Flotte Macchiato!
Nach der Taufe in Dubai kreuzte das neueste Costa-Schiff im Arabischen Golf und Roten Meer. Diesen Sommer pflügt die „Costa Deliziosa“ durch Nord-
und Ostsee, Ende 2011 geht sie auf Weltreise. Redakteur Peter Pfänder war im Februar bei der ersten Fahrt überhaupt mit an Bord, von Venedig bis Neapel.
Links Glaskunst. Rechts Designermöbel, darauf schlanke Italienerinnen, die Designer-Laptops auf spitzen Knien balancieren. Schwere Parfums, ein Schuss Acqua di Parma, ein Hauch von Rauch (vorn rechts, vor dem Casino, darf geraucht werden) und Caffè-Duft hängen in der Luft. Durchs Gedränge zur Bar im Atrium. Große Espressomaschine, vor der kleine Asiaten – „Buon giorno!“ – geschäftig hin und her rennen. Aber das mit dem Caffè doppio, das geht fix.
Also, made in Italy ist bis jetzt vieles an Bord. Die Kunst (darunter Hunderte Originale), extravagante Ledermöbel, LED-Leuchten, Glaskunstwerke und Mosaiken an den Wänden, der Caffè sowieso (sonst würde er nicht schmecken). Den Offizieren, die ständig durchs Atrium schreiten, kann bedenkenlos das D.O.C.-Siegel für sortenreine Herkunft aus Italien ans Revers gestempelt werden. Das Servicepersonal hat seine Wurzeln zwischen Manila, Jakarta und Karachi, spricht aber besser Italienisch als ich.
„Der hohe Anteil an italienischen Gästen garantiert Qualität und Authentizität beim Essen. Wäre das anders, würden wir die Italiener, die 40 bis 45 % der Gäste stellen, sofort verlieren“, weiß Heiko Jensen von Costa Kreuzfahrten Deutschland. „Costa-Schiffe sind Italien ohne den Stress, den man üblicherweise mit den Italienern hat“ – dieser Spruch wird aus den Gängen der Reederei kolportiert.
Der Weg zum Lunch führt mitten durch Joe Farcus’ „Eclectic Design“. So nennt der international erfolgreiche Schiffsarchitekt und -designer aus Miami beim Pressegespräch seinen Stil. „Wenn man das Schiff betritt, soll man sich sofort in einer anderen Welt fühlen. Die Gäste können das Meer spüren und sehen, die Bewegung erleben. Angesichts einer sehr heterogenen Gästeschar haben wir mit vielen Farben, Materialien und Oberflächen eine Vielfalt geschaffen, die alle Sinne anspricht.“
Die „Deliziosa“ ist zwar schon eine schwimmende Stadt, aber „sie fühlt sich noch wie ein Schiff an“, so Farcus, dem bei der „Grand Bar Mirabilis“ der Designergriffel in Richtung Volkspalast-Ästhetik abgeglitten ist.
Im schrill-retrogestylten Restaurant „Albatros“ kommt mit Blick auf die gewaltige Heckwelle Italia-Feeling auf. Bei Spaghetti di grano duro alle vongole veraci mit Broccolisoße und bei Fritto misto: Der Fisch ist zart und saftig und nicht verkocht, die Calamari sind weich und die Garnelen aromatisch.
Auch die Italiener und Franzosen an meinem Tisch schmatzen zufrieden brummend. Die Käseplatte lockt mit Toma Piemontese und Stracchino (= Gorgonzola), und zum Abschluss rät mir mein malaysischer Kellner zum „Cappuccino in stil novo“. Der Bardolino wie der Bianco di Custoza DOC Pasqua waren süffig und kamen, das hat Stil, wie das Wasser in Flaschen auf den Tisch. Summa summarum steckt da viel Italien drin.
