Ausgerechnet Jordanien ...
„Was wollen wir denn da?“, mein Vater ist von unserer Idee nicht uneingeschränkt begeistert. Die ältere Generation hat vom Nahen Osten einfach keine wirklich unbefangene Meinung: Zu fremd die Kultur und die Sprache, zu nah die geografische Lage zu einigen politischen Brennpunkten dieser Welt, zu anders die Lebensgewohnheiten und religiösen Ansichten. Nachdem ich ihm allerdings erkläre, warum und wieso, kann er sich mit der Idee langsam anfreunden: zehn Tage Jordanien, meine Frau und ich gemeinsam mit unseren jeweiligen Eltern. Aber warum ausgerechnet Jordanien? Ganz einfach: Wir haben das Land vor drei Jahren besucht und uns ob der netten, herzlichen Menschen und der einzigartigen Landschaft und Sehenswürdigkeiten in das kleine Königreich verliebt. Das müssen wir unbedingt mal unseren Eltern zeigen, beschlossen wir noch vor der Rückkehr. Und warum jetzt? Ebenso einfach: Wir erwarten Nachwuchs und unser Kind dürfte unsere nächsten Urlaubsziele erst einmal Richtung Schwarzwald oder Nordsee lenken. Und unsere Eltern werden dabei ja auch nicht jünger.
Unsere selbst geplante Reiseroute orientiert sich an den bekannten Attraktionen des Landes: Amman, die quirlige Hauptstadt zu Beginn, Petra, die berühmte Felsenstadt der Nabatäer, als erstes, die schroffe Wüste Wadi Rum als zweites Zwischenziel und zum Abschluss einige Tage am Toten Meer. Toller Plan, findet auch mein Schwager, und fährt mit seiner Angetrauten einfach mit. Dass meine Schwägerin sich ebenfalls einer fortschreitenden Schwangerschaft erfreut, fällt da gar nicht mehr ins Gewicht. Ende April 2010 geht es also los, beste Reisezeit – warm, aber nicht heiß, Sonne garantiert.
Royal Jordanien fliegt einmal täglich von Frankfurt nach Amman. Gut 400 Euro sollte man dafür pro Person einplanen. Nach viereinhalb Stunden landet die Maschine auf dem Queen Alia International Airport. Da man als Deutscher (wie jeder andere Ausländer auch) für die Einreise ein Visum braucht, ist erst einmal Geduld angesagt. Die Jordanier bieten die entsprechende Prozedur zwar unbürokratisch am Flughafen an, haben es aber derart skurril organisiert, dass die Urlaubsfreude erst einmal gelangweilt im Koffer verharrt: Es gibt vier Schalter, an denen gegen ein Entgelt von zehn Jordanischen Dinar (JD) das Visum erteilt wird. Wechseln kann man bequem an der vorgelagerten Wechselstube (Kurs ungefähr 1:1). Man reicht dann dem Beamten seinen Pass und das Geld, er tippt eine Zeit lang in seinem Computer herum, klebt eine Art Briefmarke in den Pass und wünscht einen guten Aufenthalt. Wenn jedoch gerade zwei Jumbos ihre mitgebrachten Reisenden ausgespuckt haben, dann steht man hierfür gern eine gute Stunde an. Anschließend geht es in die nächste Schlange, die direkt hinter der Visumstelle liegt. Dort passiert dann an zwei Schaltern die eigentliche Einreisekontrolle. Hierfür wird im Pass nach dem Visum gesucht, ein bisschen im Computer rumgetippt und der Reisende anschließend mit einem „Welcome to Jordan“ ins Land entlassen. Dabei sind vier Visumsvergeber naturgemäß schneller als zwei Einreisekontrolleure, sodass alles ein heilloses Durcheinander ist. Bis vor kurzem war das noch anders. Eine Schlange, zwei Beamte, der eine klebt, reicht den Pass zum anderen, der einen willkommen heißt und fertig. Das dauerte mit Anstehen eine halbe Stunde, sah ein bisschen improvisiert aus, war aber effektiv und gab einem gleich das Gefühl, in einem Land zu sein, in dem die Dinge etwas weniger offiziell als bei uns gehandhabt werden. Nun ja. Dafür geht es anschließend mit den Koffern schnell, denn die drehen sich bestimmt schon eine Stunde auf dem Gepäckkarussell und waren sichtlich froh, als wir sie endlich vom Band nahmen.
