Leser-Reportagen
Ich glaub mich knutscht ein Elefant!
Ich stehe am Rand des Ngorongoro-Kraters und blicke in den rund 600 Meter tiefer gelegenen Krater, die größte nicht mit Wasser gefüllte Caldera der Welt, die sich immerhin über rund 20 x 16 Kilometer erstreckt. Noch wusste ich nicht, dass ich in den kommenden drei Tagen die "Big Five" in der Serengeti und im Ngorongoro-Krater zu sehen bekommen sollte, also Löwe, Leopard, Nashorn, Büffel und Elefant. Und das, obwohl sich die so genannte Migration, also der Wanderzyklus von rund 2 Mio. Tieren, momentan einige hundert Kilometer nördlich in der kenianischen Masai Mara abspielte.
Der Picknickplatz auf dem ich stehe, liegt in rund 2.300 Metern Höhe. Mit zwei Jeeps sind wir von Arusha hergekommen, der ersten größeren Stadt nach der kenianisch-tansanischen Grenze, auf halbem Weg zwischen dem Ngorongoro-Krater und der Serengeti sowie dem Kilimanjaro gelegen. Seit Monaten hatte es nicht mehr geregnet, die Landschaft ist knochentrocken, Staubwirbel haben uns auf der Fahrt hierher begleitet. Einige Massai haben ihre Rinder in den Krater getrieben, mitten in den Nationalpark. Ein weiterer Jeep mit unseren Zelten, dem Essen und den Getränken ist vorausgefahren.
Wenige Minuten zuvor hatten wir gepicknickt, was nicht ganz reibungslos ablief. Einer meiner Mitreisenden hatte gerade ein Hühnerbein in der Hand und wollte zubeißen, als sich ein Milan in die Tiefe stürzte und ihm das Hühnerbein entriss.
UNTERWEGS IN DER SERENGETI
Eya Safari! Wir sind im Serengeti-Nationalpark. Schon nach kurzer Zeit sollten wir unsere ersten Elefanten, Paviane und Adler sehen. Kurz darauf kreuzt eine Herde Zebras unsere Schotterpiste, Büffel und Antilopen folgen. Ein erster Höhepunkt ist aber die Löwin, die sich sehr geduldig an ein Warzenschwein heranpirscht. Fasziniert schauen wir eine halbe Stunde zu, bis sie sich dem Schwein so weit genähert hat, dass es sie entdeckt und flieht. Die Löwin hinterher- das Warzenschwein schlägt allerdings ein paar Haken, die Löwin gibt nach 300 Metern Jagd auf..
Nachts wird es frisch. Gut, dass ich meine lange Unterwäsche mitgenommen habe.
Eya Safari! Es sollte nicht lange dauern, als wir eine weitere Löwin mit ihren Jungen entdecken, die verspielt ihrer Mutter folgen. Wenige Meter von mir entfernt geniest eine Giraffe quasi im dritten Stock die frischen Blätter eines Baumes, im Tümpel vor mir "lachen" einige Hippos. Etwas später entdecken wir Hyänen und auch einen Leoparden, der ganz relaxt oben auf einem Baum "herumhängt" zusammen mit seiner Beute. Wahrscheinlich mag er sein Fleisch etwas abgehangen.
CAMPING AM NGORONGORO-KRATER
Am Nachmittag erreichen wir unseren sensationell gelegenen Campingplatz Simba am Rand des Ngorongoro-Kraters. Auch heute ist der Blick nach unten unbeschreiblich. Am Rand des Platzes sind zwei Elefanten unterwegs. Auf dem Weg zur Dusche muss ich an einem der beiden in fünf Metern Entfernung dabei. Während ich mich der Dusche nähere, beobachtet mich der Elefant ununterbrochen. Als ich ihm zu nahe komme, hört er auf zu kauen und legt die Ohren an. Eya Safari! Na hoffentlich nicht, denn da wäre ich der Gejagte. Noch unendlich lange 10 Meter bis zur Dusche! Ich werfe einen Blick auf das Gebäude, ob im Notfall eine Flucht dorthin Sinn macht- nicht dass es mir ergeht, wie dem Anwalt in Jurassic Park, der ins Klohäuschen fliegt, wo er dann vom Dinosaurier verspeist wird. Das Gebäude schaut stabil aus. Nachdem wir uns 1-2 Minuten gegenüber gestanden war, fängt der Elefant wieder an zu fressen und lässt mich passieren.
In der Nacht fängt es an, intensiv zu regnen. Am nächsten Morgen wabert der Nebel über den Platz, die Sicht liegt bei weniger als 50 Metern, es ist locker 20 Grad kälter als gestern. Trotzdem fahren wir als einer der ersten Jeeps in den Krater hinein und werden belohnt. Nur wenige Minuten nachdem wir den Kraterboden erreichen, klart es auf und wir haben fantastische Sicht mit strahlend blauem Himmel und als Kontrast einigen Wolken.
UNTERWEGS IM NGORONGORO-KRATER
Eya Safari! Auch hier im Krater weiß ich teilweise nicht, ob ich die Tiere links, rechts, vor oder hinter mir fotografieren soll. Mehrere Büffelherden kreuzen unseren Weg, ebenso Antilopen, Gnus und Zebras. Etliche Flamingos stehen in einem kleinen und flachen sodahaltigen See. Im Hippo-Pool liegt ein Nilpferd neben dem anderen. Kurze Zeit später nähern wir uns einem Nashorn, bleiben aber in respektvoller Entfernung. Wilderer haben den Bestand in den vergangenen Jahren so radikal reduziert, das inzwischen jedes der Nashörner 24 Stunden am Tag eine "Leibwache" hat. Vor 30 Jahren gab es noch über 1.000 Spitzmaul-Nashörner im Ngorongoro, weniger als 20 sind übrig geblieben. Auf dem Schwarzmarkt zahlen vor allem Ostasiaten bis zu 25.000 $ für ein totes Tier, weil sie das Horn, das letztendlich aus dem gleichen Material besteht wie unsere Fingernägel, für ein potenzsteigerndes Mittel halten. Vielleicht wäre es besser, sie würden an ihren Nägeln kauen!
Und wieder sehen wir etliche Löwen. Aber was ist das? Ein Zebrastreifen mitten in der Wildnis? Mitnichten! Die Löwen haben ein Zebra erlegt und fressen es gerade auf. Als wir wegfahren, winkt uns das Bein des Zebras zu. Eya Safari!
Mitten in der Caldera liegt der Lake Magadi mit einem Baum an seinem Ufer, mehrere Hippos sind zu sehen, etliche Vögel fliegen über die Wasserfläche. So schön kann Natur sein!
Einen ausführlichen Reisebericht meiner Reise von Nairobi in Kenia nach Victoria Falls in Zimbabwe finden Sie auch auf meiner Homepage http://ostafrika.npage.de .



















davidus sagte vor 2 Jahre 5 Wochen:
Imposante Aufnahmen, muss eine tolle Reise gewesen sein...
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Josef Stadler (nicht überprüft) sagte vor 2 Jahre 6 Wochen:
Servus!
Wie immer lese ich mit Freude deine Stories.
Nette Grüße
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