Leser-Reportagen
Colorado: von Pueblo nach Denver zum "burn out"
Mein Trip brachte mich Ende April 2010 beginnend in Dallas Tx über Oklahoma City nach Dodge City Ks. Von hier aus zeigte das GPS eine Zunahme der Höhe über Meer von 800 m auf 1600 m üNN in Pueblo Co.
Frühlingsbeginn in Colorado mit blühenden Mandelbäumen, blauem Himmel und ein paar schönen Schäfchenwolken bei angenehmen Temperaturen. Auf der Suche nach schönen Ansichten und Erlebnissen wurde mir die Royal Gorge Bridge genannt, von der ich noch nie gehört hatte. Am nächsten Tag nahm ich Hwy 50 west und bog nach 49 Meilen links ab um den Serpentinen steil nach oben zum Royal Gorge zu folgen. Kurven, ohne Leitplanken, direkt am Abgrund und in bedrohlicher Schräglage des Chevy ließen bei mir zum ersten Mal die Frage aufkommen, wer einem so etwas antut, wenn man normal schon auf dem Balkon des Wohnhauses am Ende seiner Lust auf Höhe angekommen ist.
Geschafft! Es geht wieder bergab, direkt über den Parkplatz zum Eingang der Parkanlage. Eintritt für beliebige Male während sieben Tagen; das macht 15 US$ für mich als Alleinreisenden. Gleich hinter dem Eingangsbereich zeigt die überdimensionale wasserangetriebene Uhr die aktuellen Daten wie Jahr, Monat, Tag, Stunden und Minuten. Dahinter wird immer wieder eine Ansicht auf die Brücke und den Abgrund des Gorge (Schlucht) frei. Die Überquerung ist mit dem eigenen Pkw, einem Trolly der laufend hin und her pendelt oder zu Fuß möglich. Das war für mich wie hängen, erschlagen oder ersäufen!
Ich studierte nun rund 20 Minuten den Informationsprospekt und bewegte mich hierbei fast unmerklich immer weiter zum Rand dieses "Weltwunders" vor, mit sehr gemischten Gefühlen und inneren Kämpfen mit mir selbst. Die Auto-Pkw-Variante war bereits zu Beginn klar ausgeschieden, die Trollynutzung schied dann auch aus, da dieser beladen noch schwerer als mein Chevy war. Also zu Fuß, oder überhaupt nicht?
Die Reise hierher mit fast 8000 Meilen, die Fahrt hier hoch und der bezahlte Eintritt und dann die Aussicht, etwas stolz auf meine "tolle Tat" sein zu können, hat mich dann dazu bewogen, die ersten Schritte auf die Holzbohlen der Brückenkonstruktion zu wagen. Oh my god, 380 m lang, 316 m über dem Arkansas River, 1929 fertiggestellt ( www.royalgorgebridge.com) und an zahleichen Stahlseilen baumelnde welthöchste Hängebrücke und zwischen den Bohlen sah man durch 2 cm breite Spalten direkt auf den river! Muß man sich so etwas antun? ... vor allem, hin und zurück ist eine halbe Meile zurückzulegen. Als keine Fahrzeuge auf der leicht schwankenden 5m breiten Konstruktion sind, beginne ich die Überquerung mit steifen Schritten, ein Fuß vor den anderen, so wie wenn die Beine Blei enthalten würden. Entlang der Brücke sind Fortschrittsanzeigen vorhanden um seine Leistung messen zu können. Es beginnt mit Alabama und als ich bei Kansas etwa in der Mitte angekommen war, frage ich mich nur noch, ob bald Zulu-Land auftauchen wird. Schliesslich erreiche ich das gegenüberliegende Festland und atme mehrmals tief durch. Das Gehege mit einem Albino Bison unter anderen Bisons, Wapitis, Hirschen und Big horn sheeps lenkt mich wieder ab. Die alte Westernstadt döst ebenso wie der Longhorn Stier in der Sonne vor sich hin. Muli-Reiten muß ich mir nicht auch noch antun und so mache ich mich wieder auf den Rückweg. Brücke frei und los. Nach einem Drittel des Wegs kommen dann ein Trolly und ein Jacobi-Allround-Bagger hinter mir auf's "Parkett", was ganz schön zu Vibrationen führt, was meine Bleibeine veranlassen, diffuse Meldungen an's Großhirn zu senden. Nee, rennen werde ich nicht, aber hurtig meinen Schritt fortsetzen um dann die unvermeidbare Begegnung möglichst auf dem letzten Drittel zu überstehen. Doch oft kommt es anderst als man denkt! Direkt in der Mitte kann ich nur klein beigeben, der Klügere vermeidet einen Kampf, und weicht zum Geländer aus. Dass diese paar Schritte von der bekannten Erdanziehung noch mehr erschwert wurden, verursachte eine zähe Ausweich-Prozedur, die hoffentlich niemand gefilmt hatte. Den Blick durch die Camera, flach über den Arkansas River, der den Gorge in Aber-Jahrtausenden gegraben hatte, harrte ich der Dinge, vermied es aber, mich für das Geschehen direkt unter mir zu interessieren. Ja, so kann man große Herausforderungen auch wirklich überstehen!
