ihm zu folgen und fuehrt mich in das Allerheiligste. Der Zugang ist sehr verwinkelt, es wird immer dunkler – worauf habe ich mich schon wieder eingelassen? Irgenwann landen wir schliesslich vor einem stockfinsteren Altar. Als Dank will er 1.000 Rupien (= 16 Euro). Wir einigen uns auf 100, die ich dann schliesslich in eine einbetonierte Spendenbox werfe. Warum werde ich bloss nicht den Eindruck los, dass er sich das irgendwie anders vorgestellt hat?
Auf dem Rueckweg machen wir Halt bei den Sisodia Gardens, einem schoenen, sehr gepflegten und ruhigen Garten mit kleinem Palast, wo die Einheimischen gerne Feiern veranstalten.
Nicht fehlen duerfen in Jaipur der Besuch des Observatoriums und des Stadtpalastes, wo in einem Fluegel der bei der Bevoelkerung bis heute verehrte Maharadscha lebt.
Die 1728 bis 1734 errichtete Sternwarte beeindruckt schon durch ihre Ausmasse. Die groesste Sonnenuhr ist 30 Meter hoch und bis auf drei Minuten genau. Andere Instrumente zeigen z.B. den jeweiligen Transzendenten beim entsprechenden Sternzeichen an.
19:30 Uhr. Es ist so weit. Wir sind mit dem Abendessen fertig und mein Schneider steht vor der Tuer. Neben meinem Anzug hat er auch noch mehrere Hosen und Blusen fuer einige der weiblichen Mitreisenden mitgebracht. Der arme Mann kommt etwas ins Schwitzen, als er erfaehrt, dass mehrere der Damen auf einer Modeschau bestehen und eine Abnahme des Anzugs nur in Frage kommt, wenn alle einverstanden sind. Eine viertel Stunde spaeter konnte er das Hotelzimmer erhobenen Hauptes verlassen, der Anzug wurde akzeptiert, ohne dass weitere Aenderungen vorgenommen werden mussten.
Im Anschuss steht noch eine skurrile Puppentheater-Auffuehrung an.
30.10.: Wer hat’s erfunden?
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Die Fahrt nach Delhi dauert etwas laenger, es bleibt nur noch Zeit fuer die Besichtigung des Qutb-Minar. Dieser 72,5 Meter hohe Turm, eine Siegessaeule, soll vom afghanischen Eroberer Muhammed-e-Ghur und seinen Nachfolgern bis 1368 erbaut worden sein und gilt als eines der wichtiges Baudenkmaeler der Mohammedaner in Indien. Unser Guide bezweifelt jedoch diese offizielle Geschichtsschreibung der Sieger. Er findet es u.a. merkwuerdig, dass der Turm auf einer umgestuelpten Lotusbluete und auch sonst die Struktur einer Lotusbluete hat, ein typisches hinduistisches Baumerkmal. Seine Theorie, die auf rund 20 Indizien aufbaut, wird von offizieller Seite nicht aufgegriffen – man befuerchtet wohl zu Recht, dass dies das sensible Verhaeltnis zwischen Mohammedanern und Hindus negativ beeiflussen koennte.
Unser Hotel liegt in Karol Bagh, nicht unbedingt eine der besten Gegenden und auch nicht unbedingt ein Spitzenhotel, aber eines der wenigen mit einem Parkplatz. Hinter dem Hotel die Einkaufsstrasse Karol Bagh. Skurril: Da gibt es zum einen Geschaefte, davor links und rechts eine Reihe Strassenstaende und ausserdem kommen im 10 Sekunden-Rythmus Strassenhaendler vorbei. Hinzu kommen noch Myraden von Bettlern. Ein vielleicht 6-jaehriger Junge, umklammert z.B. ein Bein von mir und will mich nicht mehr loslassen. Hier wird viel Schrott angeboten, man kann aber auch gute Geschaefte machen. T-Shirts oder Krawatten fuer einen Euro? Kein Problem. Trotzdem lasse ich mich moeglichst bald von Scotti wegbeamen, ist mir zu "exotisch".
31.10.: Von Hindus, Sikhs und Moslems
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In Delhi gibt es natuerlich auch etliche Sehenswuerdigkeiten, die man besucht haben muss. So das beeindruckende Mausoleum von Humayun, Prototyp aller spaeter errichteten Mausoleen, also auch des Tadsch Mahal. Die Freitagsmoschee ist die groesste Indiens. Theoretisch hat man von einem seiner Minarette die beste Sicht auf die Stadt. Aufgrund des Smogs sieht man allerdings keine 50 Meter weit. Durch die Lage auf einem kleinen Huegel mitten im Basarviertel ist sie sehr beeindruckend.
