Leser-Reportagen
Unterwegs mit Pink Floyd
Wasser, soweit das Auge reicht. Hohe Wellen. Sanddünen. Der Indische Ozean? Von wegen - ich bin am Kande Beach, einer Bucht am Malawisee. Der 575 km lange und bis zu 85 km breite See ist mit 24.000 Quadratkilometern der drittgrößte See Afrikas. 1.700 Buntfischarten und 359 endemische Arten sind in dem See, der bis zu 700 Metern tief wird, bereits registriert. Beim Schnorcheln bei der vorgelagerten Insel fühlt man sich wie im Aquarium!
Leider ist ein Bad mit ein paar Gefahren verbunden. Vor allem Nachts sollte man auf keinen Fall ins Wasser gehen, da wollen Krokodile und Nilpferde ihre Ruhe haben. Auch droht an vielen Stellen die Erkrankung an Bilharziose, vor allem in der Nähe von Fischerdörfern und an schilfrigen Ufern. Drei Wochen nach meinem Bad im Malawisee werde ich meinen Tropenarzt besuchen, damit er mich entsprechend untersucht.
Bei Temperaturen zwischen 35 und 40 Grad verzichtet aber keiner auf ein Bad. Von der tollen, betont lässigen Bar aus können wir beobachten, wie die Sonne untergeht und die Berge in eine Farborgie aus orange und rot taucht.
BESUCH IM DORF
Szenenwechsel. Zusammen mit Pink Floyd besuche ich das benachbarte Dorf, schaue bei Künstlern rein, besuche die Schule und das Hospital. In der Schule sind im Schnitt 110 Kinder in einer Klasse. Tische gibt es ebenso wenig wie Stühle oder Schulhefte. Das Hospital ist recht neu, es fehlt aber an Personal und an Medikamenten. Viele Waisen leben hier, ihre Eltern sind Aids zum Opfer gefallen. Zumindest gibt es aber inzwischen sauberes Wasser, mehrere Brunnen stehen im Dorf. Ach ja, Pink Floyd hatte ich etwas anders in Erinnerung: Mehrköpfig, deutlich blasser und deutlich älter. Mein Pink Floyd ist Künstler und lebt hier im Dorf.
UNTERWEGS IM LUWAWA FOREST
Szenenwechsel. Wir sind im Luwawa-Forest. Nachdem es den ganzen Tag geregnet hat, sind wir uns gar nicht sicher, ob wir tatsächlich hochkommen. Die Lodge liegt traumhaft mitten im Wald mit Blick auf einen kleinen See und die Berge.
Das ist der Vorteil, wenn man in einer kleinen Gruppe reist und nicht in Hotels übernachtet: Man erlebt immer wieder etwas, das man nicht planen kann. So wie hier im Luwawa Forest, wo wir einem englischen Pärchen begegnen, das in Mazambuzi, rund eine Stunde Fußmarsch von der Lodge entfernt, in ein Entwicklungshilfeprojekt einsteigt. Wir begleiten sie bei ihrem ersten Arbeitstag.
George, der Schuldirektor, freut sich über unseren Besuch und zeigt uns die kleine Schule und das neue Schulprojekt, das das kleine Dorf in Eigenleistung hochzieht. Etliche Kids aus dem Dorf schauen uns zu, wie wir die verschiedenen Gebäude besichtigen und uns unterhalten. Hier waren noch nicht viele Weiße. Nach einer Weile verlieren sie aber ihre Scheu und zeigen uns auch ihre aus Drähten selbst gebauten Autos, die sich sogar lenken lassen.
George und seine Frau laden uns schließlich auch noch zum Essen ein, einige der Kids begleiten uns ein Stück zurück in Richtung Lodge.
Malawi ist ein für afrikanische Verhältnisse kleines Land und zählt zu den ärmsten der Erde. Trotzdem machen die Leute, zumindest hier am Malawisee und oben in den Bergen, einen noch fröhlicheren Eindruck als die in anderen afrikanischen Ländern. Die Gastfreundschaft der Menschen hier ist herzerfrischend. Alleine deswegen lohnt sich die Reise hierher. Die Zahl der Touristen, vor allem aus deutschsprachigen Ländern, hält sich bislang noch sehr in Grenzen.










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