Leser-Reportagen
Aotearoa - Das Land der langen weißen Wolke: Neuseeland-Nordinsel
Am anderen Ende der Welt: Neuseeland - Nordinsel
Nachdem wir uns eine Zeitlang über Gott und die Welt unterhalten haben, zeigt mir die Wirtin mein Zimmer mit Blick auf die grandiose Natur und das Meer. Sie überzeugt sich, dass der Kühlschrank gut gefüllt ist und zeigt mir, wo ich in meinem Wohnzimmer neben dem Fernseher den Spaten und die Taschenlampe finde, die selbstverständlich zur Standardausstattung bei "Auntie Dawn's" gehören, einem Bed & Breakfast an der Ostküste der Coromandel Coast, nur ca. 50 Kilometer Luftlinie von Aukland entfernt, aber doch in einer ganz anderen Welt.
Am Morgen hatte ich Aukland verlassen, die geschäftige Metropole Neuseelands, zunächst über 6-spurige Highways, die nach ein paar Kilometern nur noch vier Fahrspuren aufwiesen, später zwei und auf Coromandel schließlich nur noch eine Spur mit Ausweichstellen. Die Ortschaften, die ich durchfahre, erinnern mich an Dörfer und Städte aus deutschen oder amerikanischen Spielfilmen aus den 60er Jahren. Wunderschöne Ausblicke eröffnen sich hinter jeder neuen Kurve. Viel Grün, viele Schafe, meterhohe Farne und andere "exotische" Pflanzen erwarten mich.
COROMANDEL COAST
Ich stellte den Wecker auf drei Uhr früh. Dem Wecker gelang das, wovon er zu Hause sonst nur träumt: Beim ersten Läuten war ich wach und zwei Minuten später angezogen. Draußen war kein Licht zu sehen, nur der Strahl meiner Taschenlampe sorgt für Orientierung, als ich unter einem fantastischem Sternenhimmel mit dem Spaten auf der Schulter in Richtung Strand marschiere.
Dort am Hot Water Beach angekommen, grabe ich mir ein Loch in den Sand, groß genug für mich, direkt an einer heißen Quelle, aber nah genug am Meer, so dass ab und an auch etwas kühles Wasser hinein fließt. Dort liege ich, wunschlos glücklich, lausche den Wellen, die sich am Strand brechen, blicke hoch zu den Sternen. Mein Gott, so viele Sterne auf einmal habe ich mein ganzes Leben noch nicht gesehen!
Erst bei Sonnenaufgang verlasse ich den Strand wieder, die Flut setzt langsam wieder ein, die heiße Quelle fällt langsam unter den Meeresspiegel. Gut, dass auf dem Nachtkästchen eine Tidenhub-Tabelle war. Bei der nächsten Ebbe werden wieder ein paar Dutzend Menschen den Strand bevölkern, meist Japaner, und versuchen, einen guten Platz an der Quelle zu ergattern. Ich selbst fahre und wandere inzwischen die Küste entlang zu anderen wunderschönen Buchten und spektakulären Felsen. Um 18 Uhr etwas zum beißen zu finden, gestaltet sich schwierig, Geschäfte und das einzige Gasthaus haben bereits zu, Gottlob finde ich noch ein Take Away.
Szenenwechsel: AUKLAND
Der Flug nach Neuseeland verlief alles andere als erquicklich, statt 24 Stunden sollte er 36 Stunden dauern. Schuld war eine ältere Dame vor mir, die schon kurz vor Island so stockbesoffen war, dass ihr Kreislauf kollaborierte, was dazu führte, das Air New Zealand einen unplanmäßigen Zwischenstop in Keflavik, dem größten Flughafen Islands, einlegen musste. Das dauerte dann einige Stunden, bis die Boing 747 wieder mit dem benötigten Kerosin betankt war. Nach einem kurzen Zwischenstop in Los Angeles erreichte ich früh morgens Neuseeland. Der Blick aus dem Fenster kurz vor der Landung war demotivierend: Von oben sah Neuseeland genauso aus wie Großbritannien! Und deswegen bin ich 36 Stunden bis ans andere Ende der Welt geflogen?
Total übermüdet kam ich in meinem Hotel in Downtown an, wollte nur noch ins Bett. Kaum lag ich dort, fanden die Worte der netten Hotelangestellten endlich ihren Weg in mein Gehirn: "Herzlich willkommen in Aoteaora, dem Land der langen weißen Wolke! Sie haben Glück, zum ersten Mal seit einem Monat regnet es nicht."
Ach was soll's, schlafen kann ich auch später. Also hinauf auf den Fernsehturm, den Sky Tower, mit seiner fantastischen Sicht über Aukland, der größten Stadt Polynesiens, mit dem Tasmanischen Meer auf der einen und den Pazifik auf der anderen Seite. Einen wunderschönen Blick auf Aukland, die City of Sails, und seine Buchten hat man auch auf der Faährüberfahrt nach Devonport, einen kleinen Hafen auf der anderen Seite der Bucht. Innerhalb von 24 Stunden geben beide Spiegelreflexkameras ihren Geist auf, also verbringe ich er einmal zwei Stunden damit, für einen Ersatz zu sorgen.
