
Autor:
Robert Haidinger
InsiderTipps
Wer schon einmal in Down under war, sollte sich die „linke“ Hälfte des Kontinents auf jeden Fall mal gründlich ansehen. Dabei mit Aboriginals durch die Wildnis der Kimberleys streifen, die paradiesischen Canyons und Wasserfälle des Karijini National Park erkunden, mit Walhaien schwimmen, das Ningaloo Reef entlangschnorcheln und sich Hummer aus Take-away-Schachteln schmecken lassen.
Dort, wo die dicke schwarze Schlange über den roten Staub kroch, erfuhr Neville zuerst davon. Das sirrende Geräusch kam ausnahmsweise nicht von seinem Bumerang, es war eine SMS. Und die Nachricht war keine gute.
Ein Autounfall unten in Broome. Etliche Knochenbrüche, aber sonst war seine Sue wohl ganz okay. Die schwarze Schlange war das Band der Zivilisation, die asphaltierte Straße hinauf nach Kununurra, einem Kaff im Nordosten der Kimberleys.
Neville, mein Guide, bekam nach den stillen Tagen im Busch zuletzt doch die Krise: „Schuld an dem Autounfall war die Höhle der Ahnen“, sagte der australische Ureinwohner. „Ich hätte sie euch auf keinen Fall zeigen dürfen – denn jetzt sind die Geister des Clans erzürnt.“
Wer mit Neville ein, zwei Wochen im Outback verbringt, widerspricht ihm in solchen Momenten nicht. Man hält einfach den Mund. Schluckt das „Ja, aber …“ hinunter wie das am Vorabend servierte Känguru-Stew.
Die Fahrt zu den Termitenhügeln und roten Felsen des Nyikina-Clans ist auch eine Reise in die Spiritualität. Aber eine ohne Dreamtime-Tamtam und Schamanen-Show. Es genügen eine Reifenpanne des Offroaders, ein leerer Benzinkanister – schon stellt sich das starke Gefühl von der gnadenlosen Weite ein, die einen im wilden Nordwesten Australiens auf Schritt und Tritt umfängt.
Leerer Tank und Reifenpanne kommen bei einem Kimberley-Urgestein wie Neville natürlich nicht vor. Aber trotzdem geht man mit ihm irgendwann ein Stück zu Fuß. Staunt über die weiche Milch und die aromatischen Düfte, die er dann aus spitzen Pflanzen holt. Staunt erst über das Dosenbier, das im Kühlschrank des Outback, dem Termitenhügel, trotz brütender Hitze angenehm temperiert bleibt. Wundert sich über die großen, grünen Gourmet-Garnelen, die Neville nebenbei aus flachen Wasserbecken holt und gemeinsam mit frischen Eukalyptusblättern auf die Feuerstelle legt – so, wie es sich fürs Aboriginal-Aroma gehört.
Udialla Springs heißt die Ecke, in der die Nyikina ihr Oongkalkada Wilderness Camp errichtet haben. Ein durchaus bizarrer Ort. Ein paar Container verlieren sich zwischen schattigen Akazien: Blechwürfel für Dusche, WC, Eisschrank, die dem Outback ein wenig Komfort abringen wollen und sich nun wie bruchgelandete Zivilisationsfetzen über den roten Sandboden verstreuen. Dem Charme des Lagers tut das keinen Abbruch. Dafür sorgt schon die „Fototapete“ der umliegenden Wildnis.
Einsam spielt sie in den Kimberleys alle rostroten Stücke. Emus mit langen Modelbeinen, die rosaroten Wolken abrupt aufflatternder Kakadus. Einige Schritte weiter kann man sich im Fitzroy River als Crocodile Dundee betätigen und ein wenig für Garnelennachschub sorgen.
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