Taxifahren ist das erste Highlight für den geregelten Mitteleuropäer. Mehr oder weniger neue gelbe Kleinwagen japanischer oder koreanischer Bauart warten vor dem Flughafen auf Kundschaft. Es ist dabei nicht ratsam, lediglich die genaue Adresse des Fahrtziels zu nennen, sie allein sorgt oft für Kopfschütteln. Besser ist es, den Hotelnamen und bei kleineren Beherbergungsstätten ein nahes großes Hotel oder eine Sehenswürdigkeit zu kennen. Nachdem Gepäck und Gäste verstaut sind, geht es in abenteuerlicher Fahrt zum Hotel. Getreu dem Motto: Wer bremst, verliert. Erfreulich hingegen die Fahrpreise. Wer darauf achtet, dass der Fahrer ein Taxameter hat und es auch benutzt, zahlt für die rund 45-minütige Fahrt vom Flughafen in die Stadt gerade einmal 20 JD. Wir haben uns im Vorfeld für das zentral gelegene Regency Palace entschieden. Es ist inhabergeführt und verfügt über rund 250 Betten. Die vor kurzem renovierten Zimmer begeistern mit orientalischem Flair, sind mit rund 150 JD pro Zimmer und Nacht aber auch nicht ganz billig. Dafür ist das Einchecken ist eine Freude. Voucher vorlegen und schon hat man die betreffenden Schlüsselkarten in den Händen. Das Gepäck wird aufs Zimmer gebracht, ein JD Trinkgeld ist dabei die übliche Vergütung für den Service.
In Amman hält man sich freilich nicht vorrangig im Hotel auf. Am nächsten Morgen fahren wir also mit zwei Taxis für je zwei JD ins Zentrum und bummeln, was die Füße hergeben. Es ist ein bisschen chaotisch, ein bisschen staubig, aber hinter jeder Ecke finden wir neue Impressionen, die besonders unseren Eltern gefallen, da es eben so ganz anders aussieht als in Deutschland. Einen Besuch wert ist das Römische Theater, das aktuell aber nur von weitem zu bestaunen ist, weil das Umfeld komplett neu gestaltet wird. Imposant auch die König-Abdullah-Moschee, deren blaue Kuppel eines der Wahrzeichen Ammans ist. Lange verweilen wir rund um den größten Markt der Stadt, dem Goldenen Souq, wo erfrischend wenig Touristen herumlaufen und authentisches Stadtleben herrscht. „Gefährlich“ sind allerdings die Gewürzläden, in denen man schnell ein paar hundert Gramm Dieses oder Jenes kauft, was man zu Hause nie verkochen kann. Mal sehen, wie meine Schwiegereltern damit klar kommen, die fleißig Gewürztüten sammelten.
Downtown Amman finden wir immer wieder hübsche kleine Läden und viele Möglichkeiten, uns zwischendurch mit Mezzeh, so nennen sich lokale Vorspeisen, zu stärken. Empfehlenswert ist hier trotz der eher schlichten Optik das Hashem. Acht Personen werden bei Hummus (Kichererbsenmus), Baba Ghannoush (Auberginenmus), Koubba Maqliya (frittierte Fleischbällchen) und Tabuleh (Petersiliensalat mit Tomaten) für gerade einmal 18 JD satt. Zum anschließenden Kaffee und einer Shisha wechseln wir die Straßenseite und genießen beides im Al-Rasheed Court Café. Danach geht es weiter zur Rainbow Street in Viertel Jebel Amman. Dort gibt es nicht nur viele schöne alte Häuser, kleine Kunsthandwerkler bieten zudem selbstkreierte Waren feil, die nicht nach Massenfertigung aussehen. Da wir eh schon in der Gegend sind, beschließen wir im Wild Jordan Café zu Abend zu essen. Das Restaurant gehört zur Royal Society for the Conservation of Nature, die sich – wie der Name schon sagt – um die Erhaltung der Umwelt in Jordanien kümmert. Die ausgesprochenen leckeren Speisen genießen wir auf der großen Dachterrasse mit einem schönen Blick auf Downtown Amman und El Qala (auf Deutsch: die Zitadelle).
