
Autor:
Robert Haidinger
InsiderTipps
Ab in den Süden! Diesmal etwas weiter, in die einzigartigen Naturparadiese zwischen Chile und Argentinien. Ob vom Whirlpool, Pferderücken oder Schiff aus: Unser Reisebericht zeigt Ihnen Patagonien aus ganz unterschiedlichen Perspektiven.
Wie riesige schwarze Finger fahren die langen Schatten über die Estancia Huyliche. Sie tasten über die Terrasse und grapschen nach den leuchtenden Dahlien. Lang und schmal sind denn auch die Bäume, denen der milde Abend dieses Schauspiel verdankt. Die ersten Farmer der Estancia pflanzten Pappeln - wie überall in Patagonien, wo vor allem eins zählt: sich vor dem Wind zu schützen, der einem die Zähne aus dem Gesicht bläst, wie man hier sagt, und das Wellblech von der Hütte reißt; der mit 200 Sachen den Steppengräsern graugrüne Dauerwellen legt und die Vögel rückwärts fliegen lässt. Patagonien ist die Heimat der Winde, doch auf die Pappeln ist immer Verlass. In Reih und Glied stehen sie nun auch um dieses Gehöft zusammen. Eine stramme grüne Armee, die das Rauschen der Blätter verschwörerisch gegen die Launen des wilden patagonischen Himmels erhebt.
Lockerer geben sich die Arbeiter der Farm, die am Rand des Gartens das rostige Gerippe einer Hollywoodschaukel reiten. Die Glut der Kippen windgeschützt in den hohlen Händen, mit den Stiefeln fest am Boden. Drei Hunde sehen ihnen gähnend zu. Der blecherne Wetterhahn über dem Lattenzaun dreht lässig quietschend den Kopf hin und her, blickt abwechselnd aufs satte Lila des Lago Argentino hinunter, dann auf die malerische Abendröte des vom Sommer erhitzten Landes. Staub, Stachelwerk, knochenfarbene Sträucher und weit dahinter die majestätische Kette der Anden als saubere, weiße Zudecke am Horizont.
Nur wenige Pferdeminuten unterhalb der weiß lackierten Zäune des lauschigen Gehöfts mit seinem Eisenofen und Kurbeltelefon erstreckt sich El Calafate, eines der touristischen Zentren Patagoniens und Pforte zum Nationalpark Los Glaciares. Blitzblau leuchtet das eisige Wasser des Lago Argentino tagsüber herauf. Unter den Bäumen der schattigen Alleen, in den Cafés und Cervecerías tummeln sich Trekker aus aller Welt. Die Stadt gilt als Drehscheibe aller Patagonien-Trips. Doch es lohnt sich auch, nur auf einen Drink vorbeizukommen, vor allem, wenn dieser so serviert wird, wie Bernardo das tut. Mit Eis, das er in kleinen Brocken aus dem Moreno-Gletscher kratzt, und auf einem soliden Eisblock als improvisiertem Partytisch. "Whisky on the glacier rocks" ist der malzige Abschiedsgag, den der Guide seinen Gästen serviert - gemeinsam mit einer kleinen Show in Sachen Eisklettern.
Der Platz dafür ist gut gewählt. Wir befinden uns auf der Zungenspitze eines der längsten Eisfelder der Welt. 30 Kilometer weit reicht der spektakuläre Moreno-Gletscher in das Gebirgsmassiv der Anden hinein, als 70 Meter hohe Steilküste fällt er nach vorn hin ab. Blau und hellgrün leuchten seine "Klippen" an dieser Stelle und die ganz enorme Spannung lässt die Eismassen dabei krachen und knurren wie den Magen eines Kolosses auf Diät. Wenn der Riese kalbt und hausgroße Blöcke in den Eiskanal stürzen, hört man dies noch viele Kilometer weiter. Vor Ort haben aber auch die stilleren Momente ihre Reize: Wer in Puerto Bajo de las Sombras auf das Boot zum "Minitrekking" steigt und am anderen Ufer des Eiswasserkanals die Steigeisen anlegt, kann wenig später in glitzernde Tunnels und Grotten eintauchen und dabei blaue Wunder erleben.
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Michael (nicht überprüft) sagte vor 1 Jahr 29 Wochen:
Wow, echt ein genialer Bericht und so herrliche Fotos...
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Sabine Topf (nicht überprüft) sagte vor 2 Jahre 17 Wochen:
Ich habe selten eine so gut geschriebene Reportage gelesen. Diesen Reisebericht würde ich für eine Veröffentlichung empfehlen. Die vergleichende und blumige Sprache imponieren mir sehr.
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