
Autor:
Karin Hanta
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Silvester auf den Bahamas
Schau, Pfau, Nassau
Es muss nicht immer Rio sein: Junkanoo, ein farbenprächtiger Weihnachtskarneval auf der Hauptinsel der Bahamas, gilt als Geheimtipp der Karibik.
Zu den Weihnachtsfeiertagen ist in Nassau der Teufel los. Die Junkanoo-Paraden in den frühen Morgenstunden des 26. Dezember und zu Silvester gehören zu den spektakulärsten, jedoch sichersten Feiern in der Karibik.
Einer ihrer Stars ist Matellus Chipman, ein graziler Tänzer im grün-gelben Federkleid. Wie ein Pfau dreht und wendet er sich vor dem Publikum auf der Bay Street, der Hauptstraße von Nassau. Schweißperlen laufen über seinen perfekt geformten Brustmuskeln. Sein aufreizender Blick fährt direkt in den Beckenboden der kurvigen „Bahama Mama“ im Zuschauerraum, die ihre Hüften gleich noch schneller zum „Kalik, Kalik“-Rhythmus der Trommeln bewegt.
Matellus Chipman ist einer von zirka 10.000 lebensfrohen Nassauern, die sich monatelang auf die beiden Junkanoo-Umzüge vorbereiten. Sieben verschiedene Gruppen treten in farbenprächtigen Kostümen zum kreativen Wettkampf an. Bereits im Februar, zehn Monate vor dem Spektakel, wählen die Führungsmannschaften der Gruppen „Valley Boys", „Shell Saxon Superstars", „Roots", „One Family" und „Music Makers" ihre Themen aus. Fieberhaft bereiten sie die ausgeklügelten Papiermaché-Kostüme und Styroporattrapen in ihren „shacks“ vor. Nimmermüde Finger bringen tausende Pfund Pailletten an fantastischen Kreationen an. Flinke Hände kleben Millionen Meter Krepp auf Kopfschmuck, Kronen und Kleider.
In der Vorweihnachtszeit wandeln sich die „shacks“ dann zum 24-Stunden-Betrieb. Viele Männer nehmen sich drei oder vier Wochen frei, um die mühevolle Kleinarbeit bewältigen zu können. Die Musiker und Tänzer finden sich Wochen vorher auf Sportplätzen ein, um Rhythmen, Melodien und Schrittfolgen zu üben. Breitstämmige Jungs mit Rastazöpfen hämmern wie in Trance auf Ziegenhauttrommeln und längliche Kuhglocken. Zierliche Girls nehmen wunde Zehen in Kauf, wenn sie die Zwei-Schritt-vor-einen-zurück-Poshake-Poshake-Poshake-Folge bis zum Umfallen einstudieren. „Smile as if you like it,“ brüllt sie der Trainer von der Seite an.
„Junkanoo ist das Feuer, das tief in unserer Seele brennt,“ beschreibt Darlene Davis, vormals „Miss Bahamas,“ das Gefühl, das alljährlich in ihr erwacht. Die Wurzeln dieses ausgelassenen Treibens reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Damals bekamen die versklavten Menschen zu Weihnachten drei Tage frei, in denen sie ein großes Tanzritual veranstalteten. Im 20. Jahrhundert wurde Junkanoo, dessen Name sich angeblich von dem des amerikanischen Stammeshäuptling John Canoe herleitet, zum politischen Ausdrucksmittel. Der nunmehr befreite schwarze Bevölkerungsanteil trommelte und dröhnte sich durch die vornehme Bay Street, um die dort sesshaften weißen Geschäftsmänner und Politiker wissen zu lassen, „Mit uns ist auch zu rechnen!“ Im Gegensatz zu Trinidad oder Rio brauchen Reisende jedoch keine Angst zu haben, bei dieser Parade in den Nachtstunden allein durch die Straßen zu wandern. Dazu ist der Umzug auf ein zu kleines Areal beschränkt. Ab drei Uhr früh groovt sich die Menge durch die zwei Hauptstraßen im Zentrum von Nassau. Bis 11 Uhr vormittags dauert das bunte Treiben. Polizisten patrouillieren dabei aufmerksam durch die Bay und Shirley Street und scheuen sich bisweilen auch nicht, mit ihren Bambusstöcken einen rumduseligen Streit zu schlichten.