Am nächsten Morgen geht es per gemietetem Hyundai-H1-Bus der neuesten Generation in das eine Stunde von Amman entfernte Jerash. Dort liegt eine der berühmtesten, weil sehr gut erhaltenen römischen Stätten des Nahen Ostens. Die Fahrt mit dem Mietwagen sollte auch für den Straßenverkehrsordnung liebenden Deutschen kein Problem sein. Ein wenig wirr fahren sie schon die Jordanier, aber sie sind dabei weder aggressiv noch rechthaberisch. Da ich außerdem meinen Blinker gern und oft benutze, falle ich auf und darf auch einmal drei Spuren kurz vor der Ausfahrt wechseln. Für acht JD Eintritt pro Person betreten wir nach unserer Ankunft das weitläufige Gelände, streifen einige Stunden umher, atmen den Hauch der Geschichte. Dank zahlreicher Digitalkameras lichten wir den Hadrians-Bogen, das Hippodrom, den Zeus- und den Artemis-Tempel, das ovale Forum, das von einer imposanten Kolonnade umgeben ist, und vieles mehr aus allen erdenklichen Blickwinkeln ab. Noch mehr Fotos nehme ich allerdings von zahlreichen jordanischen Schülern mit nach Hause, die auf Klassenfahrt sind und sich als Models geradezu aufdrängen. Auf dem Weg zurück biegen wir noch in Jerash zum Lebanese House ab, das wohl bekannteste Restaurant in der Gegend. Aus dem geplanten kleinen Snack wird allerdings ein opulentes Mahl. Unsere Bestellung von Vorspeisen für alle und einigen Hähnchen- und Lammspießen interpretieren die Kellner als Aufforderung zur Völlerei – sie legen immer wieder nach und da es ausgezeichnet schmeckt, leeren wir Platte um Platte. Entsprechend still ist die Rückfahrt nach Amman – der einzige, der nicht schlafen darf, bin ich – der Fahrer.
Am Tag vier verlassen wir Amman und machen uns auf nach Petra, der berühmten Felsenstadt der Nabatäer und, dieses Klischee muss sein, Drehort von „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“. Rund 250 Kilometer geht es über den Desert Highway, einer zumeist vierspurigen Straße, auf der man zwischen 90 und 110 Stundenkilometer schnell unterwegs ist. Zu schnell sollte man nicht fahren – die jordanische Polizei liebt Geschwindigkeitskontrollen und kassiert gnadenlos ab. Ich halte mich an die jeweils zugelassene Höchstgeschwindigkeit und so erreichen wir Petra in gut vier Stunden. Wir steigen im Petra Guesthouse ab, das zur Crown-Plaza-Gruppe gehört. Die kleinen Bungalows sind einfach aber sauber, bieten Klimaanlage und Frühstück für 60 JD die Nacht. Der große Vorteil. Das Guesthouse liegt direkt am Eingang zur Felsenstadt.
Petra ist weltweit berühmt. Das wissen auch die Verantwortlichen vor Ort und fahren aktuell eine durchaus diskussionswürdige Strategie: Konnte man die Anlage 2009 noch für 21 JD besichtigen, sind es seit 1. Januar 2010 üppige 33. Die große Preistafel verkündet zudem, dass ab 1.Oktober sogar 50 JD fällig werden. Pro Person versteht sich. Und bar. Kreditkarten werden aktuell nicht akzeptiert. Mit der Preiserhöhung soll dann auch der Service steigen, Details sind aber bis dato noch nicht bekannt. Was bereits zu erkennen ist: Der umliegende Ort Wadi Musa hübscht sich gewaltig auf. Eine Promenade entsteht, die anliegenden Geschäfte haben ansehnliche Fassaden bekommen.
