Leser-Reportagen
BIG BEND NATIONAL PARK Texas/USA
Appendix von Texas: BIG BEND NATIONAL PARK
Am 3.März 2009 starte ich in Houston/Tx. Mit dem Mietwagen, einem brandneuen DODGE Charger 350XL, geht es bei 28°C und Sonne satt über Austin, Waco und Dallas westlich in Richtung mexicanische Grenze. Die vorausgesagte Kaltfront nimmt ganz West-Texas in seinen Griff: morgens 3-4°C,was so tags über bleibt! Wüstenklima, mit dem man leben muß. Nach 1 1/2 Jahren das erste Mal Regen mit bescheidenen 7,5 cm auf den Quadratmeter.
Von Abelene fahre ich westlich auf Hwy 180 nach San Angelo, wo ich mich von ein paar Ladies überzeugen lasse, doch in den Big Bend zu fahren, da das Wetter hier sehr schnell wechselt und kalt und warm sich rasch abwechseln.
Diese positive Überraschung wollte ich erleben!
In Marathon angekommen, bekam ich in Eve's Garden ein Bed&Breakfast-Zimmer für zwei Nächte. Am Abend zuvor habe ich diese markante Übernachtungsmöglichkeit im Internet entdeckt.
Eve's Garden, ein Bauwerk mit Zimmern, Kuppeln, Nischen und Winkeln, alles mit satten, konträren und glänzenden Farben bemalt, verwundert auf den ersten Blick. Beim Eintritt in den Innenhof mit Springbrunnen, Fischpond und Bio-Blumenbeeten ist das schwüle Treibhausklima sehr angenehm bei den knapp über dem Gefrierpunkt liegenden Aussentemperaturen. Ich verstaue mein Gepäck im Zimmer. Ein großes Bett mit 8 Paradekissen, so wie in den alten Aufnahmen von amerikanischen Wohnhäusern in den vergangenen Jahrhunderten. Ich halte die anderen Zimmer, den Innengarten und die unterschiedlichsten Ecken auf Foto und Film fest und merke, dass ich plötzlich in einer ganz anderen Welt gelandet bin. Die starken Farbkontraste, die unterschiedlichen Formgebungen am und im Gebäude! War ich im Paradies? Eve war neben mir und dem Mocking Bird, und dann noch all die Blumen, die es als Leckerli morgens zum Frückstück gab.
Nach einer Stunde des Entdeckens habe ich die Harmonie gespürt, die mich innerlich lachen ließ. Kate kam dann hinzu und erklärte mir den ganzen Werdegang. Was ich hier nicht erfuhr, wurde morgens beim gemeinsamen Breakfast besprochen. Ein richtiges American Continental Breakfast mit Eiern, Speck, Toast und eigenen Blumen. 1 1/2 Stunden waren da schon nötig.
Kate nutzte ihre künstlerische Ader und entwarf Zimmer für Zimmer, ganz individuell mit Farben und Formen gestaltet. Das Baumaterial ist "Papercrete", eine Eigenentwicklung von Leichtbeton, gefertigt aus einem Gemisch von Zeitungspapierschnizeln vermengt mit Wasser und Beton. Eine sehr leichte und gut isolierende Bausubstanz mit großer Festigkeit. Papercrete ist die ganz moderne Form von "Adobe", der Bauweise, Häuser aus Lehm und Stroh zu fertigen, ohne Ziegel zu brennen. Von hier in West-Texas bis hoch nach New Mexico finden sich diese alten braun-beigen Adobe-Häuser und strahlen Wärme und Geborgenheit aus.
Partner Clyde, der die Rohbauten mit Helfern in Eigenleistung erstellt, will die gesamte Anlage in spätestens 3 Jahren beendet haben.
Am nächsten Morgen starte ich südlich auf Hwy 385 zum Big Bend Ntl. Park. Den Namen hat der Park von der "großen Biegung" erhalten, durch die der Rio Grande den Park zu Mexico hin abgrenzt. Das massive Eingangsschild "Welcome to Big Ben Ntl. Park" erscheint nach rund 60 Meilen. 20 US$ Eintritt pro Pkw berechtigt zum unbegrenzten Besuch für eine Woche. Die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 25 ml/h sollte unbedingt beachtet werden, damit es einem nicht so ergeht wie einigen jungen stürmischen Fahrern, die ohne erkennbare Messeinrichtungen plötzlich Tickets von den Parkrangern erhielten! Die über Radiosender zu empfangenden Hinweise und Regeln am Parkeingang sind sehr hilfreich. Nach weiteren 30 ml auf den sehr guten Parkstrassen, meist parallel zu den Tafelbergen verlaufend, erreiche ich das Headquarter in der Mitte des Parks. Ein sehr modernes, sauber und großzügig angelegtes Informationsgebäude. Ausser den üblichen Souvenirs sind hier Bücher, Videos und andere Informationsquellen zu haben. Die freundlichen Scouts beantworten jede erdenkliche Frage der Besucher.
