Leser-Reportagen
Skifahren in Barcelona?
Ein eisiger Wind weht durch die sonnenbeschienenen Straßen von Barcelona. Es ist Mittag. Das Thermometer zeigt 2 Grad unter 0. Gott sei Dank war mein Hotelzimmer im Hostal Centro (http://www.hostalcentro.es) gut geheizt. Zentral gelegen ist es auch, so dass einer Besichtigung nichts im Weg steht. Für 40 Euro bietet es eine saubere, warme und zentrale Unterkunft.
Ich liebe diese Stadt mit ihrer in Europa einmaligen Stadtplanung und seinen Jugendstilgebäuden, genauer gesagt der Modernisme Català, einem Architekturstil, der sich um die Jahrhundertwende des 19./20. Jahrhunderts in Katalonien und hauptsächlich in Barcelona entwickelte. Kaum eine andere Stadt weist so viele Jugendstilgebäude auf wie Barcelona.
Im Gebäude „La Pedrera" faszinieren die Terasse mit hren unglaublichen Skulpturen, aber auch das Appartement in der 4. Etage, das besichtigt werden kann und zahlreiche Details aufweist. Wie kommt man eigentlich auf solche Ideen? Genial. Und Gaudi hat ja nicht nur dieses Gebäude entwickelt, sondern auch andere, wie die Casa Batilo. Auch dieses Gebäude schäumt über vor Ideen, sowohl in der Wohnung, als auch im Treppenhaus und vor allem auf dem Dach. Schaum vor dem Mund hatte auch einige Besucher angesichts der horrenden Preise: 8 Euro für „La Pedrera", 16,50 Euro für die Casa Batillo, 10 Euro für die Sagrada Familia. Pro Person. Das läppert sich.
Übrigens: „La Pedrera" bedeutet im Deutschen „Der Steinbruch" - als es errichtet wurde hielten die Einwohner von Barcelona nicht viel von diesem Gebäude, eigentlich heißt das Gebäude „Casa Mila".
Die spinnen, die Franken!
Wie hatten mich die anderen Skifahrer beim Stammtisch verspottet, als ich denen erzählte, dass ich zum Skifahren nach Andorra wollte. „Da gibt's doch gar keine Lifte", „Schnee haben die auch keinen" - waren noch die harmlosesten Kommentare. Seltsamerweise waren im Jahr drauf etliche Kulmbacher ebenfalls in Andorra zum Skifahren, Pistenpläne, tolle Fotos und meine glänzenden Augen haben sie überzeugt.
Per Flugzeug ging es von „Frankfurt" nach „Barcelona". Genau genommen von „Frankfurt"-Hahn nach Girona. Eigentlich sollten die Flughafenmbetreiber inzwischen Rückgrad genug haben, das „Frankfurt" wegzulassen. Immerhin liegt Hahn bei den Passagierzahlen in Deutschland auf Rang 11. Aber schließlich liegen ja nur läppische 115 km zwischen dem „echten" Flughafen Frankfurt und Hahn. Vom Flughafen in Girona nach Barcelona sind es auch gerade einmal 103 km.Was solls, so kann man Skifahren in Andorra mit der Besichtigung von Barcelona und Girona verbinden, zwei wirklich wunderschönen Städten.
Skifahren in Andorra
206 abwechslungsreiche Kilometer sind es von der Innenstadt Barcelonas nach Encamp, dem ersten Ort des Skigebietes „Grand Valira" mit seinen 190 Abfahrtskilometern - damit liegt es von der Länge der Abfahrten her weltweit auf Rang 17! In Österreich kommen gerade mal Saalbach-Hinterglemm und der Wilde Kaiser auf eine vergleichbare komplett verbundene Pistenlänge (Vgl. http://www.skifrance.8m.com )
Die ganz langen Abfahrten fehlen, mehr als 800 Höhenmeter am Stück kommen nicht zusammen. Aber sonst hat das Skigebiet alles, was man sich wünscht:
Viele einfache und breite Abfahrten etwa unterhalb der Tossal de la Llosada, aber auch die die weit ausholenden Talabfahrten nach Soldeu (in 1.800 Metern Höhe) oder El Tarter (1.710 Meter).
