X-Reisen: Buchen in Eigenregie

Flug, Hotel und Mietwagen aus dem Web selbst zu einem preiswerten Paket kombinieren: dank X-Veranstalter ist das mit wenigen Klicks möglich. Worauf Sie achten sollten.
Wunschairline, Wunschhotel, Wunschmietwagen – und das alles auch noch zum Wunschtermin: Wer freut sich nicht über eine individuell zusammengestellte Pauschalreise? Sogenannte dynamisch paketierte Reisen oder „X-Reisen“ – „x“ deshalb, weil in den Buchungscomputern vor dem Veranstalternamen meist ein X steht – machen es möglich. Ihre Anbieter heißen XTUI, XFTI oder XDER. Und: Der Anteil von dynamisch produzierten Reisen am Gesamtmarkt wächst kontinuierlich.
Ableger großer Veranstalter
Wie eine Untersuchung des IT-Anbieters Traveltainment (etwa 80 % Marktanteil am Reisevertrieb allgemein) ergibt, der mehr als 11.000 Reisebüros in Deutschland mit seiner Buchungssoftware "Bistro" ausstattet, werden inzwischen knapp 6 % aller Veranstalterreisen auf diese Art zusammengestellt. Der Anteil der über die Internet-Buchungsmaschinen von Traveltainment gebuchten X-Reisen beträgt bereits 35 %. Auch die Wettbewerber Traffics und Travel-IT (zusammen etwa 20 % Marktanteil) berichten von starkem Wachstum. Und laut Gesellschaft für Konsumforschung GfK ist bereits jede 20. Reise dynamisch paketiert. Meist sind es die Ableger großer Reisekonzerne wie TUI, FTI oder Dertour, die X-Reisen anbieten. Es gibt aber auch reine Dynamic-Packaging-Spezialisten wie JT Touristik, Vtours, LMX und Urlaubtours.
Paket zum Tagespreis
Die Reisen findet man über die gewöhnliche Suche bei den großen Reiseportalen wie Expedia.de, Opodo.de, Travelchannel.de, Weg.de und auf den Webseiten der Veranstalter. Allen gemeinsam ist: Im Gegensatz zur klassischen Pauschalreise paketieren die X-Veranstalter erst im Moment der Buchungsanfrage zum tagesaktuellen Preis Leistungen wie Flug, Hotel, Mietwagen und Transfers von verschiedenen Anbietern zu einem Gesamtpaket.
Bei der Buchung merkt der Kunde zunächst einmal nichts von der Dynamik der Paketierung. Die Reisen werden gleichrangig neben den normalen Angeboten in der Ergebnisliste aufgeführt. Dort erkennt man sie dann aber dann am X vor dem Veranstalternamen (siehe Tabelle).
Über 100 Fuggesellschaften im Angebot
Der Vorteil der X-Angebote liegt auf der Hand: Der Computer reagiert in Sekundenschnelle auf Kundenwünsche, die ein Reisekatalog nicht bedienen kann. Während eine Pauschalreise nur als Gesamtpaket zu einem Festpreis erhältlich ist, können die Reisebausteine individuell nach den persönlichen Bedürfnissen kombiniert werden. Auch die klassischen 7- oder 14-Tage-Reisen der Kataloge gehören der Vergangenheit an, die Dauer kann beliebig variieren. Der Verbraucher hat zudem eine viel größere Auswahl an Abflughäfen, Airlines und Hotels – die Kombinationsmöglichkeiten sind ungeahnt. So bieten die Systeme der X-Veranstalter weit mehr als 100 Fluggesellschaften an.
Lieblingshotel plus Billigflug
Bei Reisen, die lange im Voraus gebucht werden, lässt sich so problemlos das Lieblingshotel mit einem Billigflug verbinden. Und im Last-Minute-Bereich, wenn die Katalogangebote längst ausverkauft sind, gibt es bei den X-Veranstaltern immer noch große Auswahl. Denn ist der normale Ferienflieger ausgebucht, dann wird die Pauschalreise eben mit einem Billigflieger oder einem Linienflug geschnürt.
