Zu Fuss unterwegs in den Alpujarras - Andalusien!
Ich wandere gern und ich wandere viel. Und da ich viel Zeit in Andalusien verbringe,
erkunde ich mit Vorliebe gern die Gegend da unten. Andalusien mit seinem reichen
kulturgeschichtlichen Hintergrund und seinen vielfältigen Landschaften ist ein wahres
Eldorado für Wanderer. Auf der Suche nach Ursprünglichkeit entdeckte ich vor einigen Jahren
die Alpujarras, Südausläufer der Sierra Nevada in der Provinz Granada und Almeria.
Bekannt sind die Alpujarras für ihre maurische Vergangenheit, ihre wilden Täler und ihre, quasi am
Berg, hängenden weißen Dörfer. Es gibt eine enorme Anzahl an Pflanzenarten und durch ihre Höhenlage von circa 1000 m
wird es im Sommer nicht so heiß, wie in den Küstenregionen und durch ihre Südhanglage wird es im Winter wiederum
nicht so kalt, wie man vielleicht vermuten würde.
Ich mache einen Kompromiss und wähle als Reisezeit den November, wenn es in Deutschland schon
recht ungemütlich werden kann. Ich erhoffe mir bei Temperaturen um die 20 Grad in kurzer
Hose durch die Berge ziehen zu können. Inzwischen bin ich schon oft auch im Frühjahr in den Alpujarras wandern gewesen
und war vom Klima angenehm überrascht, sowie von der Vielzahl an Blumen und der Farbintensität der
Mandel,-Kastanien,- und Apfelblüten.
Ich beschließe mir eine Woche Zeit zu nehmen und die Alpujarras von Ost nach West zu durchqueren.
Da das Kartenmaterial in Spanien nicht das beste ist, an brauchbare Informationen über Unterkünfte,
Zustand der Wanderwege, Busverbindungen und Taxis nur schwer ran zu kommen ist, richte ich mich auf
eine Woche mit viel Improvisation und Vertrauen meinerseits ein.
Mit dem Mietauto steuere ich den östlichsten Punkt meiner Wanderung an und beschließe es dort
in einem kleinen Dorf stehen zu lassen und los zu wandern.
Der Fernwanderweg E4 bzw. der GR 7 durchquert teilweise die Alpujarras und ich habe diesen Weg
als Ausgangspunkt gewählt. Da die bekannteren Wege aber oftmals von marketingorientierten Tourismusverbänden
festgelegt wurden, um ahnungslose Wanderer an bestimmte Punkte vorbei zu geleiten, vermute ich, dass ich sicherlich
versuchen werde alternative Routen zu finden. An Gepäck habe ich nur das nötigste dabei. Ein warmer Pullover, Regenjacke,
Zahnbürste und etwas Wäsche zum wechseln muss genügen. So wiegt mein Rucksack gerade mal 7 kg. Das ist nicht viel, wenn
man eine knappe Woche unterwegs sein will, aber die Erfahrung hat gezeigt, dass es völlig ausreichend war, zumal es sehr viele Quellen und Brunnen gibt, aus denen man bedenkenlos trinken kann.
Da durch die dreistündige Anfahrt von meinem Aufenthaltsort an der Küste der halbe Tag schon weg ist, werde ich
am ersten Tag nicht mehr als vier Stunden wandern können. Glücklicherweise gibt es in dieser Gegend der Alpujarras einige
Dörfer mit kleinen Bars und in manchen gibt es auch eine Pension oder ein Hotel.
Wie immer, nach den ersten Schritten einer Wanderung, fühle ich auch diesmal wie vieles von dem, was an üblichen Gedanken so herum kreist, von mir abfällt und ich die Vergangenheit ruhen lassen kann. Zu stark sind die ersten Eindrücke, wie das Licht, welches ich in dieser Form nirgendwo anders so gesehen habe, die Gerüche nach Ziege, Thymian und Lavendel, sowie die unglaubliche Weite und Stille, welche mich umfängt. Es ist oftmals dieses Lebensgefühl von Leichtigkeit, Entdeckerlust und die Freude am eigenen Körper, welches mich immer wieder los ziehen lässt und immer noch stärker ist, als mein Hang zur Bequemlichkeit und zum Gewohnten.