Der Allrounder fühlt sich wie im Nirwana, angesichts zahlreicher Alternativen, etwa zwischen dem Llac del Cubil und Pas de La Casa (2.100 Meter).
Den sportlichen Fahrer sprechen vor allem die Diritessimas nach Soldeu und Tarter an, die von einem Pistenbully erschlossenen Abfahrten vom Pic d'Encampadana oder die Abfahrt vom Portella. Außerdem gibt es jede Mange verlockender Hänge links und rechts der offiziellen Pisten.
Als ich dort war, gab es erstklassigen Pulverschnee in rauhen Mengen, das Gebiet profitiert von den Westwinden, die Feuchtigkeit vom Atlantik bringen, und den Ostwinden vom Mittelmeer her. Klasse fand ich, dass nach einem Schneefall nicht gleich wieder alle Pisten präpariert wurden.
Wem es beim Skifahren vor allem auf die Skihütten ankommt, sollte wo anders hinfahren: Hütten weitgehend Fehlanzeige. Standard sind Frittenbuden oder auch eine Filiale einer führenden Pizza-Kette. Auch Apres-Ski findet auf andere Form statt. Während Encamp und Canillo abends sehr ruhig sind, haben El Tarter, Soldeu und vor allem Pas de la Casas schon deutlich mehr zu bieten. Bei der Architektur sollte man auch nicht so genau hinschauen.
Weitere Infos: http://www.skiandorra.8m.com
Die Skifahrer kommen vor allem aus Spanien und Frankreich, aber auch aus Großbritannien, Holland und Portugal, Deutsche findet man kaum. Bei schlechtem Wetter bietet sich ein Ausflug in die Hauptstadt Andorra La Vella mit seinen Duty-free Shopping-Centern und dem Thermalbad Caldea an.
Übernachtet habe ich im Zentrum von Encamp, im Hotel La Mola, 35 Euro pro Nacht. Nichts Sensationelles, aber alles da, was man braucht. Hervorragend: Der Skibus hält vor dem Haus, gleich nebenan gibt es etliche Lokale, auch einen Skiverkleih, der nur halb so viel verlangt wie der an der Talstation und trotzdem erstklassig hergerichtete Skier anbietet.
Fazit: Ein Trip in die Pyrenäen lohnt sich: Ein tolles Skigebiet mit zivilen Preisen, vielfältigen Abfahrten und ohne Schlangen an den Liften.
Skifahren in Spanien
Auf dem Rückweg zum Flughafen war ich noch einen Tag Skifahren im spanischen Gebiet La Molina/Masella, mit 111 km Abfahrten in einer Höhenlage zwischen 2.537 und 1.600 Metern. Als Leihskier gab es leider nur Allrounder, aber ansonsten war das Skigebiet eine Wucht. Auch hier kaum Betrieb, knackige und abwechslungsreiche Waldabfahrten, eine spaktakuläre Abfahrt durch eine Schlucht, eine entspanne Atmosphäre. Oberhalb der Waldgrenze war der Schnee leider etwas verblasen, so dass nicht alle Abfahrten offen waren.
Straße der Romanik
Die Straße zwischen Andorra und Girona wird auch als „Straße der Romanik" bezeichnet. Ein paar Zwischenstopps etwa in Ripoli (wo man auch gut übernachten kann) oder Sant Joan de les Abadesses lohnen sich unbedingt. Ich bin der einzige Tourist auf weiter Flur, die Damen und Herren der Fremdenverkehrsämter überschlagen sich vor Freundlichkeit und Tipps, ebenso das Personal in den Restaurants und Hotels. Zwar ist es immer noch frisch draußen, aber dafür ist die Luft kristallklar..
Girona selbst ist auch noch einen Besuch wert. Hier habe ich für 41 Euro im Hotel Peninsular übernachtet, direkt in der Altstadt gelegen und einen Spaziergang von der Kathedrale entfernt ( http://www.novarahotels.com). Ein toller Abschluss eines ungeöhnlichen Urlaubs.
Wie hinkommen?