Alles aus einer Hand
Dynamic Packaging hat noch einen weiteren Vorteil: Der Kunde muss sich nicht auf verschiedenen Internetseiten seinen Wunschurlaub zusammenstellen, sondern bucht die Reisebausteine von ein und demselben Anbieter. „X-Reisen liegen im Trend, denn immer mehr Reisende wünschen sich heute Flexibilität und gleichzeitig die Sicherheit einer Pauschalreise“, sagt Jasmin Taylor. Sie muss es wissen, denn ihr erst vor drei Jahren gegründetes Unternehmen JT Touristik hat sich auf dynamisch zusammengestellte Reisen spezialisiert. Mittlerweile bietet Taylor fast 120 Destinationen weltweit an und macht 100 Mio. € Umsatz im Jahr.
Sicherheiten wie bei Pauschalreise
Für X-Veranstalter spricht auch die Sicherheit, die eine Veranstalterreise bietet. Denn trotz mehrerer Einzelbausteine bucht der Kunde bei den X-Veranstaltern reiserechtlich eine Pauschalreise. Erbringer der Reiseleistungen ist ein einziger Reiseveranstalter zu einem Gesamtpreis. Und das bedeutet, dass der Kunde die gleichen Rechte genießt wie bei einer Pauschalreise.
Das ist z. B. bei Flugausfällen wie während der Vulkanaschewolke, Unruhen wie denen in Ägypten und Tunesien oder auch nur bei einer ganz einfachen Flugzeitenverschiebung von großem Vorteil, weil der Veranstalter seine Gäste vom Urlaubsort zurückholt oder sie über die Flugplanänderung informiert. Allerdings gilt das Pauschalreiserecht nur in dem Fall, dass alle Leistungen zusammen auf einer Rechnung stehen. Darauf sollte man als X-Bucher also auf jeden Fall achten.
Preise schwanken erheblich
Doch X-Reisen bergen auch Tücken. Da dynamisch zusammengestellte Reisen zu tagesaktuellen Preisen verkauft werden und sich Sonderofferten von Fluglinien oft mit den Sonderangeboten von Hotels kombinieren lassen, kann man schon mal ein Schnäppchen machen. Grundsätzlich muss man sagen: Die Preise schwanken stärker als bei normalen Reisen. Und das kann auch mal nach oben sein, denn sobald Fluggesellschaften und Hotels verstärkte Nachfrage für einen Termin bemerken, erhöhen sie die Preise.
Häufig fehlen Transfers
Und einen weiteren Haken hat das Dynamic Packaging: X-Reisen sind häufig nicht so komplett wie klassische Pauschalreisen. Bei einigen Reisen ist z. B. den Transfer vom Flughafen zum Hotel nicht mit eingeschlossen. Laut Traveltainment, Dienstleister großer Online-Portale, bieten derzeit etwa 20 % der dynamisch paketierten Reisen keinen Transfer an. Meist ist das bei Städtereisen der Fall. In solchen Fällen muss der Urlauber sich selbst darum kümmern, wie er zum Hotel und später wieder zurück zum Flughafen kommt. Das kann dann deutlich teurer werden als die Ersparnis bei der Buchung ohne Transfer.
Angebote ändern sich ständig
Auch an anderer Stelle sollte man bei X-Angeboten aufpassen. Denn: Wo es keinen Katalog gibt, da wird es im Streitfall schwer nachzuweisen sein, welches konkrete Angebot überhaupt gebucht wurde. Urlauber berichten von fehlender Reiseleitung und fehlenden Transfers, die bei der Buchung angeblich noch da waren, und von Schnäppchenreisen, bei denen sich der Reisepreis sogar während des Buchungsvorgangs nach oben änderte.