Wir beginnen unser Petra-Erlebnis mit Petra by night. Immer mittwochs und freitags beleuchten nach Sonnenuntergang 1.500 Kerzen den Weg durch den Sik, einer ein Kilometer langen Schlucht, bis zum Schatzhaus. Dort lauschen wir dann traditioneller Musik, gespielt auf klassischen Instrumenten, trinken Tee und fühlen uns ganz ruhig und entspannt. Man kann an diesem Abend nicht viel sehen von Petra, aber der Mensch hat ja mehr als diesen einen Sinn. Am nächsten, frühen (!) Morgen (die Felsenstadt öffnet um sieben Uhr), kommen dann auch die Augen zu ihrem Recht. Im Eintritt enthalten ist ein Gutschein für einen Pferderitt zum rund ein Kilometer entfernten Eingang des Sik. Doch Vorsicht: Fünf JD „Trinkgeld“ wollen die Pferdebesitzer zusätzlich haben, durchaus nachdrücklich. Wer das vorher weiß, verzichtet leichten Herzens auf den Ritt und genießt den Fußmarsch. Die Felsen der Schlucht bieten den Augen anschließend ein Farben- und Formenspiel, dass seines Gleichen sucht, aber nicht so leicht findet. Rot, gelb, blassblau, der Sandstein sieht aus wie bemalt und ist es doch nicht. Zwar kann man mit Eselwagen hinunterfahren (10 JD), man sollte aber unbedingt laufen. Nur so erlebt man kurz vor dem Ende den majestätischen Blick auf das Schatzhaus in seiner ganzen Pracht. Nach etlichen Fotos pilgert unsere Gruppe dann weiter ins Tal, das vor über tausend Jahren in Stein gemeißelte Bauten, Höhlen und Grabkammern nur so strotzt. Ein Foto jagt das nächste, allen voran ist die Königswand das Motiv der Stunde. Zwischendurch bieten kleine Cafés immer wieder Zeit zur Ruhe, was den mehr oder weniger 70-jährigen Eltern genauso zupass kommt wie den schwangeren Ehefrauen. Am Ende wartet dann ein Restaurant, dass ab Mittag ein umfassendes Büffet bietet. 17 JD plus Getränke sind zwar kein Sonderangebot, wen aber der Hunger plagt, der wird hier zuverlässig satt. Und kann dann den Weg zum Kloster in Angriff nehmen, der steil, anstrengend, aber durchaus lohnenswert ist. Zurück zum Hotel reitet man anschließend auf dem Kamel oder lässt sich im Pferdewagen kutschieren. Ab zehn JD ist man dabei. Wir laufen lieber und haben die Strecke nach gut einer Stunde geschafft. Nach einer schnellen Dusche im Hotel besuchen wir am Abend Petra Kitchen. Dort lernen wir unter fachmännischer Anleitung, jordanische Gerichte zu kochen. Da wir uns ziemlich clever anstellen, ist auch das anschließende Verspeisen der Kreationen ein Genuss. Die Idee zu Petra Kitchen hatte Eid Nawafleh, der über dem Kochstudio zudem einen Laden betreibt, in dem man echte jordanische Kunst zu angemessenen, wenn auch nicht kleinen Preisen findet.
Unser nächstes Ziel: das Wadi Rum. Es ist von Petra etwa zwei Autostunden entfernt. In der Stein- und Sandwüste wurde nicht nur Lawrence von Arabien gedreht, ihre unbändige, natürliche Kraft wirkt auch ganz ohne Filmplot. Zentrale Anlaufstation ist das neu gebaute Visitor Center. Hier kann man Jeep- und Kameltouren buchen. Auch geführte Wanderungen sind möglich. Allein umherstreifen darf man im Wadi allerdings nicht. Nach einen Mittagessen wollen wir eigentlich mit den Jeep in die Wüste, doch begegnen wir einer Kuriosität, die eher selten vorkommt: Es regnet. Also verschieben wir den Trip auf den nächsten Morgen und machen uns direkt auf ins Captain‘s Desert Camp. Es ist wohl das authentischste der zahlreichen Wüstencamps, die auf Übernachtungsgäste warten. Andere bieten Plastikzelte oder feste Bauten aus Lehmziegeln an, hier schlafen wir in großen Zelten aus Ziegenhaarplanen, die einen herben Geruch verströmen: nasse Ziege mit einem Hauch Abenteuer. Für den Übernachtungspreis von 50 JD pro Zelt und Nacht enthalten wir außerdem ein Abendessen am Anreise- und das Frühstück am Abreisetag. Direkt am Camp bietet der Abend noch Gelegenheit zu einer kleinen Wanderung, um den atemberaubenden Sonnenuntergang zu genießen. Anschließend stärken wir uns am großen Büffet mit frisch gegrillten Hühnchen- und Lammspießen, frisch gebackenem Fladenbrot und einer Vielzahl von Salaten und Pasten. Den abschließenden Kaffee genießen wir bei einem echten Beduinen, der die Bohnen vor unseren Augen röstet, mahlt und anschließend typisch jordanisch zubereitet. Ein bisschen dünn, aber eben auch ganz beduinisch. Wir schließen den Tag mit einem kleinen Gang vor das Camp ab, wo wir abseits der Lichter einen herrlichen Sternenhimmel genießen. Am nächsten Morgen wecken uns die Tauben, die in den Felsen über unseren Zelten brüten. Schnell gefrühstückt und dann geht’s los in die Wüste. Obwohl unzählige Jeeps mit Touristen unterwegs sind, begegnen wir nur ab und zu einer anderen Gruppe. Wir genießen also die Stille, die Weite, die imposanten Felsformationen und das ungewohnte Grün ob des gestrigen Regens. Gegen Mittag sind wir zurück am Camp und fahren unserer letzten Station entgegen.
