Leser-Reportagen
Aotearoa - Das Land der langen weißen Wolke: Neuseeland-Südinsel
AWESOME FOURSOME
"Was bitte sind die 'Awesome Foursome'?" frage ich Bridget, mein Gegenüber. Etwas eher harmloses meint sie und lächelt dabei.. Für die Leute, denen eine Bootsfahrt oder ein normaler Bungee Jump zu harmlos sind. Wir sind in Queenstown auf der neuseeländischen Südinsel, der "action capital of the world". Hier gibt es wirklich nichts, was es nicht gibt. Die Awesone Foursome sind sicherlich nichts für jedermanns Geschmack:
Zunächst Whitewater Rafting, dann mit einem Jetboot über den Shotover River, der an vielen Stellen gerade mal 20 cm tief ist, anschließend geht es zum Bungee Jumping, aber nicht von der Brücke, sondern vom dem Helikopter aus und zu guter Letzt wird man in einer Kunststoffkugel, Arme und Beine befestigt, den Hügel runtergerollt, "Zorbing" genannt.
Ich habe mich für die Fahrt mit dem Schafelraddampfer und das Schafscheren entschieden...
Queenstown liegt mitten in den Neuseeländischen Alpen, gestern hat es geschneit, obwohl es Dezember ist, also Hochsommer, die Schneegrenze liegt gerade mal 200 Meter über der Stadt.
NEOPRENANZÜGE SIND EINE TOLLE ERFINDUNG
Hatten wir auf der Nordinsel durchgängig bestes Wetter, war es auf der Südinsel, zumindest an der Westküste unbeständiger. Drei Tage zuvor waren wir schon einmal in ein Unwetter hineingeraten, als wir irgendwo zwischen Hokitika und dem Arthur's Pass zu einem Adventure Trip aufbrachen. Nach einer anspruchsvollen Wanderung hatten wir mit 2 Schlauchbooten auf die andere Seite des Flusses übergesetzt, wo ein stationäres Camp auf uns wartete. Am nächsten Tag sollte es per Rafting den Fluss runtergehen.
Das Camp war wunderbar gelegen, auf der einen Seite der Fluss, auf der anderen Seite ging es die Berge hoch. Zwei Gehminuten entfernt zwei Thermalbäder im "Newzealand Style"- d.h., ein Bach mit heißem Thermalwasser wird einfach durch Steine gestaut, damit das Wasser gerade tief genug ist, dass sich jeweils 7-8 Leute reinlegen können.
Am Feuer sollte es heute Abend niemand lange aushalten, kein Wunder, da es kurz nach dem Abendessen zu regnen angefangen hatte. Nach ein bißchen Kartenspielen im Küchenzelt ging es ab ins Bett. Ich schlief bzw. döste in einem der vier 2-Mann-Zelte, die Mädels wollten im Gemeinschaftszelt übernachten.
Es sollte eine harte, sturmumtöste Nacht werden. Ich habe, auf einer Liege dösend, die ganze Nacht die Zeltstange gehalten, weil ich mehrfach den Eindruck hatte, unser Zelt wird gleich zerlegt. Es war kalt und es regnete rein. Kaum war es draußen leidlich hell, stand ich auf. Ich setze mich hin und stand mit meinen Füßen mitten im knöcheltiefen Wasser. Die ganze Nacht hatte ich über die unbequeme Liege geflucht, nun sollte sich herausstellen, dass sie ein Segen ist. Meinen Tagesrücksack hatte ich ja gottlob im Zelt aufgehängt.
Ohne mich groß umzuschauen, ging ich bei strömenden Regen erstmal zum Thermalbad. Pustekuchen - ein großes Leck im Steinwall. Um ein warmes Bad zu genießen, musste also erstmal der Damm wieder aufgebaut werden. Aah! Das Bad war eine Wohltat. Erst als ich zum Camp zurückkam, wurde mir das Ausmaß des Unwetters bewusst. Zwei Zelte standen noch: Das Küchenzelt und das Zelt, dessen Zeltstange ich die ganze Nacht gehalten habe.