Für's Erste entscheide ich mich für die Rio Grande Village Tour, rund 30 km in südöstlicher Richtung. Vom Headquarter in 1143 m über Meer geht es entlang den Tafelbergen mit senkrechten Wänden, Höhlen und spärlichem Bewuchs. Meist Yukas, die links und rechts in der Steinwüste ihre gelb-weißen Blütendolden zeigen in Form einer Ananas, doch etwa dreimal so groß. Die Yukas (bei uns Yukapalme genannt) sind Agavengewächse, die zusammen mit den unzähligen Kaktusarten die Steinwüste überziehen. Auch Kakteen zeigen ihre knall-gelben und roten Blüten, etwas kleiner aber dafür sehr filigran und kunstvoll geformt. Fotographieren und Filmen nach links und nach rechts, und dann kommt der Rio Grande in nur noch 564 m üNN. Eine kleine grüne Oase unterhalb des Outlook-Point, von dem man die kleine Ansiedlung mit grünen Bäumen und den Rio Grande überblicken kann. Ein kleiner Supermarkt für Selbstversorger auf dem Campingplatz, ein 1914 aufgegebenes Adobegebäude, das vorher als Lebensmittelgeschäft Verwendung fand, ist in einem tadellosen Zustand erhalten geblieben. Direkt daneben bildet der Rio Grande mit seinem hüfthohen braunen Wasser die Grenze zu Mexico. Das kleine Dorf auf der anderen Seite des "Rio" macht einen sehr ärmlichen Eindruck und wäre wohl kein Reiseziel; es liegt total im Abseits in der mexicanischen Steinwüste.
Die Rückreise zum Hauptquartier ist in 30 Minuten erledigt. Da es bereits nach 14.00 Uhr ist, wähle ich die Fahrt zu den südlich liegenden Chisos-Mountains. Nur 5 km entfernt, aber die Serpentinen, die sich von 1143 auf 2.233 Höhenmeter beim Visitor's Center der Chisos-Mountains hochhangeln, lassen Gefühle wie Achterbahn Autoscooter aufkommen! Up and down und left and right, nun verstehe ich, warum größere Trailer und Wohnmobile hier verboten sind. Ein Pkw mit Klimaanlage und starkem Motor sind hier die beste Ausrüstung!
Das Visitor's Center zeigt sich mit großzügigen Parkplätzen, Hotels,Restaurants und einem Supermarkt als üppig und besucherfreundlich ausgestattet. Die Regenwolken, die ich gerade mit meiner "Kletterpartie nach oben" durchstossen hatte, liegen jetzt unterhalb und wälzen sich wie Bühnennebel zwischen den Bergkämmen durch, weiter am Fuße des Berges entlang. Ich stehe in der prallen Sonne bei bestem Wetter mit 24°C. -Die Ladies behielten doch Recht!
Von hier aus gehen zahlreiche kurze und lange Hiking Trails über oder entlang der Berge, immer gut markiert.
Ich entscheide mich für einen kurzen Pfad; die 2 Liter Wasser, die jeder mitführen soll, brauche ich ja nicht, da ich ja nur einen Abstecher mache! Nach etwa einer Meile den Berg runter, kürze ich ab nach rechts und komme an den Campingplätzen vorbei, die voll mit jungen Leuten sind, die gemeinsam Wurfspiele machen. Bei direkter Sonneneinstrahlung und der reflekierenden Wärme des mit braunem Gras bedeckten Hanges komme ich sehr schnell ins Schwitzen! Hier den Fuß umknicken und warten bis jemand einen findet, da kann eine Flasche Wasser sehr wichtig werden. Da alles in Sichtweite war und ich ein mobiles GPS-Gerät umhängen hatte, war die Gefahr noch im Rahmen.
Doch dann am Eingang einer kleinen Siedlung, ca. 8 Häuser, die von Parkpersonal bewohnt wurden, rannte mir plötzlich ein Roadrunner in den Weg. Er bleibt vor mir stehen, sieht mich an, hüpft auf einen Felsen, alles im Abstand von 1 - 2 Metern. Er lässt sich filmen und fotografieren, es fehlt nur noch, dass er mich anspricht!
Nach einigen Minuten dieses anregenden Kontakts gehe ich weiter zwischen den beiden Häuserfronten als ich plötzlich rechts fünf äsende Hirsche stehen sehe. Zehn Meter Abstand erfordern lediglich ein lässiges Beobachten, was wir gegenseitig taten. Der Fuchs, der unkontrolliert in die "Arena" rannte, erschrak ebenso wie ich. Bevor eine Camera bereit war, hatte er sich mit einer 180°-Wendung aus dem Staub gemacht.