Den idealen Abschluss einer Jordanien-Rundreise markiert das Tote Meer. Einerseits findet man hier die notwendige Ruhe, um die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Anderseits liegen in der näheren Umgebung einige biblische Stätten, ohne deren Besuch ein Jordanien-Urlaub irgendwie nicht vollständig wäre. Sie lassen sich bequem im Rahmen einer Tagestour besuchen. Wir steigen im Jordan Valley Marriott Resort & Spa ab, eines von aktuell fünf Resorts direkt am Toten Meer. 250 Zimmer bietet Marriott seinen Gästen – und es ist meistens ausgebucht. Der Grund ist einfach: Noch gibt es für die Zahl der Besucher zu wenige Hotelbetten. Entsprechend wird in der Gegend viel gebaut. Neben dem Marriott entsteht gerade ein neues Resort – was Baulärm nicht wirklich verhindert. Mehr Angebot wird aber sicher auch den Übernachtungspreisen gut tun, Marriott verlangt für ein Superior-Doppelzimmer inklusive Frühstück 149 JD plus 25 Prozent für Service und Steuern. Das geht schnell ins Geld. Die Fünf-Sterne-Anlage selbst ist groß, gepflegt und auch bei Vollbelegung hat man nie das Gefühl von Gedränge. Selbst am Wochenende, wenn Tagesausflügler aus Amman kommen, verlaufen sich die Gäste auf den mehr als 50.000 Quadratmetern. Fünf Restaurants, vier Bars, drei Pools und ein privater Zugang zum Toten Meer sorgen für einen angenehmen Aufenthalt.
Natürlich haben wir uns nach der fünfstündigen Fahrt vom Wadi Rum sofort ins Tote Meer gestürzt – wobei „gestürzt“ nicht der richtige Begriff ist. Bei fast 30 Prozent Salzgehalt möchte man keinen Tropfen des Wassers in Mund, Nase oder geschweige denn in die Augen bekommen. Es brennt höllisch. Also gleiten wir vorsichtig ins Wasser und dümpeln träge dahin. Der Einstieg ist allerdings nicht ohne, mehr oder weniger spitze Steine machen das Tragen von Plastiksandalen obligatorisch. Diese stellt das Hotel kostenlos zur Verfügung. Da der Untergrund zudem sehr uneben ist, tun sich insbesondere ältere Semester ein bisschen schwer. Das anschließende Treiben im Meer ist die Mühen aber wert. Der Auftrieb ist zwar hinlänglich bekannt, doch ihn am eigenen Leib zu erfahren, ist etwas Besonderes. Das Wasser ist angenehm warm, man liegt auf dem Rücken, muss sich wirklich kein bisschen bewegen. Übertreiben sollte man dies allerdings nicht. Zwar gibt es das Gerücht, dass man am Toten Meer keine Sonnencreme brauche, wer abends dann aber seinen Sonnenbrand im Spiegel betrachtet, weiß, dass es sich hier um ein Ammenmärchen handelt. Der nächste Tag findet für mich also im Schatten statt – mit Buch und MP3-Player. Die Familie und die Verwandten liegen im Meer, am Pool und lassen den lieben Gott einen guten Mann sein. Ruhetage sind prima.