Beeindruckend auch der Sikh-Tempel Gurdwara Bangla Sahib mit seinem quadratischen Tempelteich, seiner Ruhe, seiner friedvollen Stimmung. Ein Sikh fuehrt uns durch, beim Verlassen gibt es eine Suessigkeit fuer jeden. Draussen, vor dem Tempel, spiegeln sich die goldenen Kuppeln im Wasser des Teiches. In den deutschen Medien bekommt man immer nur etwas von den extristischen Sikhs zu hoeren, aber nicht vom Otto Normal-Sikh, der fast immer der indischen Mittel- oder Oberschicht angehoert.
Eindrucksvoll auch Raj Gat, wo die wichtigsten politischen Fuehrer des unabhaengigen Indiens verbrannt wurden und wo Gedenksteine an sie erinnern. Besonders beeindruckend die Stimmung am schwarzen Marmorblock, der an Mahatma Gandhi erinnert, den wohl bekanntesten Inder, dessen Ideale im heuigen Indien aber leider fast nichts mehr gelten. Schon fast pervers mutet es an, dass 100 Meter von dieser Stelle entfernt, die an diesen friedfertigen Mann erinnern soll, Spielzeug-Maschinengewehre verkauft werden. Wahrscheinlich besser so, dass die Toten bei den Hindus verbrannt werden, Gandhi wuerde sonst wahrscheinlich in seinem Grab rotieren.
An Gandhi erinnert auch der 1938 von ihm eingeweihte Lakshmi-Narajan-Tempel, der von dessen Freund, dem Industriellen Birla gestiftet wurde. Dieser aus rotem Stein errichtete Tempel war der erste in Indien, der allen Kasten offen stand(!).
Um 10:30 Uhr heist es Abschied nehmen von den anderen, die zum Flughafen muessen.
01.11. My Home is my Castle
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Heute morgen wechsle ich von diesem etwas trostlosen Palace-Hotel in mein Bed & Breakfast. Der Hotelmanager will mich noch davon ueberzeugen, bei ihm wohnen zu bleiben. Zum Ashok Hotel, wo die Tagung stattfindet, seien es mit dem Auto nur 10 Minuten. Mein Taxi braucht dann etwas ueber 90 Minuten, um zu meinem Bed & Breakfast zu kommen, von wo aus man noch rund eine halbe Stunde zum Ashok braucht (6 km).
Werde sehr freundlich aufgenommen. Mein Zimmer ist schoen gross mit grossem franzoesischem Bett. Auf dem Schreibtisch stehen ein Fernseher mit Sateliten-Receiver sowie ein Notebook mit schnellem Internetzugang. Hinzu kommen eine Klimaanlage, ein Balkon sowie ein grosses Bad/WC mit Dusche und Power-Spuelung. D.h., ich muss nicht mehr laenger das benutzte Toilettenpapier in den Muelleimer werfen.
Ausserdem habe ich noch zwei Angestellte, die mir Fruehstueck oder auch anderes Essen machen und das Zimmer reinigen. O.k., die kuemmern sich nicht nur um mich, sondern auch um die vierkoepfige Gastgeberfamilie. Dazu kommt, dass dieses B&B nur ein Fuenftel dessen kostet, was die Mitglieder der deutschen Delegation im Interconti bezahlen (wenn sie nicht in Karol Bahg wohnen und taeglich 3-4 Stunden im Bus unterwegs sind). Und der allergroesste Knaller: Niemend wohnt naeher am Indian Habitat Center dran wie ich, wo die meisten Veranstaltungen stattfinden: 15 Minuten zu Fuss oder 5 Minuten in der Auto-Riksha, umgebauten Piaggio-Dreiraedern, wo vorne der Fahrer und hinten bis zu zwei Gaste sitzen,
Ein Abenteuer gehe ich am 1.11. noch ein. Ich lasse mich in den Ortsteil Nizamuddin fahren zum Hazrat-Nizam-ud-din-Aulia. In meinem Reisefuehrer steht nur etwas drin, dass es sich hier um die Graeber mehrerer verehrter Heiliger handelt. Hoert sich eigentlich harmlos an. Haha! Selten so gelacht!
