
Autor:
Olivier Geissler
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Nur wenige Besucher verirren sich in Botswanas Central Kalahari Game Reserve. Während der Regenzeit erstrahlt die Halbwüste in sattem Grün. Das erfreut die Buschmänner und erlaubt zahlreiche Tiersichtungen, weiß der Autor dieses Reiseberichts.
Mit ohrenbetäubendem Krachen entlädt sich die geballte in der Luft angesammelte Energie. Senkrecht und waagrecht zucken Blitze über den Horizont. Tiefschwarze Wolken verdunkeln den afrikanischen Himmel. Etwa 50 Kilometer südöstlich von uns tobt ein fürchterliches Gewitter. Den ganzen Tag schon haben sich die Wolken zu riesigen Säulen aufgetürmt. In der Ferne sind deutlich die Regenschleier zu erkennen. Vor der Kulisse des Unwetters wirken die Silhouetten der Akazien wie Scherenschnitte. Regenzeit in der Kalahari. Und das soll die berüchtigte, trockene Halbwüste sein?
Es ist nicht das erste Mal, dass uns die Kalahari überrascht. Schon zu Beginn unserer Safari, beim Anflug, werde ich überrumpelt. Während ich gebannt an der Scheibe klebe, bricht links unter uns eine Mischung aus Zebra und Ziegenbock mit Zorromaske und Speergeweih durchs Dickicht. Eine Oryx-Antilope, lasse ich mich aufklären. "Oryx", wiederhole ich kleinlaut, "na klar". Ich bin noch keine zwei Stunden in Botswana und schon reicht mein Standard-Tierparkwissen nicht mehr aus. Landen können wir übrigens auch nicht sofort. Ein sportliches Vogelstraußpaar liefert sich just zum Zeitpunkt unseres Landeanflugs ins Nirgendwo ein spannendes Wettrennen auf der sandigen Landepiste.
Unser Vehikel steht schon bereit. Auto oder Jeep kann man das grüne Ungetüm kaum nennen. Zehn Leute samt Gepäck bringt der verlängerte Buschtransporter locker unter. Wie sich im Laufe der Fahrt herausstellen wird, ist die Kiste, ein im Eigenbau zusammengeschweißter Kraftprotz mit 280 PS und etwa einer Tonne Gewicht, absolut zuverlässig. Auch den Anhänger mit einem Teil des Proviants und dem 1.000-Liter-Wassertank zieht er mühelos durch trockene Sandpisten, stachelübersäte Kalkwege oder glitschige Schlammböden. Trotzdem können wir nicht die gesamte Ausrüstung mitschleppen. Die Campcrew, bestehend aus Buschkoch, Campmanager und zwei Helfern, ist voraus gefahren, um das Nachtlager vorzubereiten.
"Über euch sind Dachluken", ruft uns Willem, der Guide, von vorn zu. Also nichts wie rauf aufs Dach. Noch ist es frisch. Der Fahrtwind pfeift einem ins Gesicht. Erwartungsvoll schwenkt der Blick von rechts nach links. Aber auch wir werden beobachtet: Zwei Warzenschweine fordern uns zum Wettrennen heraus. Mühelos halten die Tiere die Geschwindigkeit des Busch-Trucks, bevor sie gelangweilt rechts ausbrechen und sich wieder in den Busch schlagen.
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