Apropos lieber Gott: Unser Tagesausflug am nächsten Tag widmet sich genau diesem Thema. Bethanien, Madaba und Mount Nebo sind biblische Stätten von Format. Nur rund 20 Minuten vom Marriott entfernt liegt Bethanien. Dort befindet sich die Taufstelle Jesu, was auch die beiden Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. bestätigten. Wir parken am Eingang, um anschließend gegen acht JD Eintritt mit einem Bus zur Taufstelle gebracht zu werden. Die Gegend war lange militärisches Sperrgebiet, im Sechstagekrieg 1967 wurde sie intensiv vermint. Die Minen sind inzwischen weg und so bauen viele christliche Religionen dort Kirchen zu Ehren der Taufstelle. Wir erreichen sie mit unserem Führer nach einem kurzen Spaziergang durch ein kleines Wäldchen – und sind dann doch erstaunt. Der Jordan ist hier mehr Bächlein als Bach und schon gar nicht Fluss. Jordanien und vor allem Israel zapfen dem Strom zuvor einfach zu viel Wasser ab. Die Taufstelle selbst ist – ohne despektierlich sein zu wollen – eine grünlich schimmernde Pfütze. Im Winter, wenn der Jordan nach Regenfällen etwas mehr Wasser führe, sähe sie besser aus, sagt unser Führer. „Im Hochsommer trocknet sie aber auch schon mal ganz aus.“ Nun ja. Es gibt allerdings auch sonst viel zu sehen. Die Gegend ist aktuell die größte Ausgrabungsstätte in Jordanien, täglich kommen neue Relikte vergangener Zeiten an die Oberfläche. Sehr unpassend in diesem Zusammenhang die nur einen Steinwurf entfernte israelische Seite. Dort wurde ein Betonklotz hingesetzt, der eine Mischung aus Besucherzentrum und Protzbau ist. Touristen sind allerdings keine zu sehen.
Von Bethanien geht es anschließend nach Madaba. Die Stadt ist bereits in der Bibel erwähnt, heute ein Ort mit rund 70.000 Einwohnern. Unser Ziel ist die griechisch-orthodoxe St. Georgskirche. In ihr befindet sich ein Bodenmosaik aus dem 6. Jahrhundert. Es ist die älteste erhaltene Karte des Heiligen Landes. Der Rest der Kirche ist wenig attraktiv und außerdem ist jetzt eh Zeit zum Mittagessen. Wir gehen ins Restaurant Haret Jdoudna, was sowie heißt wie Viertel unserer Großväter. Es ist die Adresse für den Mittagsstopp in Madaba. In dem lauschigen Innenhof könnten wir stundenlang verweilen, brechen aber nach dem leckeren Essen wieder auf. Für die Rückfahrt zum Toten Meer wählen wir die Strecke über den Mount Nebo. Nach der Überlieferung stand Moses einst hier, um über das Heilige Land blicken zu dürfen. Bevor er es aber auch betreten konnte, musste er sterben. Auch wir blicken in das Jordantal, das Tote Meer und hinüber nach Israel. Auf dem Berg findet sich zudem eine Kirche und ein Franziskaner-Kloster, das aktuell neu erbaut wird. Die Stahlkonstruktion will nicht so recht in das historische Ambiente passen, aber wenn die Verkleidung angebracht ist, stimmt’s bestimmt wieder. Für die Fahrt vom Berg hinab zum Toten Meer empfiehlt sich noch ein kleines Experiment. Eine mindestens halbleere Plastikwasserflasche auf dem Berg fest zuschrauben und auf der Fahrt hinunter nicht öffnen. Unten angekommen sieht sie ziemlich zerknautscht aus – praktische Physik, wenn man in 30 Minuten von plus auf minus 400 Meter fährt ...
Es bleibt ein letzter Tag am Toten Meer, bevor es am nächsten Morgen schon um sechs Uhr Richtung Flughafen geht. Eine Stunde Fahrt, intensive Gepäckkontrolle am Flughafen und dann der reibungslose Flug zurück nach Frankfurt. Zehn Tage sind vorbei – und alle haben es genossen. Vielleicht haben wir auch bisschen am schiefen Weltbild vom Nahen Osten geschraubt. Das einzige Manko fand mein Vater jedenfalls erst viel später: Die zahlreichen Ansichtskarten, die er geschrieben hat, kamen erst jetzt, 14 Tage später, an.



