Lima - Die ersten Eindrücke
Es ist schon wieder etwas länger her, aber ich kann mich nocht gut erinnern ....
Lima Airport, Freitag Abend, ca. 22 Uhr Ortszeit. Ich bin tierisch müde nach dem lange Flug, etwas ängstlich, da ich allein reise, aber gleichzeitig auch ziemlich aufgeregt, weil ich endlich in meinem Traumland bin.
Es steht tatsächlich ein Taxifahrer mit meinem Namenschild da, um mich in mein Hotel nach Miraflores zu bringen. Die erste Hürde ist also genommen, auf der Fahrt durch den Moloch Lima klärt mich der Fahrer über die klimatischen Bedingungen Limas auf (oft neblig), die Gefahren des Taxifahrens – Taxi immer vom Hotel bestellen lassen und nicht einfach in das nächstbeste Taxi einsteigen, auch nicht in ein registriertes Taxi! - und vieles mehr. Am meisten staune ich über die deutschen Fachwerkhäuser an denen wir vorbeifahren und denke kurz, dass ich nicht in Lima sondern in einem Traum gelandet bin. Kurze Nachfrage beim Taxifahrer und ich weiß einiges mehr über die europäische, insbesondere deutsche Einwanderung nach Peru. Irgendwann bin ich im Hotel, schaue erschöpft auf das Getose der Avenida unter mir und versuche auch geistig hier anzukommen. Da ruft die Rezeption an und teilt mir mit, dass ich Besuch habe?! Irritiert begebe ich mich nach unten und das Rätsel klärt sich auf. Es ist die Familie von Juan, der mir ein Geschenk für seine Mutter mitgegeben hat. Ich kenne eigentlich Juan so gut wie gar nicht, aber für eine Kontaktadresse in Lima, hätte ich auch einen ganzen Sack von Geschenken mitgenommen. Der Deal funktioniert wunderbar, die Mutter ist überglücklich wieder mal etwas von Ihrem Sohn zu hören und nachdem ich es gerade noch verhindern kann, dass die Familie mich gleich auf eine abendliche Tour mitnimmt, sind wir für den nächsten Abend verabredet.
Nach einem gemütlichen Frühstück wage ich mich dann am nächsten Morgen auf die Straße. Miraflores soll ein sehr sicheres Viertel sein, trotzdem lasse ich alle Wertsachen im Hotel und nehme nur ganz wenig Geld mit, für den Fall des Falles. Um nicht wie ein verlorener Touri zu wirken, habe ich mir den Weg zu meinem ersten Ziel gut eingeprägt. Das ist Larco Mar, ein Einkaufszentrum an der Küste. Auf dem Weg dorthin entdecke ich allerlei, unter anderem eine riesige Ausgrabungsstätte einer Pyramide, die vor tausenden vor Jahren aus Lehmziegeln erbaut wurde. Mitten in dieser riesigen Stadt!! Kaum beginne ich mich langsam sicherer auf den Straßen von Miraflores zu fühlen, entdecke ich, dass hier zur Zeit an den verschiedensten Orten hochkarätige Fotoausstellungen stattfinden. Neben klassischen Porträtfotos aus dem letzten Jahrhundert sind Fotos zu sehen, die das Leiden der Bevölkerung zu Zeiten des Sendero Luminoso zeigen, aber auch ganz aktuelle, die Toledo, den ersten Präsidenten indigener Abstammung zeigen. Ich bin überrascht über die Vielfalt und die Qualität des künstlerischen Schaffens, habe ich doch bei Peru nur an die Kultur der Inkas gedacht und nicht an zeitgenössische Kunst.
So vergeht der erste Tag mit allerlei Entdeckungen, bis mich Abends die Familie von Juan abholt und in ein Restaurant irgendwo an der Küste ausführt. Hier gibt es gutes Essen, Tanzvorführungen, wie zum Beispiel die klassische Marinera, eine wunderschöner Tanz, der das spanische Erbe Perus zeigt. Aber natürlich tanzen wir auch selber und zwar alle zusammen, da gibt es niemand der allein am Tisch zurückbleibt. Allein ist man hier eh nie, aber da man einfach wie selbstverständlich in die Gruppe aufgenommen wird und auch keine großen Fragen gestellt werden, ist das eine herrlich entspannte Sache. So entspannt wie dieser Abend ist auch der nächste Tag, den ich in Begleitung der Familie verbringe.
Nach dem Frühstück werde ich abgeholt und los geht es zu Pachamanca oder so ähnlich. Ich habe es nicht so ganz verstanden, aber ich denk mir, dass muss diese Ausgrabungsstätte außerhalb Limas sein, die so ähnlich heißt. Nachdem wir irgendeine Tante in ihrer besten Sontagskleidung abgeholt haben, noch ein paar Zwischenstops bei irgendwelchen Bekannten eingelegt haben, schwant mir langsam, dass ich mich wohl geirrt habe. Am Ende dieser längeren Tour durch Lima landet dann die ganze Gruppe - inzwischen sind wir zu fünft – endgültig bei …. Ich weiß es nicht, es muss wohl irgendeine Verwandte sein, bei der wir nun im Hinterhof an einem langen Tisch sitzen. Und jetzt stellt sich auch heraus, was Pachamanca ist - oder wie immer das heißt. Es ist ein typisch peruanisches Essen mit Kartoffeln und viel, viel Fleisch. Als guter Deutscher fängt man ja mit dem gemeinsamen Essen an, wenn der Tisch gedeckt ist und alles Gäste da sind. Aber das ist hier ehr wie ein Grill. Nachdem wir uns unsere Getränke beim Kiosk nebenan geholt haben, fangen wir schon mal an zu essen. Laufend werden wir unterbrochen von Gästen, die dann jeden einzelnen der am Tisch Annwesenden ausführlich begrüßen – und der Tisch ist sehr lang! Das mich eigentlich keiner kennt, stört niemanden. Ein kurzes „Sie kennt Juan“ langt völlig und mit einem „Ey, que bien – Ach, wie schön“ werde ich geherzt und gedrückt. Das Ganze ist wirklich sehr unterhaltsam, es wird viel gelacht, ständig ist irgendetwas los, kommt jemand, geht jemand, wird etwas herein-/herausgebracht, wird irgendetwas lautstark kommentiert. Als wir dann nach einiger Zeit fertig sind mit unserem Essen und gehen wollen, fängt wiederum ein ausführliches Verabschiedungsprozedere an. Auch wir machen die lange Runde um den ganzen Tisch herum und sowie bei der Begrüßung, werden auch jetzt wieder ein paar Wort und Küsschen ausgetauscht. Inzwischen ist es schon später Nachmittag und ich kann eigentlich immer noch nicht ganz fassen, was ich in diesen zwei Tagen schon alles an Eindrücken gesammelt habe und wie unmittelbar ich in einer für mich so fremden Welt gelandet bin. Deshalb bin ich auf froh, dass wir nur noch kurz auf ein Schulfest gehen, auf dem Kinder verschiedene peruanische Tänze in traditionellen Kostümen aufführen. Am frühen Abend setzt mich die Familie dann wieder im Hotel ab und ich bin ehrlich gesagt froh, mich in mein Hotelzimmer zurückziehen zu können und keinen weiteren Eindrücken mehr ausgesetzt zu sein.
Aber die Verabredung für den nächsten Tag habe ich schon wieder in der Tasche. Da wird mich ein Bekannter der Familie abholen und mich durch die Innenstadt von Lima führen, um mir „seine“ Stadt zu zeigen. Auch das verspricht ein besonderes Ereignis zu werden.



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