Buenos Aires bietet viel mehr als Steak & Tango. Es ist altes Europa und brennende Leidenschaft. Lässige Bohème und schicke Schale, lebensfroh und tiefschwarz in einem. Unser Reisebericht macht aufregende Entdeckungen zwischen den Vierteln Recoleta, Puerto Madero, Palermo Viejo und San Telmo.
Ein Hauch von Paris und Madrid umweht Buenos Aires in Vierteln wie Recoleta. Vom alten Retiro-Bahnhof zum Friedhof erstreckt sich eine elaborierte Melange aus Paris-St. Germain, Madrid und kleinen Sprenkeln Wiener Jugendstils. Was die verschnörkelten Mausoleen des Cementerio de la Recoleta seit 1822 den Verblichenen offerieren, wollten sich Buenos Aires' Lebemenschen nicht nehmen lassen. Sinnlich und geschmackvoll planten sie die Villen und Boulevards ihrer Stadt.
Und so zeigen Prachtstraßen wie die Avenida Alvear oder die leicht gekrümmte Calle Arroyo, dass ganz Buenos Aires eine Bühne ist. Edle Boutiquen mit Frauen, die sich mit Federboa in die Sonne trauen, finden sich nicht überall. In Recoleta schon. Wie die Typen in weiß gelackten Herrenschuhen, die hauptberuflich zwischen Straßencafés, Kunstgalerien und irgendwelchen Betten pendeln. Blumige Parfums und Café-cortado-Wellen bilden das Duftgemisch der Gegend, dem blaue Zigarillo-Wölkchen männliche Noten verleihen.
Ein bisschen verstecken, aber dabei noch ein bisschen mehr zeigen: Diesem klassischen Erfolgsrezept des Varietés folgen auch Buenos Aires' Avenuen. Prächtige Fassaden und französische Mansarden öffnen sich hinter den Laubkronen-Vorhängen der Platanen. Buenos Aires galt bereits in den 20ern als gelungenstes Abbild der großen europäischen Metropolen. Wer sich im Café "Tortoni" den "kurzen" Café cortado und dazu die abgewetzte Billardkugel gibt, ahnt dies. Auch eine Stippvisite an der Avenida Corrientes, an Argentiniens "Broadway", macht klar: Buenos Aires ist eine Schatztruhe, die sich hinter patinierten Türen und im Glanz der blinden Spiegel alter Stucksäle immer wieder unerwartet öffnet.
Manchmal muss man einfach nur geduldig warten, in etwa so wie die Gäste von Recoletas "La Cabaña", dem besten Steakrestaurant der Stadt. Acht Jahre blieb der maßgeschneiderte Asado-Grill kalt, verstaubten die ausgestopften Rindviecher. Dann öffnete das "La Cabaña" frisch herausgeputzt die eleganten Eisenpforten - und serviert zwischen rustikalen Lederstühlen, Polo-Outfit und zum 1.100 Gramm schweren Gran-Bife-de-Chorizo-Steak auch etwas für den kleinen Gaucho-Gusto der alten Tage.
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