GASTFREUNDSCHAFT HOCH 3
Zwei Stunden später sollte ich die unglaubliche Gastfreundschaft der Neuseeländer kennen lernen. Angesichts des Hochwassers war an eine Raftingfahrt nicht mehr zu denken. Also Neoprenanzüge angezogen und erstmal den Fluss überquert. Nach einem Kilometer intensivsten Paddelns hatten wir die andere Seite erreicht, das andere Boot benötigte sogar zwei Kilometer. Jeder ließ bei der anschließenden Wanderung seinen Neoprenanzug an, da war es wenigstens trocken und warm. Unser Bus war weit weg, einen Handyempfang gab es nicht, also immer den Fluß runter, bis wir irgendwann mal eine Farm erreichen, wo wir den Bus herlotsen können.
Ich habe weltweit schon unglaublich viel Gastfreundschaft erlebt, das sollte heute aber noch einmal getoppt werden. Als wir, über 20 Personen, nass und schmutzig, bei einer Farm ankommen, zögert die Dame das Hauses nicht lange, bittet uns alle herein, schickt uns unter die Dusche, organisiert zwei Dutzend Handtücher, bäckt Berge von Pfannkuchen und kocht kannenweise Tee und Kaffee.
Ich möchte nicht wissen, wie es uns in dieser Situation in Deutschland ergangen wäre...
EIN TRAUM VON EINEM GLETSCHER
Am nächsten Tag sollte das Wetter wieder aufreisen. Der Franz Josef- und der Fox-Glacier liegen vor uns, dahinter der Mt. Cook, mit 3.774 Metern der höchste Berg Neuseelands. Zwischen uns und dem Gletscher etliche Palmen, darüber ein tiefblauer Himmel. Keine Frage, ab in den Flieger und hoch ein die Berge mit Landung auf dem Gletscher unterhalb des Mount Cook. Absolut spektakulär!
Wir hatten Glück, nach uns startete keine weitere Maschine mehr, es sollte schnell zuziehen, bevor es nach Queenstown weiterging.
EIN TRAUM VON EINEM FJORD
In Queenstown hatte es wieder aufgeklart.
Als wir am Milford Sound ankamen, sollte es aber wieder zuziehen. Kein Wunder, soll es hier doch an 364 Tagen im Jahr regnen. Das Panorama ist trotzdem fantastisch, Auf der einen Seite der Mitre Peak und andere steile Berge, am Ufer jede Menge Palmen. Zahlreiche Wasserfälle stürzen direkt ins Meer. Wegen des vielen Regens und der zahlreichen Wasserfälle ist das Wasser im Meeresfjord den ersten halben Meter unterhalb der Wasseroberfläche überhaupt nicht salzig.
Wir übernachten auf einem Schiff, bei unserer Fahrt in die Dämmerung begleitet uns eine Gruppe Delfine...
BIN ICH IN SCHOTTLAND ODER WAS?
Mr. McPerish hat tatsächlich einen Kilt an. Ah ja! Nicht nur das Klima in Dunedin, an der Ostküste gelegen, erinnert an Schottland, auch die Gebäude, die Kleidung und die Menschen. Morgen ist Halloween, das wir in einer Lodge am Lake Oahu feiern wollen, weit weg vom nächsten Ort. Deshalb bin ich im Laden von Mr. McPerish. Als ich später gefragt wurde, wo ich mein police officer-Kostüm gekauft habe, erwiedere ich nur "There was a crazy shop with a crazy man and a lot of crazy things in acrazy street." Der Laden von Mr. McPerish war nicht der einzige in der Sraße.
ELEGANT - ODER DOCH NICHT?