Voller Freude über die dokumentierten Kontakte blieb ich dann aber abrupt stehen. Acht Javelinas, Wildschweine mit großen Hauern, verteilten sich an der Stirnseite der Siedlung. "Was tun? - Wenn Wildschweine erschrecken, dann sind sie unberechenbar, vor allem im Rudel! - Ruhe, Ruhe, und vielleicht etwas abwarten und die Zeit nutzen um die neuen Freunde in Video und Foto festzuhalten? Die Bilddokumente blieben dann Aufnahmen von "nicht-flüchtenden Bekannten" und wurden auch nicht zu Täterfotos! Wer sich hier am besten ganz unauffällig aus dem Staub machen sollte, nach halbrechts, war mir schnell klar! Der Rest des Anstiegs war plötzlich um gefühlte 10° wärmer, also Hochsommer in Big Bend!
Am Parkplatz angekommen, kurz vor 5.00 Uhr nachmittags, ruhe ich mich etwas aus, besorge mir im Supermarkt ein paar Snacks und trete die Rückfahrt in Ruhe an. Zurück in Marathon und voll von Eindrücken entschied ich mich, die 22 Meilen weiter nach Alpine zu fahren, um mir ein gutes RibEye Steak zu gönnen. Diese Strecke, die ich das erste mal 1978 passierte, hat sich bis auf ein paar Kleinigkeiten kaum geändert. Auch in Marathon selbst ist wenig dazugekommen, bis auf Eve's Garden, ein Hotel und das Medical Center. Die Tankstelle mit Garage ist die selbe.
Zurück in meinem Zimmer lade ich Akkus, kopiere Filme und mache mir Gedanken zu Morgen. "Steine, Felsen und Berge und das selbe in umgekehrter Reihenfolge". Die Gedanken sind steinreich und nun ein paar Stunden die Augen zu und dann wieder neue Steine? Nein, das wäre zuviel gewesen! - Ich entschloss mich also, Morgen der mexicanischen Grenze entlang nach Südosten zu fahren, und lieber später einmal die beiden anderen Haupt-Routen des Big Bend zu machen.
Del Rio ist der nächste Stop. Am nächsten Morgen fahre ich mit dem Border-Taxi nach Arcuna, der Nachbarstadt auf der anderen Seite des Rio Grande. Es ist Sonntag, strahlende Sonne und ich genieße das mexicanische Leben auf der Plaza vor der Kirche, die der Mittelpunkt des Lebens der Leute hier sind. Überall werde ich als Gringo erkannt und beobachtet. Kaum eine handvoll US-Touristen habe ich hier gesehen, was nicht übel ist. Ich gehe zu Fuß über die Grenzanlagen über dem Rio Grande zurück nach Del Rio auf der texanischen Seite. Ein 20-minütiger Stop bei der US Border Patrol war nicht unerwartet. Alle freundlich, keine Probleme.
Abends dann in meinem Motel kommt zufällig ein Bericht in CNN über den Drogenkrieg an der mexicanischen Grenze. Täglich 10 Tote, bisher schon tausende von Opfern, die Grenztruppen müssen auf US- und mexicanischer Seite mit Tausenden von Soldaten verstärkt werden. - Ein verdeckter Ermittler gab Auskunft auf Fragen. Ein Mordauftrag in Mexico kostet 100 US$; in den USA sind es 500 - 1000 US$. Skrupel gibt es keine. Heute wurde ein "hingerichteter US Sherrif auf eine mexicanischen Müllhalde gefunden"; er hatte wohl die falschen Partner für seine Geschäfte gewählt!
Diese unschönen Anmerkungen möchte ich nicht verschweigen. Wäre mir dieser Hintergrund vorher bekannt gewesen, so hätte ich mich als Soloreisender bestimmt auch in Mexico selbst anders verhalten! Big Bend ist nicht Mexico, doch die Grenze zieht auch viele Schleuser und Banden an. Man darf halt nicht zur falschen Zeit am falschen Ort sein oder wenn doch, dann rechtzeitig die Gefahr erkennen und sich möglichst schnell aus der Situation entfernen.
Eine organisierte Reise in den Big Bend ist bestimmt lohnend, auch mehrtägig!
Texas bietet viele andere schöne Stellen. San Antonio, Luckenbach, den Gulf of Mexico bei Corpus Christi.
Vielleicht treffen wir uns da nächstes Jahr?
Homepages: Eve's Garden www.EvesGarden.org
Big Bend Ntl. Park www.nps.gov/bibe




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