Es macht Spaß, durch Parnell zu schlendern, einem netten Vorort von Aukland mit vielen kleinen Läden und Kneipen. Auch vom Mount Eden, einem erloschenen Vulkankegel, hat man einen tollen Blick auf die Stadt. Es dürfte wenige Millionenstädte geben, wo man in einer recht zentralen Lage ein Areal findet, auf dem Kühe weiden. Die eigentliche Sehenswürdigkeit ist aber die Busladung Japaner, die oben am Kraterrand steht und kollektiv schreiend in den Krater hinein rennt. An ja, wenn es ihnen Spaß macht...
Szenenwechsel: BAY OF ISLANDS
Mir macht es viel mehr Spaß, in einem Zweierkajak die Bay of Islands zu durchpflügen, rund 200 Kilometer nördlich von Aukland mit seinem schon fast subtropischen Klima. Diese Blautöne! Diese Grüntöne! Unglaublich! Hier begann um 1840 die Besiedlung durch Europäer. Russell wurde für kurze Zeit die erste Hauptstadt der neuen Britischen Kolonie, zumindest bis 1842, als das Regierungsgebäude abbbrannte.
Irgendwas passt aber nicht. Von einem "Durchpflügen" kann wirklich keine Rede sein, vielmehr beschreiben wir mit unserem Zweierkajak einen Kreis. Abhilfe schaffen wir erst, als Marty, immerhin einen Kopf kleiner als ich und entsprechend leichter, sich nach vorne setzt - wo er parout nicht hin wollte. Jetzt macht die Fahrt durch die Bay of Islands wirklich Spaß. Unter einem strahlend blauen Himmel geht es durch einen Mangrovenwald, durch einen Wasserfall hindurch zu einer Insel, wo ein traumhaftes Picknich auf uns wartet, bevor es per Segelboot zurück geht zum Ausgangspunkt.
Szenenwechsel: ROTORUA
Es stinkt! Ganz gewaltig sogar! So richtig nach verfaulten Eiern. Neuseeland hat, geologisch gesehen, gerade erst die Pubertät erreicht. Überall gibt es heiße Quellen und insbesondere auf der Nordinsel auch einige Vulkane. Wir sind in Rotorua, einem Ort mit etlichen Geysiren und Fumarolen. Die hier ansässigen Maori nutzen diese heißen Quellen schon seit Jahrhunderten zum Kochen und Garen. Heute Abend sollte ich das erste Mal etwas intensiveren Kontakt mit den Maori haben, die vor rund 1.000 Jahren ihre heimatlichen Inseln im ostpolynesieschen Raum verließen, um sich in Neuseeland anzusiedeln. Im Museum erfahren wir viel über die Kunst der Maori, im Versammlungshaus werden mehrere Tänze geboten, so auch der martialisch wirkende Kriegstanz, den übrigens die All Blacks, die Rugby-Nationalmannschaft, vor jedem Länderspiel aufführt. Abschließend geht es zu einem Hangi-Essen.
Spontan beschließe ich, ein Flugzeug zu chartern, dass mich nach White Island fliegt. Nach rund einer Dreiviertel Stunde taucht die Insel endlich vor uns auf mit seinem ebenmäßigen rauchenden Vulkan. Ein toller Blick. Nicht so toll ist das, was ich beim Rückflug direkt am Rand des Tongariro-Nationalparks sehe: Kilometer über Kilometer abgeholzte Wälder, überall gravierende Bodenerosion zu beobachten!
Szenenwechsel: MT. RUAPEHU
Meine Füße sind zu groß. Es dauert eine Weile bis ich im Skiverleih passende Skier finde. Die Abfahrten sind traumhaft und überwinden immerhin knapp 800 Höhenmeter. Ich bin mitten in Whakapapa, dem größten Skigebiet Neuseelands. Der Mt. Ruapehu mit seinen 2.796 Metern ist der höchste Berg auf der Nordinsel. Obwohl es bereits Dezember ist (also Quasi Juni, da die Jahreszeiten auf der Südhalbkugel unseren entgegengesetzt verlaufen). So richtig groß ist das Gebiet zwar nicht, wann hat man aber schon Gelegenheit, auf einem Vulkan zu tanzen. Immerhin 50 Kilometer kommen aber zusammen.







Peter (nicht überprüft) sagte vor 2 Jahre 20 Wochen:
Hallo Pele,
geht mir genauso. Ist auch schon wieder 10 Jahre her, seit ich dort war. Seitdem ist mein Zeitbudget noch knapper und die Flüge sind deutlich teurer geworden. Will aber trotzdem unbedingt noch mal hin!
Peter
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User Pele (nicht überprüft) sagte vor 2 Jahre 21 Wochen:
Servus Peter !
Wenn ich solche Stories lese, wie die deinen, dann kommen natürlich gleich die tollsten Erinnerungen hoch, gemischt mit Wehmut, weil meine Reisen durch NZL schon viel zu lange zurückliegen und z.Zt. keine Aussichten bestehen, mal wieder dorthin zu fliegen.
Schöne Geschichten.
Nette Grüße von Josef
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