Auf geht's von Dunedin zur Otago Peninsula. Ganz an deren Ende, dort wo es trotz strahlenden Sonnenscheins bläßt und pfeift, dort ist das Yellow-eyed Penguin Conservation Reserve. Mit Tarnnetzen überspannte Gräben ziehen sich unweit des Strandes entlang. Es ist schon beeindruckend, wie man die Pinguine beobachten kann, ohne selbst bemerkt zu werden. Am Nachmittag kehren sie von der Nahrungssuche zurück und schwimmen erst elegant durch das Wasser, bevor sie dann - alles andere als elegant - zu ihren Nestern watscheln.
BIN IN JAPAN ODER IN ENGLAND?
Die größte Stadt der Südinsel ist Christchurch, eine Stadt, die - gelinde gesagt - sehr britisch daherkommt. Dass man aber wohl kanz woanders sein muss, merkt man nicht zuletzt an der Vielzahl der Japaner, die diese besondere Atmosphäre mögen. Wie es sich für eine so englisch angehauchte Stadt gehört, bilden die Kathedrale und die Universität den Mittelpunkt der Stadt.
Ich brauche noch einen kleinen Rucksack und finde in der Altstadt einen "All Blacks"-Shop, also einen Fanshop der Rugby-Nationalmannschaft. Wie verrückt die Kiwis, also die Einwohner Neuseelands (nicht zu verwechseln mit den Kiwis, nachraktiven Vögeln, oder den Kiwis, also der auch bei uns bekannten Frucht) nach Rugby und vor allem wie stark sie ihre Rugby-Nationalmannschaft verehren, sollte ich erst später erfahren. Und erfahre es bis heute. Der Rucksack hat mich seitdem in einige Ecken der Welt begleitet und seitdem ziehe ich, egal wo ich bin, Neuseeländer an, wie eine Glühbirne die Motten. So bleibt man mit diesen liebenswerten Menschen und lebenswerten Land in Kontakt.
IMMER AN DER KÜSTE ENTLANG
Ganz oben im Norden der Südinsel liegt der Abel Tasman Nationalpark, ein weiteres Highlight Neuseelands. Am besten lässt man sich von Kaiteriteri mit einem Boot ein Stück in den Nationalpark fahren und wandert diese Strecke wieder zurück. Auch heute scheint wieder die Sonne, so dass man denkt, in der Karibik zu wandern, nur dass die Temperaturen angenehmer sind. Durch den üppig grünen Urwald geht die Wanderung: Unten Moose, darüber Farne, die auch schon mal zwei oder drei Meter hoch werden und oben Manuke Trees oder Totaras. Linkerhand das Meer, mal direkt neben mir, mal 50 Meter unter mir, immerwieder unterbrochen durch traumhafte Buchten mit schönen Sandstränden. Hier macht Wandern Spaß!







Weitweitweg sagte vor 1 Jahr 37 Wochen:
Kein Wunder, dass jeder, der mal dort war, unbedingt wieder hin will, oder?
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Kathrin (nicht überprüft) sagte vor 1 Jahr 37 Wochen:
Bei einem solch authentischen Reisebericht ergreift einen wieder eine unglaubliche Reisesehnsucht..
Gerade von einer neumonatigen Reise durch Nz zurueck, faellt es besonders schwer sich diesem viel schnelleren und hektischeren Lebensrhythmus hier anzupassen, und sich an die deutsche Strukturiertheit, die kontinuierlich gezwungen- penibel geordnete Lebenseinstellung zu gewoehnen..
Waehrend die Neuseelaender nach dem Motto "warum kompliziert, wenns auch einfach geht" leben, scheint die Mehrheit der Deutschen diese Lebensauffassung umzukehren- und das womoeglich nichteinmal bewusst.
Wahrscheinlich wirken diese Gegensaetze momentan aber noch intensiver auf mich, als sie tatsaechlich sind.
Auf alle Faelle ist diese Abhandlung eine treffende Charakterisierung dieses weiten Landes mit seinen warmherzigen Bewohnern.
mfg
kathrin
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