Leser-Reportagen
Curros y Porros - Barajas bei Madrid, Spanien
Im Nachhinein gesehen hat die wegen des Schneechaos’ in Amsterdam – es hatte Mitte Dezember dort tatsächlich geschneit – bedingte Umleitung mit Zwischenlandung in Madrid den kommenden Aufenthalt in Havanna bereits skizziert, was damals aber niemand wissen konnte.
Da das von KLM versprochene Hotelzimmer in Madrid nicht gebucht worden war hat uns die nette Dame am Iberia Schalter – der KLM Schalter war um halb 12 Uhr nachts schon geschlossen – ein Zimmer in Barajas vermittelt, dem Ort direkt am Flughafen. Das Hotel war das, was man gemeinhin als eine Absteige bezeichnen würde, ein Neubau für gestrandete Flugreisende, die niemals wieder hier übernachten würden, und irgendwie persönlich verbunden mit der netten Dame vom Iberia Schalter, jedenfalls konnte man sehen, wie sie dort ohne sich zu schämen ein und aus ging. Das Zimmer war auch außerordentlich hässlich, was man aber sobald das Licht ausgeschaltet ist und die Augen geschlossen sind, nicht mehr sehen würde. Im Zimmer hatte es etwa 30 Grad.
Wir baten an der Rezeption, die Heizung kleiner zu stellen, aber der Mann dort legte seine Stirn in Falten und sagte, das ginge leider nicht, die Heizung sei nur zentral zu regeln und wenn er sie runterdrehen würde könnte es sein, dass woanders im Haus dann jemand friere. Er empfahl uns, doch nachts einfach alle Fenster zu öffnen. Dann gingen wir ‚in den Ort’, also auf den einen Block entfernten Stadtplatz, in eines der Lokale, in denen die Spanier gerade beim Essen waren, es war jetzt etwa halb ein Uhr nachts, Abendessenszeit in Spanien, und tranken an der Bar zum späteren besseren Einschlafen Cognac. Das klappte dann auch ganz gut, in Spanien ist es nicht üblich, den Cognac anhand von Eichstrichen zu bemessen.
Draußen hatte es etwa minus 5 Grad, im Zimmer dann noch immer 30 Grad, alle Fenster wurden wie empfohlen geöffnet, aber plus 30 Grad und minus 5 Grad ergeben keineswegs angenehme 15 Grad, wie man denken könnte, sondern weiterhin plus 30 Grad und minus 5 Grad, gleichzeitig, das war aber dann auch schon egal.
Am nächsten Morgen sind wir dann wieder ‚in den Ort’ gegangen zum Frühstücken, in eines der Frühstückslokale, in das die Bajaranser strömten, weil, when your in Rome, act like the romans. Es gab nur Kaffee und wahlweise Churros und Porros, in Fett ausgebackenes salziges Spritzgebäck, das in den süßen Kaffee getunkt wird. Churros sind dünn und lang, Porros kürzer und dicker, was dem Magen aber ziemlich egal ist, er riet, das mit dem act like the barajans besser nicht zu übertreiben.
Danach nach Havanna wundersamerweise erster Klasse geflogen, wahrscheinlich war bei der Umbuchung durch KLM die Touristenklasse ausgebucht gewesen, und haben festgestellt, dass reich besser ist als arm, das werden diejenigen, die immer sagen, Geld – mir doch egal - vielleicht noch nicht beim Autokauf, da ist es tatsächlich nicht so wichtig, aber spätestens dann merken, wenn sie ein Pflegefall werden oder langstreckenfliegen. Viel Zeit verging mit gutem Essen, bequemen Schlafen und mit Lesen, und dann blieb trotzdem aber immer noch Zeit zum Warten auf die Landung in Havanna. ‚Erst wartete ich langsam, dann immer schneller’ hat Karl Valentin bereits 1935, als er zur Kommunion des kleinen Fidel nach Havanna geflogen war, hinterher seinen Flug einer staunenden Zuhörerschaft beschrieben.



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