Die Foren im Internet sind voll von solchen Klagen. Eine Testbuchung bei Expedia für einen 7-täg. Urlaub in Sharm el-Sheikh in Ägypten im Januar kostete über Urlaubstours in der Ergebnisliste noch 744 €, vor Buchungsabschluss dann aber ohne ersichtlichen Grund 778 €, also fast 40 € mehr. Wer Ärger vermeiden will, der sollte die Angaben im Buchungsformular vor dem Absenden (und später entsprechend auf der Bestätigungsseite) genau prüfen – und im Zweifelsfall sofort über die Hotline des Veranstalters Einspruch einlegen.
Keine einheitlichen Hotelstandards
Große Unterschiede gibt es übrigens bei den Hotelstandards: Während Anbieter wie XTUI, XNEC und X-Alltours gewohnte Hotelstandards mit ausführlichen Hotelbeschreibungen anbieten, ist das bei vielen kleineren X-Veranstaltern nicht so. Einige Anbieter werfen kurzfristig auch Hotels auf den Markt, die ursprünglich skandinavischen, britischen oder russischen Gästen angeboten wurden.
Hohe Anzahlungen, teure Stornos
Ein weiteres Ärgernis bei X-Reisen sind die hohen Anzahlungen von bis zu 40 %. Da X-Reisen oft sehr kurzfristig gebucht werden, sind auch die Stornogebühren z. T. horrend. Zwar gehen immer mehr Veranstalter auf ihre Kunden zu. So werden Buchungen, deren Stornierung am Buchungstag bis 20 Uhr eingeht, z. B. bei JT Touristik kostenfrei storniert. Die Kosten für eine Stornierung danach sind jedoch immer noch ziemlich hoch: Bei einer Reiseabsage bis zum 30. Tag vor Reisebeginn werden bei JT Touristik 35 % des Reisepreises fällig, ab dem 6. Tag bis zum 3. Tag 85 % und ab dem 2. Tag vor Reiseantritt sogar 95 %. Immerhin: Die Rewe Touristik verlangt für ihre X-Veranstalter Tjaereborg Indi und ITS Indi neuerdings nur noch eine Einstiegsstaffel von 25 % des Reisepreises – die gleiche wie bei Katalogreisen.
Reiserücktrittsversicherung empfehlenswert
Trotzdem empfiehlt es sich bei X-Reisen eine Rücktrittskostenversicherung abzuschließen. Leider ist aber auch die nicht ganz billig, denn die Versicherer haben ihre Preise z. T. drastisch erhöht und an die Stornostaffeln der Veranstalter angepasst. Beispiel ERV, der Reiseversicherer der Ergo: Die Tarife variieren neuerdings mit den Stornogebühren der Anbieter. Reiserücktrittskostenversicherungen für X-Buchungen ab einem Eingangsstornosatz von 40 % gibt es nur noch mit Selbstbehalt. Tipp: Auch bei Reiseversicherungen genau hinsehen und Preise vergleichen.
Die wichtigsten X-Veranstalter – und wer dahinter steckt
Big X-tra: FTI
Byebye: Alltours
FTISpar: FTI
HCX: V-Tours*
JT Touristik: Jasmin Taylor Touristik*
LMX: LMX-Touristik*
TSS: Touristik Service Schürmann/Alltours
ULT: Urlaubstours*
X12FLY: 1-2-fly
X5VF : 5 vor Flug/FTI
XAIR: Air Marin (Thomas Cook AG)
XALL: Alltours-X
XBU: GoBucher/Bucher Reisen
XDER: Dertour
XFTI: FTI
XGLA: Glauch Reisen*
XGTI: GTI Travel Reisen
XITS: ITS Indi
XLMX: LMX-Touristik*
XMWR: Meier's Weltreisen
XNEC: Neckermann
XÖger: Öger Tours
XPOD: Tropo/Opodo
XTJA: Tjaereborg Indi
XTUI: TUI
XTOC: Thomas Cook
VTO: V-Tours*
WTA: W-Travel*
*auf X-Reisen spezialisierte Veranstalter
Quelle: eigene Recherche