Tatsaechlich tauche ich in eine andere Welt ein. Mein Fahrrad-Rikscha-Fahrer fuehlt sich offensichtlich irgendwann unwohl, verliert die Orientierung. Nach mehrmaligem Nachfragen kommen wir schliesslich in die Naehe dieses Heiligtums. Hier spricht – unueblich fuer Indien – fast niemand mehr englisch. Ich stehe in einer engen Gasse. Mein Rikschafahrer wartet kaum ab, dass er mein Geld bekommt, so eilig hat er es. An mir huschen tiefschwarz verschleierte Frauen vorbei. Irgendwo hoere ich das Murmeln von Koranschuelern. Der Muezzin ruft zum Gebet. Und ein Handler drueckt mir zwei Plastiktaschen mit je einer gruenen Tischdecke in die Hand, dazu zwei Ketten mit Tagetes und einer Familienpackung Raeucherstaebchen und will 500 Rupien. Mit dem Haendler ist leider keine Verstaendigung moeglich, mein wohl etwas zu verhaltenes "nein" akzeptiert er nicht. Verhalten deswegen, weil diese Utensilien vielleicht unabdingbar fuer einen Besuch sind. Was weiss denn ich? Nach 10 Minuten Diskussion und einem kleinen Menschenauflauf findet sich endlich jemand, der ansatzweise englisch kann und mir sagt, dass ich die Sachen natuerlich nicht benoetige, damit aber die beiden heiligen Maenner ehren kann. Er sagt mir auch, wo ich in das Labyrinth eintauchen muss.
Alleine haette ich mein Ziel wohl sicherlich nie gefunden. Immer wenn ich falsch abbiegen will, zupft mich einer der Bettler, die mich begleiten und bringt mich wieder auf den richtigen Weg. Als Dank bekommt derjenige immer 5 Rupien in die Hand gedrueckt. Alle 20 Meter will mir einer eine "Tischdecke" verkaufen. Damit ich Ruhe habe, kaufe ich schliesslich 2 Tagetesketten fuer 100 Rupien.
Heilige Staetten des Islam duerfen nicht mit Schuhen betreten werden, also denke ich mir nichts weiter dabei, als man mich auffordert, diese auszuziehen und abzustellen. Ein Mitnehmen ist nicht erwuenscht. Natuerlich sagt mir keiner, dass es noch 300 Meter bis zum Heiligtum sind und wie schwierig es sein wird, meine Schuhe in diesem Gassengewirr wieder zu finden.
Schliesslich erreiche ich die Moschee mit dem Grab des Heiligen Shaik-ud-din-Chisti, seiner Tochter Jahanara und anderen wichtigen Leuten. Dort nimmt mich der Vorsteher in Empfang, zeigt mir, wo ich meinen Blumenkranz ablegen soll und bedeutet mir, sich neben ihn im Vorraum des Heiligtums zu setzen. Er nimmt ein dickes Buch heraus, mit der Bitte, mich einzutragen – Gaestebuecher sind in Indien sehr beliebt. Stutzig werde ich, als er meine genaue Adresse haben moechte. Hier habe ich meiner Fantasie dann doch etwas Spielraum gelassen. Als naechtes erfahre ich, dass es sich um ein Spendenbuch handelt. O.k., aufgrund der individuellen Betreuung und im Sinne der christlich-muslimischen Freundschaft trage ich halt mal 200 Rupien ein. Als naechtes wird mir der Zweck der fuenf Spalten klar gemacht. Man erwartet fuenf Spenden von mir. Oh! Also gut, ich trage in den anderen vier Spalten jeweils einen Betrag von 100 Rupien ein. Als naechstes werde ich darueber aufgeklaert, dass es nicht ginge, dass ich fuer die Erhaltung des Grabmahls der Tochter des Heiligen 200, fuer ihn selbst aber nur 100 spende. Als gut, machen wir aus den 100 eben 200 Rupien. Ob mir die Bildung und die Zukunftschancen der jungen Menschen nichts Wert sind, dass ich fuer die nur 100 Rupien uebrig habe. Gaga! Also gut, machen wir auch hier 200 daraus. Kreditkarte wird nicht akzeptiert, Cash wird erbeten. Hoffe, dass das Geld wenigstens dorthin fliesst, wohin es fliessen soll und ich nicht bei meiner naechsten Einreise in die USA Probleme bekomme…
Fuer meine Grosszuegigkeit bekomme ich eine individuelle Fuehrung mit vielen Erklaerungen. Meine Schuhe finde ich schliesslich auch wieder, mein Zimmer ebenso. Puh!
Meine Vermieterin hat gerade Besuch von einer Freundlin, ich werde zu einer Tasse Tee eingeladen. Wir kommen ins Gespraech, ich erfahre vieles ueber die Denke der indischen Mittelschicht. Das Viertel, in dem ich wohne, wird von der oberen Mittelschicht dominiert, trotzdem wechseln sich hier schoene Villen mit Baracken ab, viel Gruen gibt es hier. Faszinierend ist, dass hier Hindus, Sikhs und Moslems leben.
Die beiden wollen mir gar nicht glauben, dass ich gerade im Ortsteil Nizzamuddin war.