toma (nicht überprüft) sagte vor 1 Jahr 9 Wochen:
ein sehr detaillierter und gut geschriebener Bericht,
aber warum so knochentrocken?
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jessica harazim sagte vor 1 Jahr 37 Wochen:
Na, da machen ja die Kommentare genauso viel Lust auf Jordanien wie die Reportage - danke für die Infos!
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peter (nicht überprüft) sagte vor 1 Jahr 37 Wochen:
Jordanien ist ein für Individualreisende sehr einfach zu bereisendes Land. Die meisten Jordanier sprechen recht gut englisch - für eine kurze Konversation reicht es allemal. Die Jordanier sind überaus freundlich und sehr hilfbereit. Bleibt man etwa mit seinem Reiseführer an einer Straßenecke etwas hilflos stehen, wird man garantiert angesprochen, ob man Hilfe benötigt. Dabei sind die Jordanier absolut nicht aufdringlich, wie man es aus anderen arabischen Ländern gewohnt sein mag. Sehr häufig wird man freundlich auf der Straße begrüßt und gefragt, wo man denn herkommt. Meist endet das Gespräch dann mit einem freundlichen "Welcome to Jordan!"
Die Busverbindungen in Jordanien sind recht gut, zumindest was die Verbindungen zwischen den Städten und den Hauptsehenswürdigkeiten angeht. In Amman gibt es mehrere Busbahnhöfe, je nachdem, wo man hinfahren möchte. Vom Wahadat Terminal z..B. fahren ständig Minibusse nach Petra und Richtung Süden ab. Dort läßt man sich am besten mit dem Taxi hinbringen, da es etwas außerhalb der Stadt liegt. Den Taxipreis entweder vorher aushandeln oder aber bei innerstädtischen Fahrten darauf achten, dass das Taxameter angestellt ist! Taxifahren ist nicht teuer und es ist in jedem Fall einfacher, als herauszufinden, wo und wie die innerstädtischen Busse oder Service Taxis fahren, zumal diese nur in arabisch beschriftet sind. Man läßt sich also einfach zu dem Busterminal bringen und wird meist auch schon vor dem richtigen Bus abgesetzt. Der fährt dann irgendwann los, wenn genug Gäste da sind. Das hat nie lange gedauert.
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sebastian (nicht überprüft) sagte vor 1 Jahr 37 Wochen:
Ich war vor gut zwei wochen in Jordanien richtig schoen (= nette menschen die jordanische kueche schmeckt sehr gut traumhaftes land die stadt Amman modern aqaba sehr schoene straende traumhaft super hotels super personal mach ab jetzt nur noch in jordanien urlaub tausend eine nacht traumhaft
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anuschka_dresel sagte vor 1 Jahr 49 Wochen:
eine wirklich schöne reportage mit guten fotos. ein fall für die print-ausgabe, oder?
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peter_pfaender sagte vor 1 Jahr 49 Wochen:
Alle praktischen Infos wie aktuelles Wetter, Infoadressen, Nebenkosten, geprüfte Unterkünfte & mehr findet Ihr in unserem Online-Reiseführer http://www.abenteuer-reisen.de/reiseziel/jordanien/tipp/406
Sechs Reisereportagen und Features über das Reiseziel Jordanien gibt es hier: www.abenteuer-reisen.de/reiseziel/jordanien
Ahlan wa sahlan!
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Markus Manwald (nicht überprüft) sagte vor 1 Jahr 49 Wochen:
Klasse Bericht, der sich in seiner Professionalität und durch die guten Fotos von der Masse der hier publizierten Aufsätze angenehm absetzt!
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ceggis sagte vor 1 Jahr 49 Wochen:
Aqaba kenne ich leider nicht, habe allerdings gehört, dass man da prima tauchen kann und tolle Sicht hat. Hier erfährst Du sicher mehr: http://www.tripadvisor.de/Attractions-g298101-Activities-Aqaba.html
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MOE (nicht überprüft) sagte vor 1 Jahr 49 Wochen:
...vielen Dank für den authentischen Bericht. Ich fliege nächste Woche nach Jordanien und freue mich nun noch mehr auf kommende Erlebnisse und werde sicherlich den ein oder anderen Restauranttip beherzigen. :)
Seid Ihr auch in Aqaba gewesen? Benötige noch einige Tauchtipps...
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