Gegen frühen Abend finde ich ein spanisch geführtes Hotel und bin tatsächlich der einzige Gast. Ich gebe mich dem Kaninchenbraten und dem Vino Tinto hin, um bald darauf schlafen zu gehen.
Am nächsten Morgen bin ich, entgegen meiner Gewohnheit, früh wach und bin wieder einmal überwältigt von der Schönheit und Weite dieser Landschaft. Nach einem Cafesito kaufe ich noch etwas Brot und Käse und ziehe dann los. Es geht erstmal abwärts. Das Landschaftsbild wechselt. Sanfte Täler, durch welche Bäche sich durchschlängeln, verlassene Cortijos und teilweise bewirtschaftete Parzellen auf denen Paprika, Tomaten, Kürbisse, Kartoffeln und Olivenbäume wachsen, vervollkommnen das Bild dieser andalusischen Kulturlandschaft. Ab und zu begegnet mir ein Muli, hin und wieder ein streunender Hund. Andere Wanderer begegnen mir gar nicht, nur ab und zu ein andalusischer Bauer, mit denen ich meistens ein paar Worte über das Wetter oder die Ernte wechsle. Noch immer trägt mich dieses Gefühl, wie von einem Zauber umgeben zu sein, durch welches diese magisch wirkende Landschaft ihren Teil dazu beiträgt.
Ich lasse mir Zeit beim laufen, mache öfters Pausen, um den Vögeln zu zuhören oder auch um unter einen Olivenbaum ein zu schlafen.
Gegen Abend finde ich ein englisch geführtes Hotel und lasse den Tag am Kamin sitzend und Karten studierend ausklingen.
Wenn ich den Weg, wie er auf der Karte eingezeichnet ist, weiter gehen würde, brächte er mich zu einem hoch gelegenen Dorf der Alpujarras. Ich kenne dieses Dorf von früher. Es ist ein wenig touristisch und die Leute haben dort, wie überall wo zuviel Tourismus herrscht, den harten Blick, wie ich es nenne. So beschließe ich, eine andere Route zu gehen und mich überraschen zu lassen.
Wieder wechselt das Landschaftsbild. Steineichen, Kastanienbäume, Ginster und Orangenbäume um mich herum. Und natürlich Olivenbäume. Die alten Hirtenpfade sind nicht mehr so oft begangen, dafür sieht man öfters wilde Bergziegen und Eidechsen.
Am Abend komme ich dann doch etwas erschöpft in einem kleinen Dorf an und zu meiner Enttäuschung gibt es keine Pension und auch keine Bar, in der man etwas zu essen bekommen kann. Weiter schaffe ich nicht mehr zu gehen und so frage ich die Einheimischen, ob sie eine Idee hätten. Oh, Wunder,-kurz darauf wird mir eine sehr schöne Privatunterkunft und eine warme Mahlzeit angeboten. Und wieder denke ich einmal, wie gnädig doch das Schicksal ist. Gegen neun Uhr bin ich schon bettbereit und gleich darauf auch schon eingeschlafen.
Der nächste Tag bringt mir eine lange Tour, welche ich aber auf keinen Fall missen möchte. Viele Aussteiger und Residenten leben in den Alpujarras und überall begegnet man ihrem Wirken in Form von offenen Ateliers, besonderen Cafes und Bars oder auch ihrem Sinn für besondere Bauweisen. Tatsächlich finde ich in einem Dorf mit vielleicht 30 dort wohnenden Seelen am Abend ein Flamenco-Gitarrenkonzert. Die Atmosphäre ist urig und ich beschließe ohne Zögern, mir das einzige Hotel, welches zwar relativ teuer, dafür exklusiv ist, zu leisten. Der letzte Tag bringt mir noch eine sehr schöne Tour mit einem rasanten Auf-und Abstieg und das einzige Busunternehmen, welches ab und zu da mal fährt, zurück zu meinem Auto. Geschafft, aber glücklich trete ich den Weg zur Küste an.
Ich biete für Interessenten ein,- bis zweimal im Jahr diese beschriebene Tour an. Die Gruppengröße bewegt sich zwischen vier und sechs Leute. Bei Interesse könnt Ihr gern mit mir Kontakt aufnehmen oder auch auf meine Website: www.adventurespirit.de drauf schauen.




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