
Autor:
Jürgen Stryjak
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Vom Moloch Kairo durch die Oasen der Westlichen Wüste bis ins berühmte Luxor führt unser dieser Reisebericht unseres Korrespondenten am Nil.
Erbarmungslos müllt die Riesenmetropole Kairo den Arbeitsspeicher unter unserer Schädeldecke zu, bis wegen Überlastung der Befehl erscheint: Schließen Sie eine oder mehrere Anwendungen! Das ist genau der Moment, an dem man Kairo verlassen sollte - ungefähr nach drei Tagen. Der beste Moment, den Hexenkessel Kairo zu verlassen, ist die Zeit nach Sonnenuntergang. Ein paar Kilometer rechts neben den Pyramiden fährt man über den Horizont. Dahinter ist es dunkel. Kairo verschwindet in der Ferne wie eine Fata Morgana - als sei das scheppernde orientalische Las Vegas am Nil nur eine bizarre Spiegelung gewesen.
Fünf Stunden später erreichen wir Bahariya. Die wasserreiche Senke in der endlosen Sahara, knapp 100 Kilometer lang und bis zu 40 Kilometer breit, ist durchzogen von idyllischen, schattigen Palmenhainen und Plantagen mit Dattel- und Olivenbäumen, aufgelockert durch ein halbes Dutzend Siedlungen. In ihnen und im Hauptort Bawiti leben 40.000 Menschen, etwa zwei Drittel davon sind Neusiedler.
Die drei großen S der Moderne - Straßen, Strom und Satellitenschüsseln - katapultierten den Flecken innerhalb weniger Jahre in die neue Zeit. Im Ortskern von Bawiti, zwischen schmucklosen Zweckbauten, Krämerläden und Kaffeehäusern, wartet sogar ein Internetcafé auf die wenigen Besucher. Die Wüste aber ist so nah wie eh und je, das vulkanische Schwarz des Jebel Inglizi (des "Englischen Bergs"), das flirrende Gold der Dünen. Besonders im Frühjahr, wenn die Aprikosenbäume blühen, ist Bahariyas Farbenspiel ein Fest für die Sinne. Genauso wie die Elemente selbst, Wasser, Sonne und Sand - in allen dreien kann man in der Oase herrlich baden.
Das Wasser der vielen Quellen wird in Becken und nach traditionellen Regeln auf die Haine und Felder geleitet. Eine der schönsten Quellen ist die heiße Quelle Bir Ghaba, rund eine Fahrradstunde von Bawiti entfernt und umgeben von Eukalyptusbäumen. Im Sommer, wenn die Wüste Backofentemperaturen erreicht, bietet das "Hot Spring Hotel" des Deutschen Peter Wirth Entschlackungsbäder im Sand an. Ossama Kamel, Bahariyas bester Masseur, knetet und walkt die Körper der Reisenden. Er verwendet das hervorragende Olivenöl der Oase. Es macht die Haut besonders geschmeidig.
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