Gehe noch Getraenke einkaufen und laufe prompt in eine Musikkapelle hinein. Auf meine Frage, was gefeiert wird, erfahre ich, dass eine Sikh-Hochzeit ansteht. Und schon bin ich wieder mitten im Geschehen, werde eingeladen, mal reinzuschauen. So sind die Inder: Einerseits lassen sie einen kaum mal in Ruhe, andererseits freuen sie sich aber auch wenn Du sie nicht in Ruhe laesst…
Nach dem 02.11.08: JCI-Weltkongress
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Eine Herausforderung in den kommenden Tagen wird es sein, die Fahrpreise bei den Autorikschas niedrig zu handeln. Der Fahrpreis zum Habitat-Center liegt mit Taxameter bei 17 Rupien, zum Ashok-Hotel, wo auch einige der Veranstaltungen stattfinden, bei 31 Rupien. Abhaengig von der Tageszeit (Nachts: 100% Aufschlag), von meiner Kleidung (Krawatte 100%, Anzug 200% Aufpreis), vom Standort (Aufschlag vor dem Habitat-Center: 500%) zahle ich zwischen 17 und 150 Rupien (1 Euro=60 Rupien). Verlangt warden bis zu 3.000 – man kann es ja mal versuchen… Abends stecke ich Sakko und Krawatte in den Rucksack, gehe 200 Meter vom Habitat Center weg und zahle dann meine 70 bis 100 Rupien, waehrend die anderen unter 300 nicht wegkommen. Manch einer zahlt auch einen Tausender. Kein Wunder, dass es fuer mich jeden Tag schwerer wird, fuer die Rueckfahrt einen vernuenftigen Preis auszuhandeln. Dabei kommt es mir auf 20 Rupien hin oder her nicht an, andererseits steht es mir nicht an, die Preise in Delhi zu versauen.
Die Weltkonferenz der Wirtschaftsjunioren leidet darunter, dass die Veranstaltungsorte recht weit verstreut liegen, die Logistik Maengel aufweist und die buerokratischen Huerden sehr hoch sind. So muss ich z.B. meinen Essensgutschein fuer das Mittagessen bereits am Vortag gegen einen Voucher eintauschen, der nur fuer den Ort gueltig ist, wo ich den Gutschein einloese. Den Voucher erhalte ich auch nur dort, wo ich Essen will. Diese Regelung wird sich im Laufe der Tage aufweichen, weil nicht realisierbar.
07.11.08: Von kleinen Maedchen und heiligen Kuehen
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Zum Abschluss noch eine Begebenheit zum Schmunzeln: In einer Pause lasse ich mich von einem Rikscha-Fahrer zu einem Markt fahren. Brauche ein paar CDs fuer Sicherheitskopien meiner Fotos. Nachdem er es nicht schafft, auf die andere Strassenseite zu kommen, laesst er mich auf der "falschen" Seite raus. Habe offenbar zu hart um den Preis verhandelt. Gut, irgendwie komme ich schon ueber die 12-spurige Strasse, zumal in der Mitte eine 20 cm breite Abgrenzung ist. Bis zu diesem Raumteiler komme ich noch irgendwie. Aber weiter komme ich ums Verrecken nicht. Bei Schuhgroesse 46 koennen 20 cm verdammt klein sein…
Ploetzlich piepst eine Stimme neben mir "One Rupie, please. Sir, one Rupie please." Ich rufe mich zur Raeson: Hier ist nicht der richtige Zeitpunkt fuer Halluzinationen. Ploetzlich zupft etwas an meiner Hose. Doch keine Halluzinationen, steht doch tatsaechlich ein 7 bis 8 Jahre altes Maedchen neben mir mit einem kleinen Geschwisterchen am Arm. Ein sehr geschaeftstuechtiges junges Maedchen. Es nimmt meine Hand, zieht mich auf die Strasse, nutzt die dort stehende heilige Kuh als Prellbock und bringt mich alten Mann sicher auf die andere Strassenseite. Die hat sich ihre Rupien verdient!
Nicht zuletzt aufgrund dieser Begebenheit bin ich recht optimistisch, wie es mit Indien weitergeht, trotz einer praktisch handlungsunfaehigen Regierung, dem Gegensatz verschiedener Religionen, den Hemmnissen des Kastenwesens, dem allgegenwaertigen Schmutz, der unglaublichen Umweltbelastungen, der hohen Analphabetenquote und der allgegenwaertigen Armut. Die Inder sind ideenreich, wie sie Geld verdienen koennen und sind auch bereit, sich hochzuarbeiten. Viele Seiten haben mir bestaetigt, dass sich gerade in den vergangenen 10 Jahren wahnsinnig viel getan hat, auch wenn insbesondere das flache Land vielfach noch weit zurueckgeblieben ist. Dieses Maedchen repraesentiert fuer mich den Willen der Inder, sich ihren Platz in der Welt zu sichern – trotz aller Hemnisse.







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