
Thomas Schmidt
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Verbirgt der Große Sphinx, nahe Kairo gelegen, tatsächlich ein unlösbares Rätsel? Jedenfalls ist allein schon dieses Monument eine Reise nach Ägypten wert.
Das Rätselraten um die wohl größte aus Stein gebildete Skulptur der Welt beginnt schon bei der Grammatik. Der oder die Sphinx? Der in diesem Fall wenig sibyllinische Duden hält sich fein raus, lässt beide geschlechtlichen Varianten zu. Die Expertenschar von Ägyptologen neigt zu d e r Sphinx. Wir auch!
Um ein klares Unterscheidungsmerkmal zwischen der altägyptischen Wächterplastik von Giseh und dem mordenden griechischen Monster gleichen Namens zu haben, das vor Theben hockte und Reisenden, die in die Stadt wollten, eine mehr als hinterfotzige Frage stellte: „Welches Wesen hat morgens vier, mittags zwei und abends drei Beine?“ Wer das vertrackte Rätsel nicht löste, den erwürgte der geflügelte Löwe mit weiblichem Antlitz. Erst die tragische Figur Ödipus schickte die Tochter des Ungeheuers Echidna mit der richtigen Lösung zur Hölle: der Mensch! – als Kind krabbelt er auf allen vieren, als Erwachsener geht er auf zwei Beinen und als Greis stützt er sich auf einen Stock. Die dankbaren Thebaner setzten die krüppelfüßige Sagengestalt postwendend auf den Königsthron.
Rätsel freilich gibt auch der 20 Meter hohe und über 72 Meter lange Sphinx im Sand der ägyptischen Wüste auf. Nur andere. Wen oder was stellt dieser Koloss aus Kalkstein, der einen menschlichen Kopf mit einem Löwenleib koppelt, eigentlich dar? Wem sieht der inzwischen ramponierte Schädel mit den markanten Segelohren und dem in unbestimmte Fernen gerichteten Blick denn nun eigentlich ähnlich? Wie aus dem Gesicht gerissen sei er dem Pharao Chephren (Khafre), behaupten Archäologen fast unisono.
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Diese gängige Lehrmeinung stützt sich vor allem auf die unbestreitbare Tatsache, dass der Große Sphinx neben dem Tal-Tempel der Pyramide jenes Königs der 4. Dynastie (ca. 2520 bis 2494) eine Straße des Tempelbezirks bewacht. Andere Wissenschaftler wie der Ägyptologe Rainer Stadelmann schwimmen gegen den Strom. Für sie stand schon Vater Cheops (um 2530), der bekanntlich die größte aller Pyramiden erbaut hat, Modell für die Darstellung des später als Sonnengott Horemakhet eingestuften Bildwerks.
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