„Ein Tribut an unsere Nationalhelden“ lautet das Thema der „Saxon Superstars". Überlebensgroße Attrappen von Sportlern und Sportlerinnen winken von einem Podest, das auf Rädern vor den Zuschauern auf der Tribüne gezogen wird. Mit einem großen Krach explodiert die Straßenlampe, als die Valley Boys anschließend Feuerwerkskörper in die Luft schießen. Ihr Thema: „Mystische Reise in den Orient.“ Weiß haben sie sich ihre braunen Gesichter gestrichen, um auch „echt asiatisch“ auszusehen. Heerscharen von Geishas grinsen in die Menge. Gus Cooper, schon seit vierzig Jahren Gruppenführer, hat sich wie ein echter Kaiser in einen roten Seidenmantel gehüllt. Die Menge johlt, als er seine typischen Streifkreuztanzschritte absolviert. „Da Valley!“ tönt es von allen Seiten. Diese Weihnachten tragen die „Valley Boys" ihren Siegerpreis heim. „Unfair,“ beschwert sich Percy „Vola“ Francis, der Anführer der „Saxons". „Wir hatten gegen Wind zu kämpfen. Und Feuerwerkskörper sind bei Junkanoo außerdem nicht erlaubt.“
Zu Silvester will er sich revanchieren. „All You Need dis Love“ haben die „Saxons" als Thema der Neujahrsparade gewählt. Die Bläserband trimmt das Beatles-Lied auf Calypso. Die Liebe fährt bei der Jury und den Zuschauern ein. „To Sir with Love“ prangt auf einem riesengroßen Herz, das ein Paradeteilnehmer auf seinen Schultern schwingt: ein Tribut an Sidney Poitier, den berühmtesten Sohn der Insel, der im gleichnamigen Film die Hauptrolle spielte. Von einer Dachterrasse winkt V.I.P-Gast Michael Jordan den „Saxons" begeistert zu. Da können die „Valley Boys" nicht mithalten. Ihr Thema „Money Makes the World Go Round“ und die dazugehörigen Bankräuber reißen die Leute nicht so vom Hocker wie der Dickwanst mit dem nackten Oberkörper und rosa Napoleonhut, der sich ausgiebig in der Zuschauergunst badet. Silvester gehört wieder den „Saxons", der Rhythmus und die „Vibes“ jedoch allen.
Unterkunft
Atlantis
Dieses Mega-Resort könnte Las Vegas entsprungen sein: Mehrere Pools und Strände, Bars, Wasserparkkasino, Schwimmen mit Delfinen, Schnorcheln bei „atlantischen“ Ruinen und 14 Wasserrutschen, davon eine die steilste der Welt. www.atlantis.com
British Colonial Nassau
In diesem Hotel hätte Graham Greene absteigen können: Marmor und Edelhölzer, soweit das Auge reicht; Privatstrand, Pool, Fitnesscenter, Zimmer mit Meeresblick. Relativ günstige Angebote. www.hiltoncaribbean.com
Sivananda Yoga Retreat
Ashram auf Paradise Island mit unglaublichem Strand. Zeltplätze, Zimmer (zum Teil mit Meeresblick), moderate Preise. Vegetarische Kost, kein Alkohol und keine Zigaretten auf dem Anwesen gestattet. Gäste sollten jedoch am Meditations- und Yoga-Programm mitmachen. www.sivanandabahamas.org
Dining
Dune
DER Gourmettempel der Insel im exklusiven "One and Only Ocean Club". Der New Yorker Starkoch Jean-Georges Vongerichten eröffnete hier eine Filiale. Bahamaische Fischspezialitäten bereitet sein Team hier mit einem Schuss Asien zu: Krabbensalat mit Mango und Kreuzkümmel, Thunfischsteak in Reispapier und Lachs mit Tomatengalangal. http://oceanclub.oneandonlyresorts.com
Ausflüge
Stuart Cove
Taucherclub an der South Ocean Side. Betreibt die originellen S.U.B. (Scenic Underwater Bubble), kleine, motorrad-ähnliche Fahrzeuge, mit denen man bis zu 6 Meter unter Wasser ohne Sauerstoffflaschen Fische schauen kann. www.stuartcove.com
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