Alles was auch der Rückfahrt nun auf mich einwirkte war nun wirklich fast wie "Peanuts". Es ging weiter über die Rockies in Richtung Colorado Springs, vorbei an tollen Villen und blühenden Bäumen und den schneebedeckten Rockies im Hintergrund, was fast eine Bilderbuchatmosphäre bescherte.
Gleich nebenan sorgten dann überdimensional große Trailer-Parks, in denen weniger betuchte Einwohner ihr Leben fristen, dass man sieht, dass es in Amerika nicht nur Sonnenseiten gibt.
Von Colorado Springs machte ich mich nun westlich auf in Richtung Pikes Peak. Am "North Pole", kurz nach Canon City, wo der Weihnachtsmann ab Mitte Mai seine Geschäfte aufnimmt und auch Besucher in seine Verkaufsräume einlädt, biege ich vom Hwy ab auf die Privatstrasse zum Pikes Peak. Über die breite kurvenreiche Strasse passiere ich einen schönen See mit klarem, blauem Wasser um nun nach und nach an Höhe zu gewinnen. Ein unbefestigte Piste mit zunehmend Schneehaufen im Gelände und am Wegesrand zeigen, dass der Frühling wirklich noch an seinem Anfang ist. Eine hohe, geschlossene Wolkendecke und 2° C Aussentemperatur lädt nicht unbedingt zu ausgiebigen Stopps ein. Es sind nur vereinzelt Pkws, die sich hier heraufbewegen, und obwohl vermutlich manche dieser Fahrer ähnliche Gefühle wie ich an den offenen Abgründen entwickeln und deshalb auch etwas "gemächlich" fahren, ist an ein Überholen nicht zu denken. Als das GPS dann 3.500 m zeigt, stehen mitten auf der breiten Fahrbahn etwa 8 Pkws mit diversen Leuten dazwischen. Nein, es ist nichts passiert! Zwei Füchse begrüßen die Ankömmlinge indem sie sich vor die Fahrzeuge setzen und auf Leckerlies warten. Sie sind abwartend und zurückhaltend, direkt zu betteln. Kommt ein neues Fahrzeug, so geht es ein paar Schritte auf dieses hinzu und der Sitzbefehl wird selbsttägig ausgeführt. Als es einem der beiden etwas zu viel wird, hüpft er elegant, auf die Vorderpfoten gestützt, über die Wasserrinnsale auf der Fahrbahn, um kein nasses "Fahrwerk" zu bekommen.
Hier ist für uns Eindringlinge das Ende der Bergfahrt erreicht. "Closed" ist die letzte Strecke bis zum Summit in 4.301 m über Meer. Schneefräsen und Schneepflüge kommen vom Gipfel zurück und werden gewartet. Dieser Winter waren ein sehr strenger und dass es in 4.300 m Höhe immer wieder stärker schneit ist hier ganz normal.
Zurück in Canon City bei angenehmeren 1.627 m üNN durchstreife ich den auf Tourismus eingerichteten Stadtkern mit zahlreichen Restaurants, Hotels und Giftshops, alle in beeindruckendem rustikalen Mountain-Look. Girlanden mit farbigen Lichtern überall lassen in einen das Gefühl aufkommen, in eine Märchenwelt versetzt zu sein.
Ein paar Meilen ausserhalb des Ortes sind dann die Cliff Dwellings in den steilen Felswänden eingearbeitet. Die früheren Urbewohner, "Red Indians" haben sich Ihre Wohnungen in und an den Felswänden mittels der altbewährten Adobe-Bauweise eingebaut. Adobe bedeutet, Ziegel aus Lehm, Stroh und Wasser luftgetrocknet und nicht gebrannt, und mit diesen Bausteinen wurden mehrstockige Gebäude entlang des Cliffs gebaut, die im Winter geschützt und warm waren und ebenso im Sommer auch Schutz vor der Hitze boten. Diese Indianerbauten gibt es hier überall in den Mid-West-Staaten und vor allem in erstaunlich gutem Erhaltungszustand. Warum jedoch die Ureinwohner so um 1000 Jahre n.Chr. total verschwanden, ist bis heute noch nicht wissenschaftlich geklärt.
Meine Reise ging nun weiter mit Ziel "Denver" Colorado. Als ich vom Abendessen wieder auf die Straße kam, dachte ich zuerst, dass die Rockies brennen. Die ganze Bergkette im Westen wurde von der sinkenden Sonne überstrahlt, blutrot, mit gefächerten Strahlen und Schatten dazwischen, was die Bergspitzen verursachten. Eine kostenlose Impression der Natur, die einfach dem Gemüt gut tut. Weitere Punkte in Colorado und den Nachbar-Staaten habe ich dann noch angesteuert, was aber wieder andere Geschichten waren.
Ergänzende Inernet-Seiten:












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