
Autor:
Robert Haidinger
InsiderTipps
Die aufregendste Küste der Welt? Die Great Ocean Road macht den australischen Bundesstaat zum Star. Das Ganze gipfelt bei den Zwölf Aposteln. Dahinter und drum herum gibt es noch viel mehr zu bestaunen. Dichten Regenwald etwa, schneeweiße Traumstrände, 22 Weinbaugebiete und viele Aboriginal-Kultstätten.
Genau betrachtet war die Welle das reine Glück. Denn sie besorgte die nötige Dusche. Victoria hatte mich kurz zuvor mit Erde verschmiert und mit braunem Laub sowie Farnwedeln paniert, als ich die glitschige Böschung zu den Erskine Falls hinunterschlitterte.
Wer am frühen Morgen eine solche Rutschpartie Richtung Wasserfall erlebt, den kann den restlichen Tag nicht viel erschüttern. Auch nicht die Monsterwelle, die sich ein paar Stunden später unerwartet vor uns aufbaut. Nicht, ohne artig „WUSCH“ zu sagen, türmte sich ein fünf Meter hoher weißer Wasservorhang über die Klippen des Great Ocean Drive.
Nun aber steht die „Scenic Heli Tour“ über eine der spektakulärsten Küsten der Welt an, die Great Ocean Road und deren Abschnitt Twelve Apostles – ein Dutzend kühn erodierter, bis zu 60 Meter hoher frei stehender Kalksteinfelsen.
Schlammverschmiert, von Salzwasser gebadet, windgepeitscht – wer so ins Cockpit eines Helikopters steigt, weil der Rundflug längst gebucht ist, mag den „Zwölf Aposteln“ kurz die Show stehlen. Zumindest dem Piloten, der die markanten Klippen blind herunterbeten kann, kam das so vor. „Jesus!“, sagt der Mann am Steuerknüppel. „No, Robert“, nuschelte ich. Doch egal. Ohnehin verzichtet man in solchen Momenten auf Small Talk, blickt lieber andächtig aus dem offenen Heli, hellauf begeistert von einer Küstenlinie, die ihresgleichen sucht.
In langen Wellen hämmert das Meer zum Port-Campbell-Nationalpark herein. Es nagt sich die Küste wie große Knochen zurecht: salzwassergefräste 70-Meter-Säulen aus weißem Kalkstein, die gerade noch für ein erdgeschichtliches Augenzwinkern – für uns sind es Jahrhunderte – in der Gischt verharren. So lange, bis sie dem Schicksal all der anderen Steinsäulen nachfolgen, dort und da bröckeln, um schließlich im türkisblauen Wasser zu versinken.
Shipwreck Coast hießen die 120 Kilometer Küste zwischen Cape Otway und dem westlich gelegenen Port Fairy zur Zeit der großen Segelschiffe. Wo nun Ausflügler über wildromantische Panoramablicke staunen, fielen den schnell aufziehenden Nebeln und kaum übersehbaren Riffen im Laufe weniger Dekaden über 80 Schiffe zum Opfer.
Eines davon, der irische Klipper „Loch Ard“, entzündet dank der Lovestory zweier blutjunger Passagiere bis heute romantische Fantasien: Tom, der sich an Wrackteile klammert und die ebenfalls 18-jährige Eva rettet. Wilde Küste, tosende Gischt, die zwei einzigen Überlebenden ein junges Paar. Genau der Stoff, aus dem schon 1878 Schlagzeilen gemacht wurden.
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