Leider hat sich die Erreichbarkeit von Barcelona bzw. Girona in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert bzw. ist deutlich teurer geworden. Für 34,87 Euro (incl. aller Gebühren) kommt man leider nicht mehr hin. Bei Ryanair muss man inzwischen deutlich mehr bezahlen - Achtung, inzwischen fallen hier beim Gepäck ab dem ersten Kilogramm Kosten an, bis 15 kg zahlt man pro Strecke 10 Euro, für jedes weitere Kilogramm 15 Euro! Die Skier bzw. das Board schlagen noch einmal mit 40 Euro je Strecke zu Buche.
Wesentlich entspannter die Regelung bei Air Berlin, hier sind immer noch 20 kg Gepäck inclusive, für 25 Euro kann man seine Skiausrüstung mitnehmen. Das Dumme: Inzwischen gibt es keine Direktflüge mehr, alle Flüge gehen via Palma de Mallorca. Deshalb auch ruhig mal nach Angeboten der Lufthansa und anderen Gesellschaften schauen.







mosaik (nicht überprüft) sagte vor 3 Jahre 10 Stunden:
Ein provokanter Titel, der neugierig macht! Das ist dir hervorragend gelungen, lieber Peter! Andorra ist übrigens auch im Sommer für Freunde der Bergwelt zu empfehlen - wandern in den Pyrenäen!
Ein wirklich guter Artikel
meint
Peter
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Weitweitweg sagte vor 3 Jahre 1 Woche:
Uups! 8 Kommentare in 2 Tagen? Ein paar Antworten...
Fotos: Folgen, muss ich aber erst noch einscannen, als ich dort war, schwor ich noch ausschließlich auf Dias.
Anreise: Geht eigentlich. In die Ortler-Region (Sulden) z.B. bin ich 7 Stunden unterwegs. Ohne Abstecher nach Barcelona, dauert die Anreise nach Andorra auch nur eine Stunde länger.
Historische Markthalle: Guter Tipp, da gibt es echt klasse Essen. Zum Flanieren auf den Rambles warte ich dann doch lieber bis zum Sommer...
Rafting: Im Sessellift hat mir ein Einheimischer erzählt, dass es in Andorra gute Raftingmöglichkeiten gibt. Mehr weiß ich leider auch nicht.
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alter sagte vor 3 Jahre 1 Woche:
Rambles, aber nicht Ramblas. Danke für die Info!
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Simone Bauer sagte vor 3 Jahre 1 Woche:
La Rambla oder Les Rambles auf katalanisch, ist beides korrekt. Denn die Avenue besteht aus fünf Abschnitten, welche jeweils Rambla de Sundso heißen. Insofern macht der Plural hier schon Sinn
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alter sagte vor 3 Jahre 1 Woche:
Die Ramblas scheint sich auch bei Barcelona-Kennern unauslöschlich ins Gehirn eingenistet zu haben. Ich denke die Prachtstraße heißt Rambla ohne „s“. Oder?
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Lauluk sagte vor 3 Jahre 1 Woche:
Da kann ich mich Angelika nur anschließen. Baracelona ist für mich: historische Bauten, die Ramblas, Hafen usw.
LG Gabi
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angelika wolfberger sagte vor 3 Jahre 1 Woche:
Richtig guter Tipp, für mich mit "Aha-Effekt". Trotzdem: Zum Skifahren gehe ich lieber nach Südtirol(Ortler Skiarena)und in Barcelona in die historische Markthalle an den Ramblas - auf ein paar Tapas!
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davidus sagte vor 3 Jahre 2 Wochen:
Fantastisch...
Da muss ich irgendwann wohl auch mal hin.
Ist dir eventuell auch bekannt wie es im Sommer mit Rafting in Andorra aussieht? Oder sonst wem?
LG, David
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Oddy Seuß sagte vor 3 Jahre 2 Wochen:
Skifahren in Andorra – ganz schön abgefahren. Wer die lange Anreise auf sich nehmen will ... Dem Hardcore-Öko-Urlauber läuft's da allerdings eiskalt über den Rücken ...
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markus sagte vor 3 Jahre 2 Wochen:
Super, das ist ja ein außergewöhnlicher Tipp mit vielen Infos! Gibt es auch noch Fotos zu der Ski-Story? Das würde wir uns alle sehr interessieren ...
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